So wichtig: Exklusivzeit mit deinem Kind. Was schon wenige Minuten bewirken können

Schon seit einer halben Stunde ist mein Jüngster in seinem Zimmer mit seinen LEGO® DUPLO® Steinen beschäftigt. Und ich bin happy, weil ich endlich die Wäsche zusammenlegen kann, die mich seit drei Tagen vom Wäscheständer anglotzt. Doch plötzlich: „Mama, spielst du mit mir???“, ich rolle unweigerlich mit den Augen und rufe: „Glei-heich!“ Erst zehn Minuten später schaue ich endlich um die Ecke und sehe meinen Sohn nachdenklich auf sein Bauwerk starren. Warum er immer alles „jetzt gleich“ – also sofort – machen müsse, fragt er mich, ICH ihn aber immer warten ließe. Volltreffer ­­– das schlechte Gewissen ist sofort zur Stelle.

Einmal richtig Mama oder Papa „tanken“

„Als Mutter haben wir oft das Gefühl, auf der Flucht zu sein. Immer wartet schon das nächste ,To do‘ auf uns“, sagt Imke Dohmen von Mutterhelden. Sie ist Expertin für Mama-Coaching, und produziert zusammen mit Judith Möhlenhof den Mamsterrad-Podcast, aus dem auch das Buch „Gemeinsam aus dem Mamsterrad!“ entstanden ist. Es enthält zahlreiche praktische Tipps, zugeschnitten auf typische Alltagssituationen mit Kindern. „Natürlich müssen wir nicht immer sofort zur Stelle sein, wenn das Kind etwas möchte oder schlicht Langeweile hat. Die Kunst ist es, ganz bewusst Zeit mit dem Kind zu verbringen.“ Dabei geht es gar nicht darum, zwei Stunden lang zu spielen. Manchmal reichen schon 15 Minuten. „Für das Kind ist es wichtig, die volle Aufmerksamkeit zu bekommen, gesehen zu werden – und ein bisschen Mama oder Papa aufzutanken“, sagt Imke Dohmen.

Volle Aufmerksamkeit, bitte!

Das muss ich erst mal üben. Denn wie oft setze ich mich zwar mit ins Kinderzimmer, schaue dann aber zwischendurch doch „ganz kurz“ aufs Handy. Also lasse ich mein Handy in der Küche und konzentriere mich voll auf das Spiel mit meinem Sohn. Anfangs kostet es mich Überwindung, meine To-do-List gedanklich auszuknipsen. Ich merke aber, wie mein Kleiner strahlt vor Freude und das tut auch mir gut. Gemeinsam bauen wir mit verschiedenen LEGO® DUPLO® Sets eine Großstadt auf, mit großer Baustelle, einem Erlebnispark und einem Parkhaus mit Autowaschanlage.Und ich bin plötzlich genauso ins kreative Rollenspiel vertieft wie er.

Intensive gemeinsame Spielzeit ist wichtig.

Intensive gemeinsame Spielzeit ist wichtig. Foto: Anne Ehrler

Gerade mal 20 Minuten haben wir intensiv gespielt, bis mein Sohn die Situation selbst aufgelöst hat, weil er Hunger hatte.

Und ich bin mir sicher: Es war kein Zufall, dass der restliche Nachmittag viel harmonischer verlief als sonst und nicht jede Bitte an meinen Sohn von ihm pauschal verneint wurde.

Exklusivzeit als tägliches Ritual einplanen

Kinder orientieren sich an Strukturen und geregelten Abläufen. Es ist also sinnvoll, der Exklusivzeit mit Kindern einen festen Platz im Familienalltag zu geben.

Gerade bei Geschwisterkindern, die unterschiedliche Bedürfnisse haben, ist „Exklusivzeit“ übrigens besonders wichtig. Nach Feierabend können sich Mama und Papa prima aufteilen und so 15 bis 20 Minuten nur mit dem einen Kind verbringen.

