Warum es so hart ist, die Mama von einem besonderen Kind zu sein

„Mama zu sein ist wunderschön, aber auch hart. Mama von einem Kind mit besonderen Bedürfnissen zu sein, ist noch härter. Während sich die Eltern von Kindern ohne Behinderungen Gedanken machen, welche Schule ihr Kind mal besuchen soll, frage ich mich, wo ich meinen Sohn hinschicken kann, dass er genügend gefördert und nicht gemobbt wird.

Ihr könnt euer Kind fragen, wie sein Tag war, während ich mich freue, dass mein zehnjähriger Sohn nach einer aufwändigen Delphintherapie seine Sprachblockade aufgegeben hat, und mittlerweile spricht wie ein Zweijähriger.

Ich kenne Eltern, die beäugen die Spielkameraden ihrer Kids und fragen sich, ob die ein guter Umgang sind – ich freue mich schon, wenn mein Kind überhaupt mal gefragt wird, ob er mitspielen will auf dem Spielplatz.

So viele Eltern sind genervt, wenn sie ihr Kind stundenlang beim Schaukeln anschubsen sollen. Aber wisst ihr, wie viele Eltern es gibt die sich wünschten, ihr Kind hätte genug Kraft sich auf einer Schaukel festzuhalten?

Unser Leben mit Downsyndrom

Mein Name ist Patrizia, und mein Sohn Elijah ist 10 Jahre alt. Es hat das Downsyndrom. Als er noch klein war, war der „Niedlichkeitsfaktor“ größer, alle fanden ihn süß. Und der Unterschied zu anderen, „gesunden“ Kindern, war noch nicht so groß. Je älter die Kids werden, desto größer wird der Abstand zu dem, was die anderen Kinder können – und desto genervter sind sie, wenn Elijah zum Beispiel einfach deren mühsam aufgebauten Turm umrennt.

Manchmal macht es mich traurig, dass er eigentlich nur Freunde hat, die auch das Downsyndrom haben. Weil er zu wenig Kontaktmöglichkeiten hat zu anderen Kids. Deshalb finde ich inklusive Spielplätze wichtig. Alle Kinder, egal ob mit oder ohne Einschränkungen, sollten von klein auf miteinander spielen können. Ich glaube, dass es dann weniger Ausgrenzung gäbe, weniger Intoleranz und mehr Verständnis.“

Stück zum Glück

Patrizia (31) postet auf ihrem IG Account @tree.21 über ihr Leben mit ihrem Sohn Elijah. Foto: Privat

Wir alle können den Bau von inklusiven Spielplätze unterstützen mit der „Stück zum Glück“-Aktion. Das ist ein Projekt von Rewe, der Aktion Mensch und Procter & Gamble. Für jedes bei Rewe verkaufte P&G Produkt wird Geld gespendet. Im letzten Jahr wurden über eine Million Euro gesammelt, dieses Jahr solle ein weitere Million dazu kommen. Mit dem Geld werden Spielplätze in Deutschland inklusiv umgebaut, 27 sind schon fertig.
Eltern mit gesunden Kindern machen sich darüber meist gar keine Gedanken. Aber wenn man ein Kind im Rollstuhl hat, bedeutet es die Welt, wenn der Boden nicht aus Sand ist, sondern einem Belag, auf dem der Rollstuhl auch rollen kann. Wenn die Spielgeräte so gebaut sind, dass auch Kinder mit Einschränkungen sie benutzen können, es Liegeschaukeln gibt, wo die Eltern mitschaukeln und ihr Kind festhalten können.

„Elijah geht in eine speziell geförderte Schule, und am Nachmittag kurve ich ihn (zumindest vor Corona) durch die halbe Stadt, dass er in Vereinen Fußball spielen oder schwimmen kann, die auch inklusive Kurse anbieten. Jetzt, wo wegen des Virus schon seit einem Jahr alles ausfällt, bin ich dankbar für unseren Hund, mit dem wir jeden Tag draußen toben können. Aber klar, ihm fehlen die Bewegungsangebote. Elijah ist auch kein Kind, dass man einfach ewig vor dem Fernseher parken kann, wenn ich arbeiten muss.
Wobei ich glaube, in dieser Situation geht es allen Familien gleich. Wir alle vermissen einfach unser normales Leben, und die Kids ihre Spielkameraden in den Kitas, Schulen und auf den Spielplätzen.“

Stück zum Glück Inklusionswoche

Die Aktion Stück Zum Glück von P&G, Rewe und der Aktion Mensch fördert den Bau Inklusive Spielplätze. Foto: PR

Tolle Spielideen für zu Hause:

Für alle, die mit den Kindern zu viel zu Hause hocken müssen, hat die Heilerziehungspflegerin Marta Lipinski aus Kiel, die seit über 15 Jahren behinderte Kinder betreut und fördert, tolle Ideen. Die nicht nur für Kinder mit Einschränkungen gut sind, finden wir:

Schaumbad: „Ein Bad mit extra viel Schaum ist für behinderte Kinder super, denn riesige Seifenberge finden sie total faszinierend“, sagt Marta Lipinksi. Auch toll: Sie können sich viel bewegen und das Spiel mit dem Schaum fördert verschiedene Reize. Und das ist wichtig!

