Ostdeutsche Mädchennamen: Etwas Rebellion und Fernweh

Englisch- und französischstämmige Namen waren unter DDR-Eltern in den Siebzigern und Achtzigern schwer in Mode: Es gab kaum ein Klassenzimmer, in dem nicht mehrere Mandys, Cindys, Annetts oder Susanns saßen. Heute sind ostdeutsche Mädchennamen ein Stück weit Kult und Zeitzeugen der damaligen Popkultur. Denn der Faible für Namen aus anderen Ländern hatte etwas mit der Sehnsucht nach der großen, weiten Welt zu tun, die dadurch ein wenig näher rückte. Wir zeigen euch hier unsere persönliche Top 20 der typischen Ossi-Mädchennamen.

Was hat es mit ostdeutschen Mädchennamen auf sich?

Einem Klischee wollen wir direkt mal den Wind aus den Segeln nehmen: Nicht alle Mädchen in der ehemaligen DDR hießen Mandy oder Cindy. Genau wie im Westen erfreuten sich in den Siebzigern und Achtzigern im Osten auch Namen wie Kathrin, Katharina, Silke oder Kerstin größter Beliebtheit. Wir sehen, so groß waren die Unterschiede in der Namensgebung zwischen hüben und drüben gar nicht.

Einen deutlichen Unterschied gab es dennoch: Ostdeutsche Eltern setzten vermehrt auf Namen aus dem englisch- oder französischsprachigen Raum. Sie wollten mit der Zeit gehen – und vielleicht auch ein wenig Rebellion einem Regime gegenüber ausdrücken, das seinen Bürgern die Ausreise in westliche Länder deutlich erschwerte, oftmals sogar unmöglich machte.

Anhand der Namensgebung konnte man also auf elegante Weise etwas Protest zum Ausdruck bringen, ohne sich zu sehr aus dem Fenster zu lehnen – schließlich war man mit dieser Idee nicht alleine: Neben den Mandys und Cindys gab es auch sehr viele Peggys, Madeleines, Maggys und Nancys jenseits der Grenze. Nach solchen Mädchennamen suchte man hingegen auf den Geburtsbescheinigungen westlicher Kliniken vergeblich.

Heutzutage gibt es in Sachen Vornamen-Trends kaum noch Unterschiede zwischen Ost-, Nord-, Süd- und Westdeutschland: Emma, Hanna, Emilia, Lina und Co. sind derzeit in allen Landesteilen gleichermaßen populär.

Ostdeutsche Mädchennamen: Unsere Favoriten

Hier sind unsere persönlichen Top 20 der kultigsten, typisch ostdeutschen Mädchennamen:

  1. Anja
  2. Annett
  3. Antje
  4. Bianka/Bianca
  5. Cindy
  6. Claudia
  7. Denise/Denis
  8. Doreen
  9. Heike
  10. Ines
  11. Jana
  12. Jeanette
  13. Jenny
  14. Juliane
  15. Kathleen/Katleen
  16. Katja
  17. Kerstin
  18. Madeleine
  19. Maggy
  20. Mandy
  21. Marina
  22. Marlen/Marleen
  23. Nancy
  24. Nicole
  25. Peggy/Peggi
  26. Sandy
  27. Stephanie/Stefanie
  28. Susann/Susan

 

Die Bedeutung unserer ostdeutschen Mädchennamen

1. Anja

In der DDR entschieden sich in den Sechzigern und Siebzigern viele Eltern für diese hübsche Variante von Anna. Es handelt sich dabei um die slawische Abwandlung des Namens, der ursprünglich aus dem Hebräischen kommt und „die von Gott Begnadete“ bzw. „die Schöne“ bedeutet.

2. Annett

Die französische Koseform von Anna ist noch heute als ostdeutsche Variante mehr als aktuell. Obwohl nicht mehr viele Mädchen diesen hebräischen Vornamen tragen, hat er nichts von seinem Glanz verloren. Seine Bedeutung „die Begnadete“ macht diesen Vornamen vor allem für Eltern, die einen religiösen Bezug haben, interessant.

3. Antje

Mit Antje verbinden West-Kinder eher die Frau Antje, die den Käse aus Holland bringt – aber tatsächlich war Antje gerade in den Siebzigern und Achtzigern ein sehr beliebter Mädchenname in der DDR. Ursprünglich stammt er vom hebräischen Namen Anna ab, der „die von Gott Begnadete“ oder auch „die Schöne“ bedeutet. Die Abwandlung Antje kommt aus dem Friesischen – und damit schließt sich der Kreis in Richtung Holland wieder.

