„Mama, mir ist laaaaangweilig!“ – Warum wir nicht immer Entertainer sein müssen

Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich den vergangenen Monaten von meinen Söhnen gehört habe, dass ihnen langweilig sei. Der Tonfall liegt dann immer irgendwo zwischen „leidend“ und „anklagend“. Manchmal ist ihnen sogar „100-mal langweilig“! Sofort schrillen dann irgendwelche Alarmglocken in mir. Und wie auf Knopfdruck sprudeln die Programmvorschläge: „Möchtest du nicht vielleicht malen-basteln-kneten-lesen-buddeln-bauen?“ Nach einer Weile kommt dem kleinen oder größeren Mann dann meist selbst eine Idee – und ich bin erleichtert.

Warum ich Langeweile als bedrohlich empfinde? Und schon dann ein schlechtes Gewissen bekomme, wenn mein Kind mal allein auf einer Schaukel sitzt? Imke Dohmen von mutterhelden.de sagt: „Mütter sind es gewohnt, ständig nach Lösungen zu suchen.“ Die 43-Jährige ist Expertin für Mama Coaching. Und sie findet, dass man gar nicht den Anspruch haben sollte, dauernd alle Begehrlichkeiten zu bedienen. „Sonst speichert das Kind ganz selbstverständlich ab, dass Mama selbst immer die Lösung ist.“

Langeweile kann cool sein – und inspirierend

Ich habe es neulich einfach mal ausprobiert und mich getraut, die Frustration meines Fünfjährigen auszuhalten. Erst hat er genölt, dann sogar geweint. Ich blieb trotzdem ruhig. Ich setzte mich mit ihm zusammen zum „gemeinsam langweilen“ auf die Fensterbank und wir beobachteten die Straße. So viele spannende Fahrzeuge. Und dann fuhren tatsächlich gleich zwei Müllautos vorbei! Schwups wurde das Müllauto von LEGO® DUPLO® geholt und das Gesehene bis ins Detail nachgespielt. Mein Sohn ist ein Kind, das alles, was es aufnimmt, sofort mit seinen geliebten LEGO DUPLO Sets in Szene setzen muss. Kein Wunder, dass er sich furchtbar doll die LEGO DUPLO Waschanlage wünscht, seit er am Samstag mit Papa unser Auto waschen war. Praktisch, dass die Sachen so wunderbar lebensnah sind. Und noch besser, dass ein kleiner „langweiliger“ Augenblick seine Kreativität beflügelt hat. Astrid Lindgren hatte so recht, als sie sagte, dass in Momenten des Nichtstuns und der Langweile häufig neue Ideen entstehen. „Oft werden gerade durch solche Augenblicke Energie und Kreativität freigesetzt – und die Kinder fangen an, sich allein etwas auszudenken“, weiß auch Imke Dohmen. Gerade beim ersten Kind habe man die Tendenz, sich ständig mit anderen Müttern und Kindern zu verabreden. Doch man könne Kinder auch überentertainen. „Wenn ein Kind nicht die Möglichkeit hat, auch einmal Langweile zu leben, dann ist es kein Wunder, dass es sich später schlechter allein beschäftigen kann.“

Unser Alltag regt die Fantasie von Kindern an. Mit den Sets von LEGO DUPLO können sie alles nachspielen.

Unser Alltag regt die Fantasie von Kindern an. Mit den Sets von LEGO DUPLO können sie alles nachspielen.

MUSS ein Kind allein spielen können? Nein!

Omas und Opas einmal weghören – aber habt Ihr von euren Eltern nicht auch schon einmal gehört, dass wir ja früher alle viel besser allein gespielt hätten? Und dabei hätten wir ja LÄNGST nicht so viel Spielzeug gehabt! Wenn man mal ehrlich ist, war es doch so, dass wir halt auch öfter mal ins eigene Zimmer geschickt wurden, wenn es gerade nicht passte. „Bedürfnisorientierte Erziehung“ war damals noch ein Fremdwort. Es fehlten die entwicklungspsychologischen Erkenntnisse dazu. Aber unabhängig davon: Wer ist schon wirklich gern allein? Wenn es so vielen Erwachsenen schwerfällt, warum soll das dann ein kleiner Mensch aushalten können? Und so schleppen noch unsere Vorschulkinder unermüdlich ihr halbes Kinderzimmer ins Wohnzimmer, um uns ganz nah zu sein. Oder bitten darum, dass man sie zwischendurch mal im Zimmer „besucht“.

