Warum bleibt eigentlich alles nur an mir hängen?

Geschlossene Kitas und gleichzeitig Homeoffice: Das zerrt an den Nerven und kann uns alle ganz schön an unsere Grenzen bringen. Gut also, wenn der Partner auch zuhause ist. Blöd nur, wenn er auch arbeiten muss. Theoretisch teilt man sich Arbeit und Kinderbetreuung dann auf. Praktisch sieht das leider oft anders aus – aber warum eigentlich? Warum bleibt (auch jetzt) das meiste an uns Frauen hängen?

Schnell ist es mit der Gleichberechtigung vorbei

Das Thema kennen leider zu viele von uns: Sobald wir Kinder bekommen und danach „nur“ noch in Teilzeit arbeiten, ist es mit der Gleichberechtigung in der Partnerschaft häufig vorbei. Schließlich haben wir so viel mehr „freie Zeit“, da werden wir es ja wohl locker schaffen, die Kinder zu versorgen und den Haushalt zu schmeißen. Ganz so einfach ist es nur leider oft nicht.

Das merken viele von uns gerade jetzt wieder, wenn es darum geht, zuhause zu arbeiten, während die Kitas geschlossen haben. Denn auch jetzt bleibt häufig das meiste – wie eigentlich immer – an uns Mamas hängen.

Das hat auch Steffi aus unserer Community (richtiger Name ist uns bekannt) festgestellt:

„Corona stellt uns gerade alle vor eine Herausforderung. Und für uns Eltern wird die Situation noch einmal komplizierter. Denn wir müssen (oder dürfen!) nicht nur zuhause arbeiten, sondern uns gleichzeitig auch rund um die Uhr um unsere Kinder kümmern. Um es gleich einmal vorweg zu nehmen: Ja, ich liebe meine Kinder, und ich genieße es, Zeit mit ihnen zu verbringen. Ich weiß nicht, wie oft ich ein schlechtes Gewissen hatte, wenn ich sie morgens in der Kita abgegeben habe, obwohl sie eigentlich lieber bei Mama bleiben wollten. Aber wenn man arbeitet, geht es nun einmal oft nicht anders.

Und das sieht leider zuhause ähnlich aus: Gleichzeitig arbeiten und die Kinder bespaßen, ist in den meisten Fällen einfach nicht möglich. Meine beiden sind 5 und 3 Jahre alt und freuen sich natürlich, dass Mama und Papa jetzt soviel Zeit haben. Theoretisch. Denn praktisch müssen wir beide arbeiten. Und das ist wirklich schwierig, wenn man alle 2 Minuten abgelenkt wird, und sich null konzentrieren kann. Natürlich möchte ich meine Kinder auch nicht stundenlang vor dem Fernseher parken, auch wenn sie zugegeben im Moment etwas mehr schauen dürfen als sonst. Was ist also die Lösung?

Ich teile mir Arbeits- und Kinderzeit mit meinem Partner, der gerade auch zuhause arbeitet – theoretisch

Das Dilemma fängt allerdings schon damit an, dass er einen Vollzeitjob hat, und ich „nur“ in Teilzeit arbeite. In Zahlen bedeutet das: 40 vs. 25 Stunden die Woche. Und dieses Argument habe ich in den letzten Wochen schon (zu) oft gehört, wenn es darum ging, wer wann arbeitet: ,Du musst doch auch viel weniger Stunden schaffen als ich.` Schön und gut – aber genau darum geht es: Ich muss sie eben AUCH SCHAFFEN. Und das geht nicht, wenn ich nie länger als 20 Minuten am Stück zum Arbeiten komme. Also setze ich mich abends hin, und das auch gern mal bis 23 Uhr, Mitternacht oder länger.

Am nächsten Morgen ausschlafen ist natürlich trotzdem nicht drin

Denn spätestens um 7 sind die Kinder wach und müssen umgezogen werden – von Mama. Papa duscht in der Zeit, denn schließlich hat er heute Morgen eine wichtige Videokonferenz mit einem Kunden. Währenddessen macht Mama das Frühstück und passt dabei auf, dass kein Kind die Kaffeemaschine runterreißt, sich am Ofen verbrennt oder die Naschschublade plündert.

