Kristeller Handgriff – ein No-Go? Erfahrungen, Folgen & Tipps

Manchmal stagniert die Geburt zu lang. In einigen Krankenhäusern kommt dann der Kristeller Handgriff zum Einsatz – ein umstrittenes Manöver. Warum das so ist und wieso die Erfahrungen von Mamas trotzdem nicht immer schlecht sind. Plus: Was der Kristeller Griff überhaupt ist, wie er funktioniert und welche Risiken, Folgen, Verletzungen und Alternativen es gäbe.

1. Das Wichtigste auf einen Blick

  • Der Kristeller-Handgriff ist eine umstrittene Methode zur Geburtshilfe.
  • Eine Hebamme oder Ärztin drückt von oben außen auf den Bauch der Mutter, um das Kind während der Wehe mit hinauszuschieben.
  • Vor allem angewendet, wenn die Geburt stagniert, die Herztöne schlecht sind und Eile geboten ist.
  • Verletzungen und Folgen sind leider nicht selten; der Erfolg ist wissenschaftlich nicht bewiesen.
  • Deshalb steht der Griff in der Kritik – verboten ist er nicht.
  • Es kommt vor allem auf die Aufklärung und die Sanftheit der Durchführung an.
  • Alternativen können Frauen vor Eingriff schützen.

2. Was ist ein Kristeller Handgriff?

„Achtung, wir drücken jetzt mal ein bisschen von oben mit!“ Das, was dieser harmlos anmutenden Aussage während einer Geburt folgt, wird für einige Gebärende zu einer schmerzhaften, manchmal sogar traumatischen Erfahrung.

Die Rede ist vom sogenannten Kristeller Handgriff oder Kristeller Manöver, bei dem im Rhythmus der Wehen von außen starker Druck auf die Gebärmutter ausgeübt wird. Es soll helfen, das Kind durch den Geburtskanal zu schieben und die Geburt voranzutreiben.

Benannt wurde der Handgriff nach dem Frauenarzt Samuel Kristeller, der die Methode 1867 erstmals anwendete.

Die Methode ist unter Experten sehr umstritten und viele Frauen, bei denen sie angewendet wurde, leiden nach der Geburt unter physischen und psychischen Folgen. Immer noch wird sie bei vielen Gebärenden nämlich ohne vorherige Aufklärung durchgeführt.

So erlebten es auch einige Mütter aus unserer Echte Mamas Community, die in diesem Artikel ihre Erfahrungen mit dem Kristeller Handgriff schildern.

Das sagen die Experten zum Kristeller Handgriff

Die Weltgesundheitsorganisation WHO spricht sich in ihren Richtlinien für die Geburtshilfe nicht für das Kristellern aus. Die möglichen Folgen für Mutter und Kind seien zu riskant.

Auf einem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe in München im Jahr 2010 stand der Kristeller-Handgriff ebenfalls heftig in der Kritik, da „Erfolg und Nebenwirkungen des Kristellerns wissenschaftlich zu wenig geprüft“ seien, wie in der FAZ berichtet wurde.

3. Durchführung: Wie funktioniert der Kristeller Handgriff?

Beim Kristeller Manöver wird in einem 30- bis 40-Grad Winkel zur Wirbelsäule von außen Druck auf deinen Oberbauch beziehungsweise den oberen Rand der Gebärmutter ausgeübt.

Die Hebamme oder der Arzt / die Ärztin schiebt dabei synchron zu den Wehen vertikal nach unten, so dass dein Baby tiefer in den Geburtskanal gedrückt wird.

Auf diese Weise soll deine aktive Bauchpresse unterstützt und die Geburt beschleunigt werden.

Was sind die Voraussetzungen für den Kristeller Handgriff?

Bevor Ärzte oder Hebammen den Kristeller-Handgriff einsetzen dürfen, müssen sie sicherstellen,

  • dass der Muttermund vollständig geöffnet ist
  • und die Austreibungsphase begonnen hat.
  • Er darf also erst in der letzten Phase der Geburt angewendet werden.
  • Außerdem darf sich das Baby nicht mit der Schulter hinter dem Schambein der Mutter verkeilt haben. Bei dieser Komplikation, die auch Schulterdystokie genannt wird, kann der Kristeller Handgriff im schlimmsten Fall zu Bruchverletzungen bei Mutter und Kind führen.
  • Befindet sich der Kopf deines Babys noch oberhalb deines Beckenausgangs, darf das Manöver ebenfalls nicht angewendet werden.

