Alle Geburtspositionen: Vorteile, Nachteile & unsere Erfahrungen

Bei der Geburt liegt die Schwangere auf dem Rücken? Zum Glück nicht mehr (unbedingt)! Ob Vierfüßlerstand, Gebärhocker, im Stehen oder doch in Rückenlage – Wir verraten, welche Geburtspositionen es gibt, klären über die jeweiligen Vorteile und Nachteile auf und verraten, welche Stellungen bei PDA und gegen Dammriss am besten sind. Außerdem: unsere Erfahrungen!

Kliniktasche gepackt, im Schnelltempo ins Krankenhaus, zehn Minuten später ist das Baby da. Kennt ihr das? Ich auch nicht. Doch so oder so ähnlich, sehen Geburten in den meisten Filmen und Serien aus. Dabei fällt mir immer wieder eine Sache auf: Die Frauen bekommen ihre Babys grundsätzlich im Liegen.

Dabei gibt es so viele verschiedene Geburtspositionen. Jede hat ihre Vorteile und Nachteile – und jede kann den Verlauf einer Geburt beeinflussen.

Wie die verschiedenen Geburtspositionen aussehen, welche Vorteile bzw. Nachteile sie haben und wie unsere Erfahrung war, haben wir für dich zusammengefasst.

Jetzt herunterladen: Geburtspositionen – Vorteile und Nachteile im Überblick

Noch ein paar Sätze vorab:

Am Ende entscheidet dein Gefühl, in welcher Stellung du dich am wohlsten fühlst – und welche für dich gar nicht geht.

Die Rückenlage wird eher nicht empfohlen? Tja, vielleicht ist es aber genau deine Position, nämlich die, in der du dich entspannen und dein Kind zur Welt bringen kannst. Egal, was anderes sagen.

Da können wir vorher noch so viel üben und recherchieren. Dein Körper wird vorgeben, was für dich während der Latenzphase, der Eröffnungsphase und der Pressphase jeweils am besten ist – und die Hebammen begleiten dich dabei, deine Geburtsposition zu finden, die für dich und dein Baby am besten ist. So wie bei uns.

1. Welche Geburtspositionen gibt es? Die wichtigsten und besten Stellungen auf einen Blick

  • Rückenlage
  • Seitenlage
  • Stehen
  • Sitzen, z. B. mit Gebärhocker
  • Vierfüßlerstand oder auf Knien
  • Hocke
  • Geburtswanne

Die besten Geburtspositionen für die Latenzphase und Eröffnungsphase

Für den Anfang, auch Latenz- und Eröffnungsphase genannt, hilft es vielen (nicht allen!) Mamas, eine stehende oder gehende Position einzunehmen. Dies verstärkt den Druck des Köpfchens nach unten und hilft, den Muttermund zu öffnen.

Auch hängend, gebeugt bzw. den (aufrechten) Vierfüßlerstand empfinden viele Frauen als angenehm, weil sie die Arme und auch den Kopf ablegen können.

Die besten Geburtspositionen für die Geburtsphase bzw. Austreibungsphase

  • Vierfüßlerstand,
  • tiefe Hocke (oder an Seilen hängend gehockt bzw. auf dem Gebärhocker)
  • seitlich liegend oder liegend
  • oder auch alles im Wechsel, um dem Baby den „Gang“ durch den Geburtskanal zu erleichtern.

Kommen wir nun zu den detaillierteren Beschreibungen der einzelnen Geburtspositionen!

2. Geburtspositionen Erfahrungen: Geburt in Rückenlage

In vielen Krankenhäusern in die Geburt in Rückenlage noch relativ weit verbreitet. Dabei liegst du im Kreißsaal auf einem Bett oder speziellen Stuhl. In der Austreibungsphase umfasst du mit den Händen deine Kniekehlen und ziehst deine Beine zu dir heran.

