Roses Revolution Day: Gegen Gewalt in der Geburtshilfe

Die Geburt des eigenen Babys ist einer der schönsten Momente für uns Mamas. Neun Monate fiebern wir (im Normalfall) diesem Tag entgegen, an dem wir das kleine Wunder aus unserem Bauch endlich zum ersten Mal sehen und in den Armen halten dürfen. Leider haben nicht alle Mamas das Glück, die Geburt als schönes (wenn auch schmerzhaftes) Erlebnis in Erinnerung zu behalten. Denn immer wieder kommt es zu traumatischen Erlebnissen, häufig ausgelöst durch Gewalt in der Geburtshilfe. Genau darauf möchte der Roses Revolution Day aufmerksam machen – und den betroffenen Mamas zeigen: Ihr seid nicht allein!

Was es genau mit diesem Aktionstag auf sich hat, wann er stattfindet, und wie du daran teilnehmen kannst, erfährst du hier. Außerdem erzählen Mamas, die Gewalt unter der Geburt erlebt haben, von ihren Erfahrungen.

1. Was ist der Roses Revolution Day?

Der Roses Revolution Day ist ein weltweiter Aktionstag gegen Gewalt in der Geburtshilfe. Er findet jedes Jahr am 25. November statt und soll ein Zeichen für eine gewaltfreie Geburt setzen.

An diesem Tag können und sollen alle Frauen, für die die Geburt wegen des Verhaltens von Arzt/Ärztin oder Hebamme zum traumatischen Erlebnis wurde, eine rosafarbene Rose und einen Brief vor der Tür des Kreißsaals, Krankenhauses oder Geburtshauses ablegen und fotografieren. Anschließend werden die Bilder bei Facebook und Twitter mit dem Hashtag #rosrev geteilt.

Auf diese Weise setzen sie gemeinsam offline und online ein Zeichen gegen Gewalt und Respektlosigkeit während der Geburt und im Wochenbett.

Was gilt als Gewalt in der Geburtshilfe?

Bei Gewalt in der Geburtshilfe denken wir häufig zuerst an unnötige Dammschnitte, Saugglocken, grobe Ärzte und Hebammen – also vor allem körperliche Gewalt. Dabei spielt auch die psychische Ebene eine große Rolle. Denn auch, wenn das Klinikpersonal respektlos mit der Intimsphäre der Frau umgeht, unangemessene Witze macht oder ihr bestimmte Dingte aufzwingt, sie sie selbst nicht möchte, kann das zu Verunsicherung führen und Spuren hinterlassen.

Beispiel für Gewalt in der Geburtshilfe sind:

  • unangemessene, vielleicht sogar sexualisierte Sprüche/Witze
  • anschreien oder beleidigen
  • unangekündigte vaginale Untersuchungen (evtl. sogar von verschiedenen Personen)
  • die Schwangere dazu zu zwingen, während der Wehen liegen zu bleiben
  • ein CTG während der Wehen im Liegen durchzuführen – gegen den Willen der Schwangeren
  • während der Wehen mehrfach nach dem Muttermund zu tasten
  • die Schwangere aufzufordern, sie solle sich nicht so anstellen
  • Drohungen auszusprechen („Wenn Sie x nicht machen, bringen Sie Ihr Baby in Gefahr“)
  • die Schwangere zu zwingen, während der Geburt zu liegen – oder ihr eine andere Geburtsposition aufzuzwingen
  • die werdende Mama während der Geburt allein zu lassen
  • den Kristeller Handgriff ohne Einverständnis und Aufklärung durchzuführen, um die Geburt zu beschleunigen
  • ohne Einverständnis einen (medizinisch nicht notwendigen) Dammschnitt durchzuführen
  • einen Kaiserschnitt zu machen, der medizinisch nicht notwendig wäre
  • die Vagina nach der Geburt ohne Einverständnis enger zu nähen (Husband Stitch)

Mehr Infos dazu findet ihr auch unter traumageburtev.de

Musstet du auch Gewalt in der Geburtshilfe erleben?

Dann erzähle uns davon, wenn du magst.
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2. Wobei soll der Roses Revolution Day helfen?

Mit dem Aktionstag soll weltweit auf das Thema „Gewalt in der Geburtshilfe“ aufmerksam gemacht werden. Denn obwohl laut Schätzungen mindestens 30 % aller Schwangeren davon betroffen sind, ist es für viele noch immer ein Tabu-Thema. Nach wie vor trauen sich (zu) viele Frauen nicht, über ihre negativen Erfahrungen zu sprechen. Der Roses Revolution Day soll ihnen zeigen: Ihr seid mit eurer Geschichte nicht allein!