Nach dem Frühstück heißt es Zähne putzen – natürlich mit Mama, denn Papa hat ja jetzt seine Konferenz. Danach übrigens noch ein ,wichtiges Online-Meeting` und einen ,dringenden Call`. Auf meine Frage, ob ich danach dann mal eine Stunde arbeiten kann, kommt ein freundliches ,Klar, aber irgendwann muss ich meine Sachen auch noch fertigmachen.`

Moment mal, was heißt hier eigentlich ,auch`?

Nachdem alle Meetings erledigt sind, ziehe ich die Kinder an, und mein Mann geht mit ihnen nach draußen. Ich atme auf – und einmal tief durch. Klappe meinen Laptop auf und fange endlich an, konzentriert zu arbeiten. Nach etwa einer Viertelstunde klingelt es an der Tür. ,Mamaaa, ich muss mal!` schallt es mir durchs Treppenhaus entgegen. Also Klamotten wieder aus, Klamotten wieder an, Kind wieder nach draußen. Ich setze mich wieder an den Rechner, bis es zehn Minuten später wieder klingelt. ,Mamaaa, kannst du mein Laufrad reinholen?`

Als nach einer Stunde alle drei wieder da sind, habe ich etwas mehr als die Hälfte von dem geschafft, was ich mir vorgenommen hatte. Zu Ende bringen kann ich es jetzt allerdings nicht, denn das Mittagessen wartet darauf, gekocht zu werden. Und von wem? Na, drei Mal dürft ihr raten! Seufzend gehe ich mit den Kindern in die Küche, während mein Mann sich mit samt Computer auf den sonnigen Balkon verzieht. Denn hier kann er schließlich am besten ,in Ruhe arbeiten`, nachdem er jetzt ,so lange die Kinder beschäftigt` hat.

Langsam aber sicher fängt es an, in mir zu brodeln

Nach dem Mittagessen soll die Kleine schlafen. Die Große darf in der Zeit ein bisschen „Buffy Cats“ schauen. Wir haben also endlich beide Zeit, zumindest eine Stunde konzentriert und in Ruhe zu arbeiten. Theoretisch. Denn natürlich bringt Mama die Kleine ins Bett (was auch sonst?), und wie es immer so ist, möchte sie ausgerechnet jetzt nicht mehr schlafen. Nach einer halben Stunde mehr oder weniger geduldigen Abwartens gebe ich es auf, und wir stehen beide wieder auf.

Während mein Mann also arbeitet, spiele ich mit den Kindern. Wir puzzlen und malen, bauen Türme und basteln. Nach einiger Zeit mache ich mich auf den Weg ins Wohnzimmer, um meinen Mann zu fragen, wie weit er ist. Er schaut mich mit großen Augen an und erklärt mir, dass er ,gleich noch mal kurz ins Büro` müsse, um ,ein paar wichtige Dinge abzuholen`. Wie bitte? Langsam werde ich wirklich stinkig.

Und wann bitte soll ich mal arbeiten?

Seine Antwort darauf macht es nicht wirklich besser: ,Du kannst dir das ja flexibel einteilen, deine paar Stunden schaffst du doch locker auch später noch!` Während ich kurz überlege, ab wann man eigentlich als unzurechnungsfähig gilt, wenn man jemanden erwürgt, schlägt er schon die Haustür hinter sich zu. Die Kinder kommen angerannt und fragen, wo Papa hinwill. Noch während ich die Antwort nuschle, stellt die Kleine fest ,Jetzt mit Mama draußen spielen`.

Seufzend ziehe die beiden an und hole die Laufräder aus dem Keller. Dann nutzen wir die Zeit eben für eine Runde Bewegung an der frischen Luft. Das ist zwar im Moment nur mit genug Abstand möglich, aber zum Glück wohnen wir etwas weiter weg vom Trubel.