Durch die Rückenlage wird dein Geburtskanal allerdings enger, und bei den Wehen kannst du die Schwerkraft nicht ausnutzen. Es kann passieren, dass das Kind auf deine Hohlvene drückt, und dir schwindelig wird.

Außerdem ist dein Becken relativ unbeweglich, und auch dein Baby wird nicht so gut mit Sauerstoff versorgt wie in einer aufrechten Position. All das kann dazu führen, dass die Geburt länger dauert – und eventuell auch schmerzhafter für dich ist.

Geburtspositionen im Liegen haben aber auch Vorteile und nicht nur Nachteile: Wenn die Wehen pausieren, kannst du dich in dieser Lage gut entspannen – ein wichtiger Punkt, um Kraft zu sammeln. Außerdem sparst du Kraft, weil Liegen nicht so anstrengend ist wie zum Beispiel Stehen oder Hocken.

Die Hebamme hat die Geburt jederzeit gut im Blick und kann im Notfall sofort einen Arzt alarmieren oder einen Kaiserschnitt veranlassen, ohne dich erst umzulagern – und natürlich kannst du jederzeit sagen, wenn dir schwummrig wird.

Bei der Geburt im Liegen wird die Schwerkraft nicht ausgenutzt und die Wehen sind weniger effektiv - unsere Erfahrung: unterschiedlich!

Bei der Geburt im Liegen wird die Schwerkraft nicht ausgenutzt und die Wehen sind weniger effektiv – unsere Erfahrung: unterschiedlich! Foto: Bigstock

Meine Erfahrung: Im Liegen konnte ich die Wehen nicht aushalten

Es gibt genug Frauen, die ihre Babys im Liegen bekommen und damit vollkommen zufrieden sind. Die Vorteile dieser Geburtsposition liegen dabei allerdings bei Hebamme, Arzt und Co., denn sie haben den besten Blick auf den Verlauf der Geburt und können im Notfall sofort reagieren. Und du kannst dich in den Wehenpausen besonders gut entspannen.

Ich allerdings habe bei keinem meiner beiden Kinder auf dem Rücken gelegen. Und hätte jemand versucht, mich dazu zu nötigen, wäre ich ihm vermutlich ins Gesicht gesprungen. Sogar das CT wurde im Stehen gemacht, weil ich Liegen einfach nicht aushalten konnte.

Ehrlich gesagt hatte ich mir über solche Dinge nie große Gedanken gemacht – bis wir im Vorbereitungskurs saßen. Die Hebamme erklärte uns alle Geburtspositionen genau und zählte die Vorteile und Nachteile auf, und ich hätte nie gedacht, dass mir ausgerechnet dieser Punkt bei den Geburten am meisten helfen würde.

Erfahrungen von Mama Sina: Eine Wohltat, auch mal auf dem Rücken zu liegen!

„Ich habe zwar letztendlich im Vierfüßlerstand und nicht in Rückenlage entbunden, fand es aber dennoch unglaublich gut, immer mal wieder die Rückenlage einzunehmen. Mein Partner saß hinter mir und konnte mir helfen, zu pressen, indem er mich nach oben gedrückt hat – und in den Wehenpausen habe ich vollkommen losgelassen.“

Vorteile der Geburt im Rückenlage:

  • In den Wehenpausen kannst du dich gut entspannen.
  • Im Vergleich zu Geburten im Stehen oder Hocken sparst Du Kraft.
  • Hebamme und Ärzte haben den Geburtsverlauf gut im Blick und können notfalls reagieren.
  • Sollte die Geburt zu schnell vorangehen, lässt sie sich in dieser Position bremsen.
  • Falls es zu einem Kaiserschnitt kommt, bist du schon in der richtigen Position. Die Ärzte können schnell handeln, ohne Zeit zu verlieren.

