Meine Tochter kam nach künstlicher Befruchtung als Frühchen zur Welt

Leider geht ein Kinderwunsch nicht immer von selbst in Erfüllung. Manche Paare können nur mit Hilfe einer künstlichen Befruchtung Eltern werden. Wenn das langersehnte Wunschkind dann endlich unterwegs ist, ist die Freude riesig. Manchmal wird sie allerdings dadurch getrübt, dass das Baby sich entscheidet, Wochen zu früh auf die Welt zu kommen. Die psychische Belastung für die Mama ist in diesem Moment unglaublich hoch.

Svenja (richtiger Name ist uns bekannt) aus unserer Community ist genau das passiert. Ihre bewegende Geschichte erzählt sie hier:

Nachdem mein Mann und ich 5 Jahre lang einen unerfüllten Kinderwunsch hatten, haben wir eine Kinderwunschklinik besucht. Nach etlichen Tests und Untersuchungen stand dann fest, dass ich niemals auf natürlichem Weg schwanger werden kann, weil wir beide (mit 29 Jahren!) unfruchtbar waren. Die einzige Möglichkeit, um trotzdem ein Baby zu bekommen, war eine komplett künstliche Befruchtung (ICSI). Dafür musste ich mir tagelang Hormone spritzen, um die Follikelbildung anzuregen. Beim ersten Kontrolltermin waren allerdings keine Follikel zu sehen, deshalb wurde meine Hormondosis erhöht.

Bei der nächsten Kontrolle einige Tage später sah man 11 Follikel

Es waren fünf große und sechs kleinere. Die Ärzte entschieden, dass ich die Hormone erst weiter nehmen und sie dann absetzen soll, um mit Hilfe von Spritzen den Eisprung zu verhindern. Am 13.5.2019 war es dann soweit, und mir wurden die Follikel entnommen. Gleichzeitig gab mein Mann sein Sperma ab. Insgesamt 9 Follikel konnten die Ärzte mir entnehmen. Wir waren so glücklich! Und unterschrieben direkt unsere Einwilligung, die „übrigen“ befruchteten Eizellen einzufrieren und für den nächsten Versuch zu konservieren. Währenddessen kämpfte ich mit einer schweren Überstimulation und hatte starke Schmerzen. Gehen, Stehen und Liegen – alles tat so furchtbar weh.

Einen Tag später rief die Kinderwunschklinik wie besprochen bei uns an. Die Ärzte fragten uns, auf welchem Stand wir seien, und wir erzählten freudig von 9 entnommenen Follikeln und dem Plan, einen Teil der befruchteten Eizellen einzufrieren. Dann die Enttäuschung: Die Ärzte erklärten uns, dass sieben Follikel leer waren und nur zwei eine Eizelle enthielten. Diese beiden wurden befruchtet, sahen aber nicht gut aus.

Wir vereinbarten einen Termin für den nächsten Tag. Traurig, aber gespannt, was uns erwartet, fuhren wir in die Klinik. Die Ärztin kam rein, begrüßte uns freundlich und schaltete einen Monitor an.

Und da waren sie: zwei wunderschöne Vierzeller!

Die Befruchtung der Eizellen mit dem Sperma meines Mannes hatte geklappt! Ich brach in Freudentränen aus. Bevor mir die Eizellen eingesetzt wurden, mussten wir mehrfach bestätigen, dass wir auch wirklich wir sind, und es sich um unsere Zellen handelt.

Dann setzte die Ärztin beide Vierzeller in meine Gebärmutter ein und fing dabei an, zu flüstern. Sie sagte, dass sie das immer mache, weil die Emybronen so winzig seien, dass man einfach flüstern müsse. Wir vereinbarten einen Termin zwei Wochen später, um zu schauen, ob eine der Zellen sich eingenistet hatte.

Ich wurde vorsichtiger im Umgang mit meinem Körper. Trotzdem habe ich den ein oder anderen Ruck von den Leinen meiner Hunde abbekommen, einen Ausflug mit Freunden gemacht und einiges mehr. Ich wurde zwar vorsichtiger, habe aber trotzdem gelebt und hatte Spaß. Auch mein 30. Geburtstag fiel in diese Zeit. Ich feierte ihn groß, verzichtete dabei aber auf Alkohol.

