„Liebe Mama, seitdem ich Kinder habe, kann ich dich verstehen.”

Wir haben als Jugendliche wahrscheinlich alle mal gedacht, dass wir ganz bestimmt nie so werden wollen wie unsere Eltern. Zumindest kurz, wenn es Streit gab, oder?

So ging es auch Karen Johnson, die auf Scarymommy.com darüber schreibt, warum sie erst selbst Mama werden musste, um ihre Mutter zu verstehen. Sie beschreibt eine ihrer lebhaftesten Kindheitserinnerungen so: „Ich saß früher oft mit meiner Schwester im Auto, wir warteten auf unsere Mutter – ob wir zur Schule mussten, einkaufen, zu Oma fuhren. Ich sehe meine Schwester und mich noch vor mir: Wir waren verärgert und genervt.”

„Schließlich waren wir fertig, wieso brauchte Mama so lange?”

Viele Jahre fragte sich Karen: „Warum braucht sie immer so ewig, um das Haus zu verlassen? Was um alles in der Welt macht sie denn noch so lange?” Doch seitdem Karen selbst Mama ist, ist ihr diesbezüglich ein Licht aufgegangen:

„Mama, es tut mir leid. Ich weiß, dass wir wahrscheinlich überall eine Spur aus Kleidung, Schuhen, Papieren, Büchern, Spielsachen, Tassen und Tellern hinterlassen haben, und uns einen Dreck darum scherten, wenn wir nach Hause kamen. Aber du hast dich gekümmert. Weil du den ganzen Tag so verdammt viel gemacht hast, um das Haus sauber und ordentlich zu halten.”

Heute schämt sich Karen dafür, dass sie und ihre Schwester früher so genervt waren.

Schließlich waren übellaunige Kinder vermutlich das Letzte, was ihre Mutter gebrauchen konnte, die schon mehr als genug Mental Load bewältigen musste. „Heute kann ich mir gut vorstellen, wie du noch schnell eine Maschine Wäsche angestellt oder Geschirr in die Spülmaschine eingeräumt hast, während wir schon im Auto saßen.

Vielleicht hat ihre Mama auch schnell noch ein paar Schlücke Kaffee getrunken oder einen Happen gegessen, denn während Karen und ihre Schwester morgens am Tisch frühstückten, kam ihre Mama nur selten dazu, sich zu ihnen zu setzen und zu frühstücken.

All diese Kindheitserinnerungen hatte Karen eigentlich schon längst verdrängt, hätte eine Situation mit ihren eigenen Kindern sie nicht daran erinnert.

„Als ich neulich meine Kinder durch zusammengebissene Zähe anzischte, dass sie endlich ihre Schuhe anziehen und sich ins Auto zu setzen sollen, weil ich schon seit 42  Minuten darum gebeten hatte, während sie mich fröhlich mit ihrem Spielzeuggewehr abschossen und ihre Kuscheltiere auf dem Küchenfußboden ausbreiteten, hatte ich eine Erleuchtung.”

Während ihre eigenen Kinder ins Auto steigen und sie hört wie ihr kleiner Sohn verdutzt fragt, warum Mami denn so sauer wäre, schließt Karen einfach wieder die Haustür und atmet tief durch. Minutenlang zieht sie sich weder Jacke noch Schuhe an.

Sie steht einfach da im ruhigen Haus und atmet.

„Nachdem ich ein bisschen inneren Frieden gefunden hatte und darauf hoffte, dass ein Wunder geschieht, weil es erst 11 Uhr war und wir noch neun Stunden vor uns hatten, goss ich mir langsam einen Kaffee zum Mitnehmen ein. Ich fügte gemächlich ein wenig Kondensmilch hinzu. Ich durchsuchte den Schrank nach einem Frühstücksriegel (da ich an diesem Tag auch noch nichts gegessen hatte). Und als ich fertig war, machte ich mich auf den Weg zum Auto.”

„Ich frage mich manchmal, ob du das früher auch gemacht hast, als ich ein Kind war. Ich stelle mir vor, wie du im Haus herumläufst, die Betten machst und nachsiehst, ob der Hund Futter und Wasser hat. Aber ich stelle mir auch gerne vor, dass du dir vielleicht ab und zu eine Minute Zeit für dich genommen hast. Und vielleicht war das der Moment, in dem deine süßen (aber manchmal schlecht gelaunten) Töchter im Auto warten mussten.”

Durch ihre eigenen Kinder kann Karen viele Dinge besser verstehen, die sie als Kind genervt haben.

Ich weiß jetzt, wie es ist, sich unsichtbar zu fühlen. Sich nicht wertgeschätzt fühlen. Die Klamotten aller anderen zusammenzufalten und die Scheiße aller anderen von der Toilette zu schrubben und Termine für alle anderen zu vereinbaren und sich um alle anderen zu kümmern und nach einem langen Tag, an dem du all die Dinge erledigt hast, sich von der Familie sagen zu lassen, dass das Abendessen, das du gemacht haben, scheiße ist.”

Es tut ihr leid, dass sie das früher nicht sehen konnte. Doch heute ist Karen dafür besonders bewusst, wie sehr ihre Mutter sich reingehängt hat, damit der Familienalltag läuft.

Obwohl wir uns über deinen Eintopf beschwert haben, hast du am nächsten Abend wieder Abendessen gekocht. Auch wenn wir darüber gejammert haben, unsere Zimmer aufzuräumen, hast du uns unsere Einstellung verziehen und uns geduldig durch die Teenagerjahre bemuttert. Und obwohl wir uns nicht oft bedankt haben, hast du uns einen Gute-Nacht-Kuss gegeben und ‚Ich liebe dich‘ gesagt.”

Heute hat Karen selbst Kinder, die sauer auf sie sind, weil sie ihnen Dinge verbietet.

So wie sie selbst, als sie sich damals mit 12 Jahren noch abends mit Freunden in der Stadt treffen wollte, aber ihre Mutter es verboten hat.

„Du warst also streng und hast nein gesagt und ich war sauer auf dich. Mama, ich weiß jetzt, warum du es nicht erlaubt hast. Denn jetzt bin ich die schreckliche Mutter, die nein sagt, um meine Kinder zu schützen. Ich weiß jetzt, wie es sich anfühlt, Entscheidungen zum Schutz meiner Kinder zu treffen und ihnen dabei zuzusehen, wie sie verärgert und enttäuscht davon stapfen. Es nervt. Und es tut mir leid, dass ich dir das angetan habe.”

Deswegen bedankt sich Karen heute aus tiefstem Herzen bei ihrer Mama, denn erst jetzt weiß sie, was ihre Mutter damals wirklich geleistet hat. „Es tut mir leid, dass ich mich nicht öfter bedankt habe. Aber ich sage es jetzt: Danke, dass du die Mutter warst, die du warst und immer noch bist. Danke, dass du manchmal streng warst, um mich zu beschützen (…). Ich verstehe es jetzt.”

Was für ein schöner Brief an ihre Mutter, oder?

Könntet ihr euch auch vorstellen, solche Worte an eure Mutter zu richten? Schreibt mir gerne in die Kommentare, wie sich eure Beziehung zu eurer Mutter verändert hat, seitdem ihr selbst Kinder habt.

Leider erleben nicht alle so eine tolle Beziehung zu ihrer Mama wie Karen. Wenn du dich für die Kehrseite interessierst, empfehle ich dir diese Beiträge:

 

Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg. Am liebsten erkunde ich mit ihm die vielen grünen Ecken der Stadt.

Auch wenn ich selbst keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Schon als Kind habe ich das Schreiben geliebt – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit so einem schönen Thema befassen. Das passt einfach!

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