Gerade die Beziehung zwischen Mamas und ihren Mädchen ist oft von starken Gefühlen geprägt. Kein Wunder, dass es da auch mal kracht – gerade in der Pubertät, wenn die Töchter die innige Bindung (zumindest vorerst) auflösen wollen. Manchmal liegt aber mehr im Argen, als dass Mama gerade mal nervt und nicht versteht, dass man im Herbst mit bauchfreiem Top zu Schule muss. Doch manchmal gibt es ungute Verstrickungen, in denen toxische Mütter das Selbstwertgefühl und die Selbstwahrnehmung ihrer Kinder bis ins Erwachsenenalter negativ beeinflussen. Woran du erkennst, ob du betroffen bist, und wie du dich schützt, erfährst du hier.

Mutterliebe ist nämlich gar nicht so selbstverständlich, wie wir immer annehmen.

Einige von uns haben Glück gehabt, manche von uns kämpfen heute noch mit einer Mutter, die narzisstisch, lieblos, zu übergriffig, zu distanziert ist. Das sind zum Teil sehr verschiedene Eigenschaften. Doch eines haben sie gemeinsam: Wer sie hat, kann keine echte, gesunde Bindung zu seinem Kind aufbauen. Stattdessen entsteht oft eine toxische Mutter-Tochter-Beziehung. Als betroffene Tochter fühlst du dich nie wirklich angenommen und geliebt, wie du bist. Womöglich hast du vielleicht heute noch Probleme, in Beziehungen eine gesunde Nähe (oder Distanz) zuzulassen.

Vielleicht sorgst du dich auch darum, ähnliche Muster mit deiner Tochter – bzw. generell deinen Kindern – zu wiederholen. Zum Glück muss nichts davon so sein oder bleiben.

Typische Erfahrungen von Töchtern in toxischen Mutter-Tochter-Beziehungen:

  • „Sie nimmt mich gar nicht wahr.“

    Lob für die Schulnoten? Fehlanzeige. Du hast gesagt, du hast keinen Hunger, und trotzdem steht plötzlich Essen vor deiner Nase? Da hat wohl jemand nicht zugehört. Wenn die Mutter sich derart gleichgültig zeigt, kämpfst du als Tochter oft besonders stark um Aufmerksamkeit, entweder durch auffälliges Verhalten oder noch bessere Leistungen. Fatalerweise bewirkst du damit oft – nichts. Möge der Teufelskreis beginnen.

  • „Sie will alles bestimmen.“

    Fällt deine Mutter in diese Kategorie, kannst du dir zumindest ganz SICHER sein, dass du Feedback bekommst. Das klingt erstmal nach dem Gegenteil von Gleichgültigkeit. Aber hinter einem Übermaß an Kontrolle verbirgt sich oft der Wunsch, die Tochter möge ganz nach den eigenen Maßstäben funktionieren. Hierzu gehören etwa auch Mütter, die durch ihre Kinder und deren Erfolge leben („Tennismutter“)  –  möglicherweise das, was ihnen selbst nicht gelungen ist. Es scheint, als stünde das Kind im Mittelpunkt von allem, dabei geht es eigentlich um die Mutter. Dabei kann es zu einer unguten Verschmelzung kommen. Bist du betroffen, war die Nestflucht für dich sicher eine Herausforderung. Ebenso schwierig kann es sein, ein Gefühl für die eigene, unabhängige Identität zu bekommen.

  • „Sie kann sehr charmant sein, aber auch echt fies.“

    Die narzisstische Mutter ist viel zu sehr mit sich und ihrer Außenwirkung beschäftigt, um sich in dich einzufühlen. Oft ist sie in ihrem Umfeld recht beliebt, weil sie gelernt hat, die Fassade aufrecht zu erhalten. Besonders verwirrend kann ihr Verhalten für dich gerade dann sein, wenn sie sich mal sehr nett und dann wieder richtig fies gibt. Solange du ihr positives Selbstbild bestärkt, kann sie charmant zu dir sein – gerade in der Öffentlichkeit („Bin ich nicht eine tolle Mutter mit einem tollen Kind?“). Womöglich fragst du dich dann, warum du dich trotzdem unsichtbar fühlt. Versuchst du, mit deiner Mutter darüber zu reden, schlägt die Stimmung schnell um. Vielleicht wird sie sarkastisch („Ooooch, bist du jetzt etwa wieder beleidigt“) oder schnippisch („Stell dich nicht so an, das stört niemanden außer dich“). Denn wenn sie eines nicht erträgt, ist es, wenn ihr (positives) Selbstbild in Frage gestellt wird.

