Leberwurst in der Schwangerschaft: Ja oder Nein?

Du bist schwanger und hast Heißhunger auf Leberwurst? Keine Sorge, solche Gelüste sind in der Schwangerschaft normal. Du bist wirklich nicht die Einzige, der es so geht! Aber wenn du Leberwurst in der Schwangerschaft essen möchtest, gibt es einige wichtige Punkte zu beachten, damit du dir und deinem Baby nicht versehentlich schadest. Wir haben für dich zusammengefasst, was du zu Leberwurst in der Schwangerschaft wissen solltest.

1. Das Wichtigste auf einen Blick

Ernährungsexpertin Lydia Wilkens von essenZ Hamburg hat diesen Artikel inhaltlich geprüft.

  • Grundsätzlich ist Leberwurst in der Schwangerschaft erlaubt, allerdings nur in kleinen Mengen.
  • Denn die Wurst ist zwar eine so genannte Brühwurst, das heißt, sie wird bei der Herstellung so stark erhitzt, dass Bakterien und Krankheitserreger absterben.
  • Allerdings enthält Leberwurst relativ viel Vitamin A, und wenn du davon zu viel aufnimmst, kann das deinem ungeborenen Baby schaden.
  • Auch das Fett, das die Wurst enthält, ist durch die Verarbeitung nicht sehr hochwertig.
  • Wie viel Leberwurst du als Schwangere essen darfst, hängt vom Vitamin A-Gehalt der Wurst ab – und davon, ob du deinen täglichen Bedarf an Vitamin A schon über andere Lebensmittel deckst.

Dein Kind ist schon da? Dann findest du hier die Antwort auf die Frage „Ab wann darf mein Baby Leberwurst essen?

2. Plötzlich Lust auf Leberwurst in der Schwangerschaft? Das ist der Grund!

Der berühmt-berüchtigte Heißhunger ist dir vermutlich bekannt. Gerade zu Beginn der Schwangerschaft haben viele werdende Mamas plötzlich ein starkes Verlangen nach speziellen Lebensmitteln und den verrücktesten Kombinationen.

Heißhunger auf Leberwurst ist dabei absolut nicht selten. Leberwurst enthält, wie der Name bereits verrät, Leber. Dies ist eine wichtige Quelle für Vitamin A, welches in der Schwangerschaft sehr wichtig ist – allerdings nicht im Übermaß eingenommen werden sollte.

Bei welchen Lebensmitteln du nicht nachgeben solltest, wenn dich der Heißhunger packt, liest du in unserem kostenlosen Ratgeber 125 Lebensmittel, die du in der Schwangerschaft meiden solltest

3. Leberwurst in der Schwangerschaft: Ja oder Nein?

Wahrscheinlich hast du schon davon gehört, dass Fleischprodukte in der Schwangerschaft nur mit Vorsicht zu genießen sind. Rohes Fleisch (oder rohe Wurst wie Salami) können Erreger und Parasiten enthalten, die gefährliche Krankheiten wie Toxoplasmose auslösen können.

Jetzt die gute Nachricht: Leberwurst ist eine Brühwurst, die bei der Herstellung erhitzt wird. Mögliche Erreger werden dabei abgetötet und stellen für Schwangere und das ungeborene Kind keine Gefahr dar.

Doch der eigentliche Grund, weshalb Leberwurst als problematisch gesehen wird, ist ein ganz anderer: Leber, die in dieser Wurst enthalten ist, enthält eine große Menge an Vitamin A. Dieses Vitamin ist zwar sehr wichtig, doch Schwangere sollten nicht zu viel von ihm aufnehmen, da es dem Kind schaden könnte.

Es gilt daher die Regel: Leberwurst ist in der Schwangerschaft – in Maßen – erlaubt. 

4. Leberwurst und Vitamin A: Darum solltest du als Schwangere vorsichtig sein

Leberwurst kann bei Mangel durchaus eine wichtige Vitamin A-Quelle sein. Schwangere haben einen leicht erhöhten Bedarf an diesem Vitamin, allerdings erst nach dem ersten Trimester. Der empfohlene Tagesbedarf liegt bei Erwachsenen bei 0,8 mg und bei Schwangeren nach dem 4. Monat bei 1,1 mg täglich.

