Symphysenlockerung: Symptome, schnelle Hilfe & was du wissen musst

Wenn dein Beckenbereich sehr weh tut und du dich nur noch watschelnd fortbewegst, kann deine Symphyse dahinterstecken. Das ist zwar nicht gefährlich für die Gesundheit, kann aber für jede werdende Mama sehr belastend sein. Wir erklären dir, was eine Symphysenlockerung ist, woran du sie erkennst, welche Auswirkung dies auf die Geburt hat und was dir helfen kann.

1. Das Wichtigste zusammengefasst

  • Zuallererst: Eine Symphysenlockerung ist nichts Ungewöhnliches während der Schwangerschaft.
  • Die Symphyse (Schambeinfuge) besteht aus dickem Knorpelgewebe, das die beiden Schambeinäste miteinander verbinden. Genau diese Verbindung wird flexibler, damit dein Baby durchs Becken passt. Ist die Lockerung (zu) stark, kann´s leider sehr schmerzhaft werden.
  • Die meisten Frauen spüren die Beschwerden häufig ab der 20. SSW, oft auch erst im letzten Trimester.
  • Test: Du kannst nicht mehr auf einem Bein stehen – und watschelst? Dann ab zum Arzt!
  • Keine Sorge: Das Ganze ist zwar echt ätzend, aber nicht gefährlich – und wird deshalb auch nicht direkt behandelt.
  • Deine Frauenärztin oder Hebamme kann die Diagnose stellen und dir Tipps zur Linderung geben.
  • Das hilft sofort: bestimmte Bewegungen vermeiden (z. B. Beine spreizen, schnelle/ruckartige Bewegungen, Treppen zu schnell gehen, schwer heben), beim Schlafen ein Stillkissen zwischen die Beine legen, einen Beckengurt verwenden, auf deine Gesundheit (kalziumreiche Ernährung) achten oder auch eine Therapie andenken (Akupunktur, Physiotherapie o. ä.).
  • Eine normale Geburt ist möglich – ein Kaiserschnitt nur in Ausnahmefällen nötig.
  • Nachdem dein Schatz auf der Welt ist, dauert es meist nur noch ein paar Wochen oder Monate, bis sich die Erweiterung wieder zurückgebildet hat. Sprich das gern in deinem Rückbildungskurs an.

2. Was ist eine Symphysenlockerung – und was passiert da?

Ganz ehrlich: Bevor ich schwanger wurde, habe ich noch nie etwas über Symphysen gehört – geschweige denn gewusst, wo die liegen und dass etwas, das ich nicht kenne, so schmerzen kann.

Dabei ist eine Symphysenlockerung ein ganz natürlicher Vorgang während der Schwangerschaft.

Durch das Hormon Relaxin weiten sich nämlich Muskeln, Bänder und Gelenke im Beckenboden und Bauchbereich. Das ist notwendig, damit beim Geburtsvorgang das Kind genug Platz hat, um durch das enge Becken zu kommen.

Auch die Symphyse (Schambeinfuge) ist von diesem Vorgang betroffen. Sie besteht aus festem Knorpelgewebe und verbindet, zusammen mit der Iliosakralfuge, die beiden Beckenhälften. Wenn nun die Lockerung der Symphyse etwas stärker ausfällt oder das heranwachsende Baby viel Druck auf das Becken ausübt, kann sich auch die Symphyse stärker lockern – und genau das kann schweinewehtun. 

2. Symphysenlockerung Symptome: Woran du sie erkennst

Zuallererst: Du bist nicht allein! Das unangenehme Ziehen, Zwicken und Ziepen in der Schamgegend kommt häufig vor und ist etwa jeder zweiten Schwangeren bekannt. Bei den meisten kommen und gehen die Schmerzen  – nur etwa zehn Prozent der Schwangeren leiden unter einer besonders starken Erweiterung der Symphyse und entwickeln durchgehende Symphysenbeschwerden.