4. Bianka/Bianca

Ciao Italia – mit diesem in Ostdeutschland beliebten, italienischstämmigen Mädchennamen benannten DDR-Eltern ihre Töchter nach einer Farbe, die für Reinheit und Ausgeglichenheit steht – denn Bianka/Bianca bedeutet so viel wie „die Weiße“.

5. Cindy

Wir hätten es nicht vermutet, doch der Vorname Cindy ist sehr alt. Er leitet sich von der Cynthia (Artemis), der römischen Mond- und Jagdgöttin, ab. Cindy gibt es weiterhin auch in anderen Schreibweisen wie Sindy oder Cyndi. Auch die kunstvolle Bedeutung kann sich sehen lassen und bezeichnet „die vom Berge Kynthos auf der Insel Delos Stammende“.

6. Claudia

Claudia wird als die weibliche Form von Claudius angenommen und lässt sich somit bis in die Antike zurückverfolgen. Einen großen Hype erreichte der Vorname in den Siebzigerjahren. Doch auch heute noch werden viele Mädchen wie „die aus dem Geschlecht der Claudier Stammende“ genannt. Vielleicht ja auch bald deine kleine Tochter?

7. Denise/Denis

Hier finden wir mal wieder einen Namen aus dem französischen Sprachgebrauch vor, der unter DDR-Eltern sehr beliebt war: Denise (bzw. auch in der Schreibweise Denis) ist die weibliche Form von Dennis und stammt vom Gott Dionysos, dem griechischen Gott des Weines, ab.

8. Doreen

Dieser im Osten sehr beliebte Vorname stammt ursprünglich aus Griechenland. Abgeleitet vom altgriechischen Wort „doron“ verheißt er „das Geschenk Gottes“.

9. Heike

Der Vorname Heike überzeugt viele Eltern durch seinen nostalgischen Klang. Seine Bedeutung – „die heimatliche Herrscherin“ dürfte bei dem althochdeutschen Vornamen wohl eher eine untergeordnete Rolle spielen. In Ostdeutschland wurde er vor allem in den Siebzigern gern vergeben.

10. Ines

Mit diesem Namen hielt ein kleiner Teil Spanien Einzug in ostdeutschen Kindergärten und Klassenzimmern. Als spanische Form von Agnes ist Ines eine „Heilige“.

11. Jana

Dieser hübsche Mädchennamen stammt aus dem Slawischen und geht auf den Vornamen Johanna zurück, welcher die schöne Bedeutung „Gott ist gnädig“ aufweist.

12. Jeanette

Bei Jeanette handelt es sich um die französische Variante von Johanna, die in der DDR sehr verbreitet war. Dieser Name hat einen sehr religiösen Bezug, denn seine Bedeutung lautet „Gott ist gnädig“.

13. Jenny

Auch Jenny war unter den DDR-Mädchennamen oft vertreten: Dieser hübsche Vorname geht natürlich auf Jennifer zurück, der wiederum vom keltischen/walisischen Gwenhwyfar abstammt und die Bedeutung „die dem Schnee Gleichende“ mitbringt.

14. Juliane

Bei Juliane handelt es sich um die weibliche Form von Julian oder Julius, die sich auf den Familiennamen der Julier beziehen, einem altrömischen Patriziergeschlecht.

15. Kathleen/Katleen

Die Schreibweise lässt es schon erahnen: Kathleen bzw. Katleen stammt vom Namen Katharina („die Reine“, „die Pure“) ab und wurde im Englischen ein wenig abgewandelt. In Ostdeutschland wurde dieser Name vor allem in den Achtzigern häufig vergeben.

16. Katja

Spuren der Sowjetunion fanden sich durch den Namen Katja in großer Vielzahl in DDR-Klassenräumen wieder. Auch bei diesem Namen handelt es sich um eine Kurzform von Katharina („die Reine“, „die Pure“), diesmal aber in der russischen Variante.

17. Kerstin

Kerstin hat ihre Wurzeln in den skandinavischen Ländern. Abgeleitet von Christine oder Christiane bringt dieser Vorname ebenso christliche Bedeutung mit. Falls du dem christlichen Glauben angehörst, liegst du also mit „die Gottestreue“ oder „christliche Frau“ alias Kerstin goldrichtig.

