Corona: Wie kommen Kinderseelen heil durch die Krise?

Die Kitas sind zu, die Schule fällt aus bzw. findet der Unterricht jetzt (teilweise) zu Hause statt. Wunderbar, den ganzen Tag mit Mama und Papa zu Hause – man sollte doch denken, dass Kinder gerade eine ziemlich gute Zeit haben, oder? Leider ist es aber nicht immer so. Es kann auch das genaue Gegenteil auftreten und diese verrückte Zeit um Corona kann die zarten Kinderseelen ganz schön mitnehmen…

Was kann das Problem an der Corona-Krise für Kinderseelen sein?

In allen Medien geht es nur noch um Corona. Dazu gibt es Bilder von Menschen in Schutzanzügen und Atemmasken, in schlimmsten Fall sind Bilder aus überfüllten Krankenhäusern oder gar von Särgen zu sehen – machen wir uns nichts vor, Kinder bekommen das mit. Dazu sprechen auch die Eltern darüber. Und außerdem hat sich der Alltag der Kleinen total verändert: Kitas und Schulen sind geschlossen, die Eltern arbeiten vielleicht zu Hause, Freunde und Großeltern sehen sie zur Zeit höchstens per Videotelefonie.

All das kann Kinder zutiefst verunsichern.

Kinder können ihr Verhalten komplett verändern

Jedes Kind ist ein eigene kleine Persönlichkeit, daher empfindet auch jedes Kind die veränderte Situation anders. Und wie das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in einem Infoblatt schreibt, reagiert eben auch jedes Kind ganz individuell auf Stress oder Belastungen. So können derart verunsicherte Kinder sich unwohl oder müde fühlen, unruhig, nervös oder ängstlich reagieren. „Sie können gereizt, aggressiv oder auf andere Weise ,anders‘ sein als üblich. Möglicherweise lassen Appetit oder Konzentration nach, oder die Einschlaf- und Schlafroutinen sind verändert. Einige Kinder können Verhaltensweisen zeigen, die ihrem Entwicklungsstand eigentlich nicht mehr angemessen sind: Sie sind besonders anhänglich, reagieren stark auf Abschieds- oder Trennungssituationen oder sprechen wieder in Babysprache. Manchmal kann es sein, dass Kinder wieder einnässen oder einkoten. Auch andere körperliche Symptome wie Übelkeit, Bauch- oder Kopfschmerzen können auftreten.“

Eltern sollten sich also nicht wundern, wenn sich ihr Kind anders verhält als sonst – sondern für ihre Mäuse da sein.

Chaos durch Corona – was kann Kinderseelen jetzt helfen?

1. Eine klare Tages-Struktur

Keine festen Termine, ganz viel Zeit für alles…. Der verordnete „Hausarrest“ kann leicht dazu verleiten, die Tage so vor sich hinplätschern zu lassen. Ist ja an sich auch schön, wann kann man das schon mal? Allerdings tut es Kindern, die unter der aktuellen Situation leiden, gut, ganz viel Struktur in ihrem Tagesablauf zu haben. Sie fühlen sich dadurch sicher und geborgen in dieser verrückten Zeit und haben etwas, woran sie sich orientieren können. Natürlich muss nicht alles auf die Minute durchgeplant sein – aber wie wäre es zum Beispiel, wenn die Familie einen Morgenkreis macht, in dem sie ein Lied singt und den kommenden Tag bespricht? Es vormittags dann einmal eine halbe Stunde Sport gibt, um zwölf Uhr Mittagessen und danach eine kleine Pause mit Hörspiel? Es gibt 1001 Möglichkeiten, erlaubt ist, was allen gefällt – es tut aber wirklich gut, den Tagen einen wiederkehrenden roten Faden zu geben. Ganz klar: Dazu gehören natürlich auch Zeiträume, in denen Kinder frei spielen oder sich entspannen können.

Besonders toll ist es, wenn die ganze Familie einen Plan zusammen aufstellt und jeder Mitspracherecht hat. Im Internet findet man tolle Vorlagen für Stundenpläne zum ausdrucken, diese können dann gemeinsam gefüllt werden. So kann jeder jederzeit gucken, was der tag so bringt.

2. Corona und Kinderseelen: Offen miteinander sprechen

Wie schon gesagt: Kinder bekommen sowieso mit, dass etwas nicht stimmt. Und schnappen hier Teile der Nachrichten und dort Fetzen der elterlichen Gespräche auf. Deswegen ist es wichtig, offen mit ihnen über Corona zu sprechen. Dafür sollte man sich viel Zeit nehmen.