Bei ca. 2 bis 5 Prozent der werdenden Mamas kommt´s richtig Dicke: Sie haben so starke Schmerzen, dass sie gravierend in ihrem Alltag eingeschränkt werden.

Eine Symphysenlockerung geht mit bestimmten Symptomen einher, die unterschiedlich stark ausfallen können. Du erkennst sie an:

  • Symphysenschmerzen: Sie beginnen meist im Schambeinbereich und Becken und breiten sich dann allmählich in den unteren Rücken aus. Auch in den Leisten und der Hüfte können sie zu spüren sein.
  • Watschelgang: Besonders in den letzten Schwangerschaftswochen beginnen viele Schwangere zu watscheln, um das Gehen zu erleichtern – sie machen kurze Schritte, laufen breitbeiniger und drehen die Füße nach außen. Es kann sich auch so anfühlen, als würdest du auf Eiern laufen.
  • Bewegungsschwierigkeiten: Besonders Bewegungen, bei denen die Beine Scher- oder Spreizbewegungen ausführen, deuten oft auf eine Schambeinfugenlockerung hin. Dazu gehören insbesondere Treppensteigen und Sportübungen, bei denen die Beine gespreizt werden (z. B. Brustschwimmen). Schmerzen beim Gehen, Sitzen, Stehen, das Umdrehen im Schlaf oder die Seitenlage können ebenso erschwert ein.
  • Symphysenlockerung Test: Kannst du auf einem Bein stehen (bitte festhalten)? Wenn nicht, heißt es: Ab zum Frauenarzt.

Bestimmte Faktoren können eine übermäßige Symphysenlockerung begünstigen, dazu zählen:

  • Hüftverletzungen
  • Rückenprobleme
  • Arthritis
  • Rauchen
  • Harte körperliche Arbeit
  • Übergewicht

3. Ist eine Symphysenlockerung gefährlich – und wie wird sie behandelt?

Auch wenn es sich so anfühlt: Die Lockerung ist nicht gefährlich.

Ja, sie ist schmerzhaft und ja, sie kann dich ordentlich in deinem Alltag einschränken. Und trotzdem ist sie ein ganz natürlicher Vorgang während der Kugelzeit – und nach der Geburt schnell wieder vorbei. Vielleicht hilft dir schon das ein wenig?

Du benötigst also auch keine besondere Behandlung, das Ganze bildet sich nach der Entbindung von ganz alleine wieder zurück. Nur in sehr, sehr seltenen Fällen wird eine OP an der Hüfte erforderlich.

Trotzdem: Schmerzen im Becken, unteren Rücken und Schambeinbereich solltest du unbedingt bei deiner Frauenärztin ansprechen. Sie wird nicht nur die genaue Ursache der Schmerzen bestimmen und die Symphysenlockerung ggf. feststellen, sondern dir auch spezielle Tipps geben, wie du am besten damit umgehst.

4. Wann bzw. in welcher Schwangerschaftswoche tauchen die Beschwerden auf?

Die Veränderungen im Becken können sich zu jedem Zeitpunkt in der Kugelzeit bemerkbar machen. So richtig spürbar sind sie meist ab der 20. SSW. Manchmal kommt es auch nach der Entbindung dazu.

5. Symphysenlockerung – was tun? Die besten Tipps gegen die Schmerzen

Ganz ehrlich: Die Beschwerden in der Schambeingegend können den Alltag ganz schön belasten. Soweit die schlechte Nachricht. Die Gute: Egal wie schlimm sich das anfühlt, du kannst so Einiges tun, damit deine Tage wieder erträglicher werden.

Leider gibt es kein allgemeingültiges Rezept, das bei allen Frauen gleich gut wirkt, daher heißt es: ausprobieren. Hier kommen unsere Tipps:

1. Sport bei Symphysenlockerung? Bestimmte Bewegungen solltest du jetzt lieber vermeiden

Wahrscheinlich ist Sport eher das Letzte, an das du denken kannst. Wenn nicht: Dehnübungen für den Oberkörper kannst du machen. Ansonsten gilt: Bitte alles langsamer angehen lassen.