Nachteile der Geburt in Rückenlage:

  • Die Schwerkraft wird nicht ausgenutzt.
  • Der Geburtskanal ist enger.
  • Dein Becken kann sich nicht bewegen.
  • Die Wehen sind weniger effektiv.
  • Die Geburt dauert länger und ist eventuell schmerzhafter.
  • Das Risiko eines Dammrisses steigt.
  • Drückt dein Baby auf deine Hohlvene, kann es zu Kreislaufproblemen und Übelkeit kommen.
  • Die Sauerstoffversorgung deines Babys ist schlechter als in einer aufrechten Position.

3. Geburtspositionen: Geburt in Seitenlage

Wenn das Baby auf deine Hohlvene drückt, und du Kreislaufprobleme bekommst, kannst du versuchen, dich auf die Seite zu drehen.

Die Vene wird entlastet, deinem Kreislauf sollte es schnell besser gehen. Auch bei starken Schmerzen im Becken oder wenn du eine PDA bekommst und dich hinlegen musst, ist die Seitenlage gut geeignet.

Allerdings gibt es ähnliche Nachteile wie bei der Geburt in Rückenlage, denn die Schwerkraft wird nicht ausgenutzt, die Wehen sind weniger effektiv, der Geburtskanal ist enger und dein Becken ist unbeweglich.

Vorteile der Geburt in Seitenlage:

  • Dein Becken wird entlastet.
  • In den Wehenpausen kannst du dich gut erholen und entspannen.
  • Wenn dein Baby noch nicht richtig liegt, kannst du es so dazu animieren, sich zu bewegen.
  • Eine zu schnelle Geburt kann gebremst werden.
  • Deine Hohlvene wird entlastet.

Nachteile der Seitenlage:

  • Die Schwerkraft wird nicht ausgenutzt.
  • Der Geburtskanal ist enger.
  • Dein Becken kann sich nicht bewegen.
  • Die Wehen sind weniger effektiv.
  • Die Geburt dauert länger und eventuell schmerzhafter.
  • Das Risiko eines Dammrissessteigt.

4. Geburtspositionen: Geburt im Stehen – plus Erfahrung

Als die Hebamme im Geburtsvorbereitungskurs davon sprach, dass wir unsere Babys im Stehen bekommen könnten, fand ich den Gedanken erst mal etwas abstrakt.

Aber als es dann so weit war, wollte ich (fast) nichts anderes – nur Stehen und Herumlaufen. Die Bewegung hat mir geholfen, mit den Wehen besser klarzukommen. Und ich hatte das Gefühl, dass ich selbst etwas tun kann, um das Ganze voranzubringen.

Diese Geburtsposition hilft dir besonders in der Eröffnungsphase, wenn es darum geht, dass dein Muttermund sich öffnet. Du kannst dich zum Beispiel gegen eine Wand lehnen, dich von deinem Partner stützen lassen oder auch einfach durch die Gegend laufen.

Die Schwerkraft wird optimal ausgenutzt, du kannst dein Becken kreisen lassen, und die Wehen sind besonders effektiv – was die Geburt verkürzen kann. Übrigens: Auch das Risiko für einen Dammschnitt sinkt in dieser Position, denn es entsteht weniger Druck auf deinen Beckenboden.

Auch diese Mama hat während der Eröffnungsphase fast die ganze Zeit gestanden:

Vorteile der Geburt im Stehen:

  • Die Schwerkraft wird optimal genutzt.
  • Die Geburtgeht schneller voran.
  • Dein Becken ist beweglich, und Du kannst es kreisen lassen.
  • Wehen sind besonders effektiv.
  • Es entsteht weniger Druck auf deinen Beckenboden, Schmerzen können geringer sein.
  • Das Atmen fällt dir leichter.
  • Es entsteht weniger Druck auf Deinen Damm, das Risiko für einen Dammschnitt sinkt.
  • Dein Baby wird optimal mit Sauerstoff versorgt.

Nachteile der Geburt im Stehen:

  • Auf Dauer ist diese Position sehr anstrengend.
  • Eventuell kann es zu Kreislaufproblemen kommen.