Schöner Tipp: Gestaltet mit den Kindern ihr ganz eigenes „Mama/Papa-Zeit-Schild“, das an die Tür gehängt wird, wenn Zeit mit Mama oder Papa verbracht wird (und der jeweils andere sich um Bruder oder Schwester kümmert). „Damit vermeidet ihr Eifersüchteleien und Konkurrenzkampf“, sagt Imke Dohmen. Und das Kind akzeptiert leichter das „Gleich“, da es weiß, dass bald die Exklusivzeit winkt.

5 Schritte zur entspannten Exklusiv-Zeit mit Kind

• bewusst Zeit zum Spielen nehmen – manchmal reichen schon 15 Minuten

• Handy weglegen! Voll und ganz aufs Spiel einlassen

• Exklusivzeit mit jedem Kind als Ritual etablieren

• Ansprüche an sich selbst und die Familie überdenken

• Klare Aufgabenteilung, „Mental Load“ abgeben

Ansprüche überdenken und herunterschrauben

Alles leichter gesagt als getan? Weil der Frühstückstisch immer noch nicht abgeräumt ist, und wir doch eigentlich noch Staub saugen müssten? „Die To do-Liste ist nun einmal endlos lang, und der ,Mental Load‘ hört ja auch nicht auf“, sagt die 44-jährige Mutter zweier Töchter. „Gerade deshalb ist es wichtig, diese vermeintlichen Zwänge bewusst zu durchbrechen.“ Nur so lässt sich der Stress bewältigen, der uns so oft müde und erschöpft zurücklässt. Und dazu gehört auch, keine unnötigen Vergleiche zu ziehen. Die eigene Mutter hat sich nie über ihre Rolle und zu viel Arbeit beklagt? Macht nichts, denn jeder Mensch ist anders, und auch die Zeit, in der man lebt, verlangt Unterschiedliches ab. Lieber die Ansprüche an sich selbst herunterschrauben. Wir räumen am Wochenende zum Beispiel so gut wie gar nicht auf. Erst am Sonntagabend werden in einer gemeinsamen Aktion alle Spielsachen aus dem Wohnzimmer wieder in die Kinderzimmer verteilt. Dafür stellen wir zwei Wäschekörbe auf und beide Kinder sammeln ihre Sachen in die jeweiligen Körbe – im Kinderzimmer sortieren wir sie dann mehr oder weniger ordentlich zurück.

Mental Load verteilen

Was noch hilft? Eine gute Aufgabenteilung in der Familie. „Gerade Frauen haben die Tendenz, immer die Verantwortung für alle und alles übernehmen zu wollen“, sagt Imke Dohmen. Also gern den Partner einbeziehen und vor allem loslassen. Heißt: Die Verantwortung abgeben, das To-do für sich aus dem Kopf streichen und eben nicht im Anschluss kontrollieren oder gar noch bewerten. Denn nur weil der Partner ein wenig anders die Spülmaschine einräumt als man selbst, ist es noch lange nicht falsch. „Ein gemeinsamer Kalender oder eine klare Absprache am Morgen können helfen, Druck abzubauen.“ Und neue Kapazitäten zu schaffen! Nicht für NOCH mehr Aufgaben im Haushalt oder im Garten. Sondern dafür, öfter einmal tief durchzuatmen. Damit wir uns täglich bewusst machen, dass Spielpausen mit dem Kind nicht nur unendlich wertvoll sind, sondern richtig viel Spaß machen können.

Alma Ettwig

Ich bin Mutter zweier Söhne (2010 und 2015 geboren) – und oft ist es nicht so einfach, Job und Familie unter einen Hut zu bekommen. Wie gut, dass ich das, was ich tue, so sehr liebe! Schreiben ist immer auch Ausgleich für mich. Für Abwechslung sorgt außerdem unser Labradoodle Kalle, der uns freudig zu Ausflügen an Alster, Elbe und Ostsee begleitet. Der vierte Mann im ohnehin ziemlich lebendigen Haus. Aber ich find’s herrlich!

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