„Meine Tochter wurde wegen Corona schon zweimal wie eine Aussätzige behandelt!“

Corona stellt uns alle vor eine große Herausforderung. Aber während es für uns Erwachsene die ersten Lockerungen der strengen Maßnahmen gibt, bleiben die Kitas geschlossen und unsere Kinder auch in den nächsten Wochen größtenteils isoliert. Nicht nur die Regierung sieht die kleinen offenbar als Gefahr, auch draußen werden die Kleinen oft nicht gern gesehen. Deshalb jetzt hier einmal in aller Deutlichkeit: Unsere Kinder sind nicht Schuld an Corona!

Maßnahmen gelockert – aber was ist mit den Kitas?

Erstes erleichtertes Aufatmen in Deutschland: Nach vier langen Wochen hat die Regierung die strengen Maßnahmen gegen das Coronavirus zum ersten Mal etwas gelockert. Aber was für die einen Grund zur Freude ist, sorgt bei den anderen für Frust. Denn auch wenn es erste Pläne gibt, Schulen stufenweise wieder zu öffnen – von Kitas hat bisher noch niemand gesprochen. Zwar wurde die Notbetreuung für Kinder ausgeweitet, wann die Einrichtungen wieder für mehr oder sogar alle Kinder öffnen dürfen, steht aber noch in den Sternen.

Die Kleinsten bleiben weiterhin fast völlig isoliert

Unsere Kleinsten bleiben also weiterhin zuhause, wo wir Eltern sie betreuen, während wir (in vielen Fällen) gleichzeitig arbeiten müssen. Dazu kommt, dass Spielplätze nach wie vor geschlossen sind, und auch sonst darf man aktuell fast nichts unternehmen, was Kindern Spaß macht. Freizeiteinrichtungen, Sportvereine, Tierparks, Musikkurse usw. – alles verboten. Und auch mit ihren Freunden dürfen sie sich nicht treffen. Die Kleinen sind also abgesehen von Mama und Papa fast vollständig isoliert – und bleiben es auch in den nächsten Wochen.

Sind unsere Kinder wirklich „Superspreader“?

Die Kitas zu öffnen, ist laut Expertenmeinung aktuell „zu gefährlich“. Denn die Kleinen können sich zum Großteil nicht an Hygienemaßnahmen wie Mindestabstand oder Mundschutzpflicht halten. Zum anderen haben kleine Kinder häufig trotz Corona-Infektion keine Symptome, können die Erreger aber trotzdem weitergeben. Deshalb haben die Experten der Leopoldina – übrigens zum Großteil Männer – empfohlen, Kitas bis zu den Sommerferien geschlossen zu lassen. Und damit war auch alles zu dem Thema gesagt.

Aber sind unsere Kinder wirklich so genannte „Superspreader“? Damit bezeichnet man eine Gruppe von Menschen, die die Infektion besonders häufig an andere Menschen weitergeben. Belege, dass das auf die Kleinen zutrifft, gibt es bisher nicht. Und trotzdem werden sie im Moment (zu) oft genauso behandelt. Und zwar nicht nur von Politikern, sondern auch von vielen unserer Mitmenschen.

Das musste auch Carina aus unserer Community feststellen:

„Meine Tochter Emilia ist 3 1/2 und wurde wegen Corona schon zweimal wie eine Aussätzige behandelt!

Vorneweg möchte ich einmal erwähnen, dass ich es absolut nachvollziehen kann, dass man ältere und gefährdete Mitbürger schützen muss. Ich würde auch niemals bestreiten, dass es dieses Virus gibt, und für manche Menschen sehr gefährlich werden kann. Trotzdem: Das, was gerade auf der Welt oder allen voran in Deutschland passiert, ist so traurig, und bricht mir als Mama das Herz!

Angefangen hat es damit, dass ich meine Tochter zu einem Arztbesuch mitnehmen musste, weil ich wirklich keine andere Möglichkeit hatte. Das Ende vom Lied war, dass ich mich mit ihr abgeschottet auf den zugigen Flur setzen musste, wo ich gezwungenermaßen von jedem neuen Patienten angestarrt wurde. Mit Blicken, die alle zu sagen schienen: ,Tja, selbst schuld, wenn man sein Kind mitnehmen muss!`

Dabei habe ich nicht nur selbst solche unschönen Erfahrungen gemacht.