Vitamin A ist in großen Mengen praktisch nur in tierischen Lebensmitteln – und hauptsächlich der Leber von Rind, Schwein und Lamm – enthalten. Für Leberwurst wird meist Schweineleber verwendet, die pro 100 g zwischen 20 und 40 mg Vitamin A enthält. Das macht also zwischen 5 und 8 mg bei einer Portionsgröße von etwa 25 Gramm.

Leberwurst besteht jedoch nicht nur aus Leber, sondern zum Großteil aus Fleisch.

Der Leberanteil in Leberwurst beträgt normalerweise etwa 10 bis 30 %.

Je nachdem, wie viel Leber die Wurst enthält, ist auch die Menge des Vitamins unterschiedlich. Bei 10 % Leberanteil sind es ca. 3 mg, bei 30 % bereits ganze 11 mg. Durchschnittlich enthält handelsübliche Leberwurst pro 100 g ca. 2 bis 4 mg Vitamin A.

Es kann also relativ schnell zu einer Überdosierung kommen, wenn du zu viel Leberwurst isst. Den genauen Vitamin-A-Gehalt der Leberwurst deiner Wahl liest du am besten direkt auf dem Produkt ab.

Wozu ist Vitamin A eigentlich gut?

Vitamin A ist ein sehr wichtiges Vitamin. In der Schwangerschaft hast du einen etwas erhöhten Tagesbedarf, da über dich auch das Kind mit versorgt wird. Vitamin A ist wichtig für:

  • Knochenaufbau und Zähne
  • Haut, Nägel und Haare
  • Blutflüssigkeit
  • Augenentwicklung
  • Immunsystem

Doch Vorsicht: Der leicht erhöhte Bedarf zeigt sich erst nach dem 4. Monat!

Besonders im ersten Trimester kann eine Überdosis an Vitamin A schwere Schäden anrichten. Wenn zu viel Vitamin A aufgenommen und die empfohlene Dosis längerfristig überschritten wird, könnte das Baby Wachstumsstörungen, Leberschäden, Augenprobleme und Hautveränderungen erleiden.

Auch im späteren Verlauf der Schwangerschaft sollte der Tagesbedarf weder über- noch unterschritten werden. Vitamin A wird in unserer Leber gespeichert und in kleinen Mengen über verschiedene Lebensmittel aufgenommen. So enthalten Fleisch und Eier zum Beispiel geringe Mengen Vitamin A. Und Gemüse wie Möhren, Spinat oder Grünkohl haben einen hohen Beta-Carotin-Gehalt, was wiederum eine Vitamin-A-Vorstufe ist.

Der Bedarf ist im Normalfall bereits ausreichend gedeckt und ein Mangel bei einer ausgewogenen Ernährung nur selten.

5. Wie viel Leberwurst darf ich in der Schwangerschaft essen?

Wie viel Leberwurst darf ich nun essen und darf ich das auch jeden Tag? Das lässt sich leider nicht so einfach beantworten, denn zum einen hängt es vom Vitamin A-Gehalt der Leberwurst ab, zum anderen, wie gut dein Bedarf an Vitamin A bereits abgedeckt ist.

Je niedriger der Lebergehalt, desto weniger Vitamin A enthält sie – und desto mehr von der Leberwurst darfst du essen.

Allgemein wird Schwangeren empfohlen, Leberwurst mit maximal 25 % Leber zu verzehren.

Wenn du dich ausgewogen ernährst und vielleicht sogar Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin A zu dir nimmst, ist dein Bedarf wahrscheinlich auch ohne die Leberwurst schon gedeckt. In diesem Fall – und insbesondere im ersten Trimester – solltest du mit der Wurst etwas sparsamer sein. Die Empfehlung lautet hier: kleinere Portionen und nicht jeden Tag. Vielleicht lässt sich der Heißhunger ja doch mit etwas anderem stillen.

Sprich am besten einfach mal mit einem Arzt. Wenn ein Mangel an Vitamin A vorliegt, kann er mit einer Ernährungsanpassung oder geeigneten Präparaten behoben werden. Vielleicht verschwindet der Heißhunger auf die Wurst dann ja ganz von selbst.

Und wenn du mal ein Gramm Leberwurst mehr auf dein Brötchen geschmiert hast, ist das nicht gleich ein Grund zur Sorge. Dein Körper wird das zusätzliche Vitamin verarbeiten und eine Balance finden können. Vitaminüberdosen sind meist erst wirklich bedenklich, wenn sie über längere Zeit bestehen.