5. Geburtspositionen mit Gebärhocker, Pezziball und Stuhl: Geburt im Sitzen

Wenn du dein Baby im Sitzen bekommen möchtest, kannst du dafür entweder einen normalen Stuhl, einen speziellen Gebärhocker oder auch einen Pezziball nehmen.

Bei einem Stuhl hast du die Möglichkeit, die Lehne nach vorn zu nehmen, sodass du dich bequem darüber lehnen kannst. Die verschiedenen Geburtspositionen im Sitzen haben viele Vorteile – und nur wenige Nachteile.

Auf dem Pezziball bleibt dein Becken beweglich und du entlastet Rücken, Beckenboden und Damm.

Auf dem Pezziball bleibt dein Becken beweglich und du entlastet Rücken, Beckenboden und Damm. Foto: Bigstock

Pezziball für die Geburt

In vielen Krankenhäusern gehört der Pezziball für die Geburt inzwischen zur Grundausstattung.

Er kann dir in der Eröffnungsphase dabei helfen, dass sich dein Muttermund schneller und mit weniger Schmerzen öffnet.

Du setzt dich einfach auf den Ball und kreist dein Becken oder wippst leicht, je nachdem, was angenehm für dich ist. Wenn du möchtest, kann dein Partner sich hinter dir auf einen Stuhl oder Hocker setzen und dich stützen oder massieren.

Durch das Sitzen und die Bewegungen auf dem Pezziball wird die Schwerkraft optimal ausgenutzt. Das heißt, für dein Baby ist es einfacher, den Weg durch den Geburtskanal zu finden.

Übrigens kann der Pezziball dir auch während der Schwangerschaft schon helfen. Denn du kannst deine Muskeln trainieren, ohne dabei Rücken und Bänder zu belasten. Gleichzeitig können Rücken, Beine und auch dein Beckenboden durch die Übungen gekräftigt werden, eine gute Vorbereitung für die Geburt.

Falls du einen Job hast, bei dem du am Computer sitzt, kannst du den Pezziball auch als Alternative zum normalen Stuhl verwenden.

Gebärhocker: für eine schnellere Geburt

Der Gebärhocker hat die Form eines Halbkreises, der wie ein Hocker auf vier Beinen steht, aber keine Rückenlehne hat. Du kannst dich aber gut an deinen Partner lehnen oder dich bei ihm aufstützen.

Dadurch, dass du aufrecht auf dem Hocker sitzt, übst du einen stärken Druck auf die Gebärmutter aus als zum Beispiel im Liegen. Außerdem bekommst du besser Luft, dein Becken ist mobiler, und dadurch, dass deine Füße auf dem Boden stehen, wird auch dein Rücken stabilisiert.

Durch das Sitzen ist dein Beckenboden besonders flexibel, und es kommt seltener zu Dammverletzungen. Auch dein Steißbein ist beweglicher und kann sich besser nach hinten klappen, um dein Kind durchzulassen. Außerdem wird dein Kind während der Entbindung auf dem Gebärhocker schneller durch den Geburtskanal gepresst.

Allerdings kann der größere Druck auch dazu führen, dass du stärkere Schmerzen bekommst. Besprich das am besten einmal vorher mit deiner Hebamme.

Vorteile der Geburt im Sitzen:

  • Die Schwerkraft hilft dir dabei, die Geburt voranzutreiben.
  • Sitzt du auf einem Pezziball, kannst du dein Becken gut kreisen lassen.
  • Dein bewegliches Steißbein schafft mehr Platz für dein Baby.
  • Beugst Du Dich nach vorn, entlastest du Rücken, Beckenboden und Damm.
  • Das Risiko eines Dammschnitts sinkt, da weniger Druck auf den Damm entsteht.
  • Das Atmen fällt dir leichter.
  • Die Sauerstoffversorgung deines Babys ist optimal.
  • Dein Partner kann sich hinter Dich setzen, sodass Du Dich gut anlehnen kannst.
  • Du kannst mit der Hand die Haare Deines Kindes fühlen – für einen zusätzlichen Motivationskick 😉
  • Mit Pezziball oder Gebärhocker kostet diese Position weniger Kraft als zum Beispiel das Stehen

Nachteile der Geburt im Sitzen:

  • Der große Druck kann zu stärkeren Schmerzen führen

6. Geburtspositionen: Geburt in der Hocke

Dein Baby im Hocken zu bekommen, klingt erst einmal ungewöhnlich. Trotzdem kann sie dir dabei helfen, dein Baby schneller auf die Welt zu bringen.

