Alleingeburt: Risiken, Erfahrungen, Tipps und Alternativen

Es gibt Frauen, die sich dafür entscheiden, ihr Baby allein, das heißt ohne externe Hilfe zur Welt zu bringen. Häufig verbirgt sich dahinter der Wunsch, das eigene Kind auf selbstbestimmtem Weg zu bekommen. Nachvollziehbar, besonders bei negativen Vorerfahrungen. Trotzdem ist es wichtig, abzuwägen. Wir verraten alles, was du zur Alleingeburt wissen musst: von der Vorbereitung, über die Risiken hin zu wichtigen Tipps und Alternativen.

1. Das Wichtigste zusammengefasst

  • Von Alleingeburt sprechen wir, wenn werdende Mamas ihr Kind ohne Hilfe von Ärzten oder Hebammen zur Welt bringen.
  • Aus rechtlicher Sicht ist das in Deutschland erlaubt.
  • Wie jede Geburt birgt auch dieser Geburtsstil Risiken, die werdende Mamas genau kennen sollten. Eine Krankenhaustasche zur Sicherheit zu packen, ist immer ein guter Rat. Und auch sich ein Notfall-Krankenhaus auszusuchen. Und im Fall der Fälle: schnell handeln!
  • Generell ist eine gute Vorbereitung auf alle Eventualitäten besonders wichtig. Hypnobirthing kann z. B. helfen, Ängste zu überwinden. Das Urvertrauen in den eigenen Körper zu stärken, ist gerade bei einer Alleingeburt unerlässlich. Aber auch eine Begleitperson an der Seite zu wissen, der man vollkommen vertraut, ist sehr wertvoll.
  • Als Alternative bieten sich Geburtsorte wie ein Geburtshaus, eine Hausgeburt mit Hebamme oder eine Begleitung durch eine Beleghebamme an. Das Gute: Du bist nicht auf dich allein gestellt und hast trotzdem die Möglichkeit, dein Kind selbstbestimmt und (meist) ohne medizinische Eingriffe zu gebären.

2. Was ist eine Alleingeburt? Plus: Erfahrungsbericht

Entscheidet sich eine Frau für eine Alleingeburt, bringt sie ihr Kind ohne ärztliche Hilfe und Hebamme zur Welt. Was bei vielen Panikattacken auslösen würde, ist für einige werdende Mamas der bestmögliche und manchmal auch der einzig vorstellbare Weg, ihr Baby zu bekommen.

Die Gründe können vielseitig sein

Überlastetes Personal, Engpässe bei Hebammen, besetzte Kreißsäle – immer wieder hören wir von Schauergeburten in Krankenhäusern. Das macht natürlich nicht gerade Vorfreude. Eins vorweg: So muss es nicht sein. Es gibt auch tolle Krankenhäuser.

Aber: Einige Mamas fühlen sich schlichtweg unwohl im Krankenhaus oder haben sogar eine Phobie. Vielleicht haben sie bereits eine komplizierte Geburt mit vielen Eingriffen erlebt – und wollen genau das vermeiden. Manche Frauen haben schlichtweg kein Vertrauen in die medizinische Versorgung oder fühlen sich nicht entspannt genug, um in Anwesenheit des medizinischen Personals ihr Kind zu gebären. In ihnen wächst der Wunsch, es dieses Mal „anders“ zu machen und lediglich – wenn überhaupt – in Begleitung nahe stehender Personen ein Kind zur Welt zu bringen. Alles verständliche Gründe. Trotzdem will eine Alleingeburt gut vorbereitet und abgewägt werden. Warum erfährst du in diesem Artikel.

Mögliche Geburtsorte

Die Geburt finden in meisten Fällen zuhause statt und ist damit eine Hausgeburt. Aber auch in der Natur ist es möglich, das kleine Wunder zu bekommen, zum Beispiel im Wald oder Garten. Die einzige Voraussetzung: Dass die werdende Mama sich komplett fallen lassen kann.

Hausgeburt Erfahrungesbericht

Einen Video-Erfahrungsbericht findest du hier:

3. Alleingeburt in Deutschland – wie sieht die Rechtslage aus?

In Deutschland sind Alleingeburten aus rechtlicher Sicht weder verboten, noch liegt ihnen ein Gesetz zugrunde. Folglich müssen Schwangere weder eine Hebamme noch einen Arzt konsultieren, wenn sie ein Kind gebären wollen. In Österreich liegt der Fall anders: Dort besteht die sogenannte „Hebammenhinzuziehungspflicht“, die es der Schwangeren vorschreibt, bei oder unmittelbar nach der Geburt eine ausgebildete Hebamme an der Seite zu haben.