Fünf Tage vor dem Termin spürte ich plötzlich einen so starken Schmerz im Unterleib, dass er mich in die Knie zwang

Es zog und zwickte ständig, war aber noch nie so stark. Ich musste weiterhin Hormone nehmen und schob alles auf die Nebenwirkungen. Es heißt immer, dass man nach einer künstlichen Befruchtung nicht selbstständig einen Schwangerschaftstest machen soll. Daran habe ich mich natürlich vor Spannung nicht halten können.

Die Tests waren negativ. Aber ich gab die Hoffnung nicht auf und bildete mir immer einen zweiten Streifen auf den Tests ein, wo definitiv keiner war. Ich testete am 26.05. abends und war der Meinung, einen ganz zarten Strich zu sehen. Mein Mann war sich nicht sicher. Am nächsten Morgen machte ich einen anderen Test – und er war positiv. Zwei Tage später wiederholte ich den Test, und er war noch stärker positiv.

Ich konnte unser Glück kaum fassen

In der Kinderwunschklink bestätigte ein Bluttest noch einmal die Schwangerschaft. Es war ein komisches Gefühl, dort zu sitzen. Ein Pärchen saß uns mit erfolgreichem Ultraschallbild gegenüber, neben uns saß eine weinende Frau. Ich ging davon aus das es bei ihr leider nicht geklappt hat.

Ab diesem Tag mussten wir jede Woche in die Klinik fahren, und als der Herzschlag des Embryos zu sehen war, wurden wir zur Frauenärztin überwiesen. Sie stelle mir ein sofortiges Beschäftigungsverbot aus, und ich wurde engmaschig kontrolliert.

Normalerweise würde man jetzt denken ‚Was für ein Glück´.

Aber der Horror begann erst noch

Ich hatte in der Frühschwangerschaft mehrmals Blutungen, schwache und auch starke. Der Embryo überstand alles und hielt gut in der Gebärmutter. Aber ich litt unter Wassereinlagerungen, sehr früher Symphysenlockerung, starken Schmerzen im Bauch und einer Beschädigung der Mutterbänder. Es war wirklich alles dabei. Dem Fötus ging es zum Glück jedes Mal gut, mir allerdings leider nicht.

Wir erfuhren, dass wir eine Tochter bekommen würden und waren uns schnell über einen Namen einig. Es ging ihr prächtig, und nach ihren ersten Tritten waren all die Strapazen und Schmerzen vergessen.

Am Sonntag, den 8.12.2019, feierten wir den Geburtstag meiner Schwiegermutter. Ich war zu dem Zeitpunkt bei 31+6. Am Morgen verlor ich Flüssigkeit, und meine Hebamme gab mir einen Schnelltest, um zu überprüfen, ob es Fruchtwasser war. Das Ergebnis war negativ, also gingen wir mit meiner Schwiegermutter lecker bei unserem Stamm-Griechen essen. Ich verlor auch keine Flüssigkeit mehr und ging davon aus, einfach ein wenig inkontinent gewesen zu sein.

Am nächsten Morgen stand ich auf, und erneut floss Flüssigkeit aus mit heraus

Es hörte nicht auf zu laufen, und ich war mir sicher, dass die Fruchtblase gesprungen ist! Ich weckte meinen Mann, wir riefen die Frauenärztin an und fuhren sofort los. Der Gebärmutterhals war noch 1,6 cm lang, und die Ärztin war sich nicht sicher, ob es Fruchtwasser war. Sie schickte uns nach Hause, um eine Tasche für zwei bis drei Tage zu packen. Dann sollten wir direkt ins Krankenhaus fahren, wo sie uns in der Zwischenzeit telefonisch anmelden wollte. Währenddessen verlor ich immer noch Flüssigkeit.

Im Krankenhaus angekommen ging es sofort ans CTG, ohne Befund. Die Untersuchung danach bestätigte jedoch meinen Verdacht: Vorzeitiger Blasensprung! Der Gebärmutterhals war bei 1,2 cm mit Trichterbildung. Wir hatten ein Gespräch mit der Anästhesie und den Kinderärzten.

Sie bereiteten uns auf eine Frühgeburt vor

Ich bekam die Lungenreifenspritzen am 9.12. und 10.12., musste jeden Tag 4x zum CTG und bekam ab dem 10.12. Wehenhemmer. Wegen des fehlenden Fruchtwassers wurde unsere Tochter 2x täglich kontrolliert. Die Ärzte sagten mir, dass ich die Wehenhemmer drei Tage bekomme, und sie dann abgesetzt werden. Wenn unsere Tochter dann kommen möchte, würde sie kommen.