Beobachte deinen Körper genau und finde heraus, in welchen Situationen die Schmerzen auftreten.

Hier ein paar Tipps für den Alltag:

  • Vermeide lange Spaziergänge und plane dafür mehrere kürzere ein.
  • Nimm beim Treppensteigen eine Stufe nach der anderen oder benutze gleich den Aufzug.
  • Keine ruckartigen Bewegungen.
  • Schneidersitz sowie sportliche Übungen mit Scher- und Spreizbewegungen solltest du komplett vermeiden. Das gilt also auch für bestimmte Yoga-Positionen.
  • Hebe nichts Schweres.
  • Keinen Einkaufwagen schieben – das überlässt du lieber jemand Anderem.
  • Ziehe dir die Unterwäsche und Hose im Sitzen an.

2. Symphysenlockerung – wie schlafen?

Auch beim Schlafen kann die Schamgegend ganz schön weh tun. Dabei wollen wir doch gerade jetzt noch etwas ruhen, oder? Unser Tipp: Lege dir ein Stillkissen zwischen die Beine. Vielleicht besorgst du dir auch ein längeres Kissen, das du um dich herum schlingen kannst. Das bringt zumindest ein wenig Entlastung.

3. Benutze einen Gurt fürs Becken

Dein Arzt kann dir einen speziellen Beckengurt verschreiben. Dieser Gurt wird unterhalb des Babybauchs angebracht und drückt die Darmbeine zusammen. Er gibt dir mehr Halt, entlastet dein Becken und mildert so die Schmerzen.

Alternativ kannst du dir auch eine Symphysenbandage oder ein Schwangerschaftssstützmieder zulegen, die eine ähnliche Funktion erfüllen. Mehr Stabilität für den Babybauch und weniger Belastung für Beckenbereich und Rücken ermöglicht dir außerdem ein Babygurt.

Sprich aber unbedingt mit deinem Arzt, bevor du dir solche Hilfsmittel zulegst.

4. Hol dir Hilfe vom Fach: Physiotherapie, Osteopathie, Akupunktur als Therapie

Bei besonders starken Schmerzen kann Physiotherapie oder Osteopathie helfen. Diese Therapien unterstützen durch gezielte Übungen oder Massagen deinen Körper auf ganz natürliche Weise und stärken dein Becken. Akupunktur ist eine medikamentenfreie Schmerztherapie für Schwangere, die nicht nur bei Symphysenlockerung, sondern auch bei anderen Beschwerden hilft.

Achtung: Schmerzmittel solltest du nicht auf eigene Faust einnehmen, sondern stets mit deinem Arzt absprechen. Nicht alle Medikamente eignen sich für dich. In manchen Fällen – wie bei besonders starken Symphysenbeschwerden – ist eine Einnahme von Schmerzmitteln unter ärztlicher Aufsicht möglich.

4. Richtige Ernährung

Klingt vielleicht komisch, aber mit einer gesunden Ernährung kannst du deinen Körper bei den schwangerschaftsbedingten Veränderungen zusätzlich unterstützen – und die Schmerzen so ggf. etwas lindern. Um deine Gelenke und Knochen zu stärken, achte auf eine ausreichende Kalziumzufuhr.

Kalziumreiche Lebensmittel sind zum Beispiel:

  • Milch, Joghurt, Käse
  • Mandeln, Haselnüsse, Sesam
  • Kidney-Bohnen
  • Grünes Gemüse (Spinat, Fenchel, Brokkoli, Grünkohl)

Besonders gut wirkt Kalzium mit Vitamin D. Achte daher darauf, deinen Bedarf zu decken. Du kannst sowohl Kalzium als auch Vitamin D über die Ernährung zu dir nehmen oder dir von deinem Arzt Präparate verschreiben lassen.

