Chinesischer Empfängniskalender: Wie sicher kann er das Geschlecht meines Babys vorhersagen?

„Wisst ihr denn schon, was es wird?“ Es gibt wohl keine Frage, die ich während meiner Schwangerschaft häufiger gehört habe. Am Anfang war meine Standardantwort „ein Baby“ – aber natürlich waren auch mein Mann und ich unglaublich neugierig, ob wir ein Mädchen oder einen Jungen bekommen. Ein Hilfsmittel, um genau das möglichst früh herauszufinden, soll ein chinesischer Empfängniskalender sein – aber wie sicher ist er eigentlich?

Wir haben alle Infos dazu für euch zusammengestellt:

1. Was ist ein chinesischer Empfängniskalender?

Seinen Ursprung hat der chinesische Empfängniskalender schon im 13. Jahrhundert. Ein chinesischer Wissenschaftler hat ihn auf der Grundlage des so genannten Bauernkalenders (Xià Lì) entwickelt. Seitdem kommt er nicht nur in China zum Einsatz, um das Geschlecht eines Babys zu bestimmen bzw. durch den Zeitpunkt der Zeugung festzulegen, ob es ein Mädchen oder ein Junge wird.

Es gibt die Vermutung, dass der chinesische Empfängniskalender dem Kaiser dabei helfen sollte, einen Thronfolger zu zeugen. Aber auch heute noch wünschen sich viele Paare in China lieber einen Jungen. Denn es ist Tradition, dass er sich um die Altersvorsorge der Eltern kümmert, während ein Mädchen meist zu den Eltern seines Ehemannes zieht. Besonders in der Zeit der Ein-Kind-Politik bis 2015 haben deshalb viele Paare den chinesischen Empfängniskalender für ihre Babyplanung genutzt,

Da der Kalender sich auf die verschiedenen Phasen des Mondes stützt, ist er auch unter dem Namen „Mondkalender“ bekannt.

2. Wie funktioniert der chinesische Empfängniskalender?

Im Prinzip soll der Kalender dir bei zwei verschiedenen Dingen helfen:

1. Das Geschlecht deines Babys vorherzusagen, sobald es in deinem Bauch ist.
2. Das Geschlecht deines Babys zu beeinflussen, wenn du dir lieber einen Jungen oder ein Mädchen wünschst.

Dafür setzt der chinesische Empfängniskalender im Wesentlichen auf zwei Werte: Den Monat der Empfängnis (d. h. der Zeugung des Kindes) und das Alter der Mutter zu diesem Zeitpunkt. Wichtig dabei ist, dass beim Mondkalender dein Alter ein anderes ist als nach unserer Zeitrechnung. Denn beim so genannten „Mondalter“ wird das Alter einer Frau ab dem Zeitpunkt ihrer Zeugung gerechnet. Das heißt, du musst neun Monate zu deinem aktuellen Alter dazurechnen.

Dieses Mondalter suchst du jetzt in der Tabelle. Dann schaust du, wo es sich mit dem Empfängnismonat deines Babys kreuzt. Schon weißt du theoretisch, ob du ein Mädchen oder einen Jungen bekommst.

Chinesischer Empfängniskalender: Wie sicher kann er das Geschlecht deines Babys vorhersagen?

Chinesischer Empfängniskalender: Wie sicher kann er das Geschlecht deines Babys vorhersagen? Grafik: Echte Mamas

3. Chinesischer Empfängniskalender: Mondalter berechnen – so geht’s:

Damit ein chinesischer Empfängniskalender dir (wie sicher sei mal dahingestellt) das Geschlecht deines Babys vorhersagen kann, musst du zuerst dein so genanntes Mondalter berechnen. Dafür musst du wissen, wie alt du genau warst, als dein Baby gezeugt wurde. Dann rechnest du neun Monate dazu. Denn der Mondkalender berechnet dein eigenes Alter ebenfalls ab dem Tag deiner Zeugung. Das heißt, laut Mondalter bist du genau neun Monate älter als nach unserer Zeitrechnung. Allerdings gibt es auch dafür wieder eine Ausnahme:

Auch das chinesische Neujahr ist wichtig

In China wird das neue Jahr nicht wie bei uns an Silvester begrüßt. Stattdessen richtet sich das chinesische Neujahrsfest nach dem Neumond. Es wird jedes Jahr zwischen dem 21. Januar und dem 21. Februar gefeiert.