Denn in dieser Position drücken Baby und Gebärmutter stärker auf den Muttermund, als wenn Du zum Beispiel liegst. Gleichzeitig ist dein Beckenausgang besonders weit geöffnet. Dadurch kannst du stärker und auch gezielter nach unten pressen und dein Baby schneller durch den Geburtskanal schieben.

Viele Frauen empfinden diese Geburtsstellung als angenehm, weil sie das Gefühl haben, aktiver mithelfen zu können.

Wenn sie dir auf Dauer zu anstrengend wird, kannst du dich zum Beispiel an einem Seil festhalten, das von der Decke hängt, oder in den Vierfüßlerstand übergehen.

 

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Vorteile der Geburt in der Hocke:

  • Die Schwerkraft hilft Dir dabei, die Geburt voranzutreiben, die Wehen sind besonders effektiv.
  • Der Ausgang Deines Beckens ist vergrößert. Das hilft dem Baby bei seinem Weg durch den Geburtskanal.
  • Die Geburt kann deutlich schneller sein als zum Beispiel im Liegen.
  • Dein Baby wird optimal mit Sauerstoff versorgt.
  • Deine Füße haben einen festen Halt.
  • Diese Position eignet sich besonders gut für die Austreibungsphase.

Nachteile der Geburt in der Hocke:

  • Auf Dauer wird diese Position sehr anstrengend und kostet viel Kraft.
  • Außerdem kann sie etwas unbequem sein.
  • Dein Partner muss dir beim Abstützen helfen.

7. Geburtspositionen: Geburt im Vierfüßlerstand – und unsere Erfahrungen

Beim Vierfüßlerstand stützt du dich mit Knien und Ellenbogen auf dem Boden, einer Matte oder deinem Bett ab. Deshalb heißt diese Gebärposition auch Knie-Ellenbogen-Lage.

Um es etwas weniger anstrengend zu machen, kannst du deinen Oberkörper mit Kissen oder auf einem Pezziball abstützen.

Im Vierfüßlerstand kannst du dich relativ frei bewegen, was viele Frauen besonders in der Eröffnungsphase der Geburt als angenehm empfinden. Du kannst die Wehen besser veratmen als zum Beispiel im Liegen. Und dadurch, dass weniger Druck auf den Damm entsteht, hast du ein geringeres Risiko für einen Dammschnitt.

Erfahrungen von Mama Sina:

Ich habe fast die gesamte Eröffnungsphase im Vierfüßlerstand verbracht und meine Arme aufs Bett bzw. den Schoß meines Partners abgelegt. Es war „meine“ Position, wie die Hebamme immer wieder sagte, während sie versuchte, mir weitere Stellungen anzubieten.

Hier war der Druck nach unten nicht zu stark, ich konnte die Wehen veratmen und in der Pause meinen Kopf ablegen. Klar, ich hätte auch gern mal komplett gelegen, aber so fühlte ich mich einfach am wohlsten. Selbst in der Badewanne stand ich auf allen Vieren.

Erst als die Presswehen losgingen, konnte ich wechseln – und fand es super, hin und wieder auf dem Rücken zu liegen. Die letzte Wehe presste ich wieder – angeleitet von den Hebammen – im Vierfüßler, und mein Baby flutschte endlich heraus. WOW!

