„Jeder hat seine eigene Neurodermitis“ – auch was die Ernährung betrifft

Echte Mama Katrin ist Mutter eines Zweieinhalbjährigen, der unter Neurodermitis leidet, seit er drei Monate alt ist. Ganz schön kräftezehrend – für Kind und Eltern. Wie wichtig reizarme Nahrungsmittel im Umgang mit der Hautkrankheit sind, weiß die studierte Ernährungsberaterin besonders gut. Sie spricht hier aus der Perspektive der Expertin und der Sicht einer betroffenen Mutter. Katrin erklärt auch, warum eine feste Pflegeroutine im Alltag ebenso bedeutsam ist wie ganz viel Geduld.

Wie jede Mama, deren kleiner Schatz an Neurodermitis leidet, kann sich auch Katrin Splinter noch genau daran erinnern, wie die Hautkrankheit zum ersten Mal aufgetaucht ist. „Mein Sohn hatte mit erst drei Monaten plötzlich Ekzeme im Gesicht“, erzählt die 35-Jährige. Weil die roten Stellen im Gesichtchen nicht besser wurden, ging die junge Mutter irgendwann zum Experten. „Unser Kinderarzt diagnostizierte Neurodermitis und stellte mit einem Bluttest sogar noch eine Kuhmilch- und Hühnereiweißallergie fest“, erzählt Katrin. Dass sich die ersten Neurodermitis-Symptome schon im Säuglingsalter zeigen, ist tatsächlich nichts Ungewöhnliches. Anders als bei größeren Kindern und Erwachsenen ist beim Baby in der Regel nicht die Haut in den Ellbeugen und Kniekehlen betroffen, sondern vor allem das Gesicht, der Bauch und der Rücken. Wie quälend der Juckreiz von trockenen, schuppenden oder gar nässenden Stellen für die Kleinen sein kann, mag man sich gar nicht ausmalen. „Mein Sohn hat sich irgendwann die Hand blutig gebissen, als er noch ganz klein war. Und auch heute schläft er häufig noch schlecht“, erzählt Katrin von ihrem mittlerweile Zweieinhalbjährigen.

Austausch mit Eltern von Kindern mit Neurodermitis Was ist Neurodermitis?

Gehört hat wohl jeder schon von Neurodermitis. Was genau verbirgt sich aber hinter der chronisch-entzündlichen Erkrankung, die schubweise auftritt, und bei der Babys und Kleinkinder mit rund 20 % die am stärksten betroffene Altersgruppe darstellen? „Es handelt sich um eine genetisch bedingte defekte Hautbarriere, d.h. die Haut ist durchlässiger etwa für Bakterien, besitzt weniger Hautfette und kann die Feuchtigkeit schlecht halten“, erklärt Katrin. Die Folge: Die Haut ist extrem empfindlich und angreifbar! In der Familie von Katrin sind keine weiteren Neurodermitiker bekannt – trotzdem geht man davon aus, dass das „atopische Ekzem“, wie Mediziner Neurodermitis auch nennen, vererbbar ist. Auslöser eines Schubes können ganz unterschiedliche Trigger-Faktoren sein. Neben Faktoren wie Allergene, Kleidung, Stress oder jahreszeitliche Einflüsse gehören häufig auch Lebensmittel dazu.

Histaminarme Lebensmittel helfen meist, das Hautbild zu verbessern.

Histaminarme Lebensmittel helfen meist, das Hautbild zu verbessern. Foto: Bigstock

Auf reizarme Ernährung achten

Weil Katrins Sohn beim Auftreten der Irritationen noch so klein war, konnte sie mit Einführung der Beikost Schritt für Schritt austesten, was die Haut gut verträgt und was nicht. „Ganz wichtig: Es gibt nicht DIE EINE reizarme Ernährung, die für jedes Kind gut ist“, sagt Katrin, die sich mittlerweile beim Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) zur Fachkraft für Allergologie weitergebildet hat. Selbst wenn also bekannt sei, dass etwa säurehaltige Zitrusfrüchte von vielen Betroffenen nicht gut vertragen würden, machten „Pauschalausschlüsse“ keinen Sinn. Lieber langsam ausprobieren, was wirklich besser weggelassen werden sollte. „Alle Kinder sollten möglichst bunt und vielfältig essen, damit keine Mangelernährung eintritt. Man sollte auch keine Angst vorm Essen schüren.“ Auf sogenannte Pseudoallergene wie Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker oder Farbstoffe lieber ganz verzichten und so oft wie möglich mit frischen Zutaten kochen!

Tipp von Katrin: „Hat ein Kind eine gut verträgliche Lieblingsspeise gefunden, dann lässt sich diese auch gut vorkochen. Mein Sohn liebt zum Beispiel Möhreneintopf!“

Und damit man den Überblick behält, was geht und was (im Moment) nicht, empfiehlt sich ein Ernährungstagebuch, das du hier herunterladen kannst. Darin notiert man für etwa 14 Tage, was das Kind gegessen hat und wie die Haut sich anschließend verhält. „Eine Reaktion zeigt sich ja nicht sofort, sondern kann auch zeitverzögert – manchmal sogar ein bis zwei Tage später – auftreten“, sagt Katrin. Die Auswertung der Protokolls sollte am besten mit einem Ernährungsexperten erfolgen, ansonsten besteht die Gefahr, dass man Lebensmittel auf Verdacht ausschließt.

