Wie du deinem Kind helfen kannst, mit seiner Neurodermitis umzugehen

Wenn das eigene Kind chronisch krank wird und eine Diagnose wie Neurodermitis bekommt, dann belastet das die Psyche – sowohl die des Kindes, als auch die von uns Mamas. Hunderttausend Fragen ploppen auf: Woher kommt das? Warum mein Kind? Wird es irgendwann besser? Aus der anfänglichen Verunsicherung entwickelt sich jede Mama zum „Wissenschaftler“ – liest sich ins Thema ein, fragt im Freundeskreis herum, probiert verschiedene Cremes aus. Denn es gibt nicht die eine richtige Lösung. Jedes Kind ist anders, braucht eine spezielle Pflege und keine Mama kommt drumherum, Verschiedenes auszuprobieren.

Ehrlich gesagt, waren wir überrascht, wie viele Kinder von Neurodermitis betroffen sind. Jedes vierte Kind (!) leidet an dieser chronischen Hauterkrankung, die sich unter anderem durch extrem trockene Haut, Ekzeme und Juckreiz bemerkbar macht. Die Diagnose und der Alltag mit den mehr oder weniger starken Schüben kann natürlich emotional belasten. Ein Teufelskreis, denn wenn es der Psyche schlecht geht, man Stress verspürt, kann sich das wiederum negativ auf den Krankheitsverlauf auswirken.

Der Münchner Diplom-Psychologe Lothar Niepoth zum Beispiel sagte dem Ärzteblatt, wie wichtig es ist „ […] die Wechselwirkungen zwischen Psyche und Haut zu erkennen.“  Für einen Therapeuten, der das Kind behandelt ist es sogar „ […] entscheidend festzustellen, welche Gefühle, Verhaltensweisen und Ereignisse auf die Erkrankung zurückwirken und sie verschlechtern oder verbessern.“

Um das Leben mit Neurodermitis besser zu verstehen, haben wir mit Julia aus der Nähe von Hannover gesprochen, deren fünfjährige Tochter unter Neurodermitis leidet. Bei ihr ist es genau dieser Faktor Stress, der sich über die Haut bemerkbar macht. Zu viele Eindrücke am Tag plus Müdigkeit am Abend führen dann zum Schlimmsten. Sie beginnt bitterlich zu weinen und zu kratzen, lässt sich kaum beruhigen. 

Julias Tochter

Julias Tochter will einfach nur Kind sein, wie alle anderen auch. Ganz ohne schmerzhafte Neurodermitis-Schübe geht es leider nicht. Foto: privat / Julia

Natürlich achtet Julia auf Pausen für ihre Tochter, cremt sie jeden Tag fleißig ein und tut alles, damit die betroffenen Hautstellen und der Juckreiz möglichst klein bleiben. Bis zum Alter von rund zwei Jahren hatte Julias Tochter natürlich noch keine eigene Haltung zu ihrer Krankheit. Doch irgendwann kam der Punkt, wo sie von ihrer Mama eine Erklärung wollte. Warum juckt meine Haut so? Warum darf ich mich nicht kratzen? Warum hat meine Freundin keine solche „Stellen“? Da stand auch Julia vor der Herausforderung, auf all die Fragen eine richtige und kindgerechte Antwort zu finden – ihrer Tochter die Angst zu nehmen und ihr Mut zuzusprechen.

Hier haben wir fünf Tipps von Experten, ergänzt von den Erfahrungen unserer Echten Mama Julia aus der Community, die den Umgang mit der Krankheit erleichtern und Stress reduzieren sollen.

