Tandemstillen Baby und Kleinkind: Reicht meine Milch?

Stillen ist für viele Mamas so viel mehr als nur die Ernährung ihres Kindes – es bedeutet für sie Nähe, Bindung, Liebe. Und deshalb stillen sie ihre Kinder auch „länger als üblich“. Manchmal auch noch, wenn sie irgendwann wieder schwanger sein sollten. Und vielleicht auch, wenn dieser kleine Schatz dann auf der Welt ist und ebenfalls Hunger hat. Aber: Wie klappt das denn eigentlich, das Tandemstillen von Baby und Kleinkind? Haben Mamas überhaupt genug Milch für zwei? Und ist das für alle Beteiligten gesund?

Hier lest ihr alles, was ihr übers Tandemstillen wissen müsst:

Tandemstillen bei Baby und Kleinkind: Was bedeutet es für das größere Kind?

Bei größeren Kindern geht es ja in der Regel nicht mehr darum, sie durch die Muttermilch zu sättigen. Das Stillen bedeutet für Kinder, die schon essen, vielmehr Geborgenheit und eine schöne Pause bei Mama vom trubeligen Alltag. Und das kann wieder besonders wichtig werden, wenn auf einmal das kleinere Geschwisterchen da ist. Deswegen kann es sein, dass es anfangs noch öfter als sonst gestillt werden möchte. Einige Kinder dagegen stillen sich mit der Geburt des neuen Familienmitglieds selbst ab, da die plötzliche große Milchmenge sie abschreckt.

Darüber hinaus profitiert aber natürlich auch die Gesundheit deines älteren Kindes weiterhin von all den gesunden Stoffen, die in der Muttermilch stecken.

Ach, und falls du dich wunderst: Kolostrum, die erste Milch nach der Geburt deines Kindes, hat eine abführende Wirkung. Für den neuen Erdenbürger und seinen noch unreifen Darm ist das super – größere Kinder können davon sehr weichen Kot bekommen. Das normalisiert sich in den nächste Wochen aber wieder.

 

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Rosie (@ohmywildhearts) am

 

Und für das kleinere Kind?

Das Tandemstillen fördert eine innige Verbindung zwischen den Geschwistern, viele Mamas berichten, dass sich ihre Kinder während des Stillens anschauen, zart berühren etc.

Und, um dir eine große Sorge zu nehmen: Dein Baby wird auch satt werden, wenn seine große Schwester oder sein großer Bruder ebenfalls aus deiner Brust trinkt. Denn es wird reichlich Milch da sein! Auf stillkinder.de wird Stillberaterin Diane Wiessinger zitiert: „Es wird reichlich Milch für zwei da sein, wenn das größere Kind sich entscheidet, weiterhin aus der Brust trinken zu wollen.“ Aber bitte beachten: Das Kolostrum ist von der Natur aus als super Starthilfe für Neugeborene konzipiert. Es enthält viele wichtige Nährstoffe in hoher Konzentration. Und die braucht dein Kind dringend! Deswegen lege dein Neugeborenes beim Stillen bitte immer zuerst an, damit es die volle „Dosis“ bekommt.

Tandemstillen von Baby und Kleinkind: Mama mit ihren zwei Kindern

Tandemstillen von Baby und Kleinkind: Ganz viel Liebe zu dritt Foto: Bigstock

Tandemstillen: Du als Mama

Übrigens: Tandemstillen muss nicht zwingend bedeuten, dass du deine beiden Kinder gleichzeitig anlegst! Es kann auch sein, dass du sie zu völlig unterschiedlichen Zeiten stillst.

Wie schon erwähnt, das gemeinsame Stillen deiner Kinder kann eine (und ich meine eine – und nicht die einzige und/oder zwingend beste!) Möglichkeit sein, die Geschwister einander nahe zu bringen und deinem Größeren zu zeigen, dass es nicht zurückstecken muss.

Dass Stillen deines Großen trägt zu einer ausreichenden Milchbildung bei, da hier „das Angebot bestimmt die Nachfrage“ gilt. Und viele Mamas berichten, dass der oftmals etwas unangenehme Milcheinschuss abgeschwächt wird. (Andere berichten allerdings, dass sie auf einmal mit ihrer Milch nicht nur zwei, sondern auch locker zwanzig Kinder hätten ernähren können.)

Es kann sein, dass du das Tandemstillen genießt. Es kann aber auch sein, dass dich das Tandemstillen einfach schlaucht. Dass es sich für sich viel weniger schön anfühlt, als du es erwartet hast. Auch das ist okay, dann ist es vielleicht an der Zeit, das größere Kind abzustillen. Denn eine Stillbeziehung muss sich immer für beide Seiten gut anfühlen, um zu funktionieren.

Wenn du Tandemstillen möchtest, kannst du ein paar Dinge tun, damit alles gut geht.

Das musst du beim Tandemstillen von Baby und Kleinkind beachten:

  1. Als erstes, ganz wichtig: Wenn du dich dafür entschieden hast, lass dich nicht beirren. Du wirst in deinem Umfeld und in der Öffentlichkeit auf Skeptiker reffen, du wirst ungebetene Ratschläge bekommen und dich eventuell mit Lästereien konfrontiert sehen. Aber jede Stillbeziehung ist etwas ganz persönliches und individuelles – höre auf dein Bauchgefühl, du weißt, was für dich und deine Kinder gut ist.
  2. Achte auf deine Ernährung. Stillen kostet einige hundert Kalorien am Tag – das Stillen von zwei Kindern verlangt dir noch mehr ab. Du wirst sicher merken, dass du hungriger und durstiger bist als üblich. Iss am besten ausgewogen und gesund, damit du genug Energie bekommst. Frage gerne deinen Arzt oder deine Hebamme nach Tipps.
  3. Gönne dir reichlich Ruhepausen im Alltag. Oder:
  4. Hole dir Unterstützung! Schwangerschaft, Geburt, Tandemstillen von Baby und Kleinkind – du vollbringst seit einiger Zeit Unglaubliches! Deswegen ist es völlig legitim, Aufgaben zu delegieren und sich Unterstützung für Haushalt und Co. zu holen.

Stillen eines Kleinkindes, während du schwanger bist:

Auch diese „Vorstufe zum Tandemstillen“ ist natürlich möglich und eine ganz persönliche Entscheidung. Viele Mütter berichten allerdings, dass es ihnen im Laufe der Schwangerschaft auf einmal körperlich unangenehm wurde, ihr Kind zu stillen. Darüber hinaus kann sich im Laufe der Monate die Milchmenge und deren Geschmack verändern. Es kann also der Zeitpunkt kommen, am dem Du oder dein Kind die Stillbeziehung beendet. (Oder pausiert, bis das Baby auf der Welt ist.)

Wenn ihr allerdings beide noch mögt, ist das völlig okay! Das Ungeborene wird keinen Schaden nehmen und ihm wird es nicht an Nährstoffen fehlen, weil ein großes Geschwisterchen ihm diese klaut. Denn falls dies droht, fährt dein Körper sofort die Produktion der Muttermilch zurück.

Außerdem kann das Stillen auch keine Wehen auslösen! Zwar ist das Still- und Kuschelhormon Oxytocin tatsächlich mitverantwortlich dafür, dass der Geburtsprozess beginnt – jedoch nur dann, wenn das Baby auch wirklich bereit ist, auf die Welt zu kommen. Vorher ignoriert die Gebärmutter das produzierte Hormon geflissentlich.

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer fünfjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

Alle Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.