Zwei Stunden später ist mein Mann zurück

,Jetzt kannst du ja etwas tun`, erklärt er mir großzügig. Ich schaue auf die Uhr – noch eine halbe Stunde bis zum Abendbrot. Das natürlich ich dann vorbereiten darf, weil er ,noch eben schnell ein paar Mails beantworten` muss. Nach dem Essen heißt es Umziehen und Zähne putzen, bevor die Kinder ins Bett gehen. Während ich damit beschäftigt bin, ist mein Mann mit seinen Mails fertig und fragt mich, wann die Kinder ,denn endlich ins Bett` können, weil er jetzt auch mal seine Ruhe braucht. Tief durchatmen und bis drei zählen. Oder bis 23.

Das Ins-Bett-Bringen klappt bei uns normalerweise relativ problemlos. Im Moment leider nicht, denn die Kinder sind durch die neue Situation ganz schön durcheinander. Kein Wunder! Für und Erwachsene ist es ja schon nicht einfach, wie sollen es unsere Schätze da verstehen, warum sie so lange nicht in die Kita oder zu Oma und Opa dürfen? Und warum Mama und Papa zu Hause sind, aber trotzdem nicht den ganzen Tag Zeit haben? Das führt dazu, dass beide Kinder im Moment eine starke Mama-Phase haben und sehr anhänglich sind.

Normalerweise bringt jeder von uns ein Kind ins Bett

So ist zumindest der Plan. Die Große schläft auch relativ schnell ein, die Kleine weint allerdings laut und lange – und möchte zu Mama. Also hat mein Mann Pause, und ich lege mich seufzend zu unserer Jüngeren. Nach fast einer Stunde schläft sie tief und fest, endlich! Ich schnappe leise meinen Rechner und schleiche ins Wohnzimmer – wo mein Mann auf dem Sofa vor dem Fernseher liegt und selig vor sich hin schnarcht. Als ich anfange, zu tippen, wacht er auf.

Bevor er ins Bad geht, fragt er noch kurz: ,Musst du noch viel machen, oder kommst du auch bald rüber?` Ich bin kurz davor, in hysterisches Lachen auszubrechen, aber dann werden die Kinder wieder wach. Also atme ich tief durch und frage ihn, wann ich denn hätte arbeiten sollen? Ganz erstaunt erklärt er mir, dass er doch aber vormittags so lange mit den Kindern draußen gewesen wäre. Und so viele Stunden müsste ich doch auch gar nicht machen.

Liebe Männer, ganz im Ernst!

Denkt ihr wirklich, wenn ihr euch eine Stunde mit den Kindern beschäftigt, ist eure Aufgabe damit erledigt? Bitte denkt doch einmal darüber nach, wie ein Tag von uns Mamas aussieht. Und zwar nicht nur jetzt während Corona, sondern eigentlich fast immer. Und jetzt natürlich ganz besonders. Auch wenn ihr in Vollzeit arbeitet, und wir ,nur` in Teilzeit, heißt das nicht, dass unser Job weniger wichtig ist. Warum denkt ihr das sooft?

Im Moment müssen wir uns alle umstellen und einschränken. Wir müssen Kompromisse finden, um Kinder und Job unter einen Hut zu bekommen – und zwar beide. Es kann nicht sein, dass wir Mamas neben unserem Job gefühlt ¾ aller Aufgaben erledigen, während ihr euch darauf ausruht, dass ihr ,ja einen 40-Stunden-Job` habt. Bitte denkt doch mal darüber nach!“

Liebe Steffi, vielen Dank, dass du deine Geschichte und deine Meinung dazu mit uns geteilt hast.

Und wie sieht es bei euch aus: Teilt ihr euch aktuell die Zeiten fair auf, oder bleibt gefühlt das meiste auch an euch hängen? Wir sind gespannt!

Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern. Ich liebe den Hafen, fotografiere gern, gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Social Media und Texte ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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