Gleichzeitig soll auch die Öffentlichkeit auf das Thema aufmerksam gemacht werden. Und auch die betroffenen Ärzte/innen und Hebammen bekommen so ein Feedback und werden für die Empfindungen der Schwangeren und die Auswirkungen ihres Handelns sensibilisiert.

Seit 2011 gibt es außerdem eine Charta für „Respektvolle Geburtshilfe“, die von der White Ribbon Alliance herausgegeben wurde. Darin sind 7 Rechte definiert, auf die Schwangere sich berufen können. Demnach hat jede Frau während Schwangerschaft und Geburt das Recht auf:

  1. Freiheit von Schaden und Misshandlung
  2. Information, informierte Zustimmung bzw. Ablehnung sowie Achtung von Entscheidungen und Präferenzen, einschließlich des Rechts auf Unterstützung durch eine Person der Wahl, soweit das möglich ist.
  3. Vertraulichkeit und Privatsphäre
  4. Würde und Respekt
  5. Gleichbehandlung, Freiheit von Diskriminierung, angemessene Betreuung
  6. zeitnahe medizinische Versorgung und Gesundheitsleistungen der höchstmöglichen Qualität.
  7. Freiheit, Autonomie, Selbstbestimmung, Freiheit von Nötigung

Die ausführliche Version mit allen Erklärungen und Beispielen findest du hier.

3. Wann ist der Roses Revolution Day?

Der Roses Revolution Day findet seit 2011 jedes Jahr am 25. November statt. Das ist kein Zufall, sondern gleichzeitig auch der „Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen“.

Der Roses Revolutions Day ist ein Aktionstag gegen Gewalt in der Geburtshilfe.

Der Roses Revolutions Day ist ein Aktionstag gegen Gewalt in der Geburtshilfe.
Logo: Roses Revolution Deutschland

4. Warum legt man eine Rose vor dem Kreißsaal ab?

Die rosafarbene Rose ist ein Symbol für die persönlichen Geschichten der betroffenen Frauen. Sie soll ihnen eine Stimme geben und gleichzeitig die Verletzlichkeit und das Leid ausdrücken, das sie erleben mussten. Viele Betroffene legen außerdem einen Brief dazu, in dem sie schreiben, was ihnen passiert ist oder angetan wurde. So haben Ärzte und Hebammen die Möglichkeit, zu lesen, was ihr Verhalten bei den Schwangeren ausgelöst hat, und welche Folgen Gewalt in der Geburtshilfe haben kann.

5. Wie kann ich am Roses Revolution Day teilnehmen?

Wenn auch du den Folgen von Gewalt in der Geburtshilfe leidest, kannst du den Roses Revolution Day nutzen, um ein friedliches Zeichen zu setzen und auf das Thema aufmerksam zu machen. Denn leider wird auch heute noch viel zu wenig darüber gesprochen. Dabei ist es so wichtig, den Betroffenen zu zeigen, dass sie nicht allein sind! Und Ärzten und Hebammen klar zu machen, welche schlimmen Folgen ihr Handeln haben kann.

In Deutschland ist der ehrenamtliche Verein Traum(a)Geburt e.V. der Initiator der Aktion und kümmert sich auch um die (anonyme) Veröffentlichung von Fotos und Geburtsberichten.

Wenn du an dem Aktionstag teilnehmen möchtest:

  • Lege eine rosafarbene Rose vor die Tür des Kreißsaales, der Klinik oder des Geburtshauses, in dem du die Gewalt während der Geburt erlebt hast. (Achtung: Während der Corona-Zeit ist der Zutritt ins Krankenhaus vermutlich nicht möglich. Vor der Klinik oder dem Geburtshaus kannst du die Rose aber ablegen, wenn du eine Maske trägst.)
  • Wenn du magst, kannst du auch einen Brief dazu legen, in dem du erzählst, was genau dir passiert ist, wie du es erlebt hast, und welche Folgen es für dich hatte.
  • Dann fotografierst du deine Rose und postest das Bild mit dem Hashtag #rosrev bei Facebook oder Twitter.
  • Wenn du deinen Geburtsbericht ebenfalls teilen möchtest, kannst du den Hashtag #mylabour nutzen.
  • Falls du lieber anonym bleiben möchtest, kannst du das Foto und/oder den Bericht auch per E-Mail an info@rosesrevolutiondeutschland schicken. Dann wird es von Traum(a) Geburt e.V. anonym auf der Roses Revolution-Facebook-Seite und/oder bei Instagram veröffentlicht.