4. Kristeller Handgriff Erfahrungen – und wann er bei der Geburt angewendet wird

1. Wenn die Geburt stagniert

Den Handgriff ziehen die Ärzte vor allem dann in Erwägung, wenn deine Geburt nicht mehr weiter geht. Das kann viele Gründe haben. Manchmal sind es die Sternengucker, die einen „Schubs“ brauchen brauchen, weil das Hinterköpfchen in dieser Lage gegen das Steißbein drücken kann.

Auch eine sehr kurze oder umwickelte Nabelschnur kann dafür sorgen, dass dein Baby festsitzt und trotz Pressens immer wieder in den Geburtskanal zurück rutscht. Dasselbe gilt für Babys, die mit einer oder beiden Händen an der Wange auf die Welt kommen.

So wie bei diesen beiden Müttern aus unserer Echte Mamas Facebook-Gruppe:

Erfahrungen von Müttern mit Kristeller Griff und Saugglocke

Para: „Bei mir wurde es gemacht, weil ich einen Sterngucker hatte, dessen Herztöne schlechter wurden. Unten hat der Arzt mit Saugglocke gezogen, oben hatte die eine Hebamme ein Laken unter meinen Rücken durchgeschoben, oben verknotet und dort Druck ausgeübt. Meine Rippen haben noch ein paar Tage weh getan, aber davon abgesehen (und vom Dammschnitt) sind mein Sohn und ich da heil rausgekommen. Also, klar war es unangenehm, aber in der Situation war es mir so wumpe und ich denke, in Anbetracht der Umstände war es genau richtig gehandelt.“

Jana: „Meine Tochter war ein Sternengucker, und nach jeder Presswehe ist sie zurück in den Bauch gerutscht. Das hat unglaublich lange gedauert und ich war wirklich am Ende. Ich habe einen Dammschnitt bekommen, die Hebamme hat mit der Sauglocke gezogen und die Oberärztin sprang immer wieder auf mein Bauch. Wir waren alle 3 wirklich fix und fertig und dann kam doch irgendwann meine Tochter endlich raus. Ich hatte Tage danach noch Schmerzen in der Rippen, aber bin sehr froh darüber, wie die Ärztin mit der Hebamme gehandelt haben, weil sonst hätte ich es nicht geschafft.“

2. Wenn die Kraft nicht mehr reicht

Manchmal stagniert die Geburt auch, weil die Gebärende durch eine PDA nicht mehr genug spürt, um ausreichend mitzupressen. Oder, wie bei Nathalie aus unserer Community, weil sie nach stundenlangen Wehen (vorübergehend) nicht mehr genug Kraft zum Pressen hatte:

Kristeller Griff mit Tuch: Manöver half Nathalie doch noch, es aus eigener Kraft zu schaffen

„Da ich bedingt durch eine Infektion, welche mit hohem Fieber einherging, nach 14 Std. Wehen, völlig entkräftet war, wurde der diensthabende Arzt geholt. Dieser fackelte nicht lange, legte mir ein Laken unter den Rücken, zog es über meinen Bauch zusammen. Erst hat er alleine versucht stramm zu ziehen und meiner kleinen Maus, die schon auffällige Herztöne hatte, raus zu ,helfen‘, dann hat die Hebamme geholfen.

Ich hatte dabei solche Schmerzen, dass ich darüber den eigentlichen Geburtsschmerz vergessen habe. Ich habe dann mehrfach darum bitten müssen damit aufzuhören, weil ich es nochmal mit meiner ganzen noch verbliebenen Kraft alleine schaffen wollte. Und siehe da: Die Angst um meine Tochter und dieses schmerzhafte Vorgehen des Arztes haben irgendwie dafür gesorgt, dass meine Tochter nach 3 weiteren Wehen endlich da war. Im Nachhinein bin ich dem Arzt schon irgendwie dankbar dafür, auch wenn ich auf sowas beim nächsten Mal dankend verzichten kann.“

3. Wenn das Baby in Gefahr ist

Wenn durch das Stagnieren der Geburt die Herztöne schlechter werden, oder dein Baby unter Sauerstoffmangel leidet, wird mit dem Kristeller Handgriff versucht, dein Kind schneller zu holen. In einigen Fällen kann dadurch sogar ein Kaiserschnitt, die Saugglocke oder eine Zangengeburt vermieden werden.