4. Alleingeburt ohne Hebamme – geht das?

Ja, Frauen in Deutschland dürfen in „Eigenregie“, also ohne Hebamme, ihr Kind gebären. Dieser Schritt will allerdings wohlüberlegt sein. Optimalerweise stören „gute“ Hebammen den Geburtsvorgang nämlich nicht, sondern sind für Mutter und Kind eine wertvolle Bereicherung.

Du hast schlechte Erfahrungen gemacht? Damit bist du nicht allein. Um ein gutes Vertrauensverhältnisse zu deiner Hebamme aufbauen zu können, empfiehlt es sich, sehr früh, bestenfalls gleich bei positivem Schwangerschaftstest mit der Suche zu beginnen. Falls du beim Erstgespräch merkst, dass ihr nicht auf einer Wellenlänge seid, ist es gar kein Problem, sich von deiner Hebamme zu trennen und eine andere zu wählen. Hab hier keine Scheu – das allerwichtigste ist jetzt, dass du dich wohl fühlst.

Vielleicht wäre auch eine Beleghebamme eine gute Alternative für dich? Diese Art der professionellen Geburtshilfe begleitet dich meist schon während der Schwangerschaft. Du hast also Zeit, ein intensives Vertrauensverhältnis aufzubauen. Beim Geburtsvorgang ist sie von Anfang an dabei – auch ohne medizinisches Personal. Somit weißt du von Anfang an, wer dich bei der Geburt betreut. Ein großer Vorteil gegenüber „anonymer“ Krankenhausgeburten.

5. Alleingeburt – welche medizinischen Risiken bringt sie mit?

Eine Entbindung ohne Zuhilfe ist selbstverständlich nicht freier von Gefahren als andere Geburten. Leider kann es immer sein, dass es zu Komplikationen kommt, sodass schlussendlich eine Hebamme oder ein Arzt hinzugezogen werden muss.

Dies ist etwa dann der Fall, wenn das Kind schlecht mit Sauerstoff versorgt ist, es zu einem Nabelschnurvorfall kommt oder die werdende Mutter einen schwerwiegenden Dammriss erleidet, der genäht sowie medizinisch versorgt werden muss. Auch könnte es passieren, dass ein Neugeborenes mit den Schultern im Geburtskanal steckenbleibt. All diese Faktoren müssen natürlich berücksichtigt werden, bevor wir Frauen uns für oder gegen eine Alleingeburt entscheiden.

Deshalb ist es sehr sinnvoll, die Krankenhaustasche immer griffbereit zu haben und zu wissen, in welches Krankenhaus du gefahren werden möchtest – und in welches möglicherweise nicht. Hier findest du eine konkrete Liste, was in deine Krankenhaustasche muss.

6. Tipps zur Vorbereitung auf die Alleingeburt – was brauche ich?

Dadurch, dass du während der Geburt allein bzw. ohne ausgebildetes Personal bist, solltest du dich gut vorbereiten, um im Fall der Fälle genau zu wissen, was zu tun ist.

Das heißt: Kenntnisse sind ganz, ganz wichtig! Hole dir so viele Informationen, wie du kannst. Wie läuft der Geburtsprozess ab? Wie spüre ich, dass etwas nicht „normal“ ist? Mach dich mit möglichen Risiken vertraut, selbst wenn genau das Angst auslöst. Vielleicht kannst du eine Begleitperson auswählen, der du voll und ganz vertraust und die weiß, was zu tun ist, wenn etwas nicht so läuft wie geplant? Auch ein spezieller Kurs oder ein Buch (z. B. von Sarah Schmid) können dir bei der Vorbereitung helfen.

Die Verantwortung, die eine werdende Mutter bei der Alleingeburt trägt, ist vergleichsweise hoch. Dafür muss man zweifelsfrei der Typ sein. Wer kein Urvertrauen in den eigenen Körper hat, der könnte hier schnell in Panik verfallen. Es hilft immer, sich mit den eigenen Gedanken auseinanderzusetzen. Welche Ängste hast du? Welche Sorgen treiben dich um? Schreib dir ruhig alles von der Seele. Das hilft dir, weniger gehemmt an die Geburt heranzugehen und dir dort Hilfe zu suchen, wo du sie brauchst. Denn: Hilfe ist nichts Schlechtes. Beispielsweise können Hypnosesitzungen und Meditationstechniken, Stichwort Hypnobirthing, dich gut auf eine bevorstehende Alleingeburt vorbereiten.

Trotz aller Selbstbestimmtheit: Wichtig ist und bleibt, eine empathische und vertrauensvolle Hebamme an deiner Seite zu haben, die dich und dein Neugeborenes im Notfall während und nach der Geburt optimal Zuhause unterstützen kann. Bei dem derzeitigem Hebammenmangel empfehlen wir dir, lieber früher als später zu suchen. Einen Erfahrungsbericht zur Hebammen-Suche findest du hier.

