Rückbildungskurs? Ja, er ist notwendig!

Dein Baby ist endlich da und alles ist so neu und aufregend. Du weißt nicht wohin mit deinen Gefühlen, die Hormone spielen mal wieder verrückt. An Schlaf ist gar nicht zu denken und ganz ehrlich – an einen Rückbildungskurs schon gar nicht. Genau so empfinden viele Frauen nach der Geburt. Warum ein Kurs trotzdem mehr als sinnvoll ist und worauf du achten solltest

1. Ist es wirklich nötig, sich zum Rückbildungskurs aufzuraffen?

Selbst wenn es sich nur um eine Stunde Kursprogramm in der Woche handelt: Die Organisation mit Kind ist aufwändig, keine Frage.

Und trotzdem. Alle Experten, die sich mit Frauengesundheit beschäftigen, sind sich in diesem Fall einig: Ja, ein Rückbildungskurs ist notwendig! Jede Frau sollte nach einer Geburt einen professionellen Kurs machen.

2. Warum ein Rückbildungskurs Pflichtprogramm ist

Auch wenn sich der Körper nach der Geburt zu einem großen Teil selbst regeneriert, brauchen der Beckenboden und die Bauchmuskulatur besondere Aufmerksamkeit und Training. Sonst kann es immer wieder zu ernsthaften Problemen wie Schmerzen, einer Gebärmuttersenkung oder Inkontinenz kommen – selbst Jahre später.

3. Wer trägt die Kosten?

Zum Glück wird der Kurs von allen Krankenkassen, wie beispielsweise der Siemens Betriebskrankenkasse (SBK), bezahlt. Zehn Stunden werden übernommen, in einem Zeitrahmen bis zu neun Monaten nach der Entbindung. Denn: Es gilt, vorzubeugen, anstatt das Risiko von Spätfolgen in Kauf zu nehmen.

„Die Rückbildung ist enorm wichtig für frischgebackene Mamas, damit sie sich möglichst schnell von den Strapazen der Geburt erholen. Deswegen übernehmen wir auch die Kosten für den Rückbildungskurs“, sagt Nadja Messingschlager, verantwortlich für die Schwangerschaftsleistungen bei der SBK.

4. Welcher Rückbildungskurs ist der richtige?

Am besten schaut man sich noch während der Schwangerschaft oder direkt nach der Geburt nach einem passenden Angebot um. Dass die Rückbildungskurse hauptsächlich von Hebammen angeboten werden, macht total Sinn: „Hebammen sind schon vor und während der Geburt eine große Unterstützung für werdende Mütter, deswegen sind sie auch die besten Ansprechpartnerinnen für danach“, so Nadja Messingschlager. Natürlich kann jede Mama ihre Hebamme frei wählen. Soll eine Physiotherapeutin die Rückbildung durchführen, braucht es dafür eine besondere Diagnose des Arztes und ein Rezept.

Die meisten Kurse finden wöchentlich statt und dauern rund 1 – 1,5 Stunden. Der Rückbildungskurs sollte sechs bis acht Wochen nach der Entbindung in Anspruch genommen werden. Nach einem Kaiserschnitt sollte man noch etwas länger warten und etwa nach zehn bis zwölf Wochen mit der Rückbildungsgymnastik beginnen.

„Später ist das Training viel weniger effektiv, auch weil sich der Körper nicht mehr ganz so schnell regeneriert,“ so die SBK-Expertin.

Ein Rückbildungskurs ist Pflichtprogramm für frisch gebackene Mamas

Rückbildungsgymnastik ist Pflichtprogramm für frisch gebackene Mamas. Foto: Bigstock

5. Worauf sollte man bei der Auswahl noch achten?

Ein Rückbildungskurs ist kein Power-Fatburner-Programm!

Ganz wichtig: Es geht nicht darum, möglichst viele Kalorien zu verbrennen, sondern um ein ganzheitliches Gesundheitsprogramm. Eine Schwangerschaft dauert neun Monate, und genauso so lange sollte man sich als Mama auch Zeit geben, wieder auf sein altes Fitnesslevel zu kommen. Sportübungen wie Crunches oder „Klappmesser“ haben hier nichts zu suchen.

Jede Mama darf ihr eigenes Tempo haben

Die Kursinhalte sollten aufeinander aufbauen und ausreichend Möglichkeiten für eine individuelle Rückbildung bieten. Jede Mutter hat ihr eigenes Tempo, was unbedingt berücksichtigt werden muss. Damit der Beckenboden irgendwann auch wieder kraftvoll schwingt, müssen die Kursinhalte auf das komplexe Zusammenspiel eingehen und Folgendes mit einschließen: Atmung, Fußgewölbe und Sprunggelenksmobilität, Beckenstabilität, Wirbelsäulenmobilität  – besonders im Bereich der Brustwirbelsäule – Wahrnehmungs- und Aktivierungsübungen.

Individuelle Bedürfnisse kommen nicht nur kurz

Vor jedem Kurs sollten individuelle Bedürfnisse besprochen werden. Wie ist das Körpergefühl heute? Gibt es besondere Beeinträchtigungen, wie eine Rektusdiastase (Auseinandersetzen der geraden Bauchmuskeln)? Wird gestillt? Ja, auch Letzteres ist eine sehr wichtige Information für einen erfolgreichen Rückbildungskurs, denn Stillen fördert nachweislich die Rückbildung. Wenn nicht gestillt wird, kann man mit zusätzlichen Übungen die Rückbildung unterstützen.

Der Beckenboden ist auch in der Theorie ein Thema

Nur ganz, ganz wenige Mütter wissen über ihren Beckenboden Bescheid. Deswegen ist es wichtig, dass Kurse immer mal wieder theoretisches Wissen zur Anatomie vor bzw. nach der Schwangerschaft zur Sprache bringen. Gerne auch anhand eines Modells. Denn: Nur wenn wir die Vorgänge in unserem Innern richtig versteht, können wir darauf auch ausreichend eingehen.

Es gibt Übungen für Zuhause

Wie nach der Geburtsvorbereitung für Schwangere ist es auch jetzt wichtig, dass man zu Hause weitermacht und dafür Übungsvorschläge bekommt – gerade wenn Kinder einen ordentlich auf Trab halten. Wichtig sind Tipps für ein schonendes Verhalten im Alltag: Wie steht man am besten auf? Wie setzt man sich schonend hin? Ebenso gibt es Empfehlungen für schonendes Husten/Niesen und dem Verhalten auf der Toilette.

Mehr dazu: Beckenbodentraining – Übungen für wirklich JEDE Gelegenheit 

Echte Mamas

Echte Mamas. Wir sind echt und ehrlich.

Alle Artikel