Wenn der Einsatz von Zange oder Saugglocke nicht vermieden werden kann, so wird der Kristeller Handgriff zudem meist unterstützend eingesetzt, wie es bei Elke der Fall war:

Erfahrungen mit dem Kristeller Handgriff und der Saugglocke

„Mein Sohn wollte nicht so richtig raus und ist stecken geblieben. Mit dem Kristeller Handgriff haben sie es geschafft, dass er weiter vor kommt und die Saugglocke angelegt werden konnte. Ansonsten hätte es in einem Not-Kaiserschnitt geendet. Mein Mann sagte nachher mal, dass das wohl ziemlich brutal ausgesehen hat. Aber ich persönlich bin dankbar, so ist mir der Kaiserschnitt erspart geblieben“

Erfahrungen im Video

Fabiella berichtet in ihrem Video von der Geburt und dem Kristeller-Eingriff, den sie kaum mitbekommen hat:

Kristeller Handgriff Trauma: Negative Erfahrungen von Mamas

Kristellern ist nicht gleich Kristellern, wie schon die Berichte von oben zeigen.

Wann genau und wie oft der Kristeller-Handgriff zum Einsatz kommt, ist von der Einstellung der jeweiligen Klinik abhängig und natürlich vom individuellen Geburtshelfer. Auch die Art und Weise unterscheidet sich stark.

So berichten einige Mütter von brachialer Gewalt, die auf sie ausgeübt wurde.

Laura erlebte es zum Beispiel so:

„Der Handgriff wurde bei mir während der Geburt meines 1. Kindes angewendet. Meine Tochter blieb mit den Schultern zwischen meinen Beckenknochen stecken und meine Presswehen wurden schwächer. Ein Arzt war bereits anwesend, der rief dann noch eine Kollegin hinzu. Zu zweit drückten sie von oben nach unten um der Kleinen zu helfen. Klappte leider nicht. Dann stieg die Ärztin auf mich drauf und drückte mit ihrem gesamtem Körpergewicht wieder zu, und die Kleine schaffte es, den Weg nach draußen zu finden. Ich empfand es als extrem schmerzhaft, da ich keine PDA hatte. Ich bekam ,nur‘ Lachgas während der Wehen. Das brachte mir in der Situation allerdings nichts. Ich wurde weder darüber aufgeklärt, was passiert, noch wusste ich etwas von den Risiken, die dieser ,Handgriff‘ mit sich bringt.“

Mamas berichten von ihren Verletzungen durch den Kristeller Handgriff

Auch für Carina war der Eingriff traumatisch und führte noch dazu zu einer schweren Geburtsverletzung: „Mir hatten 2 Ärztinnen am Bauch gedrückt bzw. die eine ist fast auf mir gelegen, das war die Hölle. Das Ende war ein Dammriss 4. Grades, da er mit nur einer Wehe sozusagen rausgeschossen kam durch den Druck von oben.“

Steffi erlebte es ebenso schlimm: „Bei mir wurde es 2 mal gemacht und beim zweiten Mal mit Saugglocke. Ich dachte in dem Moment ich muss sterben. Diese Schmerzen waren bis dato das schlimmste was ich je erlebt hatte. Glaube das ist mitunter auch ein Grund, warum für mich kein weiteres Kind folgt.“

Zum Glück läuft es jedoch nicht immer so dramatisch ab

Mütter wie Sanny erlebten den Handgriff lediglich als unangenehm und sind froh dass ihnen auf diese Weise geholfen wurde:

„Ich hatte keine PDA und die Ärztin hat das dann bei mir auch gemacht für den letzten Schubs… Und ich muss sagen ich war froh und dankbar für die Hilfe und erleichtert weil meine Kleine Maus danach tatsächlich da war. Mir hat es mega geholfen. Meiner Tochter hat das ganze auch nicht geschadet.“

Auch Jana konnte den Kristeller Handgriff gut aushalten: „Bei mir wurde der Handgriff auch gemacht, weil meine Wehen nachließen. Es hat mir aber auch nicht weh getan und hatte auch keine blaue Flecken. Ich bin froh das mir die Hebamme geholfen hat, sonst hätte es noch mindestens zwei Stunden gedauert.“

Die Aufklärung macht´s!