  • Zuerst sollten Eltern herausfinden, was ihr kleiner Schatz schon weiß – das ist nämlich häufig mehr, als man annimmt! Diese Dinge kann man dann prima aufgreifen und genauer erklären – oder auch richtigstellen. Ganz wichtig ist es dabei, die Ängste des Kindes nie zu verharmlosen oder lächerlich zu machen. Das beste Signal: Es ist ganz normal, sich vor etwas zu fürchten!
  • Eltern sollten versuchen, ihrem Kind in einer altersgemäßen Sprache das Virus, seine möglichen Folgen und die aktuelle Situation zu erklären.
  • Und übrigens: Wenn man einige Fragen nicht beantworten kann, ist das nicht schlimm! Nicht spekulieren – lieber versuchen, die Antwort gemeinsam mit dem Kind herauszufinden! Beim Robert-Koch-Institut oder auch bei Unicef gibt es seriöse Infos rund ums Thema.
  • Wichtig: Ist das Kind schon älter und alleine im Internet „unterwegs“ sollte man ihm erklären, dass es dort viele, viele unseriöse Quellen gibt, denen es nicht vertrauen sollte und die häufig erschreckende, aber rein erfundene „Fake-News“ verbreiten. Solche werden übrigens auch gerne über WhatsApp und Co. verbreitet.
  • Man sollte dem Kind erklären, dass seine Familie und es selbst wahrscheinlich nicht krank werden. Und dass die meisten Menschen, die sich doch mit Corona angesteckt haben, nicht schwer krank werden. Es wird Tag und Nacht daran gearbeitet, Menschen zu schützen – und mit der geschlossenen Kita/Schule und verschobenen Spiel-Dates tut die Familie ganz viel dafür, dass bald alles wieder normal ist.

Es ist ganz wichtig, dass Eltern ihren Kindern signalisieren, dass diese jederzeit mit Fragen und Sorgen zu ihnen kommen können.

Genauso wichtig, wenn auch leichter gesagt als getan, ist es, dass Eltern selbst gelassen bleiben – denn Kinder haben feinste Antennen. Sie spüren genau, wenn ihre Eltern besorgt oder gestresst sind. Deswegen sollten Eltern in dieser Zeit auch auf sich achten und in aller Ruhe mit jemanden (dem Partner, Freunden am Telefon…) über ihre Sorgen sprechen.

Nach den Gesprächen sollten Eltern ihre Kinder beobachten: Wie geht es ihnen? Hat es die Informationen gut aufgenommen? Oder wirkt es (noch) nachdenklicher oder bedrückt? Dann sollte noch einmal sanft nachgehakt werden.

3. Bewegung und frische Luft

Kinder wollen die Welt entdecken … und werden dabei gerade enorm eingeschränkt. Auch das ist ein großes Problem an der Zeit mit Corona, das Kinderseelen belastet. Eltern sollten dafür sorgen, dass ihre Kinder sich körperlich betätigen und Zeit an der frischen Luft verbringen können. Natürlich immer unter der Berücksichtigung der aktuellen Einschränkungen. Es gibt z. B. online tolle angeleitete Sportkurse für Kinder (z. B. bei Alba Berlin) – und wenn es die Größe des Wohnraumes zulässt, kann man drinnen z. B. einen tollen Parcours aus Stühlen etc. aufbauen.

Draußen kann man eine Radtour machen, einen Spaziergang mit der „Kernfamilie“ oder ein Mama-Papa-Kind-Fussballmatch im Hinterhof…. Es gibt Möglichkeiten, frische Luft zu schnappen und sich auszupowern.

4. Ein gemeinsamer Alltag verbindet

Kleine Aufgaben im Haushalt machen stolz, vermitteln einen normalen Alltag und zeigen Kindern: Ich bin ein wichtiger Teil dieser Gemeinschaft. Wer hat wann Tischdienst, wer räumt wann den Geschirrspüler aus? Eltern und Kinder können zusammen kochen, Wäsche falten, Kekse backen… Für mehr gemeinsame Zeit und vor allem en wenig Normalität!

5. Möglichkeiten zum Rückzug

Auch Kinder brauchen manchmal ihre Ruhe. Warum nicht eine Höhle bauen? Aus Kisten, Decken, Kissen, Stühlen…. Man kann sich wunderbar vorstellen, dass das ein Prinzessinnen-Schloss oder eine Räuberhöhle ist. Hier darf dann gekuschelt, gespielt, vorgelesen werden – aber eben auch mal ganz alleine gedöst oder einem Hörspiel gelauscht.

6. Corona – Kinderseelen brauchen jetzt Nähe und Liebe, Liebe, Liebe

Die Eltern sind – jetzt mehr denn je – der Fels in der Brandung, die rettende Insel im aktuell sehr merkwürdigen Leben der Kinder. Sie sollten sich alle Zeit der Welt nehmen. Sich im Homeoffice auch mal stören lassen, wenn sich kleine Arme nach ihnen ausstrecken. Kuscheln, toben, vorlesen, singen, Quatsch machen… Zur Seite rücken, wenn das Kind nach Monaten oder Jahren nachts auf einmal wieder ins Elternbett schlüpft.

Zuhause soll man sich jetzt rundum wohlfühlen, auch mal lauter und wilder als sonst sein dürfen.

Mit diesen Tipps, viel Geduld und einer Menge Kuscheleinheiten geben Eltern ihren Kindern die bestmögliche Basis, um diese stürmischen Zeiten gut zu überstehen.

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Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer fünfjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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Kommentare

  1. […] Ach, diese verrückte Zeit der Corona-Pandemie. Was haben mich diese Einschränkungen genervt, auch, wenn ich ihre Notwendigkeit verstehe… Was hat mich die rasante Verbreitung des Virus das Fürchten gelehrt, besonders, wenn man all die Meldungen der Schicksale weltweit mitbekommen hat…. Und was hat mir unser Umgang mit der Situation meiner Tochter gegenüber Kopfzerbrechen bereitet: Wie erklären wir ihr das alles, wie können wir ihr Halt geben in diesem ungewohnten Alltag… […]

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