  • „Sie macht mich immer nur runter.“

    Aggressive, beinahe feindlich auftretende toxische Mütter treten mit dir in den Ring. Zumindest fühlt es sich manchmal so an, als stecke man mitten in einem Kampf, in dem man ständig den Kürzeren zieht. Diese Mütter vermitteln dir den Eindruck, im Recht zu sein. Sie reden dir und sich selbst ein, dass deine Mängel die Dauerkritik (oder echte Beleidigungen) manchmal auch unter der Gürtellinie notwendig machen. Das Perfide: Irgendwann glaubst du das womöglich selbst, dass mit DIR etwas nicht stimmt. Das schädigt nicht nur dein Selbstwertgefühl.  Es kann außerdem verhindern, dass du anderen vertraust. Und vielleicht witterst du hyperempfindlich in jedem noch so harmlosen Kommentar eigentlich wohlmeinender Menschen den nächsten persönlichen Angriff.

  • „Mal schmiss sie für mich den tollsten Kindergeburtstag, mal vergaß sie ihn.“

    Das klingt zunächst ein bisschen nach der narzisstischen Mutter. Aber Unzuverlässigkeit kann auch ganz andere Ursachen haben. Eine unberechenbare Mutter kann dir sogar mehr zusetzen, als eine zuverlässig weniger nette Mutter – es sei denn natürlich, diese ist verbal oder körperlich übergriffig. Kinder brauchen nun einmal Verlässlichkeit, um später selbst zuverlässige Bindungen aufzubauen. Falls auf deine Mama nie Verlass war, kämpfst du vielleicht heute noch mit Nähe-Distanz-Probleme oder einem Mangel an Vertrauen in deinen Beziehungen.

  • „Ich wurde quasi zu IHRER Mutter.“

    Das Tragische: Wenn eine Mutter ihr Leben nicht im Griff hat – das kann etwa bei Alkoholismus der Fall sein, aber auch bei psychischen Erkrankungen – kann sie oft nicht einmal etwas dafür. Als ihr Kind leidest du trotzdem. Betroffene werden oft früh zur unermüdlichen Helferin und Beschützerin der Mutter. Dass sie oft schon früh sehr verantwortungsbewusst agieren, erscheint vielleicht wie ein „angenehmer Nebeneffekt“. In Wahrheit tut es niemanden gut, zu früh erwachsen zu werden.

Eines haben toxische Mütter alle gemeinsam

Toxische Mütter können keine echte Empathie für ihre Kinder aufbringen, dabei brauchen diese es so sehr, wirklich als sie selbst gesehen und geliebt zu werden. Alles andere kann das Selbstwertgefühl und die Selbstwahrnehmung stark beschädigen – und zwar nachhaltig. Oft ist nur die Rede davon, dass Frauen unglückliche Töchter-Väter-Beziehungen wiederholen, dabei trifft das genauso auf ungute Muster in der Mutter-Tochter-Beziehung zu.

Viele Frauen suchen sich Partner, die ähnlich unerreichbar, verletzend, kontrollierend oder gleichgültig wie ihre Mütter sind. Die Vergangenheit kann sich aber auch auf die Beziehung zu deinen Kindern auswirken. Vielleicht hast du nach deinen Erfahrungen ein wenig Angst davor, eine eigene Tochter zu bekommen (oder aufzuziehen). Doch schon, wenn du dir diese Frage stellst, hast du sicher alles in dir, um deine Sache richtig gut zu machen.

Deswegen ist es so wichtig, schädlichen Verstrickungen auf den Grund zu gehen. Aber: Wenn es bei Müttern und Töchtern immer wieder mal so richtig kracht, ist das nicht gleich Zeichen einer toxischen Mutter-Tochter-Beziehung. Gerade in der Pubertät ist es total normal, JEDE Bemerkung der Mutter als übergriffig zu empfinden und sich unverstanden zu fühlen. Gar nicht so leicht, der Ablösungsprozess. Selbst manch ein Groll, den wir heute noch hegen, muss nicht automatisch auf eine lieblose Mutter hindeuten. Manchmal sind Temperamente auch einfach zu unterschiedlich – oder zu ähnlich – um sich zu verstehen oder zu ertragen.

Soll ich mit meiner Mutter darüber reden?