Rollbrett: „Holt euch aus dem Baumarkt ein Brett mit Rollen unten, mit dem man eigentlich Möbel verschiebt. Dieses Rollbrett ist super, um im Haus einen Parkour zu bauen. Das Kind kann entweder alleine damit herumfahren, oder auch krabbeln, wenn es sich nicht so gut koordinieren kann. Besonderns cool sind Tunnel, die man mit Decken und Stühlen easy bauen kann.“

Trampolin: „Ein Trampolin gibt es in jeder Preisklasse und macht jedem Kind Spaß. Dabei muss es auch nicht springen. Wenn das Kind nur sitzen kann, setzt es sich einfach drauf, und ihr sorgt mit den Händen für eine Schwingung.“

Therapieschaukeln: „Eine Therapieschaukel ist ziemlich teuer. Man kann sie aber auch selber bauen, im Internet gibt es Anleitungen dazu. In einer Art Hängesack, der an Seilen an der Decke befestigt wird, kann das Kind dann selber schaukeln oder man kann es zum Schaukeln bringen. Damit werden wieder viele Reize stimuliert, was für Kinder mit Handicap sehr wichtig ist.“

Feuer, Wasser, Sturm und Eis:„Ein perfektes Spiel für mehrere Kinder. Alle bewegen sich fort, wie sie es am liebsten machen. Ihr seid der Spielleiter. Ruft ihr…

… Feuer, laufen alle in eine zuvor vereinbarte Ecke oder einen Bereich; …Wasser, müssen sich alle auf eine Hochebene „retten“; …Sturm, legen sich alle Mitspieler flach auf den Boden; …Eis, bleiben alle vom Eis erstarrt wie Statuen stehen.“

Bällebad: „Bällebäder kann man sich kaufen – oder einfach selbst machen. Ihr baut euch aus Holzplatten aus dem Baumarkt eine große Kiste und macht… Ganz viele Linsen und Erben rein. Jaa, richtig gehört. Denn das kommt bei Kindern supergut an, weil sich die kleinen Kugeln so gut auf der Haut anfühlen. Deswegen lieben das Kinder so.“

Tipp: Wenn man was macht, was den Kindern gut tut und ihnen gefällt, unbedingt vorher mit ihnen aufs Klo gehen. Der Grund: Wenn sie sich entspannen, erleichtern sie sich gerne.

Creme-Wanne: „Legt eine Badewanne mit Decken aus (damit es warm ist) und überdeckt alles mit Folie. Dann kippt ihr zwei große Packungen Bodylotion in die Wanne und setzt das Kind rein. Alternativ geht auch Rasierschaum oder Fingerfarben. Damit kann sich ein Kind wirklich ewig beschäftigen.“

So könnt ihr helfen, mehr inklusive Spielplätze zu bauen:

Und für alle, die wissen wollen, wo es schon inklusive Spielplätze gibt oder mehr zur „Stück zum Glück“- Aktion erfahren wollen, gibt es hier Infos.

Das Projekt zu unterstützen geht ganz einfach, denn die Produkte, mit denen man beim Kauf ganz nebenbei Geld spendet, brauchen vor allem Familien fast täglich:

Beim Kauf dieser P&G Produkte geht automatisch ein Cent pro Produkt an die Aktion „Stück zum Glück“

Beim Kauf dieser P&G Produkte geht automatisch ein Cent pro Produkt an die Aktion „Stück zum Glück“.

Für mehr Spielplätze für alle und weniger Barrieren im Kopf.

Jennifer Meerkamp

Als Kind der 80er habe ich Kinderkassetten geliebt. Schnell war mir klar: Karla Kolumna ist immer dort, wo was los ist. Deswegen wollte ich Journalistin werden. Seit 2019 bin ich Mama und freue mich, heute Teil des Echte Mamas Teams zu sein und über Kinder zu schreiben. Die sind nämlich genau so spannend wie Schauspieler und Politiker.

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