Wachstumsstörung: Ist mein Kind zu klein?

„Ihr Kind ist auffällig im Wachstum“ sagte der Kinderarzt zu unserem Echte Mamas-Community-Mitglied Anna über ihre damals 3-jährige Emmi. „Das traf mich. Ich wusste, dass meine Tochter eher klein war, aber auffällig…?“, erinnert sich Anna.

Wir Mamas lieben unsere Kinder ganz genau so, wie sie sind. Aber bei so einem Satz machen wir uns natürlich Gedanken, ob sie sich altersgerecht entwickeln – und ob wir alles richtig machen. Gerade das Wachstum ist ein sehr sensibles Thema, das viele Mamas beschäftigt. Klar ist: Jedes Kind ist anders, und jedes Kind wächst auch anders. Manche schneller, und manche eben langsamer. Wie groß ein Kind später einmal wird, hängt von vielen Faktoren ab – zum Beispiel von der Körpergröße der Eltern. Eine eher kleine Körpergröße ist also nicht immer gleich ein Grund zur Sorge.

Die Größe der Kleinen: Etwas, was viele Eltern ganz genau beobachten – manchmal auch mit Sorge.

Die Größe der Kleinen: Etwas, was viele Eltern ganz genau beobachten – manchmal auch mit Sorge. Foto: privat

Ist dein Kind aber wirklich deutlich kleiner als andere Kinder in seinem Alter oder stellt der Kinderarzt wie bei Emmi Auffälligkeiten im Wachstum fest, solltest du genauer hinsehen: Es könnte eine Wachstumsstörung dahinterstecken. Das fehlende Wachstum kann ausgeglichen werden – aber nur, wenn die Störung rechtzeitig erkannt und behandelt wird. Auch die Initiative www.demlebengewachsen.de rät deshalb, bei Auffälligkeiten lieber früher als später mit einem Arzt über die eigenen Bedenken zu sprechen und die Ursachen abzuklären.

Emmi lag auf der untersten Perzentile

Kinderärzte vermerken das Wachstum eines Kindes auf einer Perzentilkurve. So können sie leichter erkennen, wie es sich im Vergleich zu anderen Jungen und Mädchen im gleichen Alter entwickelt. Die oberste Linie zeigt das durchschnittliche Wachstum für große Kinder, die unterste das durchschnittliche Wachstum für kleine Kinder. Der Kinderarzt berechnet eine individuelle Zielgröße für jedes Kind, das dann möglichst auf seiner individuellen Perzentilkurve wachsen sollte. Und die liegt bestenfalls zwischen den beiden äußersten Vergleichskurven und verläuft parallel zu ihnen. Länger andauernde Abweichungen oder Werte außerhalb der äußersten Perzentilkurven deuten auf eine Wachstumsstörung hin.

Emmi lag genau auf der untersten Perzentile. „Das müssen wir im Auge behalten, sagte der Arzt zu mir“, erinnert sich Anna. „Ich bin selbst nur 1,60 m groß, deshalb hatte ich mir nie Gedanken darüber gemacht, dass Emmi zu klein sein könnte. Aber als der Arzt seine Besorgnis äußerte, war ich dann doch alarmiert.“

Eine Hormonstörung kann Ursache für eine Wachstumsstörung sein

Alle drei Monate musste die kleine Emmi fortan zur Kontrolle. Die Werte veränderten sich nicht. „Deshalb riet der Arzt uns, eine Blutuntersuchung zu machen, bei der man sehen kann, ob vielleicht eine Fehlfunktion der Schilddrüse vorliegt oder etwas mit dem Wachstumshormon nicht in Ordnung ist“, erzählt Anna. Das Wachstumshormon sorgt dafür, dass Knochen, Zähne, Muskeln und Organe wachsen. Produziert die Hirnanhangdrüse nicht genügend oder gar kein Wachstumshormon, spricht man von einem Wachstumshormonmangel. Der kann ganz verschiedene Ursachen haben, etwa angeboren sein oder auch durch eine chronische Krankheit entstehen. Behandelt wird er von einem Spezialisten (einem pädiatrischen Endokrinologen) durch die Gabe von Wachstumshormonen, die dann das natürliche Wachstum und die natürliche Entwicklung des Kindes unterstützen. Die Blutwerte von Emmi waren dann aber doch unauffällig. „Ich war erleichtert und dachte mir: Meine Tochter wird vielleicht kein Riese – aber sie ist gesund. Ich hakte das Thema innerlich ab“, sagt Anna.

Beim Geschwisterchen wiederholten sich die Sorgen: Der Arzt prognostizierte Leo eine Körpergröße von nur 1,60 m

Dann kam ihr Sohn Leo zur Welt. Und seine Körpergröße lag sogar unterhalb der letzten Perzentilkurve.