6. Wie ist der Roses Revolution Day entstanden?

Zum ersten Mal fand die „Roses Revolution“ im Jahr 2011 in Spanien statt. Die Idee dazu kam von der Geburtsaktivistin Jesusa Ricoy. Zwei Jahre später nahm sie an einer Konferenz zum Thema „Menschenrechte während der Geburt“ teil. Dort erfuhren andere Frauen von der Aktion und starteten im selben Jahr ihren Heimatländern ebenfalls einen Roses Revolution Day – unter anderem auch bei uns in Deutschland. Nur ein Jahr später nahmen hier schon mehr als 17.000 Frauen aktiv an dem Aktionstag teil, und seitdem werden es jedes Jahr mehr.

7. Gewalt in der Geburtshilfe: Erfahrungen aus der Echte Mamas Community

Auch in unserer Echte Mamas Community mussten viele Mamas Gewalt während der Geburt erleben. Einige von ihnen haben uns ihre Geschichten erzählt:

„Ich wurde ohne Betäubung genäht.“

„Die Ärztin hat mich nach der Geburt ohne Betäubung genäht. Als ich vor Schmerzen schrie und weinte, meinte sie, ich könne überhaupt nichts merken wegen der PDA. Aber die hatte zu diesem Zeitpunkt schon lange nachgelassen.“

„Die Krankenschwestern haben mich ausgelacht – trotz meiner Schmerzen.“

„Mir wurde bei der Geburt immer wieder gesagt, dass ich nicht fähig wäre, eine gute Mutter zu sein. Weil ich zu jung wäre. Und nach der Geburt als ich Milcheinschuss hatte, wurde ich von den Hebammen ausgelacht. Ich hatte höllische Schmerzen und quasi über Nacht vier Körbchengrößen mehr und bin ins Schwesternzimmer, um mir Rat zu holen. Da kam nur: ‚Oh nein, sie hat Milcheinschuss. Sie wird sterben…‘. Und dann haben alle gelacht. Ich habe angefangen zu weinen, weil alle gelacht haben. Hinterher kam heraus, dass alle Brustdrüsen stark entzündet waren.“

„Die Hebamme zog zu brutal an mir, dass meine Plazenta riss und ich notoperiert werden musste

„Als mir die Hebamme noch einmal auf den Bauch drückte, um die Gebärmutter zu kontrollieren, kam ein großer Schwall Blut aus mir heraus. Dann ging alles ganz schnell. Die Ärzte nahmen mir mein Kind weg und drückten es dem überforderten Vater in den Arm. Dann liefen sie mit mir in den OP. Noch bevor ich dort ankam, bekam ich eine Narkose und schlief ein.

Die Hebamme hatte offenbar so brutal bei der Geburt an mir herumgezogen, dass die Plazenta gerissen war. Ich blutete stark in den Bauchraum, das Blut kam erst durch das Drücken auf den Bauch zum Vorschein. Vier Blutkonserven benötigte ich, um meinen Kreislauf stabil zu halten.

Als ich wieder wach wurde, saß mein Freund neben mir. Er war ganz blass. Die Ärzte hatten ihm kommentarlos meinen Schmuck in die Hand gedrückt, den ich für die Geburt nicht abgenommen hatte. Offenbar dachte er kurz, ich wäre verstorben und keiner klärte ihn auf.

Mehr Berichte und Erfahrungen aus der Echte Mamas Community findet ihr hier:

Warum der Roses Revolution Day so wichtig ist
Meine gewaltvolle Geburt

8. Video: Roses Revolution Day – Berichte von betroffenen Mamas

Auch bei YouTube gibt es viele Videos zum Roses Revolution Day, in denen Mamas ihre Geburtsberichte teilen. Dabei fällt es vielen sehr schwer, über das Erlebte zu sprechen, denn die körperliche und auch psychische Gewalt während der Geburt hat tiefe Spuren hinterlassen:

Mehr Infos zum Roses Revolution Day findest du hier >>>

Außerdem bietet der gemeinnützige Verein Traum(a)Geburt e.V. allen Betroffenen schnelle und unbürokratische Hilfe an – auch für den Notfall.

Du bist selbst von Gewalt in der Geburtshilfe betroffen oder leidest an einem Geburtstrauma? Auf der Seite von Traum(a)Geburt e.V. bekommst du (nicht nur) im Notfall schnelle und unbürokratische Hilfe.

Wenn du uns und anderen Mamas von deinen Erfahrungen erzählen oder darauf aufmerksam machen möchtest,

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Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern.

Seit 2015 sind wir Eltern einer zauberhaften Tochter. Zwei Jahre später kam ihr kleiner Bruder auf die Welt, und unsere Familie war komplett. Zusammen sind die beiden ein unschlagbares Team, das sich nur allzu gern gegen Mama und Papa verbündet.

Abgesehen von meiner Familie liebe ich den Hafen, fotografiere gern und gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Texte und Social Media ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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