Sogar mein Zehnjähriger ist einfach nicht der Typ, der stundenlang allein im eigenen Zimmer herumwurschtelt. Er benötigt immer wieder eine Rückmeldung, sehnt sich nach Bestätigung.„Das hat einfach viel mit Veranlagung zu tun“, sagt Imke Dohmen. Mein persönlicher Beweis, dass das wirklich nicht an der Erziehung liegt: Ich habe eine Zwillingsschwester, die gern auch mal ihre Ruhe hatte. Und ich selbst war schon immer lieber unter Leuten. Woher meine Kinder das wohl haben?

Sehnsucht nach Aufmerksamkeit

Trotzdem habe ich mir neulich die Frage gestellt, ob mein kleineres Kind eigentlich wirklich mit mir spielen will, wenn es dies lautstark einfordert. Denn wenn ich mir dann die Zeit nehme, dann muss ich jede Regieanweisung befolgen oder soll am liebsten nur stilles Publikum sein. Scheinbar ist dann die Mama selbst schnell langweilig. „Dem Kind geht es in erster Linie um die Aufmerksamkeit. Mama soll mich anschauen“, sagt Imke Dohmen. Ertappt. Also einfach mal Wäsche Wäsche sein lassen, Computer zuklappen oder Handy aus der Hand legen. Ich weiß, wir alle haben gerade jetzt, wo wir so viel zu Hause sind, gefühlt ständig 100 Sachen parallel zu tun. Müssen Essen machen, Chaos beseitigen und hören 500 Mal am Tag „Mama!!“. Trotzdem ist es wichtig, sich immer wieder ganz bewusst auf das Kind einzulassen. Wenn es nicht anders geht, dann lasse ich meinen Nachwuchs eben neben mir spielen, während ich die Spülmaschine ausräume. Oder bitte ihn, mir zu helfen. Kinder sind doch so gern behilflich, besonders, wenn man ihnen auf Augenhöhe begegnet. Ganz nebenbei bekommt mein Kind ein Gefühl dafür, dass Mama auch Aufgaben hat, die sich nicht von allein erledigen.

Keine Spielidee? Die Story-Starter-Karten von LEGO DUPLO inspirieren Groß und Klein.

Keine Spielidee? Die Story-Starter-Karten von LEGO DUPLO inspirieren Groß und Klein. Foto: PR LEGO DUPLO

Exklusivzeit ist wichtig. Aber Mama darf auch sagen, was sie spielen will

Gestern habe ich mir einfach einen Timer gestellt, damit mein Sohn auch wirklich mal eine Stunde Exklusivzeit von mir bekommt. Als ich dann aber zum x-ten Mal alle Spielzeugautos herausholen sollte, um einen Stau aufzubauen, da habe ich gestreikt. Und ganz schnell die LEGO DUPLO Box aus dem Schrank gezogen, weil es mir einfach mehr Spaß macht, nach eigenen Ideen etwas zu bauen und mir Geschichten auszudenken. Ob das ok war? „Natürlich dürfen Eltern authentisch sein“, sagt auch Imke Dohmen. „Wenn man partout keine Lust auf etwas hat, dann kann man das dem Kind auch zu verstehen geben. Und ihm für ein Nein ein anderes Ja anbieten.“ Ich stelle mir in solchen Momenten jetzt einfach vor, dass ich auch so etwas wie ein großes Kind bin. Und als solches möchte ich manchmal eben nicht bloß Animateur spielen. Wenn uns beiden die Ideen ausgehen, dann haben noch immer die Storystarter-Karten von LEGO DUPLO geholfen: Die Bauanleitungen enthalten lustige Bildergeschichten mit Modellen aus dem Set. Ich war total erstaunt, wie das beim Aufbauen des Bauernhof Sets noch einmal die Fantasie angeregt hat! Plötzlich haben wir ganz neue „Szenen“ nachgespielt. Und ich bin sicher, dass irgendwann der Tag kommen wird, an dem meine Kinder es genießen werden, auch einmal in ihrem Zimmer herumzupuzzeln und ganz frei ihren Gedanken nachzuhängen. Könnte sein, dass ICH dann an ihre Tür klopfe…

Alma Ettwig

Ich bin Mutter zweier Söhne (2010 und 2015 geboren) – und oft ist es nicht so einfach, Job und Familie unter einen Hut zu bekommen. Wie gut, dass ich das, was ich tue, so sehr liebe! Schreiben ist immer auch Ausgleich für mich. Für Abwechslung sorgt außerdem unser Labradoodle Kalle, der uns freudig zu Ausflügen an Alster, Elbe und Ostsee begleitet. Der vierte Mann im ohnehin ziemlich lebendigen Haus. Aber ich find’s herrlich!

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