Der Blick ins U-Heft und auf die vergleichsweise kleine Körpergröße alarmierte Emmi.

Der Blick ins U-Heft und auf die vergleichsweise kleine Körpergröße alarmierte Anna. Foto: privat

„Da habe ich mir dann wirklich Sorgen gemacht, ob er eine Wachstumsstörung haben könnte“, erzählt Anna. Der Kinderarzt prognostizierte Leo eine spätere Körpergröße von nur 1,60 m. „Er sagte noch, dass es für Jungs ganz schlimm sei, so klein zu sein“, erinnert sich Anna. „Und ich will natürlich auch nicht, dass Leo sich später schlecht fühlt oder gehänselt wird. Dass er vielleicht fragt: Warum bin ich so klein und warum habt ihr nichts dagegen gemacht?“

Tatsächlich kann in solchen Fällen ein Spezialist helfen. Kinderendokrinologen sind auf das Thema Wachstum spezialisiert. Sie untersuchen das Kind und analysieren alle Faktoren, um Gewissheit zu schaffen, ob eine Wachstumsstörung vorliegt, oder die geringe Körpergröße vielleicht andere Ursachen hat und sich von selbst wieder reguliert. Leos Wachstum zog dann nochmal an. „Er wächst aktuell zwar langsam, aber auf seiner individuellen Kurve konstant“, sagt Anna. „Das wäre bei einer Wachstumsstörung wohl nicht so.“ Andere Mütter sprechen sie trotzdem immer wieder an. Wundern sich, wie klein Leo für sein Alter ist. Anna irritiert das. „Das Thema nimmt irgendwie kein Ende.“ Nach der nächsten U-Untersuchung will sie deshalb auch Leos Blut überprüfen lassen. „Ich wünsche mir einfach Gewissheit. Nur dann können wir ja auch angemessen reagieren. Bei aller Anspannung beruhigt es mich zu wissen, dass man einen Hormonmangel mit Wachstumshormonen ausgleichen könnte“, sagt sie.

Unbedingt zu den regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen gehen!

Ihr Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt wahrzunehmen: So können wir mögliche Abweichungen im Wachstum frühzeitig erkennen, sie beobachten und im Zweifel etwas  unternehmen. Sollte eine Behandlung nötig sein, ist die umso effektiver, je rechtzeitiger sie beginnt. Denn während der Pubertät lässt das dann gebildete Sexualhormon die Knochen reifen und das Wachstum ist abgeschlossen. Ab dann kann Wachstum nicht mehr nachgeholt werden. Annas Appell an andere Mamas lautet deshalb: „Lasst euch nicht verrückt machen, aber seid aufmerksam und hört auf euer Bauchgefühl. Scheut euch nicht, mit dem Kinderarzt über eure Sorgen zu sprechen und zieht im Zweifel einen Spezialisten zu Rate. Wachstumsstörungen sind kein Weltuntergang, man kann ja was dagegen tun!

Anzeichen für eine mögliche Wachstumsstörung

  • Dein Kind ist bei der Geburt kleiner als andere Neugeborene und/oder zählt zu den 3 Prozent der kleinsten Neugeborenen (unterhalb der P3-Kurve).
  • Du hast das Gefühl, dass dein Kind im Vergleich zu seinen Geschwistern oder zu anderen Kindern seiner Altersgruppe auffällig klein ist.
  • Anhand der Perzentilkurven im Gelben Heft hast du den Eindruck, dass dein Kind unter der für sein Alter adäquaten Körpergröße liegt. (Wichtig: Das Kind sollte in erster Linie auf seinem familienbezogenen Perzentil wachsen)
  • Du hast den Eindruck, dass dein Kind weniger Energie und Muskelmasse hat und sich weniger bewegt als andere gleichaltrige Kinder.
  • Dein Kind hat verspätete Zahndurchbrüche oder Zahnwechsel, ist weniger leistungsfähig und belastbar als Gleichaltrige oder hat ein vermehrtes Unterhaut-Fettgewebe, insbesondere am Rumpf.

Wichtige Infos rund um das Thema Wachstum und Wachstumsstörungen bei Kindern findest du auch auf www.demlebengewachsen.de.

Vitesse Schleinig

Aus der Münchner Verlagswelt kam ich vor rund zehn Jahren in die Hamburger Online-Welt, wo ich seither texte, was die Tastatur hergibt. Das Leben mit meinem Mann und unserem 3-Jährigen nehme ich mit Humor, Liebe – und viel Yoga. Und ich bin überzeugt, dass aus willensstarken Kindern großartige Erwachsene werden. Ganz bestimmt!

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