Die Briten nennen es „Terrible Two“, manche die „Trotzphase“, Pädagogen sagen dazu „Autonomiephase„.
Sie beginnt mit ungefähr 18 Monaten, hat ihren (ersten) Höhepunkt – je nach Kind natürlich – bis ein paar Monate nach dem zweiten Geburtstag.
Fürchterlich für uns Mamas, aber ganz normal. Und die positivste Nachricht ganz am Anfang: Die Trotzphase ist nicht nur normal, sondern sogar wichtig für unsere Kleinkinder. Ja, wirklich.
Denn sie markiert einen großen Entwicklungsschritt: Das Kind beginnt, sich selbst als Individuum wahrzunehmen, das eigene Fähigkeiten und einen eigenen Willen hat. Es fängt langsam damit an, die Symbiose mit der Mutter, die es im ersten Lebensjahr gebildet hat, zu lösen.
Dazu braucht es das Wort NEIN und die eigenen Füße, die es dorthin tragen, wohin es selbst möchte und nicht dorthin, wohin die Mutter möchte. So kommt es zu einer sehr wichtigen Erkenntnis:
Ich bin jemand, habe Einfluss und kann etwas bewirken!
Und wollen wir nicht alle, dass unser Kind genau das weiß und sein Leben danach ausrichtet? Schon, aber…. geht das auch ohne so viel Verzögerung im Alltag und ohne so viel Gebrüll?
Leider nein.
Inzwischen hat unser Gerade-Warst-Du-Doch-Noch-Ein-Baby nämlich auch gelernt, dass es selbst Dinge erschaffen und tun kann, und zwar die selben, die auch die anderen Menschen, also die Erwachsenen oder älteren Geschwister, tun. Das meint es zumindest und die Grundkenntnisse sind ja wirklich schon da.
Leider sind diese noch nicht so ausgereift, weshalb es oft schief geht, wenn unser kleiner Schatz seine Hose selbst anziehen möchte oder im Kochtopf rühren. Weil Kleinkinder aber vollkommen auf ihr Ziel fixiert sind und noch nicht gelernt haben, diese situationsabhängig zu verändern, führt das zu großer Frustration und in der Folge zu einem Wutanfall – eigentlich doch verständlich.

Das erklärt auch, warum es so fürchterlich ist, wenn Mama dabei helfen möchte, die Hose anzuziehen oder im Kochtopf zu rühren, bevor es schief geht. Schließlich ist unserem zweijährigen Kind völlig egal, dass wir zu spät zu einem Termin kommen oder das Essen anbrennt. Es wird wütend, weil wir ihm verweigern, es sein Ziel erreichen zu lassen – unabhängig davon, ob es dieses erreichen könnte oder nicht.
Wir Eltern sollten das Bedürfnis nach Unabhängigkeit erkennen, ernst nehmen und achten, sagt auch Familienexpertin Marei Theunert.
So können wir unser Kind durch dieses Wechselbad der eben erst entdeckten Gefühle begleiten.
Das heißt allerdings nicht, dass wir immer nachgeben sollten, im Gegenteil. Nur durch konsequentes Verhalten unsererseits entwickelt sich nach und nach ein Verständnis dafür, dass Wut oft nicht weiterhilft und zumindest der Ansatz einer Frustrationstoleranz.
Wichtig ist aber, dass wir versuchen, viele Situationen zu schaffen, in denen es für das Kind in Ordnung ist, sich auszuprobieren. Das heißt, wir sollten genügend Zeit einplanen, damit es doch versuchen kann, sich die Hose selbst anzuziehen und ignorieren, dass diese verkehrt herum ist. Und das Kind beim Kochen gleich anderweitig beschäftigten oder ihm einen eigenen Kochtopf und -löffel anbieten.
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