Immer noch übernehmen Frauen den Großteil der sogenannten Care-Arbeit und das macht sie unzufrieden. Jede fünfte in so einer Situation denkt laut des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung deswegen an Trennung.
„Ich habe ihn sogar nachdrücklich um Hilfe gebeten und gesagt, dass mir alles zu viel wird. Aber irgendwie hatte er immer eine andere Ausrede”, das sagt eine zweifache Mama aus unserer Community. Was sie erlebt, ist kein Einzelfall. Im Gegenteil: Eine aktuelle Auswertung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zeigt, wie häufig genau diese Schieflage in Partnerschaften vorkommt – und wie stark sie Beziehungen belastet.
Wenn Haushalt zur Beziehungskrise wird
Die Aufteilung von Hausarbeit gehört zu den häufigsten Konfliktthemen in Partnerschaften. Der FReDA Policy Brief des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) kommt zu einem klaren Ergebnis: Ist die Hausarbeit ungleich verteilt, sinkt die Beziehungszufriedenheit deutlich – vor allem bei Frauen.
Besonders alarmierend: Etwa jede fünfte Frau, die in einer Partnerschaft lebt, in der Haushalt und Familienarbeit überwiegend an ihr hängen bleiben, denkt laut Studie darüber nach, die Beziehung zu beenden.
Elternschaft verschärft die Ungleichheit
Laut BiB verschiebt sich die Arbeitsteilung besonders deutlich, sobald Kinder da sind. Auch Paare, die vorher relativ gleichberechtigt gelebt haben, rutschen nach der Geburt häufig in traditionelle Rollen. Und so sieht die Realität aktuell aus:
Im Schnitt verbringen Frauen 13 Stunden pro Woche mit Putzen, Kochen und Wäschewaschen, Männer nicht einmal halb so viel. Bei 71 Prozent der Paare ist die Frau hauptverantwortlich fürs Wäschewaschen, 66 Prozent fürs Putzen, 58 Prozent fürs Kochen. Männer übernehmen dagegen überwiegend Reparaturen – also Aufgaben, die seltener anfallen. Diese ungleiche Arbeitsteilung verfestigt sich dann oft im Laufe der Zeit.
Dabei könnte alles so schön sein: Eine möglichst gleiche Aufteilung der Hausarbeit zwischen Frau und Mann wird oft von beiden Partnern als fair angesehen. Besonders Frauen in so organisierten Beziehungen sind im Durchschnitt zufriedener als jene, die in einer Partnerschaft mit ungleicher Verteilung leben.
„Manchmal frage ich mich, ob ich alleinerziehend nicht besser dran wäre.”
Ungleichheit bei der Aufteilung der Hausarbeit hingegen führt häufig zu einer größeren Belastung – und bei vielen Frauen zu einem starken Ungerechtigkeitsempfinden.
Infolgedessen fühlen sich viele „alleinerziehend mit Partner.” So erzählt uns auch Juliana: „Er nimmt mir nichts ab – weder Haushalt, noch Einkäufe, Arztbesuche, Termine oder die Betreuung unseres Kindes. Sogar unsere Haustiere sind meine Verantwortung. Manchmal frage ich mich, ob ich nicht besser dran gewesen wäre, wenn ich mich von Anfang an bewusst für ein Leben als alleinerziehende Mama entschieden hätte.”
Besonders traurig: Häufig fehlt nicht nur die aktive Unterstützung, sondern auch die Anerkennung: „ Mein Freund erwartet, dass das Essen auf dem Tisch steht und der Haushalt perfekt ist. Wenn nicht, bekomme ich Vorwürfe: ‚Was machst du eigentlich den ganzen Tag?‘”
Trennung als Ausweg aus dem Dauerfrust?
Viele Frauen haben irgendwann das Gefühl, keine andere Wahl mehr zu haben. Auch in unserer Community gibt es Mütter, die letztendlich den Weg der Trennung gegangen sind: „Nach der Scheidung merkte ich, wie viel Arbeit mir mein Ex gemacht hat. Plötzlich blieb es ordentlich – und ich hatte mehr Freizeit als vorher”, ist das erschreckende Fazit von Anne aus unserer Community.
„Seitdem ich ohne ihn lebe, bin ich deutlich entspannter. Nicht nur, weil ich einer Person weniger hinterher räumen muss, sondern auch weil ich mir die vielen Auseinandersetzungen und Machtkämpfe mit meinem Partner spare.”
Und was hat das mit Mental Load und Eltern-Burnout zu tun?
Ungleich verteilte Hausarbeit ist fast immer auch ungleich verteilter Mental Load: das ständige Mitdenken, Planen und Organisieren. Diese dauerhafte Unsichtbarkeit von Arbeit gilt als ein zentraler Risikofaktor für Eltern-Burnout – also chronische Erschöpfung, emotionale Distanz und das Gefühl, nur noch zu funktionieren.
Ungleich verteilte Hausarbeit bleibt also nicht nur zentrales Konfliktthema in Partnerschaften, sondern auch ein gesundheitliches Risiko für Frauen – besonders mit Kindern. Wer gemeinsam anpackt, entlastet nicht nur die Frauen, sondern stärkt auch die Beziehung und senkt das Risiko für Stress, Überlastung und Burnout.