Es kommt also ganz darauf an, wie die Frauen unter der Geburt auf das Kristellern vorbereitet werden, und wie er durchgeführt wird: ob einfühlsam mit den Handflächen oder gewaltsam mit den Unterarmen oder einem Laken.

Wichtig ist auch, dass den Müttern ermöglicht wird, im Nachhinein mit Hebamme oder Arzt / Ärztin über das Geburtserlebnis zu sprechen, so wie es bei Ramona war: „Unter der Geburt war es die Hölle, habe aber im Nachgang mit der Hebamme geredet, hab es verstanden und alles viel besser verarbeitet.“

5. Risiken, Verletzungen und Folgen: Darum steht der Kristeller Handgriff in der Kritik

Leider bleibt es beim Kristeller Manöver, wie oben beschrieben, in vielen Fällen nicht bei „ein bisschen Drücken“.

Die teils heftigen Eingriffe haben in manchen Fällen

  • Rippenbrüche,
  • großflächige Hämatome am Oberbauch,
  • Scheidenrisse
  • und Dammrisse zur Folge.

Eine derartige Gewalteinwirkung löst, vor allem wenn sie völlig unangekündigt kommt, bei vielen Gebärenden zudem ein Gefühl des Ausgeliefertseins aus und kann dadurch zu einem Geburtstrauma führen.

Folgen und Risiken beim Kristeller Handgriff – Erfahrungen von Mamas

So berichten es auch diese vier Mamas aus unserer Community, denen durch den Kristeller Handgriff eine selbstbestimmte Geburt verwehrt wurde:

Kira erzählt

„Ich fühlte mich total hilflos und ausgeliefert. Der Druck war total heftig, dazu der Wehenschmerz und ich konnte mich überhaupt nicht mehr aufs Pressen konzentrieren. Ich habe sofort gemerkt dass das nichts bringen wird und es hat mich sehr in meiner Geburt gestört. Ich hatte nur leider in dem Moment nicht den Kopf das auszusprechen. Als der Arzt dann endlich aufgehört hat und schon von Saugglocke gesprochen hat, hat es auch garnicht mehr lange gedauert und meine Tochter kam ganz natürlich, ohne Fremdeinwirkung auf die Welt.“

Nina berichtet:

„Es war furchtbar. Nicht nur, weil es unglaublich schmerzhaft war, sondern auch, weil ich das Gefühl hatte, dass mir der letzte Funke Selbstbestimmtheit ausgelöscht wurde. Ich empfand es als absolut übergriffig und erlebte es als traumarisierend.“

Stefanie schreibt:

„Einfach nur die Hölle. Man hat das Gefühl jegliche Gewalt über seinen Körper zu verlieren und kommt sich einfach nur hilflos vor.“

Julia sagt:

„Bei mir wurde auch der Kristeller Griff angewendet nachdem die Herztöne meines Sohnes schlechter wurden. Habe diesen Griff allerdings kaum ausgehalten und habe dagegen gedrückt was natürlich nicht sinnvoll war. Die Hebamme bat die Ärztin dann es erst einmal zu unterlassen. Nach einiger Zeit hat sie dann jedoch nochmals kristellert zweimal. Ich konnte es verstehen da sie ja meinem Kind helfen wollte aber für mich war dieser Druck und die Gewalt von aussen kaum erträglich. Vielleicht habe ich deshalb das Kristellern noch weniger gemocht, da ich quasi während der gesamten Geburt nicht Herr über mich selbst war.

6. Alternativen zum Kristeller Handgriff

Je nach Ursachen für den Geburtsstillstand kommen unterschiedliche Maßnahmen in Frage, die allesamt Alternativen zum Kristeller-Handgriff bieten.

1. Die PDA wirkt stark

Die PDA hilft gegen die Schmerzen, doch manche Frauen verlieren dadurch auch das Gefühl in den Beinen. Das ist zwar nicht gefährlich, aber hinderlich für die Geburt: Die Wehen werden nicht mehr richtig gefühlt, der Drang zum Pressen bleibt aus.

Die so gennannte Walking-PDA ist da eine tolle Alternative: Mit ihr kannst du dich weiterhin bewegen, gehen, Geburtspositionen wechseln, aufrecht sitzen – alles förderlich für die Wehentätigkeit und um den Druck nach unten besser aufzubauen.

Ansonsten legen Hebammen auch gern ein warmes Tuch auf den Damm, drücken sanft mit zwei Fingern auf das Rektum oder helfen der Mama in eine halb aufrechte Position, während sie Händen und Füßen Halt geben. So können viele Mütter den erforderlichen Druck wieder mehr wahrnehmen.

