Coronavirus: Warum Kinder meist keine Symptome zeigen

Täglich gibt es neue Meldungen über das Coronavirus. Besonders erschreckend wirkt dabei, dass man bisher noch kaum Erkenntnisse über das Virus und seine Folgen hat. Dass ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen besonders gefährdet sind, gilt inzwischen als gesichert. Immer wieder liest man auch, dass das Coronavirus für Babys und Kinder nicht gefährlich ist, weil es häufig keine Symptome auslöst. Aber stimmt das wirklich? Und wenn ja – warum? Das erklären wir dir hier.

1. Sind Kinder generell immun gegen das Coronavirus?

Nein. Auch wenn das Coronavirus bei Kindern in vielen Fällen keine Symptome auslöst, können sie sich trotzdem genauso anstecken wie alle anderen Menschen. Und leider können sie das Virus auch an andere Menschen weitergeben. Auf der Seite des Bundesgesundheitsministeriums erklärt der Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité, Prof. Dr. Christian Drosten, aktuelle Zahlen aus China. Demnach seien nur 2,5 % aller Menschen, die wegen einer schweren Corona-Infektion im Krankenhaus behandelt werden müssen, jünger als 19 Jahre alt. Wenn man davon ausgeht, dass wir bis zu einem Alter von 12 Jahren von Kindern sprechen, seien noch viel weniger betroffen.

2. Wenn das Coronavirus auch Kinder betrifft, warum zeigen sie dann keine Symptome?

Das es zu COVID-19 bisher nur relativ kurzfristige Erfahrungen gibt, lässt sich das leider noch nicht genau sagen. Allerdings haben Experten drei Vermutungen dazu, die beide mit dem Immunsystem unserer Kinder zu tun haben:

Unreife Rezeptoren?

Einige Kinderärzte gehen aktuell davon aus, dass das Virus an spezielle Rezeptoren andocken muss. Die bei Kindern eventuell einfach noch nicht so weit entwickelt sind, wie Reinhard Berner, Leiter der Pädiatrischen Infektiologie der Uniklinik Dresden, gegenüber dem „SWR“ vermutet. Wenn dies der Fall wäre, könnten sich die betreffenden Viren nicht richtig festsetzen und Entzündungsreaktionen auslösen. Dieses Phänomen ist auch aus Tierversuchen bekannt. Es ist außerdem bekannt, dass Kinder das Coronavirus deutlich länger als Erwachsene ausscheiden. Das spricht ebenfalls dafür, dass ihr Organismus sich nicht besonders beeilen würde, das Virus loszuwerden – wohl deshalb, weil der kindliche Körper das Coronavirus als nicht besonders gefährlich einstufe.

Immunsystem von Kindern ist noch nicht so stark trainiert

Die zweite Theorie erklärt Wissenschaftsredakteur Martin Mair auf der Internetseite von Deutschlandfunk Kultur. Demnach sei das Immunsystem von Kindern noch nicht so stark trainiert wie bei Erwachsenen. Das liegt daran, dass wir einfach schon deutlich häufiger krank waren als unsere Kinder, und unser Immunsystem darauf trainiert ist, mit bestimmten Abwehrreaktionen auf einzelne Erreger zu reagieren. Stattdessen bekämpfe das Immunsystem unserer Kinder das Coronavirus mit allen Mitteln, sodass dass Coronavirus keine Chance habe, sich weiter auszubreiten, so Martin Mair.

Die Lunge von Kindern ist gesünder

Dass eine Infektion mit dem Coronavirus für Kinder meist ohne Symptome abläuft, könnte laut einer Untersuchung aus China auch daran liegen, dass ihre Lunge im Normalfall noch gesünder ist als bei vielen Erwachsenen. Sie rauchen nicht und wurden bisher weniger mit Schadstoffen, Abgasen usw. aus der Luft belastet.

3. Coronavirus: Gibt es schon Studien dazu, warum Kinder keine Symptome zeigen?

Wie gesagt gibt es bisher keine langfristigen Erfahrungen mit COVID-19. Deshalb liegen auch noch keine gesicherten Ergebnisse dazu vor, warum das Coronavirus bei Kindern meist keine Symptome verursacht.

Allerdings gibt es eine erste Studie aus China, mit insgesamt 391 Menschen, die mit dem Coronavirus infiziert sind, und 1.286 ihrer direkten Kontaktpersonen. Das Ergebnis zeigt, dass mit dem Coronavirus infizierte Kinder tatsächlich deutlich seltener Symptome zeigen und krank werden als Erwachsene. Als Grund wird hier die gesündere Lunge der Kinder vermutet, wie schon oben beschrieben.

4. Wenn Kinder nicht gefährdet sind, warum sollten sie Oma & Opa trotzdem nicht besuchen?

Auch wenn eine Infektion mit dem Coronavirus für Kinder häufig ohne Symptome abläuft, heißt das leider nicht, dass sie das Virus nicht weitergeben. Oder anders gesagt: Kinder stecken genauso viele Menschen in ihrer direkten Umgebung mit COVID-19 an wie wir Erwachsenen. Die Gefahr ist sogar noch größer, weil wir es oft nicht merken, wenn unsere Kinder an dem Virus erkrankt sind.

Und genau da liegt die Gefahr für Oma und Opa: Ältere Menschen gehören nämlich zur Risikogruppe, für die das Coronavirus schwere gesundheitliche Folgen haben kann. Wenn sie mit ihren Enkeln spielen oder auf die aufpassen, besteht die große Gefahr, dass sie sich unbemerkt anstecken. Deshalb solltet ihr eure Kinder im Moment nicht von den Großeltern betreuen lassen – und sie nach Möglichkeit auch nicht besuchen.

5. Babys nicht von erkrankten Müttern trennen

Auch Schwangere müssen sich wohl (vorest) keine Sorgen machen: Da laut Reinhard Berner Kinder unter zehn Jahren, die nachweislich mit dem Coronavirus infiziert sind, überhaupt keine Symptome einer Erkrankung zeigen würden, würde er auch Babys nicht von einer infizierten Mutter trennen. Er gehe davon aus, dass das Baby schlicht nicht am Coronavirus erkranken würde.

6. Coronavirus bei Kindern: Wie gefährlich ist es denn nun?

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass Kinder sich zwar genauso häufig mit dem Coronavirus infizieren wie Erwachsene. Allerdings löst die Infektion bei ihnen in den meisten Fällen nur sehr schwache oder sogar gar keine Symptome aus. Über schwere Verläufe oder sogar Todesfälle bei Kindern ist im Zusammenhang mit COVID-19 bisher nichts bekannt. Zumindest in diesem Punkt können wir Mamas uns also etwas entspannen.

Allerdings gilt auch hier: Wenn Kinder unter einer chronischen Vorerkrankung von Lunge, Herz oder an Diabetes leiden, oder ihr Immunsystem aus anderen Gründen wie zum Beispiel eine Chemotherapie geschwächt ist, haben auch sie ein erhöhtes Risiko, dass das Coronavirus schwere Symptome auslöst.

Mehr Informationen zum Thema Coronavirus für uns Mamas (und alle Papas) findest du übrigens hier:

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Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer vierjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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