Zucker und kohlenhydratreiche Lebensmittel stehen im Verdacht, während der Schwangerschaft Schmerzen zu verstärken. Daher wird empfohlen, besonders in den letzten Wochen auf zuckerhaltige Nahrungsmittel zu verzichten (mehr dazu: Louwen-Ernährung). Solche Nahrungsmittel können außerdem dazu führen, dass du an Gewicht zunimmst, was dein Becken zusätzlich belasten könnte.

5. Schonen, schonen, schonen

Pausen sind nun für deinen Körper besonders wichtig. Nimm dir also regelmäßig eine Auszeit, um zu entspannen und dein Becken zu entlasten. Am besten geht das im “Vierfüßlerstand”. Bei dieser Position verlagert sich das Gewicht des Bauchs und drückt nicht mehr auf das Becken. Viele Frauen empfinden das als sehr angenehm.

Mehr Tipps und Übungen findest du in diesem Video:

6. Symphysenlockerung: Wie lange geht das jetzt? Wann sind die Schmerzen vorbei?

Meist sind die Beschwerden erst komplett vorbei, wenn dein Baby auf der Welt ist und dein Körper sich zurückgebildet hat. Wie lange das dauert, ist sehr unterschiedlich: Bei manchen Frauen ein paar Wochen, bei anderen Monate und in einigen wenigen Fällen auch ein Jahr.

Aber keine Sorge: Nach der Geburt sind die Schmerzen weniger stark und nicht mehr so belastend, da kein starker Druck mehr auf das Becken ausgeübt wird.

Die Rückbildung deines Körpers benötigen einfach Zeit – und damit auch Geduld. Mit speziellen Übungen, die du im Rahmen eines Rückbildungskurses lernst, kannst du deinen Körper unterstützen und deinen Beckenboden kräftigen.

Mehr dazu: 4 Phasen der HeilungSo lange benötigt dein Körper, um sich zu erholen

7. Wie läuft die Entbindung bei Symphysenlockerung ab? Normale Geburt oder Kaiserschnitt?

Auch bei einer Symphysenlockerung ist eine vaginale Geburt grundsätzlich möglich – Experten gehen sogar davon aus, dass die Entbindung dann schneller verläuft. Yeah!

Hebammen empfehlen meist zu der “Vierfüßler”-Geburtsposition oder zu einer Wassergeburt. In besonders schweren Fällen werden dir Ärzte dennoch zu einem Kaiserschnitt raten, das kommt aber nur selten vor.

Hebamme Kiria Silke Vandekamp gibt Tipps, was du tun kannst und geht dabei auch auf das Thema Geburt ein:

8. Wie kann ich das bei der nächsten Schwangerschaft vermeiden bzw. vorbeugen?

Sind Symphysenschmerzen während der Schwangerschaft aufgetreten, ist es sehr wahrscheinlich, dass sie bei der Folgeschwangerschaft wiederkommen – und dann noch heftiger ausfallen.

Oh nein, denkst du jetzt? Mit den richtigen Maßnahmen und Vorbereitungen kannst du vermeiden, dass es dich nochmal so hart trifft. Dazu gehören spezielle Sportübungen, die die Beckenboden-, Gesäß- und Rumpfmuskulatur kräftigen.

Unser Rat: Schau dich nach deiner Kugelzeit nach einer individuellen Physiotherapie um, um von Experten betreut zu werden.

 

Hast du Erfahrungen mit dem Thema gemacht und bist selbst betroffen? Wir freuen uns über deine Fragen, Gedanken und Tipps in den Kommentaren. Auf eine hoffentlich etwas schmerzfreie Rest-Kugelzeit und eine tolle Zeit danach!

Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern. Ich liebe den Hafen, fotografiere gern, gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Social Media und Texte ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

Alle Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.