18. Madeleine

Diese französische Abwandlung von Magdalena klingt etwas weicher, harmonischer als sein Ursprung. In der DDR war Madeleine aus den Namens-Hitlisten für Mädchen lange Zeit gar nicht wegzudenken. Seine Bedeutung: „die aus Magdala Stammende“, also aus einem Ort in der Nähe des Sees Genezareth.

19. Maggy

Eine kleine „Perle“ ist ein Mädchen namens Maggy – denn dessen Ursprung Margarete stammt vom altgriechischen Wort Margarites ab, das genau diese Bedeutung mitbringt.

20. Mandy

„Oh Mandy“ – wer kennt ihn nicht, den Ohrwurm von Barry Manilow aus dem Jahr 1974. Auch in der DDR war er ein Hit und inspirierte offenbar viele Eltern dazu, ihre Töchter nach der Besungenen zu benennen. Und damit übetrugen sie die Bedeutung „die Liebende“.

21. Marina

Ein schöner Vorname für Wasserratten! Der lateinische Vorname Marina als Variante des Marinus weist einen engen Bezug zum Meer auf. Daher lauten die beliebtesten Bedeutungen auch „die am Meer Lebende“ oder „die aus dem Meer Stammende“.

22. Marlen/Marleen

Ohrwurm-Gefahr: Natürlich haben wir bei diesem hübschen, in Ostdeutschland sehr beliebten Vornamen sofort Marianne Rosenbergs Hit „Marleen“ im Ohr und singen „(…) eine von uns beiden muss nun geh’n“ mit. Im Jahr 1976 erklomm Rosenberg damit die Top 5 der westdeutschen Charts. Jenseits der Grenze entwickelte sich der Name im selben Jahrzehnt zu einem Schlager unter den DDR-Mädchennamen. Seinen Ursprung hat er vermutlich in Marlene, einer Kombination aus Maria und Helene.

23. Nancy

Hierbei handelt es sich um eine Koseform des biblischen Vornamens Anna. Daher kommt Nancy auch mit denselben Bedeutungen, nämlich „Liebreizende“ oder „Anmutige“ daher. In der DDR war dieser Mädchenname äußerst beliebt, hatte er doch einen deutlich westlichen Touch.

24. Nicole

Ein sehr selbstbewusster Vorname französischen Ursprungs mit der starken Bedeutung „die Siegerin des Volkes“. Es handelt sich dabei nicht um einen typisch ostdeutschen Mädchennamen, aber um einen im Osten sehr populären.

25. Peggy/Peggi

Suchst du im wortwörtlichen Sinne nach einer „Perle“ unter den ostdeutschen Vornamen? Dann solltest du dir „Peggy“ mal genauer anschauen. Aus dem Althochdeutschen stammend, leitet sich dieser niedliche Mädchenname von Margarete ab und übernimmt deshalb auch dessen Bedeutung.

26. Sandy

Sandy, eine englischstämmige Koseform bzw. Abwandlung von Sandra, reiht sich in die Liste der ostdeutschen Mädchennamen ein. Eine starke Bedeutung bringt er auch mit: „Die Beschützerin“ bzw. „Die Verteidigerin“.

27. Stephanie / Stefanie

Die kleine Stefanie oder Stephanie gab es in den Siebzigern und Achtzigern in der DDR auch ganz schön häufig. Der Name war hier ebenso beliebt wie gleichzeitig im Westen. Die Bedeutung lautet „die Gekrönte“.

28. Susann/Susan

Die französische Kurzform von Susanne beschreibt eine wunderschöne Blume, nämlich die „Lilie“. DDR-Eltern hatten eine Vorliebe für Abkürzungen französischer Vornamen, was sich in dieser Variante genauso zeigt wie zum Beispiel in Annett.

Fehlt ein typisch ostdeutscher Mädchenname in unserer Liste?

Dann gib uns gern Bescheid, und wir ergänzen ihn umgehend.

Du suchst nach den männlichen Pendants? Dann schau doch mal bei unseren ostdeutschen Jungennamen vorbei.

Noch mehr Namensinspiration geben wir dir hier:

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Ilona Utzig

Ich bin Rheinländerin, lebe aber seit vielen Jahren im Hamburger Exil. Mit meiner Tochter wage ich gerade spannende Expeditionen ins Teenager-Reich, immer mit ausreichend Humor im Gepäck. Wenn mein Geduldsfaden doch mal reißt, halte ich mich am liebsten in Küstennähe auf, je weiter nördlich, desto besser.

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