Meine aufregende Hebammen-Suche – und wie ich am Ende gleich drei hatte

Da stand es im Mutterpass: errechneter Geburtstermin 22. 08. Mein zweites Kind sollte also ein Sommerkind werden. Wie schön, dachte ich. Ich muss nicht mit dickem Bauch durch den Schnee stapfen und anschließend den Kinderwagen durch Schneematsch schieben. Ich muss mir keine Gedanken machen, dass das Neugeborene friert und mich nicht vor Glatteis fürchten, wenn nachts die Wehen kommen. Die Hebammen-Suche hatte ich gar nicht auf dem Zettel.

Schwangerschaftswoche sechs und sieben vergingen, die achte brach an, dann die neunte. Ich glaubte zwar fest daran, dass ich das Baby nicht verlieren würde, trotzdem sehnte den nächsten Arzttermin in der zehnten Woche herbei. Dann wieder Vorsorge, alles war in Ordnung. Meine Ärztin guckte kurz in den Mutterpass und bemerkte nebenbei, dass die Geburt wohl mitten in den Sommerferien stattfinden würde. Ob ich denn schon eine Nachsorge-Hebamme hätte!?

Waaaah, nein! Natürlich hatte ich daran noch gar nicht gedacht! Vor der 12. Woche wollte ich eigentlich überhaupt nichts Konkretes machen, irgendwie hatte ich damit kein gutes Gefühl. Im Nachhhinein total blöd, wusste ich ja. Nun saß ich vor dem Rechner und googelte sämtliche Hebammen-Suchdienste durch. Vom Büro aus, wohlgemerkt. Es war Dienstag, ich wollte nicht mehr bis zum Wochenende warten. Und so telefonierte ich mit zitternden Fingern eine Hebamme nach der anderen ab.

Hinzu kam, dass mein Mann und ich überlegten, vor der Geburt noch umzuziehen. Und zwar ins 800 km weit entfernte Hamburg. Ich stand kurz vor dem Nervenzusammenbruch. Die Entscheidung, ob wir wirklich vor der Geburt oder erst ein Jahr später umziehen, sollte erst in ein paar Monaten fallen. So lange konnte ich mit der Hebammen-Suche aber nicht warten.

Ich war aber optimistisch, dass mein Kind ein Nordlicht werden würde. Und so konzentrierte ich mich zunächst auf die Hansestadt. Sieben Bezirke, von denen wir als Wohnort nur zwei wirklich ausschlossen. Ich schrieb wie besessen E-Mails an Hebammenpraxen, telefonierte mir die Ohren wund und erklärte immer wieder, dass ich noch keine Adresse in Hamburg hätte, aber eventuell ja in diesem Bezirk landen würde und dann zur Geburt eine Hebamme dort bräuchte. Natürlich versprach ich, auch rechtzeitig abzusagen, falls wir dann nicht im entsprechenden Bereich wohnen sollten.

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Nach zwei Wochen hatte ich dann auch tatsächlich vier Hebammen in unterschiedlichen Stadtgebieten. Was aber, wenn wir doch nicht umzögen? Wenn mein Baby also noch ein Münchner Kindl werden sollte? Also ging die Suche von vorne los. Nun bereits in der 12. Schwangerschaftswoche. Für die Hebammen-Suche eigentlich schon viel zu spät. Vor allem, da in Bayern ja Sommerferien waren, wenn der Zwerg kommen sollte.

Und so kam auch eine Absage nach der anderen. Irgendwann konnte ich nicht mehr. Seit drei Wochen war ich nun auf Hebammen-Suche. Ich gab erst einmal auf, in der Hoffnung, in den nächsten Tagen noch eine positive Rückmeldung auf eine meiner vielen Mails zu bekommen. Mein Job nahm mich völlig in Anspruch, die Schwangerschaft war außerdem anstrengend. Und es brach Woche 18 an.

Vierter Monat. Und noch immer keine Münchner Hebamme. Gleichzeitig wurde es immer sicherer, dass wir noch nicht umziehen würden. Also war ich tatsächlich immer noch ohne Betreuung nach der Geburt. Verzweiflung, Panik, großer Mist. Und dazu kamen etliche Schwangerschaftsbeschwerden. Die ganze Welt war gegen mich. Aber es half nichts. Weiter telefonieren.

Die ohnehin schon stark ausgelasteten Hebammen reagierten häufig mit Unverständnis, dass ich mich erst so spät auf die Suche machte. Ich stimmte ergeben zu, hatte keine Kraft mehr, meine Situation zu erklären. Hätte ja auch nichts mehr gebracht. Und dann fand ich Elisabeth. Sie sagte zu, wir vereinbarten einen Kennlern-Termin in der 30. Woche. Alles war gut. Ich freute mich auf das Treffen und konnte die Suche endlich beenden.

Sollte ich etwa tatsächlich auf mich allein gestellt sein, wenn mein Baby und ich das Krankenhaus verlassen würden? Foto: Bigstock

Dann in Woche 30 saß Elisabeth an meinem Esstisch und erzählte mir, dass sie ja drei Kinder hätte und Ende August drei Wochen Urlaub machen würde. Bäääm! Ich saß vor ihr, wie versteinert. Warum hatte sie mir dann zugesagt? Was sollte ich denn jetzt tun? Musste ich doch wieder meine verzweifelte Hebammen-Suche aufnehmen? Aber Elisabeth hatte sich bereits um eine Vertretung gekümmert. Tatsächlich hatte die berufliche Situation ihres Mannes ihre Urlaubsplanung durcheinander geworfen und bei unserem ersten Telefonat war der Urlaub noch nicht geplant.

Wie auch immer. Ich hatte ein Kennlern-Date mit einer Hebamme, die mich wohl kaum betreuen würde. Sie gab mir die Nummer von Sophie, Hebamme Nummer zwei. Die wäre jetzt gerade im Urlaub und ich sollte mich einfach bei ihr melden, wenn das Kind da ist. Ich war nur froh, dass ich nicht auch schon vor der Geburt Hebammen-Hilfe brauchte.

Unser Baby kam zwei Tage nach dem errechneten Termin. Ferienwoche Nummer zwei war angebrochen und in der Klinik stöhnten Ärzte, Schwestern und Pfleger über die Personalnot. Sicher waren auch die Hebammen unterbesetzt. Aber sie ließen es mich nicht spüren und halfen mir wunderbar engagiert, humorvoll und empathisch durch die Geburt. Ich weiß, dass das nicht immer so ist und war den Damen sehr dankbar.

Ich beschloss, mich vorzeitig zu entlassen. Dem Baby und mir ging es gut und ich wollte nach Hause. Ich rief Hebamme Sophie an. Es war Donnerstag und Sophie kam samstags. Mit der Nachricht, dass sie ab Montag im Urlaub sei und dann ihre Kollegin Nina einspringe. Ergeben zuckte ich mit den Schultern. Ich war so dermaßen in meinen winzigkleinen Sohn verliebt, dass mir alles egal war. Nur eines wusste ich: Gut, dass es mein zweites Kind war, ich sowieso entspannt war und es bisher keine Probleme gab. Stillen, Wundheilung, Baby-Gewicht, meine Laune… alles ok.

Hebamme Nina kam dann insgesamt drei mal, dann kam wieder Sophie und dann noch einmal Elisabeth. Ich mochte alle drei sehr gern. Ich denke, für niemanden war die Situation ideal. Aber wir haben alle das beste draus gemacht und ich war allen dreien sehr dankbar, dass sie mich nicht hängen ließen.

Julia Jung

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