Man muss auch tagtäglich lesen, dass Kinder auf offener Straße angeprangert, beleidigt und beschimpft werden, weil sie mit dem Hund Gassi gehen oder nach 3 Wochen sozialer Isolation ein bisschen draußen Ball spielen.

Jeder behauptet immer: „Kinder sind die wahren Helden, weil sie auf so vieles verzichten müssen.“ Aber langsam stelle ich mir die Frage, wer das eigentlich auch wirklich so meint. Denn die Stimmen nach noch strengeren Regeln werden immer lauter. Maßnahmen werden nur bedingt gelockert, und Kinder – so wie meine – sitzen drinnen und wissen gar nicht mehr, wohin mit ihrer Traurigkeit, ihrer überschüssigen Energie, ihrem Unverständnis und der Frage nach dem „Warum?“.

Es ist doch schon schlimm genug, dass niedrigere Klassenstufen und Kitas womöglich noch bis in den Sommer geschlossen bleiben.

Dass Kindern (und noch schlimmer: Einzelkindern) ihre sozialen Kontakte so derart entrissen werden, dass man den Ausgleich zuhause gar nicht schaffen kann, den die Kinder sonst in solchen Einrichtungen haben.

Muss es dann auch noch sein, dass manche Menschen so tun, als wären Kinder die Hauptursache der ganzen Situation? Als wären Kinder diejenigen, die man am besten komplett wegsperrt, bis alles vorbei ist?

Das Virus kann krank machen, für die einen leider schlimmer als für die anderen, und was man von den ganzen Maßnahmen hält, ist auch ein anderes Thema. Aber ein grober Einschnitt in das soziale und emotionale Umfeld eines Menschen, allen voran eines Kindes, ist in meinen Augen viel schlimmer!“

Auch Politiker kritisieren den Umgang mit Kindern in der Corona-Krise

Die Entscheidung, Kitas geschlossen zu lassen, ohne eine Perspektive für die Kleinen und ihre Eltern zu bieten, sorgt auch bei einigen Politikerinnen für großen Unmut. Die Landesvorsitzende der Grünen in Hamburg, Anna Gallina, sagte gegenüber der Mopo: „Kinder haben einen großen Bewegungsdrang und die häusliche Isolation ist für sie zusätzlich auch eine psychische Belastung. Sie können nicht ihre Freunde treffen und sind überall ausgeschlossen, dabei ist die Superspreader-Theorie nicht bewiesen.“

Auch auf Twitter machte die Politikerin ihrem Unmut Luft: Die häusliche Isolation würde das Kindeswohl gefährden und sei ein Zeichen für unsere kinder- und frauenfeindliche Gesellschaft.

Natürlich müssen wir die Risikogruppen schützen. Aber…

Um das an dieser Stelle noch einmal klar zu sagen: Natürlich ist es wichtig, andere Menschen und besonders die Risikogruppen zu schützen. Das ist auch gar nicht das Thema. Trotzdem stellt sich die Frage, ob das Ganze wirklich zwingend auf Kosten der Kleinsten passieren muss. Warum wird es teilweise so dargestellt, als hinge die weitere Ausbreitung von Corona größtenteils von den Kindern ab? Warum dürfen zum Beispiel Einkaufszentren (teilweise) wieder öffnen, obwohl sich dort auch viele Menschen treffen? Warum dürfen Friseure wieder arbeiten, aber über Kitas wird kaum ein Wort verloren?

Vielleicht ist auch genau das das Problem: Dass man schnell das Gefühl bekommen kann, das Thema „Kita“ sei zu unwichtig. Immerhin wird es in der 19-seitigen Empfehlung der Leopoldina nur mit 2 oder 3 Sätzen erwähnt. Und auch die Situation der Eltern berücksichtigt sie kaum. Hoffen wir mal, dass sich das bei der nächsten Beratung, die in rund 2 Wochen stattfinden soll, ändert. Und dass es dann endlich auch Pläne und Maßnahmen gibt, die unseren Kindern helfen. Denn sie sind nicht Schuld an Corona.

Was meint ihr: Ist es richtig, dass Kitas, Spielplätze und Co. auf längere Zeit geschlossen bleiben? Oder schadet die Situation den Kleinen, und man sollte andere Möglichkeiten prüfen? Habt ihr vielleicht selbst schon Erfahrungen damit gemacht, dass eure Kinder in der Öffentlichkeit nicht mehr gern gesehen werden? Wir freuen uns auf eure Meinungen und Erfahrungen.

Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern. Ich liebe den Hafen, fotografiere gern, gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Social Media und Texte ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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Kommentare

  1. Ich bin alleinerziehend und schwanger…Ich habe keine Möglichkeit meinen 6 jährigen Sohn irgendwo zu lassen. Oma und Nichte zählen auch noch zur Risiko Gruppe. Als ob diese ganze Isolation nicht schon schlimm genug wäre wird man beim einkaufen schon schief angeguckt. Heute hatte ich einen Termin zur Feindiagnostik bei einer Frauenärztin. Vor Ort werde voll angepflaumt das ich mein Sohn mit bringe ich darf das nicht wegen corona.
    Ich sag das sagte ich am Telefon ich bin allein erziehend …
    Die sprechstundenhilfe behauptet ich hätte das nicht erwähnt
    Ich sag was soll ich denn machen ihn draußen Anbinden oder ins Auto bringen?
    Wir mussten trotz mubdschutz draußen vor der Tür warten obwohl nur eine Dame im warte Bereich saß. Mein Sohn fragte mich schon total ängstlich was die jetzt mit ihm machen wenn er nicht mit darf.
    Alleine mit kind ist man gestraft
    Zum kotzen die glauben auch man macht das mit absicht. Was soll ich denn machen? Mein Kind alleine lassen geht nun mal nicht. Wie lösen das andere Alleinerziehende?
    Egal wo ob einkaufen oder arzt man wird überall angegriffen. ..

  2. Ich finde es ganz schlimm, dass die Kinder so drunter leiden müssen. Vor allem unser vierjähriger fragt ständig nach seinen Kindergarten Freunden 😔

  3. Meiner Meinung nach sollten die Spielplätze wieder geöffnet werden.. sodass die Kids, die Zuhause keinen schönen Garten.. und keinen großen Balkon.. keine große Wohnung.. und auch keine Geschwister haben.. einfach sich Mal wieder etwas austoben können… Wer ein bisschen Verständnis für die Situation hat, wird auch mit seinen Kindern Abstand halten zu den anderen.. wir haben hier bei uns 2 Spielplätze auf denen man sowieso sogut wie immer alleine spielt.. warum also so übertreiben ?.. eine Regel für maximal 2 familelen oder so(je nach Größe) tut es auch.. aber man hat wenigstens die Möglichkeit…

    Ich selbst bin alleinerziehend und mich betrifft genau die oben genannte Situation.. er (2½)ist frustriert und nicht ausgelastet.. macht nur noch Quatsch.. und frustriert mich dadurch ..

  4. Es tut mir so leid für alle Mamas und Papas da draußen, die neben Arbeit und Alltag, auch 24/7 für ihre Kleinen da sein müssen.
    In Frankreich gab es einen Fall mit einem 10 Jahre alten Mädchen, das sich unbemerkt mit Corona infiziert hat. Sie hatte leichte Symptome und hatte zuvor Kontakt zu 172 Personen und hat niemanden (!) angesteckt. Noch nicht einmal ihre Geschwister. Es wird überprüft, ob infizierte Kinder das Virus überhaupt weiter geben können.
    Das wäre eine große Erleichterung für alle!

  5. Ja mir geht es teilweise genauso das man mit Kindern schon regelrecht angefeidet wird dabei können die kleinen nun wirklich nichts dazu. Und dann erkläre mal einer 3 jährigen warum sie plötzlich von jetzt auf nachher nicht mehr in den Kindergarten darf oder auf den Spielplatz oder eben auch nicht mehr mit ihren Freunden spielen darf oder das auch kein Schwimmbad mehr auf hat dabei ist sie eine extreme wasserratte. Mir ist es einmal passiert das ich schnell was einkaufen musste aber es war niemand da wo meine Kinder hätte nehmen können also habe ich sie mit genommen und beide Kinder in den Wagen gesetzt und am Eingang hat mir dann ein Security klar gemacht das ich mit den Kindern nicht rein darf habe dann gefragt wie er sich vorstellt was ich mit den Kindern machen soll ich kann eine 3 und einen 1 jährigen nicht allein im Auto oder zu Hause lassen als Antwort habe ich bekommen dann geht man eben nicht einkaufen. Habe dann meine Kinder genommen und bin in ein anderes Geschäft aber für mich steht nach der Aktion fest da werde ich nicht mehr einkaufen auch nicht nach der ganzen Corona Zeit.

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