Folgendes solltest du dir vorab überlegen und parat haben:

  • Wo willst du gebären?
  • Handtücher, Laken etc. besorgen.
  • Vielleicht wäre ein Geburtspool toll?

7. Was tun nach Alleingeburt?

Im Anschluss musst du die Geburt deines Kindes beim Standesamt anmelden. Da Alleingeburten in Deutschland selten sind, ist dies nicht ganz trivial. Hier findest du eine Checkliste.

Und dann kommt – wie bei jeder Entbindung – der Run aufs Elterngeld, Kindergeld etc. Tipps zum Elterngeld findest du hier. Hast du schon etwas vom Kinderzuschlag gehört? Wie du dir das Extra-Geld sichern kannst.

8. Alleingeburt nach einem Kaiserschnitt – geht das?

Es gibt bestimmte Ausschlusskriterien, wonach eine Frau nach einem oder zwei Kaiserschnitten nicht mehr in Eigenregie ohne professionelle Geburtshilfe gebären sollte. Dazu gehören

  • zwei Kaiserschnitte ohne eine nachfolgende, weitere vaginale Geburt oder
  • mehr als zwei Kaiserschnitte.

In diesen Fällen ist eine Frau, die außerklinisch gebärt, nicht mehr versichert. Generell stufen Mediziner eine Alleingeburt nach einem oder mehreren Kaiserschnitten als riskant ein – und empfehlen daher unbedingt, zumindest in Anwesenheit einer erfahrenen Hebamme das Kind auf die Welt zu bringen.

9. Welche Alternativen gibt es?

Du willst auf keinen Fall im Krankenhaus gebären? Das ist vollkommen ok! Hast du dich bereits mit dem Thema begleitete Hausgeburt auseinandergesetzt? Oder etwas vom Geburtshaus gehört? Auch an diesen Orten kannst du deine Wünsche individuell abstimmen, lernst (meist) die Hebamme(n) kennen und kannst über deine Ängste und Sorgen sprechen. Du wirst also intensiv betreut und während der Geburt niemals allein gelassen. Auf deinen Wunsch hin hält sich die Hebamme bzw. das Team bei der Geburt zurück und greift nur dann ein, wenn du und dein kleiner Schatz wirklich Hilfe braucht.

Sollten allerdings schon in der Schwangerschaft Komplikationen auftreten, empfiehlt es sich aus Sicherheitsgründen, doch in einer Klinik zu gebären.

Deshalb noch kurz dazu: Eine Krankenhausgeburt muss nicht immer schlecht sein. Es gibt tolle Krankenhäuser, die sich für selbstbestimmte Geburten aussprechen, Beleghebammen einsetzen oder auch ein Geburtshaus angegliedert haben, in denen das medizinische Personal nur im alleräußersten Notfall eingreift. Vielleicht recherchierst du einmal im Internet nach toll bewerteten Geburtskliniken in deiner Umgebung und schaust bei einem Infotag vorbei? Dort kannst du all deine Fragen stellen und abwägen, ob die Klinik etwas für dich wäre – als Backup.

10. Alleingeburt – ja oder nein?

Tatsächlich haben Alleingeburten immer mehr an Popularität gewonnen. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass in den Medien verstärkt davon berichtet wird – und Frauen, die sich für eine Alleingeburt entscheiden, damit an die Öffentlichkeit herantreten. Schlussendlich ist es eine sehr persönliche Entscheidung, die jede Frau für sich treffen muss.

Du bist dir unsicher, ob eine Alleingeburt für dich das Richtige ist? Dann empfehlen wir, dir ausreichend Zeit zu nehmen, in dich hineinzuhören und die Entscheidung gut abzuwägen. Du musst weder dir, noch deinem Partner oder deiner Familie irgendetwas beweisen! Was du entscheidest, ist ok. Und: Du solltest nur dann dein Baby alleine gebären, wenn du dich dabei wirklich sicher und geborgen fühlst. Dazu gehört auch, zu wissen, wie du im Notfall vorzugehen hast. Eine Alleingeburt ist nicht ungefährlich. Dies gilt insbesondere dann, wenn du schon einmal ein Kind geboren hast und die Entbindung kompliziert war.

Wie stehst du zum Thema Alleingeburt? Planst du, dein Kleines allein auf die Welt zu bringen oder hast du sogar schon einmal diese Art der Geburt gewählt? Dann freuen wir uns, wenn du uns von deinen Erfahrungen berichtest!

Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern. Ich liebe den Hafen, fotografiere gern, gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Social Media und Texte ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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