Vorteile der Geburt im Vierfüßlerstand:

  • Die Schwerkraft unterstützt Dich bei den Wehen und beschleunigt den Geburtsvorgang.
  • Du kannst Dein Becken frei bewegen, was den Geburtsverlauf beschleunigt.
  • Du kannst besser atmen.
  • Wehen lassen sich gut wegatmen.
  • Durch die Bewegungsfreiheit ist es einfacher, die beste Position für Dich und Dein Baby zu finden.
  • Es entsteht weniger Druck auf den Damm, das Risiko für einen Dammschnitt wird geringer.
  • Der Vierfüßlerstand schafft Entlastung für die Wirbelsäule und bei Rückenschmerzen.
  • Dein Partner kann Dich gut massieren.

Nachteile der Geburt im Vierfüßlerstand:

  • Diese Position ist auf Dauer sehr anstrengend, auch durch die ungewohnte Haltung.
  • Die Schwerkraft wird nicht so gut ausgenutzt wie im Stehen, Sitzen oder Hocken.

8. Geburtspositionen: Geburt im Knien

Die Geburtsposition im Sitzen ist eine gute Alternative zum Vierfüßlerstand oder der Hocke. Auch wenn du während der Eröffnungsphase stehst, und dich deine Kraft verlässt, kannst du gut auf die Geburtsstellung im Knien ausweichen.

Für Frauen, die in der Schwangerschaft unter Rückenschmerzen leiden, ist die Geburt im Knien eine gute Möglichkeit, weil sie deinen Rücken entlastet. Genau wie bei der Geburt im Stehen wird auch im Knien die Schwerkraft optimal ausgenutzt. Das macht die Wehen effektiver und hilft dir dabei, die Geburt zu beschleunigen.

Vorteile der Geburt im Knien:

  • Diese Position ist weniger anstrengend als der Vierfüßlerstand oder die Hocke.
  • Deine Arme werden entlastet und du kannst dich anlehnen oder bei deinem Partner abstützen.
  • Die Schwerkraft wird optimal ausgenutzt, Dein Baby kann schneller ins Becken rutschen.
  • Wehen werden effektiver und häufig weniger schmerzhaft.
  • Der Beckenausgang ist deutlich größer als z. B. im Liegen.
  • Dein Becken bleibt beweglich.

Nachteile der Geburt im Knien:

  • Deine Knie werden bei dieser Geburtsposition stark belastet.

9. Geburtspositionen bei der Wassergeburt in der Geburtswanne

Die meisten Krankenhäuser bieten in ihrem Kreißsaal eine sogenannte Geburtswanne an. Sie ist deutlich größer als eine normale Badewanne, damit du genügend Bewegungsfreiheit hast.

Das Wasser hat eine Temperatur zwischen 34 und 36 Grad, du kannst aber auch sagen, wenn es dir zu kalt oder zu warm ist. Da eine Geburt ja meistens länger dauert, kann das Wasser zwischendurch immer wieder aufgeheizt werden. Es sollte dir ungefähr bis zur Brust gehen, damit du nicht frierst – und dein Kind auch wirklich unter Wasser zur Welt kommt.

Meistens gibt es in der Wanne spezielle Flächen, an denen du deine Füße und Arme während der Presswehen abstützen kannst.

Eine Wassergeburt wird auch als „sanfte Geburt" bezeichnet; sie gehört zu den Geburtspositionen mit vielen Vorteilen und kaum Nachteilen.

Eine Wassergeburt wird auch als „sanfte Geburt“ bezeichnet; sie gehört zu den Geburtspositionen mit vielen Vorteilen und kaum Nachteilen. Foto: Bigstock

Darum heißt eine Wassergeburt auch „sanfte Geburt“

Eine Wassergeburt wird häufig als „sanfte Geburt“ bezeichnet. Denn alle Geburtspositionen im Wasser haben viele Vorteile und nur wenige Nachteile: Das warme Wasser sorgt dafür, dass die Wehen weniger schmerzhaft sind, dein Muttermund sich einfacher öffnen kann, und du dich in den Wehenpausen besonders gut entspannen kannst. Außerdem kann es die Eröffnungsphase verkürzen, und du kannst theoretisch in der Wanne bleiben, bis dein Baby auf der Welt ist.