Ich weinte sehr viel und machte mir große Sorgen und Vorwürfe. Der Gebärmutterhals verkürzte sich sehr schnell, und am 11. Dezember begann der Muttermund, sich langsam zu öffnen. Um 6:30 Uhr war er bei 5 cm.

Die Hebamme sagte mir, ich solle meinen Mann anrufen, da das Baby heute komme

Völlig verzweifelt und weinend rief ich ihn an. Ich weiß nicht, wie er es so schnell zu mir in den Kreißsaal geschafft hat. Noch heute glaube ich, dass er sämtliche Verkehrsregeln gebrochen haben muss, die es gibt.

Die Abstände der Wehen wurde immer kürzer und dann wieder länger, sodass die Ärzte gegen 10:30 Uhr beschlossen, mich an einen Wehentropf zu hängen. Um 12:52 Uhr kam unsere Tochter mit 45 cm und 2.090 Gramm bei 32+2 zur Welt.

Da war sie endlich, unser Wunschkind

Wir konnten sie nur kurz sehen, denn sie musste sofort zum Kinderarzt. Als sie wiederkam, durfte ich zehn Minuten mit ihr kuscheln, bevor sie wieder zurückmusste. Die Ärzte sagten uns, ihr großes Glück sei, dass sie sehr schwer und groß für diese Woche wäre.

Am Nachmittag konnten wir unsere Tochter auf der Intensivstation besuchen. Sie war so klein, brauchte aber bisher keine Atemhilfe. Sie atmete selbstständig, hatte allerdings eine Magensonde, Elektroden und einen Sättigungsmesser.

Mein Mann fuhr abends nach Hause und ich ging wieder auf die Intensivstation zu unserer Tochter. Nachdem wir noch känguruhten, wurde sie zurück in ihr Wärmebett gelegt. Ich schaute noch kurz nach ihr, und plötzlich fing ihr Monitor an, rot zu blinken und zu piepen.

Sie atmete nicht mehr und wurde blau!

Die Schwestern kamen sofort und kümmerten sich um sie. Ich ging, denn dieser Anblick riss mir den Boden unter den Füßen weg. Am nächsten Morgen hing meine Kleine am CPAP, einer speziellen Atemunterstützung, die sie 4 Tage lang benötigte.

Es folgten insgesamt fünf Wochen Krankenhaus, davon eine Woche auf der Intensivstation und vier Wochen auf der Neugeborenenstation. Ich bezog dort ein Elternzimmer und war rund um die Uhr bei ihr. Sie lernte sehr schnell, wie sie atmen muss, ihre Temperatur hält, isst, und sie nahm sehr gut zu.

Allerdings hatte sie immer wieder Bradykardien, das heißt, ihr Herzschlag war zu langsam.

Nach einer Überwachung an einem speziellen Monitor wurde sie endlich entlassen

Wir wissen nicht, ob sie noch weiterhin Bradykardien hatte, denn wir wurden ohne Monitor entlassen, bei 37+2. Es war eine sehr anstrengende und psychisch belastende Zeit im Krankenhaus. Ich habe mir Vorwürfe gemacht, dass ich schuld an der Frühgeburt bin. Erst jetzt erkenne ich langsam an, dass ich nichts dafür konnte.

Heute ist unsere Tochter 18 Wochen alt, korrigiert sind es 10. Sie ist überdurchschnittlich groß und schwer (7 kg und Kleidergröße 68), aber auf dem sonstigen Entwicklungstand eines 10 Wochen alten Babys. Ihr Alter wird immer noch korrigiert. Sie hat einen leichten Herzfehler, der sich mit etwas Glück verwächst. Außerdem gibt es Auffälligkeiten im Gehirn, hier müssen wir abwarten, ob sie irgendwelche Defizite bekommt, oder ob ihr Gehirn einfach etwas ,schief` ist.

Ansonsten geht es ihr gut – und wir sind unglaublich stolz auf unsere kleine Kämpferin.“

Liebe Svenja, vielen Dank, dass du eure Geschichte mit uns geteilt hast.

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Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern. Ich liebe den Hafen, fotografiere gern, gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Social Media und Texte ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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