„Mein Mann wirft mir meine schlechte Laune vor, dabei ist er der Auslöser.”

„Früher war ich der fröhliche, sorgenlose Typ. Meine Freundinnen haben mich damit aufgezogen, dass ich immer das Positive sehe. Ich glaube, ich war das Gegenteil der ‚Emos‘, von denen es in meiner Jugendzeit so viele gab. Düstere Gedanken oder melancholische Musik? Damit konnte ich nichts anfangen. Umso trauriger macht es mich, dass ich in letzter Zeit nur noch schlecht gelaunt bin.

Dabei habe ich doch alles, was ich immer wollte.

Mein Mann und ich sind seit drei Jahren verheiratet und haben zwei kleine Kinder zusammen. So habe ich mir mein Leben mit 30 immer vorgestellt: Eine Familie, ein Ehemann und natürlich das Haus mit Garten. Ich sollte also glücklicher sein denn je, oder?

Ja, ich liebe es, eine Mama zu sein. Meine kleinen Zwerge sind alles für mich. Trotzdem ist es unglaublich erschöpfend, immer für sie da zu sein. Mein Mann arbeitet viel, macht häufig Überstunden und ist teilweise auch am Wochenende beruflich unterwegs. Und obwohl ich mir immer eine kleine Familie gewünscht habe, merke ich, wie mir langsam alles zu viel wird. Ich fühle mich wie ein Roboter, der einfach nur seine Pflichten erledigt.

Am Anfang wollte ich es mir selbst gar nicht eingestehen, dass ich so fühle.

Ich redete mir ein, dass das alles gar nicht so schlimm ist, weil ich die wenige Zeit, die wir als Familie verbringen, nicht verderben wollte. Trotzdem versuchte ich, mir irgendwie Auszeiten zu schaffen. Zum Geburtstag wünschte ich mir deswegen einen kinderfreien Wellness-Tag mit einer Freundin. Mein Mann stimmte zu, er wollte an dem Tag auf die Kleinen aufpassen. Ich war happy.

Doch am Abend vor meinem Geburtstag teilte er mir zerknirscht mit, dass er einen wichtigen Termin reinbekommen hätte. Letztendlich bekam ich dann ein teures Schmuckstück und meine Freundin stattet mir einen Besuch ab. Das war nett, aber überhaupt nicht das, was ich mir gewünscht habe. Nach dieser Enttäuschung konnte ich die Augen nicht mehr davor verschließen, dass mein Mann mich mit den Kindern kaum unterstützt.

Ich überwand mich sogar und bat ihn nachdrücklich um Hilfe, sagte ihm, dass mir alles zu viel wird.

Aber irgendwie hatte er immer eine andere Ausrede. Oft meinte er, dass er total geschafft von der Arbeit sei. Dann machte er die Tür zum Wohnzimmer zu, um dort in Ruhe am Handy zu datteln und Fußball zu gucken. Er meinte, er brauche das jetzt. Ich hätte schreien können, aber wollte mich vor den Kindern nicht streiten. Es könnte alles so schön sein, wenn wir die Familienaufgaben gemeinsam stemmen würden.

Die Kinder nehmen mich als einzige Ansprechpartnerin wahr, denn Papa ist schließlich selten da und wenn, dann will er oft seine Ruhe. Natürlich freue ich mich, dass meine Kleinen vertrauensvoll zu mir kommen, aber gleichzeitig würde es mich entlasten, wenn sie auch mal zu ihrem Vater gehen würden, wenn sie etwas brauchen. So bleibt alles an mir hängen. Was soll ich machen? Einer muss sich schließlich kümmern.

Meine Laune wird in letzter Zeit immer schlechter.

Ich habe so viele Termine und Aufgaben im Kopf und kaum Zeit zum Durchatmen. Wenn mein Mann und ich dann doch mal Zweisamkeit genießen, fehlt mir die Kraft, diesen seltenen Moment mit einem Streit zu zerstören. Trotzdem merkt auch er, dass ich nur noch genervt bin und oft gereizt reagiere. In mir hat sich mittlerweile so viel Groll angestaut, dass ich ihn auch in den schönen Momenten nicht mehr unterdrücken kann.

Neulich meinte er, dass ich mich total verändert hätte, ‚Du bist nur noch schlecht gelaunt!‘ Am liebsten hätte ich erwidert: Der Grund dafür bist du, weil du nicht für mich da bist.


Liebe Mama (Name ist der Redaktion bekannt), vielen Dank, dass du uns deine Geschichte anvertraut hast. Wir wünschen dir und deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!

Echte Geschichten protokollieren die geschilderten persönlichen Erfahrungen von Müttern aus unserer Community.

WIR FREUEN UNS AUF DEINE GESCHICHTE!
Hast Du etwas Ähnliches erlebt oder eine ganz andere Geschichte, die Du mit uns und vielen anderen Mamas teilen magst? Dann melde Dich gern! Ganz egal, ob Kinderwunsch, Schwangerschaft oder Mamaleben, besonders schön, ergreifend, traurig, spannend oder ermutigend – ich freue mich auf Deine Nachricht an [email protected]

Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und bin dort immer gerne im Grünen unterwegs.

Auch wenn ich selbst noch keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Seit ich denken kann, liebe ich es, zu schreiben – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit dem schönsten Thema der Welt auseinandersetzen. Das passt einfach!

Alle Artikel

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
11 Comments
Beliebteste
Neueste Älteste
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
11
0
Tausch dich dazu mit anderen Mamas aus!x