Gewalt in der Geburtshilfe: Warum der Roses Revolution Day so wichtig ist

Dieser Moment, wenn man sein Kind zum ersten Mal in den Armen hält und ansieht, ist einfach unbeschreiblich. Ein überwältigendes Gefühl voller Liebe und Urvertrauen.

Aber was ist mit den Stunden davor? Eine Geburt ist eben nicht nur dieser eine Moment.

Eine Geburt dauert oftmals Stunden und ist von zerreißenden Schmerzen geprägt.

Und für manche Frauen wird die Geburt sogar ein traumatisches Erlebnis, weil ihnen im Kreißsaal auch noch Gewalt angetan wurde.

Genau diese Frauen werden oft mit ihren Gefühlen nach der Geburt allein gelassen. Sie finden niemanden, mit dem sie über ihr Leid sprechen können. Dabei wird die Zahl der Frauen, die Gewalt in der Geburtshilfe erfahren haben, immer mehr.

Je nach Definition von Gewalt in der Geburtshilfe gehen Fachleute von 10 bis 50% der Schwangeren aus.

Für diese Frauen findet am 25. November der Roses Revolution Day statt.

An diesem Tag legen weltweit Frauen eine rosafarbene Rose vor den Krankenhäuser und Kreißsälen nieder, in denen ihnen verbale oder körperliche Gewalt widerfahren ist.

Es ist ein gemeinsames Zeichen gegen Gewalt während der Geburt. Und in welcher Form sie auch immer auftritt, sie ist immer falsch.

„Gewalt äußert sich auf ganz unterschiedliche Weise. Auf manche Frauen wird psychischer Druck ausgeübt, damit diese bestimmte Handlungen vornehmen lassen oder standardisierten Abläufen oder medizinischen Eingriffen zustimmen. Es kommt aber auch zu physischer Gewalt, wenn zum Beispiel ein Dammschnitt ohne Einwilligung der Frau durchgeführt oder vaginale Untersuchungen unnötig häufig und schmerzhaft vorgenommen werden“, so Halina Koglin, eine der Initiatorinnen der Roses Revolution in Deutschland.

Auch in der Echten Mamas Community haben sich viele Frauen zum Roses Revolution Day zur Wort gemeldet. Sie haben Schreckliches erlebt.

„Die Ärztin hat mich nach der Geburt ohne Betäubung genäht. Als ich vor Schmerzen schrie und weinte, meinte sie, ich könne überhaupt nichts merken wegen der PDA. Aber die hatte zu diesem Zeitpunkt schon lange nachgelassen.“

„Meine erste Geburt war nicht selbstbestimmt. Ich mußte in Rückenlage gebären. Das war Horror. Besonders bei den Presswehen, da ging es der Ärztin nicht schnell genug, und sie drückte mit ihrem gesamten Gewicht auf meinen Bauch.“

„Ich hatte Wehen und wurde lange Zeit allein gelassen. Man verwehrte mir zunächst eine PDA und schickte mich auf die Station zurück. Im Kreißsaal wurde ich nicht aufgenommen. Ins Zimmer konnte/wollte ich nicht, um meine Zimmernachbarin nicht durch meine Schreie zu wecken (war kurz vor Mitternacht). Ich wurde dann in ein abgelegenes und unbeobachtetes Stillzimmer geschickt. Ganz alleine.“

„Mir wurde bei der Geburt immer wieder gesagt, dass ich nicht fähig wäre, eine gute Mutter zu sein. Weil ich zu jung wäre. Und nach der Geburt als ich Milcheinschuss hatte, wurde ich von den Hebammen ausgelacht. Ich hatte höllische Schmerzen und quasi über Nacht vier Körbchengrößen mehr und bin ins Schwesternzimmer, um mir Rat zu holen. Da kam nur: ‚Oh nein, sie hat Milcheinschuss. Sie wird sterben…‘. Und dann haben alle gelacht. Ich habe angefangen zu weinen, weil alle gelacht haben. Hinterher kam heraus, dass alle Brustdrüsen stark entzündet waren.“

„Bei mir kam nach der Geburt die Plazenta nicht nach – und plötzlich zog eine Hebamme an der Nabelschnur und das Blut kam nur so geschossen.“

Betroffenen Müttern hilft es, sich mit den Erfahrugen nicht allein zu fühlen.

Und der Roses Revolution Day ist wichtig, damit sich endlich etwas verändert.

Mehr Informationen findet ihr hier:
www.gerechte-geburt.de/rosrev

Auf Social Media werden folgende Hashtags verwendet: #25N #RosRev

Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern.

Seit 2015 sind wir Eltern einer zauberhaften Tochter. Zwei Jahre später kam ihr kleiner Bruder auf die Welt, und unsere Familie war komplett. Zusammen sind die beiden ein unschlagbares Team, das sich nur allzu gern gegen Mama und Papa verbündet.

Abgesehen von meiner Familie liebe ich den Hafen, fotografiere gern und gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Texte und Social Media ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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