Enkel hüten? Auf Oma und Opa ist wenig Verlass…

Früher waren Oma und Opa in den meisten Fällen eine feste Institution im Leben ihrer Enkel. Sie wohnten meist in der Nähe, hatten ein „ruhiges Rentnerdasein“ und passten viel auf die Kleinen auf.

Aber unser Leben hat sich inzwischen geändert. In vielen Familien sind die Großeltern der Kinder weiterhin ein großer Teil ihres Lebens, aber manchmal wohnen sie einfach zu weit weg – oder haben gar nicht soooo viel Zeit, weil sie ihren Ruhestand in vollen Zügen genießen.

Das kennt auch unsere Echte Mama Daniela (echter Name ist uns bekannt), die meint:

„Großeltern sind auch nicht mehr das, was sie mal waren!“

Wie sie das meint, hat Daniela uns erzählt:

„Ich war früher ganz oft bei meinen Großeltern. Sie wohnten ein paar Straßen weiter und passten manchmal tagelang auf mich auf. Babysitter? So etwas kannte ich nicht.

Ich liebte es, bei ihnen zu sein!

Sie hatten unendlich viel Zeit für mich. Und das heißt nicht, das sie ein Riesen-Bohei um mich machten! Sie ließen mich einfach bei allem, was sie so taten, mit dabei sein. Ich half Oma beim Kochen oder unterhielt mich währenddessen mit ihr. Wenn Opa im Garten arbeitete, spielte ich nebenher und naschte von den Obststräuchern. Ich schaute ihre Quizshow am Abend mit – das war etwas, das ich zu Hause nicht durfte. Und wenn ich dann irgendwann von selbst zugab, dass ich müde war, schlüpfte Oma mit mir in ihr Ehebett mit den schweren, dicken Decken und Opa schlief auf dem Sofa.

Oma und Opa gehörten selbstverständlich zu meinem Leben dazu.

Heute bin ich selber Mama eines Jungen, er ist inzwischen fünf Jahre alt. Ich hätte ihm von Herzen gewünscht, dass er eine ebenso enge Bindung zu seinen Großeltern hat. Um ehrlich zu sein, bin ich irgendwie davon ausgegangen…

Aber die Rechnung habe ich wohl ohne meine Eltern gemacht.

Als ich schwanger war, haben sie sich wahnsinnig gefreut.

Sie lieben ihren Enkel auch sehr, das weiß ich!

Aber sie haben ein ganz anderes Verhältnis zu ihm, als ich es zu ihren Eltern hatte.

Geschlafen hat er dort erst einmal, als mein Mann und ich zu einer großen Feier eingeladen waren und keinen Babysitter gefunden haben. Am nächsten Vormittag, als wir ihn abholten, waren sie todmüde und deutlich gestresst. Klar, ich verstehe das, aber ehrlich gesagt können sie doch jeden Tag ausschlafen.

Ich hatte im Job die Anfrage, ob ich jeden Donnerstag länger machen könnte – es ging um ein wahnsinnig tolles Projekt, das ich gerne gemacht hätte. Als ich meine Mutter fragte, ob sie nicht jede Woche ihren Enkel aus der Kita abholen können, verneinte sie. Ausgerechnet am Donnerstag ginge sie doch seit Kurzem immer zum Pilates und Papa zum Boxtrainingskurs. Okayyyyyyy. Wie bitte!?

Versteht mich nicht falsch, ich finde es gut, dass meine Eltern im Alter noch einmal richtig aufblühen, sich um ihre Gesundheit und ihr Glück kümmern.

Sie machen Sport, sie gehen aus, die reisen durch die Welt.

Aber manchmal, da wünsche ich mir insgeheim, dass sie sich ein wenig, nun ja, „älter“ benehmen würden, ruhiger wären und mehr Zeit für ihren Enkel hätten. Seine Besuche müssen immer angekündigt und gut geplant sein. Ich habe das Gefühl, sie denken, dass sie ihm unendlich viele Highlights bieten müssen. Ausflüge in den Freizeitpark, Besuche im Zoo. Klar, und das kann man nicht ständig machen.

Wäre es nicht viel schöner, ihn häufiger und dafür ganz ohne Aufhebens zu sehen?

Einmal sollte meine Mama auf ihn aufpassen, als er einen grippalen Infekt hatte. Ich musste an dem Tag ganz dringend zur Arbeit, zumindest bis mittags. Sie lehnte ab, weil sie sich nicht anstecken wollte: Am darauffolgenden Wochenende wollten die beiden einen Wellnessurlaub an der Ostsee starten.

Ich weiß, es ist nicht ganz richtig von mir, so zu denken: Aber können meine Eltern nicht ein bisschen mehr Großeltern sein?

Liebe Daniela, vielen Dank für deine Geschichte!

Sagt mal, wie ist eure Meinung dazu? Und wie ist das Verhältnis zwischen euren Kindern und ihren Großeltern?

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

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