Unerfüllter Kinderwunsch „Meine beste Freundin hielt mein Glück nicht aus.”

„Meine beste Freundin und ich lernten uns im Abi kennen. Wir hatten gemeinsam den Sportleistungskurs und verbrachten mehr und mehr Zeit miteinander. Als klar war, dass wir nach dem Abi in die gleiche Stadt ziehen würden, suchten wir uns gemeinsam eine Wohnung und gründeten eine WG. Das war eine wunderschöne Zeit. Wir wurden gemeinsam erwachsen, hielten uns nach einer wilden Partynacht die Haare, trockneten unsere Tränen, wenn uns das Herz gebrochen wurde und fuhren zu zweit in die schönsten Urlaube.

Irgendwann lernte ich meinen jetzigen Mann kennen und wir lösten unsere WG auf.

Trotzdem blieben wir beste Freundinnen und hatten täglich Kontakt. Sie lernte ebenfalls ihren Traumprinzen kennen und wir konnten sogar auf Vierer-Dates gehen, so wie wir es uns früher immer ausgemalt hatten. Sie half meinem Mann sogar dabei, den Verlobungsring für mich auszusuchen und als ich schließlich den Antrag bekam, musste ich nicht lange nachdenken, wer meine Trauzeugin sein wird. Damals war ich mir sicher, dass unsere Freundschaft ein Leben lang halten würde.

Nach einem Jahr in ihrer Beziehung stellt sich bei ihr ein dringlicher Kinderwunsch ein. Sie hatte sich schon immer ausgemalt, Mutter zu werden. Im Gegenteil zu mir: Ich hatte nie einen Kinderwunsch und dachte damals keine Sekunde daran, selbst Kinder zu bekommen. Ihr Partner war ähnlich eingestellt und so legten die beiden es bald darauf an, dass sie schwanger wurde.

Doch quälend lange Monate passierte nichts, aus anfänglicher Freude und Aufregung wurde langsam Verzweiflung. Ich war in dieser Zeit immer an ihrer Seite und fuhr irgendwann mit ihr zum ersten Beratungstermin in die Kinderwunschklinik. Nach insgesamt zwei Jahren Kinderwunsch stellte sich heraus, dass meine beste Freundin keine Kinder bekommen kann. Sie und ihr Partner waren gezwungen über eine Adoption oder eine Eizellenspende nachzudenken.

Für sie brach eine Welt zusammen, sie stürzte in eine schlimme Depression.

Nach einem Klinkaufenthalt ging es ihr langsam besser, doch ihre Beziehung zerbrach. Ihre ganze Welt stellte sich auf den Kopf und sie musste eine völlig neue Zukunftsperspektive entwickeln. Und da passierte es: Ich wurde schwanger. Mein Mann und ich hatten die NFP-Verhütung genutzt. Uns war klar gewesen, dass dabei etwas passieren kann, aber damit gerechnet haben wir nicht.

Trotzdem freute ich mich. Die Schwangerschaft war unerwartet, aber wie ein Wunder für mich. Mein Mann und ich freuten uns darauf, Eltern zu werden und vertrauten dem Leben, dass uns diese Möglichkeit gegeben hatte. Aber nach dem Besuch bei meiner Frauenärztin, die mir die Schwangerschaft bestätigte, wusste ich, dass ich es meiner besten Freundin sagen musste. Ich hatte große Angst vor dem Moment. Mir zitterten die Hände, als ich sie um ein spontanes Kaffee-Date bat.

Wir waren beide sehr emotional, als ich ihr die großen Neuigkeiten verkündete.

Heulend lagen wir uns in den Armen. Ich glaube schon, dass sie sich für mich gefreut hat, aber auch der ganze Schmerz kam wieder hoch. Ich sagte ihr, dass ich mir sie als Patentante wünschen würde und sie lächelte unter Tränen. Das war ein sehr schöner Moment und damals dachte ich, dass unsere Freundschaft das schon überstehen würde. Doch kaum saß ich im Auto auf dem Weg nach Hause, erhielt ich eine längere Nachricht von ihr.