Auch bei einer Wassergeburt können die Herztöne deines Babys jederzeit überwacht werden. Und du brauchst keine Angst zu haben, dass es Wasser einatmet. Denn der Atemschutzreflex, den die Kleinen haben, funktioniert auch unter Wasser noch. Die Geburt im Wasser ist für dein Baby sogar mit weniger Stress verbunden. Denn es gleitet aus dem warmen Fruchtwasser direkt in das warme Badewasser.

Einziger Nachteil: Eine PDA ist bei einer Wassergeburt nämlich leider nicht möglich. Und auch, wenn dein Baby vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt kommt, in Beckenendlage oder Steißlage liegt, oder du Mehrlinge bekommst, kommt eine Entbindung in der Geburtswanne leider nicht in Frage.

Erfahrungen Geburtswanne

Viele Schwangere starten aber auch in der Wanne und wechseln zur eigentlichen Geburt dann ins Trockene, so wie bei Mama Sina: „Ich hatte starke Wehen in der Eröffnungsphase und konnte diese viel besser veratmen, während ich in der Geburtswanne lag bzw. kniete. Das warme Wasser tat gut, durch die Schwerelosigkeit konnte ich meinen Körper während der Pausen gut entspannen.“

Vorteile der Geburt in der Badewanne:

  • Gilt als sanfte Art der Geburt.
  • Das warme Wasser wirkt entspannend, besonders in den Wehenpausen.
  • Wehen sind weniger schmerzhaft.
  • Dein Muttermund öffnet sich leichter.
  • Du hast viel Bewegungsspielraum und kannst zwischen verschiedenen Positionen wechseln.
  • Das Wasser trägt dein Gewicht und entlastet deine Gelenke.
  • Durch das warme Wasser wird dein Damm geschmeidig, und es kommt seltener zu Dammrissen.
  • Dein Baby gleitet direkt in warmes Wasser – ein sanfter Übergang aus dem Fruchtwasser, mit weniger Stress für dein Baby.

Nachteile der Geburt in der Badewanne:

  • In der Geburtswanne kannst du keine PDA bekommen und darfst auch keine stärkeren Schmerzmittel nehmen
  • Bei vorzeitigem Blasensprung, Beckenendlage, Mehrlingen oder wenn du unter Bluthochdruck leidest, ist die Wassergeburt nicht geeignet.
  • Im Notfall können Hebamme und Arzt nicht so schnell eingreifen wie bei anderen Geburtspositionen.

10. Welches ist die besten Geburtsposition (für mich)?

Diese Frage kann dir leider niemand beantworten – abgesehen von dir selbst. Denn auch, wenn du theoretisch zu allen Geburtspositionen die Vorteile und Nachteile kennst: Das Wichtigste ist, dass du dich bei der Geburt wohlfühlst.

Es klingt immer etwas abgedroschen, aber: Vertraue auf dein Gefühl. Und tue das, wonach dir ist, und womit es dir am besten geht.

Du möchtest in die Badewanne? Dann sag das deiner Hebamme. Dir geht es besser, wenn du dich bewegst? Dann los! Selbst mit einer PDA ist das in vielen Krankenhäusern inzwischen möglich. Du möchtest während der Geburt die Position wechseln? Dann tu es!

Oft fühlen sich auch in den unterschiedlichen Phasen der Geburt verschiedene Positionen richtig an. Wichtig ist, dass du sagst, was du möchtest, und womit es dir gut geht.

Lass dir nichts aufdrängen – es sei denn natürlich, es gibt einen medizinischen Grund dafür.

Generell empfehlen Hebammen, aufrecht(er) zu gebären bzw. die Geburtspositionen am Ende häufig zu wechseln, da

  • so die Schwerkraft mithilft,
  • das Risiko für Geburtsverletzung reduziert wird,
  • du besser atmen kannst
  • und auch dein Baby leichter durchs Becken findet.

