Radikal: Kita kündigt Platz, nachdem Familie Kritik übte

In den letzten Jahren mussten Eltern einiges mitmachen, was die Kinderbetreuung betrifft. In der Pandemie haben sie alles gegeben, um die geschlossenen Kitas aufzufangen, aber durch den extremen Personalmangel kommt es in vielen Kitas immer noch zu Betreuungsausfällen. Bestimmt habt ihr euch deswegen auch schon mal über eure Kita oder die Erzieher*innen geärgert – und vielleicht eure Bedenken sogar offen geäußert.

Nun stellt euch mal vor, dass eurem Kind daraufhin der wertvolle Platz gekündigt worden wäre, denn genau das ist einem Vater passiert.

Es geht um eine Kita der Awo in Bogenhausen, München. Wie die Abendzeitung München berichtet, habe das zweijährige Mädchen die Kita seit Oktober 2021 besucht. Die Kleine, die in der Berichterstattung Marie genannt wird, fühlte sich dort wohl, verstand sich gut mit den anderen Kindern und den Erzieherinnen. Im Februar erreicht die Familie plötzlich, ohne Vorwarnung, eine Kündigung des Kita-Platzes. Ein absoluter Schock für die berufstätigen Eltern, die keine Großeltern in der Nähe haben.

Es wirkt ganz so, als hätte sich die Kita unbequeme Eltern vom Hals geschafft, denn der Vater hatte mehrfach Kritik an der Kita geübt. Er habe zwar Verständnis für die besondere Situation in der Pandemie gehabt, aber die ständigen Krankheitswellen und der damit verbundene Ausfall habe sich in der Kita fortgesetzt. Den Papa hatte besonders die Kommunikation geärgert – oder wohl eher die kaum vorhandene Kommunikation.

Durch Personalausfälle kommt es damals immer wieder spontan zu Notbetreuungen.

Der Vater erzählt: „Von den Eltern wurde erwartet, quasi stündlich auf die Kita-App zu schauen und immer sofort zu reagieren. Benötigte man als berufstätiger Elternteil aber eine Bestätigung für den Arbeitgeber, dauerte das oft Wochen und Monate und bedurfte mehrerer Nachfragen.” Außerdem sei undurchschaubar gewesen, wer Anspruch auf die Notbetreuung habe, weil das Auswahlverfahren dazu immer wieder geändert wurde. Ein „Alptraum” für berufstätige Eltern, da sie nie wussten, wann die Tochter wirklich betreut wird.

Der Vater sucht aufgrund dieser Umstände mehrfach das Gespräch mit der Kita-Leitung und plötzlich flattert die Kündigung ins Haus. „Als wir uns über die Missstände in der Organisation der ständigen Notbetreuungen beschwerten, Besserung forderten und deutlich machten, dass wir das als junge Familie mit zwei berufstätigen Eltern so nicht dauerhaft kompensieren können, wurde uns – kurz vor Weihnachten – der Vertrag ohne Angaben von Gründen eiskalt gekündigt.”

Für die Familie kommt die Kündigung völlig unerwartet.

Zunächst erreicht sie die Eltern per E-Mail, wenig später folgt die Kündigung per Post. Eine vorherige Mahnung habe es nie gegeben. Die Awo antwortet auf Anfrage nur: „Die Betreuungsverträge sehen sowohl für die Eltern als auch für die Awo das Recht vor, das Vertragsverhältnis unter Einhaltung bestimmter Fristen ordentlich zu kündigen.

War die Kündigung ohne Vorwarnung also wirklich rechtens? Peter Weber, Anwalt für Bildungsrechte, beurteilt das eher kritisch, er hält es für möglich, dass die Kündigung unwirksam ist. Doch die Klageverfahren sind in solchen Fällen teuer und langwierig, da ist es meistens einfacher, einen neuen Kitaplatz zu suchen.

Für die Familie der kleinen Marie ist das ohnehin schon egal.

Sie haben eine Tagesmutter gefunden, bei der sich die Zweijährige zum Glück ebenfalls wohlfühlt. Im Herbst soll sie dann in einen Kindergarten wechseln. Das ist übrigens auch der Grund, weshalb die Familie anonym bleiben möchte. Sie befürchten, ansonsten bei der Platzvergabe benachteiligt zu werden. Angesichts ihrer Erfahrung kann man das verstehen, oder?

Wie sind eure Erfahrungen mit eurer Kita? Verratet es uns gerne in den Kommentaren!

Lena Krause
Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und übe mich als Patentante (des süßesten kleinen Mädchens der Welt, versteht sich). Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert. Schon als Kind habe ich das Schreiben geliebt – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit so einem schönen Thema befassen. Das passt einfach!

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Anonym
Anonym
Antworten  Zombiemutter
7 Monate zuvor

Besser hätte man es nicht schreiben können 👍 geht uns genau so.