2. Mama ist erschöpft, die Wehen sind zu schwach

Nicht immer ist es schlimm, wenn während der letzten Phase der Geburt eine Pause eintritt. Ein gutes Hebammenteam weiß das und gibt Müttern die Zeit, die sie brauchen. Vorausgesetzt, die Herztöne sehen gut aus!

Was helfen kann, um die Wehen wieder anzuregen:

3. Pressen funktioniert nicht

Manchmal braucht die Mutter eine andere Anleitung als das obligatorische „Pressen“. Hör auf dich und deine Intuition, atme so, wie es dir gut, und presse dann, wenn du es fühlst. Ohne einer strikten Anweisung zu folgen.

Vielleicht brauchst du auch mehr Gegendruck an Füßen und Händen, um kräftig mittdrücken zu können. Ein Tuch um die Hände, den Boden unter den Füßen, die Arme deines Partners – abstützen kann sehr hilfreich sein!

Weitere Ursachen, bei denen das Ärtzteteam vor allem Geburtspositionen wechseln wird:

  • Wenn der Beckenboden zu fest ist, nimmt die Frau Positionen ein, in denen die Muskulatur gelockert werden kann. Tiefe Hocke, Seitenlage und die so genannte Ring Schlaufe (ein Tuch unter dem Po, das geschaukelt wird) sind einige Methoden, die helfen.
  • Manchmal passt der Kopf wegen einem störenden Steißbein oder einem engen Winkel im Schambogen nicht durch den Beckenausgang. Dann wird oft in den Vierfüßlerstand und/oder in die Seitenlage gewechselt. Auch kann der Becken durch leichten Druck etwas geweitet werden.
  • Ab und zu ist der Kopf auch noch nicht in der optimalen Position und kann deshalb nicht hinaus. Verschiedene Positionen helfen, den Kopf sanft zu routieren.

7. Unser Fazit – und was du tun kannst

Auch wenn der Kristeller Griff seit über 150 Jahren angewendet wird, ist der Erfolg kaum erforscht. Deshalb wenden die meisten Kliniken den Handgriff auch nur im äußersten Notfall an – und schieben sanft mit den Händen in der Wehe, um Verletzungen zu vermeiden.

Zuerst nutzen guten Teams jedoch die Wirkung verschiedener Geburtspositionen, Halte-Hilfen für Hände und Füße und Bewegungen, um den Druck nach unten aufzubauen, den Pressreflex anzukurbeln und die Geburt dadurch voranzubringen. Geduld und einfühlsame Begleitung der Mama wirken oft Wunder.

Du kannst beim Aufnahmegespräch im Krankenhaus nachfragen, wie die Einstellung zum Thema ist.

Kristeller Handgriff: So kannst du dich vorbereiten

Im Kreißsaal bist du als Gebärende auf die Hilfe und die Erfahrung von Hebamme und Ärzten angewiesen. Vor allem wenn die Geburt stagniert und die Gesundheit von Mutter und Baby in Gefahr ist, müssen sie schnell handeln. Nicht immer bleibt den Ärzten Zeit, abzuwägen, was sie tun wollen, auch wenn eine Aufklärung eigentlich immer dazugehören sollte.

Indem du dich vorher informierst und mit Wissen wappnest, kannst du sicher besser mit einem Eingriff wie dem Kristellern klarkommen. Informieren kannst du dich etwa schon im Geburtsvorbereitungskurs. Sicher ist es auch gut, bei einer Kreißsaalführung in deiner Wunschklinik nach der Einstellung der dortigen Hebammen und ÄrztInnen zum Kristeller-Handgriff zu fragen.

Fordere dein Mitspracherecht am besten gleich zu Beginn ein, also bei der Anmeldung oder wenn du mit Wehen in den Kreißsaal kommst. So weißt du, wann und warum der Kristeller Handgriff möglicherweise empfohlen wird und kannst dich innerlich besser darauf einstellen – oder ihm von vornherein widersprechen.

Wenn dir eine selbstbestimmte Geburt sehr am Herzen liegt, kann dich möglicherweise auch ein Hypno-Birthing Kurs darauf vorbereiten.

 

Hast du Fragen? Möchtest du über deine Erfahrungen berichten? Wir freuen uns über deinen Kommentar!

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

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