Je nachdem was vorgefallen ist, kann das leichter fallen als gedacht, oder sich als unmöglich herausstellen. Ist im Grunde nichts Schwerwiegendes vorgefallen, kann es sogar schon helfen, einmal die Perspektive zu wechseln. Stell dir deine Mutter einmal als junges Mädchen vor. Wie ist es ihr damals ergangen? Gibt es vielleicht einen Grund, warum sie sich so verhält, wie sie es tut? Empathie kann in beide Richtungen gehen. Außerdem kann dir der Perspektivwechsel helfen, dich daran zu erinnern, dass du nicht mehr die hilflose Kleine bist und sie die Große ist. Du bist jetzt erwachsen. Erobere dir die Verantwortung für dein Wohlbefinden zurück.

Oft stellen wir uns vor, dafür wäre DIE entscheidende Aussprache nötig, in der unsere Mutter all ihre Fehler einsieht und uns um Verzeihung bittet. Sorry, dir das sagen zu müssen: Ich fürchte, die gibt es (fast) nur in Filmen. Obwohl darüber zu reden immer einen Versuch wert ist. Wenn du Gehör finden willst, solltest du deine Mutter nicht mit Vorwürfen überschütten oder dich zu sehr von deinen Emotionen überrollen lassen. Ja, das ist echt schwer. Aber versuche, deiner Mutter nicht als das verletzte Kind von damals, sondern als Erwachsene auf Augenhöhe zu begegnen. Bleibe möglichst bei dir selbst und deinen Gefühlen („Es hat mich sehr verletzt, als…“, „Ich hatte den Eindruck, dass…“, „Ich hätte mir so gewünscht, das…“).

Oder ist es an der Zeit, meine Mutter ganz hinter mir zu lassen?

Oft begibt man sich mit solchen Gesprächen aber auch immer wieder in die gleiche Spirale aus Vorwürfen und Gegenvorwürfen. Dann kannst du dich aber immer noch fragen, ob dieses Problem auch heute noch so wichtig für dich ist, dass ihr es um jeden Preis lösen müsst. Vielleicht ist eure Beziehung ja insgesamt tragfähig genug, um mit einer ungeklärten Sache zu leben?

Falls das nicht möglich ist, du den Kontakt aber auch nicht abreißen lassen willst, kannst du deiner Mutter auch vorschlagen, dass ihr euch gemeinsam Hilfe von außen suchst. Wirklich toxische Mütter zeigen allerdings oft wenig Interesse, auch an sich selbst zu arbeiten. Dies ist bei dir der Fall, oder du merkst, dass dich der Kontakt einfach nur noch belastet? Dann darfst du ihn hinter dir lassen, allen Poesiealbensprüchen („Liebe das Mutterherz, solange es schlägt…“) zum Trotz! Wenn es dir besser geht, sobald du sie nicht oder seltener siehst, dann gehe ruhig auf Abstand. Du musst deine kostbare Zeit niemanden widmen, der dich so tief verletzt hat.

Das hilft, wenn du noch an der Vergangenheit knabberst

Ich wünschte, ich könnte dir jetzt mit ein paar weisen Ratschlägen die Last von den Schultern nehmen. Aber Probleme lassen sich nicht à la „Die zehn besten Tipps gegen Kalkflecken“ beheben. Trotzdem können Ratgeber helfen, schwierigen Mustern auf die Spur zu kommen. Deshalb ist unten eine kleine Auswahl gelistet.  Schau am besten vorher rein, ob du mit Tonfall und Herangehensweise etwas anfangen kannst. Wie bei einer echten Therapie müssen nicht jede Form und jeder Anbieter auch zu dir passen.

Womöglich reicht ein Ratgeberbuch allein nicht, alte Glaubenssätze wie „Ich bin nicht gut genug“, „Ich kann nichts“ oder „Ich bin nicht liebenswert“ aufzulösen. Toxische Mütter richten oft nachhaltigen Schaden an.  Vielleicht schaffst du es also auch trotz zig toller Selfcare-Ratschläge nicht, dich mit Selbstliebe zu überschütten. Womöglich ist dein Selbstwertgefühl zu stark angeschlagen. Falls es es dir also einfach nicht gelingt, deine Stärke(n) zu sehen, und du das Gefühl hast, dass dich die Vergangenheit einfach nicht los lässt, schäme dich bitte nicht, dir professionelle Hilfe zu suchen.  Das zeigt nämlich echte Stärke!

