„Großeltern sind auch nicht mehr das, was sie mal waren!“
Wie sie das meint, hat Daniela uns erzählt:
„Ich war früher ganz oft bei meinen Großeltern. Sie wohnten ein paar Straßen weiter und passten manchmal tagelang auf mich auf. Babysitter? So etwas kannte ich nicht.
Ich liebte es, bei ihnen zu sein!
Sie hatten unendlich viel Zeit für mich. Und das heißt nicht, das sie ein Riesen-Bohei um mich machten! Sie ließen mich einfach bei allem, was sie so taten, mit dabei sein. Ich half Oma beim Kochen oder unterhielt mich währenddessen mit ihr. Wenn Opa im Garten arbeitete, spielte ich nebenher und naschte von den Obststräuchern. Ich schaute ihre Quizshow am Abend mit – das war etwas, das ich zu Hause nicht durfte. Und wenn ich dann irgendwann von selbst zugab, dass ich müde war, schlüpfte Oma mit mir in ihr Ehebett mit den schweren, dicken Decken und Opa schlief auf dem Sofa.
Oma und Opa gehörten selbstverständlich zu meinem Leben dazu.
Heute bin ich selber Mama eines Jungen, er ist inzwischen fünf Jahre alt. Ich hätte ihm von Herzen gewünscht, dass er eine ebenso enge Bindung zu seinen Großeltern hat. Um ehrlich zu sein, bin ich irgendwie davon ausgegangen…
Aber die Rechnung habe ich wohl ohne meine Eltern gemacht.
Als ich schwanger war, haben sie sich wahnsinnig gefreut.
Sie lieben ihren Enkel auch sehr, das weiß ich!
Aber sie haben ein ganz anderes Verhältnis zu ihm, als ich es zu ihren Eltern hatte.
Geschlafen hat er dort erst einmal, als mein Mann und ich zu einer großen Feier eingeladen waren und keinen Babysitter gefunden haben. Am nächsten Vormittag, als wir ihn abholten, waren sie todmüde und deutlich gestresst. Klar, ich verstehe das, aber ehrlich gesagt können sie doch jeden Tag ausschlafen.
Ich hatte im Job die Anfrage, ob ich jeden Donnerstag länger machen könnte – es ging um ein wahnsinnig tolles Projekt, das ich gerne gemacht hätte. Als ich meine Mutter fragte, ob sie nicht jede Woche ihren Enkel aus der Kita abholen können, verneinte sie. Ausgerechnet am Donnerstag ginge sie doch seit Kurzem immer zum Pilates und Papa zum Boxtrainingskurs. Okayyyyyyy. Wie bitte!?
Versteht mich nicht falsch, ich finde es gut, dass meine Eltern im Alter noch einmal richtig aufblühen, sich um ihre Gesundheit und ihr Glück kümmern.
Sie machen Sport, sie gehen aus, die reisen durch die Welt.
Aber manchmal, da wünsche ich mir insgeheim, dass sie sich ein wenig, nun ja, „älter“ benehmen würden, ruhiger wären und mehr Zeit für ihren Enkel hätten. Seine Besuche müssen immer angekündigt und gut geplant sein. Ich habe das Gefühl, sie denken, dass sie ihm unendlich viele Highlights bieten müssen. Ausflüge in den Freizeitpark, Besuche im Zoo. Klar, und das kann man nicht ständig machen.
Wäre es nicht viel schöner, ihn häufiger und dafür ganz ohne Aufhebens zu sehen?
Einmal sollte meine Mama auf ihn aufpassen, als er einen grippalen Infekt hatte. Ich musste an dem Tag ganz dringend zur Arbeit, zumindest bis mittags. Sie lehnte ab, weil sie sich nicht anstecken wollte: Am darauffolgenden Wochenende wollten die beiden einen Wellnessurlaub an der Ostsee starten.
Ich weiß, es ist nicht ganz richtig von mir, so zu denken: Aber können meine Eltern nicht ein bisschen mehr Großeltern sein?“
Liebe Daniela, vielen Dank für deine Geschichte!
Sagt mal, wie ist eure Meinung dazu? Und wie ist das Verhältnis zwischen euren Kindern und ihren Großeltern?
wenn ich die Kommentare lese, hab ich das Gefühl, die Enttäuschung über Grosseltern ist deshalb so gross, weil sie keine Lust haben, Enkel zu beaufsichtigen, und lieber ihr Leben leben.Man hatte ja schon Kinder erzogen und tat alles für sie.Einmal reichts.
Leider kenne ich es nicht,bei der Oma,dem Opa zu sein.Beide waren im „Westen“,da war das nicht möglich.Ich freue mich aber schon,wenn ich meine Kinder 20 und 23 Jahre als Oma dann bei ihren Kindern unterstützen kann.
Na ja, die Zeiten ändern sich eben und die Rentner von früher sind nicht mehr vergleichbar mit den jetzigen Rentnern.
Wenn man ein Kind bewusst in die Welt setzt, tut man es doch für sich selbst und weiß, dass das auch Einschränkungen mit sich bringt….
Ich bin selber eine Großmutter,liebe meine Enkel,bin aber körperlich nicht fit und wenn ich meine Enkelkinder bei mir habe,egal ob eins oder zwei,bin ich immer sehr angeschlagen, müde und kaputt,so dass ich danach sogar im Sitzen auf der Couch einschlafe – nach dem „Babysitten“schaffe ich nichts mehr….
Es strengt einfach an,körperlich und auch nervlich,man achtet doppelt und dreifach auf die Enkel und ist es auch nicht gewohnt – man merkt an sich,dass man keine 20 mehr ist…
Daher kann ich die hier angegebenen Großeltern sehr gut verstehen – meine Eltern und Schwiegereltern wohnten zu weit weg,um zu Sitten- es klappt auch ohne….