11. Geburtspositionen üben – YouTube und Yoga (plus Erfahrungen von anderen Mamas)

In folgenden Videos findest du Erfahrungsberichte zu den verschiedenen Geburtspositionen und Hilfestellungen zum Üben – lass dich aber auch hier nicht zu sehr beeinflussen.

Jede Geburtserfahrung ist individuell, und jede Stellung ist gut und richtig, solange du dich wohl fühlst bzw. sie dir und deinem Baby hilft.

Wenn du lieber Podcast hörst, können wir „Die friedliche Geburt“ sehr empfehlen:

Und was ist mit Yoga?

Die tiefe Hocke müssen viele von uns erstmal üben, schaden kann´s ja nicht!

12. Geburtspositionen gegen Dammriss, mit PDA oder bei Hämorrhoiden

Du möchtest einen Dammriss vermeiden?

Diese Geburtspositionen können helfen:

  • Vierfüßlerstand
  • Hockend
  • Kniend
  • Seitenlage

Das sind die Positionen, die empfohlen werden, um zu starken Druck auf den Damm zu vermeiden.

Tipp: Dammmassage und Heublumendampfad helfen vorab, den Damm weich zu machen.

Erfahrungen: Keine Angst vorm Dammriss oder Dammschnitt, rät Sina. „Bei mir wurde am Ende geschnitten, natürlich mit Ankündigung und erst, nachdem das Köpflein trotz unzähliger Stellungswechsel nicht rauskonnte. Der Schnitt war eine absolute Erleichterung, Schmerzen habe ich überhaupt nicht gespürt. Wenige Wehen später war mein Sohn endlich da!“

Welche Geburtsposition mit PDA?

Bei einer PDA, die auch die Beine stark betäubt, bringen die meisten Mamas ihr Kleines in Rücken- oder Seitenlage auf die Welt:

„Bei Erst­gebärenden mit einer PDA kann das Liegen am Ende des Gebär­vorgangs die Chance auf eine natürliche Geburt erhöhen. Nachteile für die Gesundheit der Mutter oder des Kindes waren nicht erkenn­bar. Durch das Liegen kam es nicht häufiger zu Verletzungen des Damm­gewebes oder zu größeren Blut­verlusten“, so heißt es laut einer Studie, die auf test.de veröffentlicht wurde. Im Liegen gebären muss also überhaupt nicht schlecht sein!

Welche Geburtsposition bei Symphysenlockerung?

Hebammen empfehlen, eine Wassergeburt oder den Vierfüßlerstand. Aber auch hier gilt: Ausprobieren!

Mehr zum Thema Symphysenlockerung findest du in diesem Beitrag.

Und bei Hämorrhoiden?

Da kann die Seitenlage helfen.

Ganz gleich, ob deine Entbindung „leicht“ oder „schwer“, kurz oder lang sein sollte, ob du deinen Schatz – wie beim Hypnobirthing – herausatmest (ganz ehrlich, hätte bei mir niemals funktioniert!) oder mit lauten Rufen hinauspresst (uh yes!). Du wirst das gut und genau richtig machen!

Hier findest Du noch mal alle Geburtspositionen mit ihren Vor- und Nachteilen übersichtlich zum Download:

Jetzt herunterladen: Geburtspositionen – Vorteile und Nachteile im Überblick

Wir wünschen dir eine wunderbare Geburtserfahrung.

Hast du Fragen oder möchtest deine Erfahrungen mit uns teilen? Wir freuen uns über deinen Kommentar!

Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern.

Seit 2015 sind wir Eltern einer zauberhaften Tochter. Zwei Jahre später kam ihr kleiner Bruder auf die Welt, und unsere Familie war komplett. Zusammen sind die beiden ein unschlagbares Team, das sich nur allzu gern gegen Mama und Papa verbündet.

Abgesehen von meiner Familie liebe ich den Hafen, fotografiere gern und gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Texte und Social Media ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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