Sie schrieb mir, dass sie meine Schwangerschaft sehr aufwühlen würde. Sie wünsche mir nur das Beste, aber sie brauche ein paar Tage für sich, um die Neuigkeit zu verarbeiten. Ich war traurig, aber ich konnte sie verstehen. Also feierte ich meine Schwangerschaft in den kommenden Wochen mit der Familie und anderen Freundinnen. Bei meinen täglichen Updates zu dem kleinen Wunder, das in mir wuchs, ließ ich sie lieber außen vor.

Doch nach zwei Monaten wurde ich langsam unruhig.

Ich vermisste meine beste Freundin und fragte sie nach einem Treffen. Wenig später trafen wir uns bei ihr, verhalten lächelten wir uns an. Sie fragte nach meiner Schwangerschaft und ich zeigte ihr ein Ultraschallbild. Auch wenn ich spürte, dass sie sich Mühe gab, war ihre eigene Traurigkeit greifbar, als sie das Bild anschaute. Sofort bekam ich ein schlechtes Gewissen. Sie sagte mir dann auch, dass sie noch nicht verarbeitet habe, dass sie niemals Mutter werden würde.

Nach dem Treffen hörte ich nichts mehr von ihr. Ich habe mich aber auch nicht mehr gemeldet, weil ich verunsichert war. Würde sie mein wachsender Bauch nicht traurig machen? Ein bisschen Egoismus mag mich auch beeinflusst haben: Ich wollte meine Schwangerschaft mit Menschen verbringen, die sich darüber freuten und mir ein gutes Gefühl gaben. Die Reaktion meiner besten Freundin hatte mir ein schlechtes Gewissen gemacht und dem wollte ich ausweichen.

Ich ließ zu, dass wir monatelang nichts voneinander hörten – bis zur Geburt.

Auch sie bekam von uns die obligatorische Whatsapp-Nachricht mit einem ersten Foto von unserem Engel, die wir an die Familie und die engsten Freunde geschickt hatten. Eine Antwort darauf erhielt ich nie, im Wochenbett war ich aber sowieso kaum am Handy. Erst Wochen nach der Geburt fand ich ihre Mail in meinem Posteingang.

Sie gratulierte mir zur Geburt unseres ersten Kindes und schrieb, dass ich eine wundervolle Mutter sein würde. Doch der eigentliche Anlass ihres Briefes war, dass sie mich wissen ließ, dass sie vorerst keinen Kontakt zu mir oder dem Baby wollte – um ihre psychische Gesundheit zu schützen. Sie bat mich, das zu respektieren. Ich war geschockt und traurig, aber ich konnte sie auch verstehen.

Ich hatte schließlich mitbekommen, wie schwer das alles für sie war.

Am Anfang dachte ich noch beinahe täglich an meine beste Freundin, aber bald hatte mein neues Leben als Mama mich vollkommen vereinnahmt. Die Jahre vergingen und inzwischen habe ich akzeptiert, dass wir wahrscheinlich nie wieder an unsere Freundschaft anknüpfen werden. Ich habe mittlerweile zwei Kinder und neue Freundinnen. So innig wie mit ihr sind meine neuen Freundschaften nicht, aber das ist okay.

Ich habe verstanden, dass es Dinge gibt, die auch die engste Freundschaft zerstören können. Es ist schade, dass es so gekommen ist, aber ich habe meinen Frieden damit gemacht. Ich bin dankbar, dass ich so viele Jahre mit ihr an meiner Seite verbringen durfte. Doch nun haben wir beide neue Kapitel im Leben aufgeschlagen und ich hoffe sehr, dass ihres genauso schön ist wie meines.”


Vielen Dank, liebe Verena, dass Du Deine Geschichte mit uns geteilt hast. Wir wünschen Dir und Deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!

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Lena Krause
Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg. Am liebsten erkunde ich mit ihm die vielen grünen Ecken der Stadt. Auch wenn ich selbst keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz. Schon als Kind habe ich das Schreiben geliebt – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit so einem schönen Thema befassen. Das passt einfach!

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