Ich wurde schwanger – und meine beste Freundin war weg!

Wenn die ersten Babys auf die Welt kommen, verändert das den Freundeskreis. Vielleicht hat man für eine Weile verschiedene Themen, vielleicht sieht man sich eine Weile seltener, findet dann wieder zusammen oder lebt sich schleichend auseinander. Aber dass die beste Freundin über Nacht abtaucht, weil man schwanger ist? Genau das hat unsere Echte Mama Yasmin aus Görlitz erlebt – und knapst auch nach drei Jahren noch daran.

„Ich sah gleich, dass sie sich nicht für mich freute“

„Ich war richtig hibbelig, als ich mich auf den Weg machte, um Betty von meiner Schwangerschaft zu berichten. Nein, die ersten ‚unsicheren‘ ersten zwölf Wochen waren noch nicht rum. Hey, sie war schließlich meine beste Freundin. Wir haben alles geteilt, seit wir uns in der siebten Klasse das erste Mal begegnet sind. Wir wussten auch die peinlichen Sachen voneinander. Zum Beispiel, dass sie auf Instagram immer noch ihren Ex ’stalkte‘ – und dass ich jedes Mal schon zwei Tage vor der fälligen Periode fünf Schwangerschaftstest verschliss, so sehr wünschte ich mir ein Kind.

‚Ich bin endlich schwanger‘, platzte es aus mir heraus, kaum dass sie die Wohnungstür geöffnet hattet. Ich kramte meinen Schwangerschaftstest aus der Tasche und hielt ihr das Stäbchen entgegen. ‚Schau mal‘. Sie strecke abwehrend ihre Hand aus. ‚Lass mal, der ist in deinem Urin geschwommen, oder?‘ Da habe ich noch gekichert. Kann man schließlich verstehen, dass sie trotz unserer Nähe nicht meine Körperflüssigkeiten an ihren Händen haben will! Dann ist mir aufgefallen, dass sie zwar ihre Mundwinkel nach oben gezogen hatte, aber die Augen nicht mitlächelten.

So hat sie in der Schule gelächelt, wenn sich ein Mädchen das gleiche Kleid wie sie kaufen wollte.

So hat sie erst vor kurzem gelächelt, als ihr Ex von seiner neuen Freundin erzählt hat. Während unseres Gesprächs blieb dieser Gesichtsausdruck. ‚Das ist so toll‘, behauptete sie. Aber irgendwie hatte ich das Gefühl, es hatte ihr besser gefallen, mich zu trösten, wenn es mit dem Baby mal wieder nicht geklappt hat, als sich jetzt mit mir zu freuen.

Ich versuchte, das Gespräch schnell auf andere Themen zu bringen. Vielleicht fürchtete sie ja nur, unsere Freundschaft würde sich zu sehr verändern? Schließlich hatten wir über viele Jahre zu gerne gemeinsam die Nächte durchgemacht, das würde in naher Zukunft wohl erstmal nicht mehr gehen. Ich ließ vor allem sie reden, damit sie merkte, dass ich nicht vorhatte, eine Mutterglucke zu werden, die kein Ohr mehr für anderes hat. Tatsächlich entspannte sie sich, während sie beruflichen Ärger und Liebeskummer bei mir abließ – und stellte mir nicht eine Frage zu meiner Schwangerschaft.

Doch in der Zeit darauf wich sie mir aus. Wenn ich sie fragte, ob wir uns abends treffen wollten, wiegelte sie ab. Sie sei schon mit Kollegen verabredet. Bald fiel auch unser wöchentliches Zumba-Date aus. ‚Zu viel zu tun, ich will mich in nächster Zeit mehr auf die Arbeit konzentrieren.‘ Zum ersten Mal ging mir auf, wie sehr wir einander bis dahin vereinnahmt hatten. Wir beide hatten kaum andere Freundinnen – vielleicht weil ich dachte, wir bräuchten sie nicht. Zum Glück lernte ich später im Geburtsvorbereitungskurs ein paar wirklich tolle Mädels kennen. Sonst hätte ich mich in der Elternzeit verdammt einsam gefühlt.

Auf meine WhatsApp-Nachricht nach der Geburt meiner Tochter reagierte sie nämlich schon gar nicht mehr.

Als wir uns einmal zufällig auf der Straße getroffen haben, winkte sie mir kurz zu und huschte vorbei. Das war ein echter Stich ins Herz. Inzwischen glaube ich, dass ich nie rausfinden werde, was in ihr vorging. Einmal – kurz nach der Geburt – habe ich meinen Mut zusammengenommen und ihr eine lange Mail geschrieben. Ich beschrieb ihr ohne Vorwürfe, was ich fühlte und wie sehr ich unsere Entfremdung bedauerte. Ich schrieb ihr, dass ich sie vermisste. Immerhin erhielt ich eine Antwort. Sie befände sich gerade in einer Phase der Neuorientierung. Dabei wolle sie alles abschütteln, das ihr nicht guttue. Es traf mich, dass ich dazu gehören sollte. Am nächsten Tag entfernte sie mich als Instagram-Followerin und löschte all die lustig-albernen Videos von uns, auf denen wir kaum eine Tanz-Challenge ausgelassen haben.

Mein Freund, der Betty immer schon egoistisch fand, tat ihr Verhalten lapidar ab. „Die ist doch bloß missgünstig.“ Vielleicht ist da ja sogar etwas dran. Ich habe mich auf blühendes Familienglück gefreut, während sie ihrem Freund nachtrauerte. Aber hätten wir darüber nicht reden können?

Sie fehlt mir auch heute noch so sehr.

All die Erinnerungen, die nur sie mit mir teilt. Insgeheim hoffe ich, dass ich irgendwann doch noch von ihr höre, vielleicht wenn sie mit sich und der Welt wieder im Reinen ist. Hoffentlich schaffe ich es dann, nicht nachtragend, sondern für sie da zu sein, falls sie mich braucht…“

Danke, liebe Yasmin, für deine echte und ehrliche Geschichte. Wenn sich ein geliebter Mensch plötzlich abwendet, tut das weh. Gute Freunde müssen einen nicht immer in Watte packen. Sie sollten ruhig ehrlich (aber einfühlsam!) ihre Meinung sagen und deine ertragen. Sie decken dir bei deinen Kämpfen den Rücken, und feiern mit dir deine glückliche Momente. Es kann so viel passieren – Jobverlust, Trennung, Hochzeit oder eben eine Geburt. Eine Freundschaft, die es nicht erträgt, wenn sich die Lebensumstände des anderen ändern, ist da von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Wurdet ihr schon einmal von jemandem „geghostet“, der euch nahestand? Wie seid ihr damit umgegangen?

Jana Stieler

Ich lebe mit Mann und Sohn im Süden Hamburgs – am Rande der Harburger „Berge“ (Süddeutsche mal kurz weghören: Der höchste Punkt misst immerhin sagenhafte 155 Meter ü. M.). Wenn ich nicht gerade einen Text verfasse, liebe ich Outdoor-Abenteuer mit meiner Familie, lange Buch-Badewannen-Sessions mit mir allein und abendliches Serien-Binge-Watching.

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