Kinderwunschklinik – muss ich da wirklich hin?

Beneidenswert, wenn jemand sich ein Kind wünscht und innerhalb der ersten Monate schwanger wird. Du gehörst leider nicht dazu?

Es ist nur ein kleiner Trost, aber wenigstens bist du nicht allein: Es gibt in Deutschland tatsächlich 1,5 bis 2 Millionen ungewollt Kinderlose.

Jedes 6. (!) Paar in Deutschland hat Schwierigkeiten, schwanger zu werden und braucht ärztliche Unterstützung.

Bevor du dich jedoch unnötig stresst: Es ist normal, es bis zu einem Jahr erfolglos zu probieren. Schließlich hat man pro Zyklus im besten Fall nur eine 25-prozentige Chance; bei Frauen ab 35 ist diese sogar noch geringer.

Wenn nach einem Jahr nichts passiert ist, solltest du zusammen mit deinem Partner einen Arzt aufsuchen. Der Gynäkologe oder Urologe macht dann erste Untersuchungen. Kann er nicht weiterhelfen, bleibt oft nur der Weg in die Kinderwunschklinik.

Was das ist? Eine Einrichtung, in der Reproduktionsmediziner Frauen und Männer untersuchen und behandeln, die auf natürlichem Weg bisher kein Kind bekommen konnten.

Wir wissen: „Reproduktionsmedizin“, „Kinderwunschklinik“, „künstliche Befruchtung“ sind Worte, vor denen du dich fürchtest.

Weil du nicht weißt, was auf dich zukommt. Weil du Angst hast, enttäuscht zu werden. Es ist normal, dass du dich so fühlst.

Lass uns dir helfen, den ersten Schritt in die Kinderwunschklinik zu setzen.

Hier 5 Fakten, die dir Mut machen:

  1. Glaube daran: Die Ärzte wollen dir helfen, schwanger zu werden
    Klar, sie wollen auch Geld verdienen, aber ohne Idealismus und Interesse wählt kein Arzt diesen Fachrichtung. Sie sind nicht nur Spezialisten in ihrem Fach und kennen alle Methoden, sie haben auch Erfahrung im Umgang mit emotionalen Situationen.
  2. Informiere dich vor Ort erstmal kostenlos und unterverbindlich
    Seriöse Einrichtungen, ob Privatpraxen oder Uni-Kliniken, bieten in regelmäßigen Abständen Informationsabende an. Sie klären dabei über verschiedene Therapien auf, den Ablauf in der Praxis, Kosten etc. Wonach du unbedingt fragen solltest: Nach der Erfolgsquote der Klinik: Also, wie viele Frauen wurden mit welcher Methode schwanger? Jede seriöse Einrichtung kommuniziert diese Zahlen. Dann kannst du auch vergleichen.
  3. Keiner muss wissen, dass es bei euch nicht klappt
    Natürlich unterliegt auch die Kinderwunsch-Praxis der Schweigepflicht wie alle Ärzte. Wenn du befürchtest, von deinem Nachbarn dort gesehen zu werden, dann wähle eine Klinik, die etwas weiter von deinem Wohnort entfernt ist (im Zweifelsfall ist ein Treffen deinem Nachbarn so unangenehm wie dir). Andererseits: Niemand muss sich dafür schämen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
  4. Überlege dir gut, wen du einweihst
    Je mehr Leute über deine Situation Bescheid wissen, desto mehr werden dich darauf ansprechen – und eventuell ins Fettnäpfchen treten, wenn ein Behandlungszyklus gerade nicht geklappt hat. Emotionale Unterstützung ist sehr wichtig, frage dich aber, von wem du sie wirklich brauchst: Reicht erst einmal dein Partner oder willst du auch Familienmitglieder oder enge Freunde informieren? Übrigens: Die Praxen haben auch Kontakt zu Selbsthilfegruppen, wenn du diese Art der Unterstützung bevorzugst.
  5. Die Diagnose „künstliche Befruchtung“ ist keine Katastrophe
    Denn immerhin hast du eine Chance, schwanger zu werden. 2015 wurden rund 96.000 Frauen durch künstliche Befruchtung schwanger – bei insgesamt 738.000 Geburten. Rund 13 Prozent aller Kinder stammten in diesem Zeitraum also von Müttern, die ärztlich behandelt werden mussten. Es wird also immer mehr zur Normalität, sich Hilfe zu holen.

Also, los, trau dich. Du hast nichts zu verlieren.

Sich zu informieren schadet nie!

Tamara Müller

Als süddeutsche Frohnatur liebe ich die Wärme, die Berge und Hamburg! Letzteres brachte mich vor fünf Jahren dazu, die Sonne im Herzen zu speichern und den Weg in Richtung kühleren Norden einzuschlagen. Ich liebe die kleinen Dinge im Leben und das Reisen. Und auch wenn ich selbst noch keine Kinder habe, verbringe ich liebend gerne Zeit mit ihnen.

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