Zombiemutter
Zombiemutter
7 Monate zuvor

Das ist leider der einfachste Weg. Bei uns darf man auch keine Kritik üben. Es ist völlig okay, dass man als Eltern nicht gegrüßt wird, sämtliche Ausfälle kommentarlos und verständnisvoll hinnimmt und dankbar ist über die Verwahrung die ansonsten stattfindet. Wir stehen kurz davor selbst zu gehen. Einer anderen Familie sagte man wenn es ihr nicht passe könne sie gehen, die nächsten stehen Schlange. So sieht die Nächstenliebe im evangelischen Kindergarten aus. Ginge es nach der KiTa hätten die Kinder mit 6 noch keine Schere in der Hand gehabt. Morgenkreis braucht man nicht. Projekte auch nicht. Ausflüge fallen IMMER kurzfristig aus. Bastelmaterial ist zu teuer. Will man es spenden kommen doofe Kommentare. Die Anzahl an Kindern mit Förderbedarf nimmt zu, die Logopädieplätze sind heissbegehrt. Keiner fragt wie es dazu kommt. Ich bin froh, wenn ich mit diesem Klientel nichts mehr zu tun haben muss und die Kinder alle in der Schule sind. Da liegen wahrlich Welten dazwischen. Die Kinder sind die Verlierer bei der Geschichte da sie weder entspannte Eltern noch eine schöne KiTa Zeit haben. Die Eltern arbeiten vor dem Aufstehen der Kinder, während mit Glück mal sowas wie Verwahrung stattfindet und nach dem Schlafen gehen der Kinder. Man ist gestresst und bekommt aus allen Ecken nur was von Conscious Parenting zu hören. Im Berufsleben zählt man zu den Zombie Eltern die ständig das Gefühl haben die Kollegen im Stich zu lassen und nicht 100% zu bringen. Ich sag es ehrlich, mit dem Wissen von heute, mit dem Wissen wie Kinder in KiTas behandelt werden, wie man als Eltern als die Figur aus der Horrorshow behandelt wird und zur arbeitenden Bevölkerung gehört: ich würde keine Kinder mehr bekommen.

Marcus Hedder
Marcus Hedder
10 Monate zuvor

Wir haben heute etwas ähnliches mit einer AWO in KIel erlebt. Meinem 3 jährigen Sohn ist heute der Kitaplatz mit einer 2 Wochen frist gekündigt. Mein Sohn ist vor einem Jahr zur Awo gekommen. Schon damals war bekannt das ich mich in Scheidung befinde.
Heute gabs die Kündigung weil man sich mit der Situation Jugendamt (wegen des Umgangs) und Eltern überfordert fühlt.
Ich denke das es wichtig ist wenn man einen Erziehungsauftrag annimmt man auch nicht vor Problemen wegläuft, das können die Eltern auch nicht.

Sönke T.
Sönke T.
1 Jahr zuvor

Der Personalmangel ist meist nicht Schuld der Kita, aber die Kita für die meisten Eltern der erste Anlaufpunkt. Das oben beschriebene, dass Eltern sich beklagen, sei es über den Mangel und die Ausfallzeiten oder aber auch über Missstände bei manchen Angestellten/Gruppen und darauf dann aus der Kita geschmissen werden, ist bei weitem kein Einzelfall. Es ist ja bequemer die Eltern und das dazugehörige Kind loszuwerden, als sich mit eigenen Missständen und ggf. Mahnung von Angestellten auseinander zu setzen. Es wird sich, auch in der Pandemie über zu viel Arbeit beschwert, doch aber Hilfe in manchen Fällen zB. durch die Elternvertretungen wird in manchen Kitas nicht angenommen, sondern auch unterdrückt. Manchmal fühlen sich aber auch die Eltern nicht ernst genommen und für „dumm“ gehalten. Wie man an dem Post der Tanja A. auch herauslesen kann. Es sollte sich Mal jeder an die eigene Nase fassen. Leider müssen in vielen Familien beide Eltern etwas verdienen.

Jasmin
Jasmin
1 Jahr zuvor

Ich finde es richtig. Wenn Eltern sich in so einer Ausnahmesituation auch noch beschweren, sollen sie ihre Kinder besser selber betreuen. Gerade die Pandemie war für ALLE eine Herausforderung und an Formalitäten gebunden, die holter di polter umgesetzt werden mussten. Kitas sollten viel öfter von dem Recht gebrauch machen, Dauer unzufriedene Eltern zu kündigen. Denn dann merken sie erst wie wichtig solche Einrichtungen sind und wie unwichtig manche (selbstverständlich nicht alle) Belange sind, bei denen keine Einigung möglich ist.

Tanja A.
Tanja A.
1 Jahr zuvor

Der Druck auf Erzieher/innen ist groß, dank dem Personalmangel. Hier wird wieder nur ganz empört eine Seite beschrieben. Wer weiß wie der Vater sich beschwert hat. Früher als die Mütter noch zuhause bleiben konnten um ihre Kinder zu erziehen wäre das alles kein Problem gewesen. Den Job in der Kita macht bald niemand mehr. Viel, teilweise unzumutbar viel Arbeit für einen Hungerlohn und dazu noch ständig motzende Eltern, die es nicht mal noch schaffen ihren Kindern das Schuhebinden selbst beizubringen.