5 Tipps, wie du deinem Kind helfen kannst, mit seiner chronischen Krankheit umzugehen:

  • Auf eine spielerische Art für Ablenkung sorgen und die Krankheit erklären

Wenn es einmal juckt, dann ist es nur ganz schwer nicht daran zu denken und nicht zu kratzen. Besonders Neurodermitiker-Kinder brauchen dann Ablenkung und Trost, zum Beispiel von einem Kuscheltier oder einem Lieblingsspielzeug. Besonders süß ist beispielsweise der Affe Anton von Eucerin, den es noch bis Ende März im Rahmen einer Verkaufsaktion in der Apotheke gibt (beim Kauf von zwei Eucerin-Produkten aus der„Atopi Control“-Serie bekommt man ihn kostenlos dazu). Er ist außerdem der Held im kostenlosen Film „Antons Sockentheater“, der der kleinen Emma durch einen Schub hilft.

  • Die Krankheit zu mehr Individualität und Superhelden-Kräften umdeuten

Wenn der kleine Schatz schon in einem Alter ist, wo er merkt, dass seine Haut anders ist als die der anderen oder bereits darauf angesprochen wird, dann ist es wichtig, ihm zu erklären, wie besonders und einzigartig er doch ist. Das macht auch Julia bei ihrer Tochter so. Denn die kleine Maus stört es, dass ihre Haut „doof“ aussieht. Julia erklärt ihr dann, dass die Menschen individuell sind und zeigt ihr Bilder von anderen Menschen mit Besonderheiten, wie beispielsweise Pigmentstörungen. Denn jeder Mensch ist schön. Außerdem kann es helfen zu sagen, dass diese „Stellen“ Superhelden-Kräfte verleihen, denn nur starke Kinder können das ab und nicht jeder ist so stark. Letzteres funktioniert natürlich nur im Kleinkindalter…

  • Eine Routine reinbringen

Routinen haben sich bewährt, ob es nun ums Einschlafen geht oder ums Eincremen bei Neurodermitis. Gerade da ist es wichtig, seinem Kind zu vermitteln, dass das nun einfach zum Alltag dazugehört. Es kann auch helfen, wenn sich die Mama dabei eincremt – vielleicht mit einer Handcreme oder Bodylotion als Teil der normalen Beauty-Routine? Für das Argument, das Cremen die schlimmen Schübe in Schach hält, sind Kleinkinder nur bedingt zugänglich. Ihr Gehirn kann den Zusammenhang noch nicht richtig verstehen. Trotzdem ist es wichtig, das Cremen zu erklären. Weil sich die Kinder dann ernst genommen fühlen.

  • Auch wenn es schwer fällt: Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen

Wenn das Kind leidet, leidet die Mama mit. Und das führt für alle Beteiligten zu Stress – ob bewusst oder unbewusst. Deshalb möglichst oft Ruhe bewahren, ob in den Wochen nach der Diagnose oder während eines schlimmen Schubs. Wichtig: Zeigen, dass man für sein Kind da ist und ihm viel Aufmerksamkeit schenken. Wenn Julias Tochter zum Beispiel schreit und weint, trägt Julia sie in die Dusche, wäscht sie vorsichtig ab und legt sich danach ganz ruhig neben sie aufs Bett oder Sofa, auch wenn ihr die Schmerzen ihrer Tochter in der Seele wehtun. Doch laut Julia ist es  genau das, was ihre Tochter dann auch wieder beruhigt.

  • Sich professionelle Hilfe holen

Für den Notfall gibt es einige kindgerecht gestaltete Schulungsprogramme, in denen chronisch kranke Kinder je nach Alter entsprechend über ihre Krankheit aufgeklärt werden. So werden die Kleinen und auch wir Eltern sicherer im Umgang mit der Krankheit und können sie auch anderen gegenüber besser erklären. Natürlich kann auch eine Psychotherapie Sinn machen, wenn das Kind sehr leidet oder wegen seiner Krankheit gehänselt wird.

Neurodermitis ist eines der Dinge, die die Welt nicht braucht. Doch mit viel Liebe, Geduld und Aufmerksamkeit können wir Mamas es unseren Kleinen immer etwas leichter machen. Die besten Anti-Stress-Mittel überhaupt!

Tamara Müller

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