Keinen Kita-Platz gefunden? „Granny als Nanny“ kann helfen

Die Suche nach dem passenden Kita-Platz ist für Eltern häufig frustrierend. Denn auch, wenn theoretisch jedes Kind in Deutschland ab dem 1. Geburtstag das Recht auf einen Kitaplatz hat, sieht die Realität leider oft anders aus. Tatsächlich fehlen laut Bertelsmann Stiftung dieses Jahr knapp 400.000 Kita-Plätze. Aber was tun, wenn es eine Absage nach der anderen hagelt, und einfach kein freier Platz in Aussicht ist? Bei vielen Eltern kommen dann Oma und Opa zum Einsatz.

Warum es dabei sinnvoll sein kann, die Großeltern offiziell für die Kinderbetreuung „einzustellen“, und was ihr bei der „Granny als Nanny“ unbedingt beachten solltet, hat uns eine Expertin erklärt.

Granny als Nanny – was steckt dahinter?

Der Begriff „Granny als Nanny“ leitet sich von den englischen Begriffen für „Oma“ (granny) und „Kindermädchen“ (nanny) ab. Im Prinzip bedeutet er eigentlich nur, dass die Großeltern auf ihre Enkel aufpassen. Und ich bin ehrlich: Ohne diese Option wären wir hier nicht nur während der Corona-Krise ganz oft komplett aufgeschmissen gewesen.

Allerdings kommt durch das Kindermädchen auch der finanzielle Aspekt ins Spiel, über den wir bisher gar nicht nachgedacht haben. Denn in den meisten Fällen passen Oma und Opa gern auf die Kleinen auf und bekommen dafür kein Geld. Dabei kann es sich durchaus lohnen, das Babysitten als offiziellen Nebenjob anzumelden.

Wann das sogar gesetzlich vorgeschrieben ist, was ihr beachten solltet, und welche Vorteile es mit sich bringt, hat uns Lena-Marei Ardelt erzählt. Die Expertin arbeitet bei der quitt Deutschland GmbH, einem Service für private Arbeitgeber, der sich auf Anmeldung, Verwaltung und Abrechnung von privater Kinderbetreuung und Aushilfen spezialisiert hat:

Muss und kann ich meine Eltern oder Großeltern als Kinderbetreuung einstellen?

Grundsätzlich kann jede Person als private Kinderbetreuung angestellt werden, ob der Opa als Babysitter, die Oma als Nanny oder die Tante als Tagesmutter. Voraussetzung ist, dass man nicht im selben Haushalt lebt. Das gilt für Minijobs genauso wie für sozialversicherungspflichtige Jobs im Privathaushalt.

Eine Anmeldung im familiären Bereich ist verpflichtend, sobald es sich um eine regelmäßige Tätigkeit mit einem vereinbarten Arbeitsentgelt handelt. Lena-Marei Ardelt erklärt „Auf den ersten Blick klingt das Einstellen der Großeltern als Nanny ungewöhnlich, es bringt aber zahlreiche Vorteile mit sich, so wird die Pflicht hier schnell zur Kür.“

Was sind die Vorteile einer angemeldeten Tätigkeit?

„Wesentlicher Faktor, warum sich Eltern für das Konzept Granny als Nanny entscheiden, ist neben dem Mangel an Kita-Plätzen das Vertrauensverhältnis zwischen den Großeltern und Kindern. Außerdem schlägt man in gewisser Weise zwei Fliegen mit einer Klappe: Man weiß seine Kinder nicht nur in guten Händen, sondern unterstützt obendrein auch noch die Eltern bzw. Großeltern finanziell.

Was man nämlich nicht vergessen darf, ist, dass laut des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales fast jeder Fünfte der über 65-Jährigen von Altersarmut betroffen ist”, weiß die Expertin. Und wenn die Großeltern nicht von finanziellen Problemen betroffen sind, kann ja immer noch nach Belieben entschieden werden, ob sie den Lohn für ihre Enkel beiseite legen wollen.

Aus diesen Gründen ist es sehr beliebt, Großeltern als Kinderbetreuung einzusetzen, und ein offizielles Arbeitsverhältnis bringt die notwendigen Absicherungen mit sich. Wie bei einem herkömmlichen Arbeitsverhältnis ist die Oma oder der Opa krankenversichert und zahlt in die Renten- und Arbeitslosenversicherung ein. Und auch im Fall eines Unfalls sind alle auf der sicheren Seite.

Die Eltern als private Arbeitgeber haben zudem eine Arbeitgeberversicherung und können die gesamten Kosten steuerlich geltend machen. Bis zu 6.000 € pro Kind unter 14 Jahren und Jahr können abgesetzt werden. Und auch Großeltern, die in Altersrente sind, haben keine Abzüge bei ihrer Rente.“

Was muss ich bei dem privaten Arbeitsverhältnis mit Oma und Opa beachten?

„Besteht ein Arbeitsverhältnis zwischen Verwandten, gelten – neben der Voraussetzung unterschiedlicher Haushalte – dieselben Regeln wie für alle. Teilweise wird jedoch genauer hingeschaut: Ein schriftlicher Arbeitsvertrag mit Angaben zu Gehalt, Arbeitspensum, Arbeitsort oder etwa Urlaubstagen ist also besonders wichtig.

Alles in allem kann man sagen, dass das Konzept Granny als Nanny für alle Beteiligten ein voller Erfolg sein kann. Denn nicht nur die Kinder profitieren, auch den Großeltern kommt das Konzept zugute, weil sie so die Möglichkeit haben, ihre Rente aufzustocken. Also in den meisten Fällen eine absolute Win-Win Situation.“

Wie ist es bei euch: Setzt ihr viel auf die Hilfe von Oma und Opa? Kommt das Konzept „Granny als Nanny“ für euch in Frage? Oder ist es für euch selbstverständlich, dass die Großeltern einspringen, ohne Geld dafür zu bekommen? Wir freuen uns auf eure Meinung!

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Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern.

Seit 2015 sind wir Eltern einer zauberhaften Tochter. Zwei Jahre später kam ihr kleiner Bruder auf die Welt, und unsere Familie war komplett. Zusammen sind die beiden ein unschlagbares Team, das sich nur allzu gern gegen Mama und Papa verbündet.

Abgesehen von meiner Familie liebe ich den Hafen, fotografiere gern und gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für SEO und Social Media ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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