Routinen sind wichtig – auch bei der Hautpflege

Die Pflegeroutine ist aus dem Familienalltag von Katrin gar nicht mehr wegzudenken. „Auch das richtige Cremen muss man lernen. Wir haben zu Beginn sogar eine Schulung gemacht“, sagt Katrin. Darin erfahre man einiges über die unterschiedlichen Therapiestufen, also den Grad der Hautreizung, der über die Intensität der Pflege entscheide. Und damit auch darüber, ob – in Absprache mit dem Arzt – Kortison zum Einsatz kommen sollte. „Auch dann darf man das Nachcremen mit einer passenden Basispflege nicht vergessen!“ sagt Katrin. Für ihren Sohn sei es mittlerweile völlig normal, morgens, abends und manchmal noch zwischendurch eingecremt zu werden – nicht nur an den betroffenen Hautpartien, sondern gleich überall. Und eben nicht nur dann, wenn es gerade einen Schub gibt, sondern ganz regelmäßig, um dem nächsten Schub entgegenzuwirken. „Das ist wie Zähneputzen für ihn.“

Pflegeprodukte hat Katrin schon einige gekauft – denn was aktuell vertragen wird, passt im Folgemonat vielleicht schon nicht mehr. „Jeder hat seine eigene Neurodermitis, deshalb müssen meist auch mehrere Cremes ausprobiert werden.“ Als tägliche Basispflege empfiehlt sich besonders im Sommer etwa der schnell einziehende Eucerin AtopiControl Balsam, der auch schon für Neugeborene geeignet ist. Und wenn die Haut wegen eines akuten Schubs zusätzliche Zuwendung braucht, dann gibt es die AtopiControl Akutpflege-Creme von Eucerin. Sie reduziert deutlich den Drang, sich an den betroffenen Stellen zu kratzen. „Ich achte trotzdem immer darauf, dass mein Sohn kurze Fingernägel hat“, erzählt Katrin. Ein weiteres Hilfsmittel vor allem für die Nacht: Die sogenannten „Scratch Sleeves“. „Sieht ein wenig aus wie ein Bolero mit Händen dran.“ Aktueller Pflege-Favorit ihres Sohnes: Das AtopiControl Anti-Juckreiz-Spray von Eucerin, das nicht nur angenehm kühlt, sondern die Haut schnell und langanhaltend beruhigt.

Wie manage ich Neurodermitis im Sommer?

Katrin hat in den vergangenen Jahren gelernt, die Haut ihres Sohnes genau zu beobachten, um sie bestmöglich zu schützen. Wie bei jedem anderen Kind gehört in dieser Jahreszeit natürlich auch Sonnenschutz dazu. „Generell sind Cremes besser verträglich, die ohne Parfum auskommen. Es lohnt sich, auf das DAAB-Siegel zu achten.“ Wichtig: Die Sonnencreme wird nach der normalen Pflege – also etwa dem Eucerin-Balsam – aufgetragen. Es gibt Kinder, denen die Sommersonne wohl dosiert guttut. Generell steigt mit der Hauttemperatur jedoch auch der Juckreiz. Und das Essen? Die von Katrin empfohlene „bunte Ernährung“ fällt im Sommer sicher leichter, weil dann das Angebot an Gemüse und Obst besonders groß ist. Rohkost wie Paprika oder frische Snacks wie Wassermelone, Himbeeren, Apfel, Birne oder Heidelbeeren werden häufig gut vertragen.

In der eigenen Praxis als Ernährungsberaterin kann Katrin beobachten, dass eine Vermeidung von histaminreichen Lebensmitteln wie Tomaten und Schokolade häufig zu einer Verbesserung des Hautbildes führt. „Natürlich muss man immer auf die Bedürfnisse seines Kindes schauen, aber glücklicherweise wächst das Angebot an Kochbüchern mit einer frischen, gemüsereichen Küche mit antientzündlichen Inhaltsstoffen“, sagt Katrin. Im besten Fall schmecken diese Rezepte dann gleich der ganzen Familie, denn auch bei Neurodermitis ist Vorbildsein wichtig! „Als Eltern wächst man da hinein,“ macht Katrin betroffenen Familien Mut für einen guten Umgang mit der Krankheit. „Heilbar“ ist Neurodermitis leider nicht – die Neigung zu Reaktionen besteht ein Leben lang. Es bleibt jedoch Grund zur Hoffnung, denn es kommt durchaus vor, dass sich die Symptome bei betroffenen Babys und Kleinkindern mit dem Heranwachsen sogar ganz verlieren.

Ernährungsexpertin für Neurodermitis

Katrin Splinter kommt aus Emsbüren (Emsland). Nach dem Abitur machte die heute 35-Jährige zunächst eine PTA-Ausbildung. Anschließend arbeitete sie drei Jahre in einer Apotheke, um sich danach noch für ein Oecotrophologie-Studium an der FH Münster zu entscheiden. Nach einer Fortbildung zur Ernährungsberaterin machte sie sich schließlich vor sechseinhalb Jahren selbstständig. Katrin ist Mutter eines Zweieinhalbjährigen.

Alma Ettwig

Ich bin Mutter zweier Söhne (2010 und 2015 geboren) – und oft ist es nicht so einfach, Job und Familie unter einen Hut zu bekommen. Wie gut, dass ich das, was ich tue, so sehr liebe! Schreiben ist immer auch Ausgleich für mich. Für Abwechslung sorgt außerdem unser Labradoodle Kalle, der uns freudig zu Ausflügen an Alster, Elbe und Ostsee begleitet. Der vierte Mann im ohnehin ziemlich lebendigen Haus. Aber ich find’s herrlich!

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