Wenn du nach dem 22. Februar Geburtstag hast, ändert sich für dich nichts. Dein Mondalter berechnet sich so wie beschrieben. Falls dein Geburtstag vor dem 22. Februar ist, wird das ganze allerdings etwas komplizierter. Dann musst du nämlich erst einmal herausfinden, wann genau in deinem Geburtsjahr das chinesische Neujahrsfest gefeiert wurde. Wenn es nach deinem Geburtstag war, bleibt alles beim Alten. War es davor, musst du noch einmal zwölf Monate zu deinem Alter dazu zählen, um dein Mondalter zu berechnen. Insgesamt sind es in diesem Fall also 21 Monate.

Wenn du herausfinden möchtest, wann das chinesische Neujahrsfest in deinem Geburtsjahr stattgefunden hat, hilft dir die Seite china-park.de weiter. In der linken Spalte der Tabelle findest du alle Neujahrsfeste seit 1948.

Mondalter berechnen – zwei Beispiele

Falls du den chinesischen Empfängniskalender nutzen möchtest, dich aber die Erklärungen zur Berechnung des Mondalters verwirrt haben, kommen hier zwei praktische Beispiele:

Beispiel 1: Du hast nach dem 22. Februar Geburtstag

In diesem Fall ist die Berechnung relativ einfach:
Datum: 20.02.2019
Geburtstag: 13.05.2005
Alter: 23 Jahre und 9 Monate
Mondalter: 23 Jahre und 9 Monate PLUS 9 Monate = 24 Jahre und 6 Monate

Wenn du jetzt wissen möchtest, welches Geschlecht ein chinesischer Empfängniskalender deinem Baby voraussagt, brauchst du dafür noch den Monat, indem du schwanger geworden bist:
Schwanger seit: Januar 2019

Jetzt schaust du in der linken Spalte der Tabelle bei der 24 und gehst dann auf der rechten Seite bis zur Januar-Spalte. Laut Kalender bekommst du also einen Jungen.

Beispiel 2: Du hast vor dem 22. Februar Geburtstag

In diesem Fall ist die Berechnung deines Mondalters etwas komplizierter, weil das chinesische Neujahr eine Rolle spielt:

Datum: 20.08.2019
Geburtstag: 13.01.2005
Alter: 23 Jahre und 7 Monate
Chinesisches Neujahr in deinem Geburtsjahr: 9. Februar 2005
-> Da es vor deinem Geburtstag liegt, musst du 12 weitere Monate zu deinem aktuellen Alter hinzuzählen, also insgesamt 21 (= neun fürs Mondalter + 12 fürs vorausgegangene chinesische Neujahr)
Mondalter: 23 Jahre und 7 Monate PLUS 21 Monate = 25 Jahre und 4 Monate
Schwanger seit: Juli 2019

Du schaust in der Tabelle also beim Mondalter 25 und dann bei der Spalte Juli. In diesem Fall sagt ein chinesischer Empfängniskalender dir also ein Mädchen voraus – wie sicher das ist, siehst du allerdings erst nach der Geburt (oder beim Ultraschall).

Dein Mondalter online berechnen

Puh, teilweise ist die Berechnung des Mondalters gar nicht so leicht, oder? Es geht aber zum Glück auch einfacher – nämlich online! Du kannst zum Beispiel auf der Seite chinesegenderchart.info dein Geburtsdatum eingeben und einen Tag, für den du dein Mondalter berechnet haben möchtest. Dann nur noch auf „Show me the lunar age“ („Zeig mir mein Mondalter“) klicken – schon bekommst du das Ergebnis angezeigt.

4. Chinesischer Empfängniskalender – wie sicher ist er?

Sagen wir es mal so: Auch wenn der Kalender dir ein Mädchen voraussagt, solltest du doch lieber den Ultraschall abwarten, bevor du anfängst, niedliche Babykleidchen zu kaufen. Denn angeblich gibt es zwar eine Studie, die dem chinesischen Empfängniskalender eine Zuverlässigkeit von 85 % bescheinigt. Allerdings findet man dafür keinerlei Quellenangaben, und die Ergebnisse lassen sich auch nicht nachprüfen.

Stattdessen kommt eine andere Studie zu dem Ergebnis, dass der chinesische Empfängniskalender nicht zuverlässig ist. Dafür hat Dr. Eduardo Villamor von der Universität in Michigan zusammen mit Kollegen aus Boston und Schweden 2,8 Millionen Geburten zwischen 1973 und 2006 anhand des Kalenders überprüft. Mit dem Ergebnis, dass die Trefferquote des Kalenders bei rund 50 % lag. Oder wie Dr. Villamor so schön geschrieben hat: Wenn du wissen möchtest, ob du einen Jungen oder ein Mädchen bekommst, kannst du genauso gut eine Münze werfen.

Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern. Ich liebe den Hafen, fotografiere gern, gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Social Media und Texte ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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