Buchtipps:

Meine schwierige Mutter : Das Buch für erwachsene Töchter und Söhne
Fachratgeber von Waltraut Barnowski-Geiser, Klett-Cotta

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53 Kommentare

  • Edith Roffalski

    Ich bin 66 Jahre alt und werde von meiner Mutter immer noch kritisiert.
    Sie ist verwitwet und lebt alleine. Ich rufe sie jeden Tag an um zu hören ob bei ihr alles ok. Ist.Jedes Gespräch ist ein Eiertanz. Eine falsche Frage, ein falsches Thema und die Stimmunh kippt.
    Da meine Mutter unberechenbar ist, ändert sie ihre Meinung zu jedem Thema ständig.
    Dh. Gestern war sie für eine Sache, heute äußere ich mich ebenfalls positiv ist sie aufeinander dagegen…
    Ich versuche regelmäßig was mit ihr zu unternehmen, damit sie nicht alleine zu Hause sitzt. Sie mäkelt rum.
    Jetzt habe ich ihr gesagt, dass mich das enttäuscht weil ich mir Mühe gebe.
    Kommentar: “ hach, du bist empfindlich, du kontrollierst alles was ich sage, du spinnst!“
    Sie macht nichts falsch und tut mir nichts. Klar, sie schlägt mich nicht.
    Aber ihre Worte verletzen mich.
    Als ich ihr von meinen Inkontinenzproblemen erzählt habe, lachte sie und rief:“ haha eine Dröppelminna.“
    Immer kommen solche Sachen, mir tut es weh, aber ich kann mich doch nicht von meiner fast 90jährigen abwenden.
    Sie ist übrigens nicht dementsprechend. Sie war immer so.

    • User Avatar
      wiebke

      Liebe Edith,
      vielen Dank, dass Du Deine Erfahrung mit uns teilst <3 Es tut mir wirklich leid, zu lesen, dass Du schon so lange und immer noch unter dem Verhalten Deiner Mutter leidest. Auch mit 90 sollte einem doch eigentlich daran gelegen sein, niemanden zu verletzten - schon gar nicht die eigene Tochter. Respekt, dass Du Dich trotzdem weiterhin so um Deine Mutter kümmerst, da kann sie sich wirklich glücklich schätzen <3 Bitte pass auf Dich auf, liebe Grüße,
      Wiebke

  • Gisela

    Ich bin 70 Jahre alt, habe zwei Töchter und ein Enkelkind. Die Tochter mit Enkelkind lebt mit ihrem Mann in der Schweiz. Der Kontakt ist nicht häufig (Facetime 1x wöchentlich) aber über wichtige Dinge bin ich informiert. Persönliche liebe Besuche gibt es auch. Meine jüngere Tochter(37 Jahre) wohnt nicht so weit entfernt, zu ihr habe ich auch liebevollen Kontakt. Ich habe gelernt, dass meine „Mädels“ ihr Leben so gestalten sollen, wie sie es wollen. Es gibt von mir gut gemeinte „mütterliche Hinweise“, die sie annehmen können oder nicht. Ich möchte erwachsene selbständige Kinder und vertraue darauf, dass sie ihr Leben gestalten. Wenn sie mich brauchen, bin ich da. Das war ein weiter Weg, bis ich dies alles eingesehen habe. Bestimmt haben sie manchmal auch über mich gewettert und geschimpft. Ein Auf und Ab gab es in meiner Mutter-Töchter-Beziehung genug. An Kontaktabbruch habe ich nie gedacht und werde das auch nie tun. Ich bin aber überzeugt, dass es manchmal der richtige Weg ist, den Kontakt abzubrechen…oder besser den Kontakt (stark) einschränken und trotzdem verträglich dabei bleiben. Mein 2. Ehemann hat seit 7 Jahren keinen Kontakt zu seiner Tochter mit 2 Enkelkindern. Der Abbruch kam plötzlich mit vielen Anschuldigungen. Mein Mann hat immer wieder Kontakt gesucht, blitzt aber bei ihr ab. Sie tut mir leid, denn sie vertut sich jedesmal die Gelegenheit, Konflikte zu klären. Sie wird hartherzig und unnahbar. Es ist ihr nicht klar, dass ihr Handeln weitere Personen im Familienumfeld unglücklich macht. Die Folgen ihrer Handlung bedenken, wird hier ausgeschlossen. Ich glaube, mütterliche Liebe muss man erfahren haben, dann kann man sie auch weiter geben.

    • User Avatar
      Laura

      Liebe Gisela, danke für deinen Kommentar! Ich habe den Eindruck, dass sich deine Töchter sehr glücklich schätzen können, wie du sie respektierst und für sie da bist. Herzliche Grüße, Laura