Roses Revolution Day: Meine gewaltvolle Geburt

Am 25.11. ist der „Roses Revolution Day“, um auf Gewalt in der Geburtshilfe aufmerksam zu machen. In unseren Facebookgruppen haben viele von Euch ihre dramatischen Geburtserlebnisse mit uns geteilt. Wir haben mit Miriam* gesprochen, die mit zwei Söhnen in Mitteldeutschland lebt. Ihren Namen möchte sie nicht veröffentlicht sehen. Miriam ist unendlich dankbar, dass sie heute gesund ist und zwei ebenfalls gesunde Kinder hat. Denn bei der Geburt ihres großen Sohnes Finn wäre sie fast verblutet. Hier erzählt sie ihre Geschichte.

1. Was ist der „Roses Revolution Day“ genau?

Der „Roses Revolution Day“ findet jedes Jahr am 25.11. statt – nämlich genau am internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen. Am „Roses Revolution Day“ legen weltweit Frauen eine rosafarbene Rose vor den Krankenhäuser und Kreißsälen nieder, in denen ihnen verbale oder körperliche Gewalt widerfahren ist.

Es ist ein gemeinsames Zeichen gegen Gewalt während der Geburt. Und in welcher Form sie auch immer auftritt, sie ist immer falsch.

2. Wie kann ich am Roses Revolution Day mitmachen?

Wenn dir Gewalt während der Geburt angetan wurde, kannst du am „Roses Revolution Day“ mitmachen und auf diese Tat aufmerksam machen. Damit hilfst du nicht nur dir selbst, sondern machst auch vielen weiteren betroffenen Frauen Mut.

Um am Roses Revolution Day teilzunehmen brauchst du folgende Dinge und gehst am besten so vor:

  • eine rosafarbene Rose
  • nimm dir ein wenig Zeit, um einen Brief oder eine Postkarte über die Geburt zu schreiben
  • Du legst beide Sachen vor dem Kreißsaal nieder, indem dir Gewalt angetan wurde. Falls du das nicht machen möchtest, oder kannst, kannst Du auch deinen Partner oder eine Freundin darum bitten
  • Mache ein Foto von der Rose vor dem Kreißsaal und teile das Foto in sozialen Netzwerken. Die Hashtags lauten:

#rosesrevolution

#rosesrev

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#rosesrevolutionday

Für mehr Informationen über den „Roses Revolution Day“ einfach hier klicken.

3. Erfahrungsbericht über Gewalt im Kreißsaal:

“Mein Freund und ich, wir freuten uns sehr auf unser erstes Kind. Aber schon die Schwangerschaft war nicht einfach. Immer wieder musste ich zum Frauenarzt, später zu einem Spezialisten. Mein Baby wuchs nicht richtig. Es bestand der Verdacht, dass die Plazenta es nicht mehr richtig versorgt.

Einige Tage vor dem errechneten Geburtstermin überwies der Arzt mich ins Krankenhaus zur EInleitung. Ich bekam die erste Tablette vor den Muttermund gelegt und schon nach einigen Stunden stellten sich die ersten, sehr schmerzhaften Wehen ein. Doch leider brachten sie nichts. Der Muttermund blieb verschlossen. Immer mehr Tabletten und Medikamente kamen hinzu, die Schmerzen wurden immer stärker. Doch der Muttermund wollte sich einfach nicht öffnen. Nach fünf Tagen, in denen ich vor Schmerzen so gut wie nicht schlafen konnte, kam eine Hebamme zu mir und sagte: “Wir reduzieren jetzt erst einmal die Medikation. Sie müssen dringend schlafen.

Tatsächlich ließen die Schmerzen nach und ich schlief ein. Als ich nach etwa vier Stunden erwachte, setzten endlich die geburtswirksamen Wehen ein und der Muttermund öffnete sich. Nun bekam ich zusätzlich noch wehenfördernde Medikamente per Infusion.  Zu diesem Zeitpunkt war eine Hebamme im Dienst, die mir schon von Beginn an nicht sehr sympathisch war. Groß, schlank und stark geschminkt war sie, mit brünetten Haaren. Sie hatte einen sehr harschen Ton, während sie mir sagte, welche Position ich einnehmen sollte, um meinem Sohn die Geburt zu erleichtern. Aber ich hatte so große Schmerzen und war nach den Anstrengungen der letzten fünf Tage so erschöpft, dass ich mich nicht wehren konnte. Sie drängte sogar die Ärztin zu einem Dammschnitt, damit die Geburt schneller voran ging. Mein Freund sagte mir später, dass die Hebamme sehr unter Stress stand. Offenbar war ihre Schicht schon beendet und sie wollte gern nach Hause. 

 Dann wurde Finn geboren. Mit 44 cm und 2500 Gramm klein und leicht. Er wurde mir gleich auf die Brust gelegt und alles schien gut. Als mir die Hebamme noch einmal auf den Bauch drückte, um die Gebärmutter zu kontrollieren, kam ein großer Schwall Blut aus mir heraus. Dann ging alles ganz schnell.

Dramatische Not-Operation

Die Ärzte nahmen mir mein Kind weg und drückten es dem überforderten Vater in den Arm. Dann liefen sie mit mir in den OP. Noch bevor ich dort ankam, bekam ich eine Narkose und schlief ein. Die Hebamme hatte offenbar so brutal bei der Geburt an mir herumgezogen, dass die Plazenta gerissen war. Ich blutete stark in den Bauchraum, das Blut kam erst durch das Drücken auf den Bauch zum Vorschein. Vier Blutkonserven benötigte ich, um meinen Kreislauf stabil zu halten. 

Als ich wieder wach wurde, saß mein Freund neben mir. Er war ganz blass. Die Ärzte hatten ihm kommentarlos meinen Schmuck in die Hand gedrückt, den ich für die Geburt nicht abgenommen hatte. Offenbar dachte er kurz, ich wäre verstorben und keiner klärte ihn auf. 

Die Plazenta wurde später obduziert. Sie war stark verkalkt und konnte meinen Sohn deshalb nicht richtig versorgen. 

Ein gutes Ende:

Heute ist mein Sohn fünf Jahre alt und genauso gesund wie ich selbst. Ich bin sehr dankbar. Wäre ich vor 100 Jahren schwanger gewesen, ich wäre sicher die Frau, die im Kindbett gestorben wäre. Von meiner Hebamme hätte ich mir trotzdem mehr Unterstützung gewünscht. Ein Menschenleben sollte immer im Vordergrund stehen. Auch, wenn die Schicht schon beendet ist.”

*Name von der Redaktion geändert.

Für alle Frauen, die an einem Geburtstrauma leiden haben wir, Experten-Ratschläge zusammengefasst, die bei der Verarbeitung helfen:

https://www.echtemamas.de/traumatischer-notkaiserschnitt-meine-alptraum-geburt/

Sarah Wiedenhoeft

Hamburger Deern, Journalistin, Mutter eines Sohnes. Immer auf der Suche nach besonderen Menschen und dankbar, ihre Geschichten zu erzählen.

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