6. Was du außerdem als Schwangere bei Leberwurst beachten solltest

Wie bereits erwähnt, werden jegliche Keime und Erreger in der Leberwurst durch Hitze abgetötet. Doch Listerien können hartnäckig sein und sind zudem nicht nur im Fleisch, sondern auch in unserer Umwelt zu finden. Daher ist besondere Vorsicht bei Hygiene und Aufbewahrung gefragt:

  • Kaufe abgepackte Leberwurst aus dem Kühlregal im Supermarkt und nicht von der Fleischtheke.
  • Schneide die Wurst zu Hause selber auf.
  • Lagere die Wurst gut abgepackt im Kühlschrank.
  • Verzehre bereits geöffnete Leberwurst möglichst bald (innerhalb von 2-3 Tagen).
  • Wasche alle Küchenutensilien, die mit der Wurst in Kontakt kommen, gründlich mit heißem Wasser und Reinigungsmittel.

Und es gibt noch einen weiteren Grund, weshalb Leber bedenklich sein kann: Leber, und insbesondere die von Schaf und Lamm, kann durch das Umweltgift Dioxin belastet sein. Dioxin kann Krebs auslösen, sich negativ auf die Fortpflanzungsfähigkeit auswirken und das Nerven-, Hormon- oder Immunsystem schädigen.

Besonders Schwangeren wird daher empfohlen, Leber nicht zu essen. Leberwurst sollte daher auch aus diesem Grund nur in kleinen Mengen verzehrt werden.

7. Fazit: Leberwurst in der Schwangerschaft mit Vorsicht und nur in Maßen

Ist Leberwurst nun für Schwangere erlaubt? Die Antwort: Ja, aber nur in kleinen Mengen. Die Portionsgröße ist abhängig vom Vitamin A Gehalt der Leberwurst. Wird über die Ernährung sonst eher wenig Vitamin A aufgenommen, darf Leberwurst auch täglich gegessen werden. „Allerdings ist Leberwurst ein stark verarbeitetes Lebensmittel und hinsichtlich der Fettqualität nicht sehr hochwertig“, wie Ernährungsexpertin Lydia Wilkens erklärt. „Dieser Aspekt sollte im Rahmen der täglichen Empfehlung erwähnt werden.“

Eine Überdosis von Vitamin A solltest du unbedingt vermeiden, denn sie könnte dem Kind schaden. Besonders in den ersten 4 Monaten darfst du den empfohlene Bedarf nicht überschreiten. Ist die tägliche Menge durch die Ernährung oder Nahrungsergänzungsmittel bereits gedeckt, solltest du Leberwurst seltener und in kleinen Portionen essen.

Bei Unsicherheiten wende dich bitte an einen Arzt, der dir bei all deinen Fragen individuell helfen kann. Denke auch daran, dass eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung für werdende Mütter besonders wichtig ist.

Wir wünschen guten Appetit!

Mehr Infos und Tipps zum Thema „Ernährung in der Schwangerschaft“ findest du hier >>>

Und welche Lebensmittel für Schwangere grundsätzlich tabu sind, liest du in unserem kostenlosen Ratgeber 125 Lebensmittel, die du in der Schwangerschaft meiden solltest

Wenn du dich mit anderen Mamas zu dem Thema „Ernährung“ austauschen möchtest, komm doch in unsere Facebook-Gruppe „Schwangere Echte Mamas“.

Unsere Ernährungsexpertin

Ernährungsexpertin Lydia Wilkens von essenZ Hamburg hat diesen Artikel inhaltlich geprüft.Dieser Text wurde inhaltlich geprüft von Ernährungswissenschaftlerin Lydia Wilkens. Die Diplom-Ökotrophologin hat 14 Jahre Erfahrung im Bereich der Ernährungskommunikation und -beratung. Als zweifache Mutter liegt einer ihrer Schwerpunkte im Ernährungsteam von essenZ, Dr. Heike Niemeier in Hamburg und der Schule des Essens in der Ernährungsberatung und -therapie von Familien und Kindern.

Außerdem führt sie Ernährungsprojekte für Kinder, Eltern und Multiplikator:innen in Kitas und Schulen durch. Als Expertin rund um das Thema Mütter- und Kinderernährung unterstützt sie die Redaktion von Echte Mamas mit praxisnahem Fachwissen.

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

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