Können Männer schwanger werden?

Können Männer schwanger werden? Eine verrückte Frage, die aus Sicht der Medizin heutzutage allerdings gar nicht mehr so abwegig erscheint. Denn tatsächlich wäre eine Schwangerschaft bei Männern rein theoretisch möglich, so jedenfalls Experten. Wir verraten dir, was es mit dieser Hypothese auf sich hat!

1. Das Wichtigste auf einen Blick

  • Bereits 2008 hat ein transsexueller US-amerikanischer Mann ein Kind zur Welt gebracht.
  • Während Cis-Männer keine Kinder austragen können, ist dies für transsexuelle Männer grundsätzlich möglich.
  • Obwohl Männer in der Regel nicht schwanger werden können, weisen einige von ihnen das Couvade-Syndrom und somit typische Schwangerschaftsbeschwerden auf.
  • Experten gehen davon aus, dass man Männern eine Gebärmutter transplantieren könnte, wodurch ein Austragen von Babys rein theoretisch denkbar wäre.

2. Hat ein Mann schon mal ein Kind bekommen?

Tatsächlich machte Thomas Beatie 2008 Schlagzeilen, da er offiziell als erster „schwangerer Mann“ ein Kind zur Welt gebracht hat. Der transsexuelle US-Amerikaner wurde als Mädchen geboren und ließ 2002 eine geschlechtsangleichende Operation vornehmen. Hierbei wurden allerdings die inneren weiblichen Organe nicht entfernt. Da seine Frau Nancy keine Kinder kriegen konnte, wurde das Paar mithilfe einer künstlichen Befruchtung Eltern einer Tochter. Mittlerweile hat Thomas Beatie bereits drei Babys geboren.

Auch in Berlin hat im Jahr 2013 ein Mann ein Baby bekommen. Der Transsexuelle wurde ursprünglich mit einem weiblichen Körper geboren, fühlt sich aber als Mann und ist auch als solcher im Melderegister der deutschen Behörden eingetragen.

3. Kann ein Mann ein Kind bekommen?

Es kommt darauf an! Sogenannte Cis-Männer können keine Kinder bekommen, da es nicht in ihrer Natur liegt. Im Unterschied zu Transgender-Personen identifizieren sich Cis-Männer mit ihrem Geschlecht, welches ihnen bei der Geburt zugeteilt wurde. Hierbei ist es wichtig zu wissen, dass sich die Übereinstimmung von Geschlecht und Identität nicht auf die sexuelle Orientierung der jeweiligen Personen bezieht.

Bei transsexuellen Männern sieht es schon anders aus. Hier handelt es sich um Männer, denen bei der Geburt das weibliche Geschlecht einer Frau zugewiesen wurde. Wurde also keine geschlechtsangleichende Operation vorgenommen oder wurden zumindest die inneren weiblichen Organe an Ort und Stelle gelassen, können diese Männer ein Kind bekommen.

4. Können Männer stillen?

Zwar besitzt die männliche Brust grundsätzlich alle Voraussetzungen zum Stillen (etwa verkrümmte Drüsen und die Milchgänge), dennoch ist das Stillen für Cis-Männer nicht möglich. Mediziner haben in einer Studie in New York allerdings herausgefunden, dass eine Transgender-Frau, die also einmal ein Mann war, mit einer geeigneten Langzeitbehandlung von Hormonen ein Baby tatsächlich stillen kann.

5. Männer und Schwangerschaft: Das Couvade-Syndrom

Vielleicht hast du schon einmal etwas von dem sogenannten Couvade-Syndrom gehört. Der Begriff „Couvade“ (französisch für „couver“, also bemuttern) stammt aus der Völkerkunde und steht für Rituale aus bestimmten Kulturen, mit denen sich werdende Papas auf die Geburt ihres Kindes vorbereiten. In der heutigen Medizin bzw. Psychologie bezeichnet „Couvade“ eine Co-Schwangerschaft des Mannes.

Was ist das Couvade-Syndrom?

Aus medizinischer Sicht handelt es sich bei dem Couvade-Syndrom um eine Form der Scheinschwangerschaft. In diesem Fall weisen nicht nur Frauen schwangerschaftstypische Beschwerden auf, sondern auch die Männer – wie zum Beispiel:

  • körperliche Symptome: Übelkeit, Erbrechen, Sodbrennen, Appetitveränderungen, Zahnschmerzen, Atemprobleme oder Rückenschmerzen
  • psychische Veränderungen: Schlaflosigkeit, Stimmungsschwankungen, Ängste oder Depressionen
  • mögliche Gewichtszunahme

Oftmals treten die Beschwerden bei den Männern zu Beginn sowie zum Ende einer Schwangerschaft der Partnerin auf. In der Regel legen sich diese von alleine. Allerdings können Männer nach der Geburt ebenso wie Frauen von einer Wochenbettdepression betroffen sein.

Hinweis: Bei einigen Männern können sich sogar die Hormonwerte ändern! Untersuchungen zeigten, dass sich ein geringer Anstieg von Prolaktin, Östrogen und Cortisol bei werdenden Vätern mit dem Couvade-Syndrom verzeichnen lässt.

Welche Ursachen hat das Couvade-Syndrom?

Es wird vermutet, dass das Couvade-Syndrom auf die hormonellen Veränderungen im Körper des werdenden Vaters zurückzuführen ist. Gleichzeitig soll dadurch eine enge Bindung zum Kind unterstützt werden. Wissenschaftlich bewiesen ist dies bislang noch nicht. Zu den hormonellen Veränderungen soll es angeblich durch eine Wechselwirkung zwischen psychischen Prozessen sowie dem Hormonspiegel kommen. Ebenso denkbar sind das Aussenden biochemischer Signalstoffe von der werdenden Mutter an den Partner.

Ein weiterer Auslöser für das Couvade-Syndrom können von psychosomatischer Natur sein. Durch die besondere Situation steht den Papas eine wichtige Veränderung im Leben bevor, das führt nicht selten zu psychischen Belastungen.

6. Ist der Mann mit schwanger?

Das kommt gar nicht mal so selten vor. Ist die Partnerin schwanger, zeigen einige Männer psychische sowie auch physische Reaktionen auf genau diese Schwangerschaft. Während der Bauch der werdenden Mama immer größer wird, verändert sich bei den werdenden Papas zunehmend die Gefühlswelt. Das kann teilweise sogar zu psychosomatische Belastungen des Mannes führen. Einige Experten raten betroffenen Männern aus diesem Grund von der Teilnahme an einem Geburtsvorbereitungskurs ab – das könne die Verunsicherung der Väter angeblich nur noch weiter verstärken. Laut einer US-Studie mit rund 30.000 Teilnehmern sollen im Jahr vor und nach der Geburt etwa 10,4 Prozent der Väter sogar unter dem bekannten Baby-Blues gelitten haben. Also ja, Männer können irgendwie mit schwanger werden. 😉

7. Kann man einem Mann eine Gebärmutter einpflanzen?

Diese Frage ist gar nicht so verkehrt, denn 2019 haben zwei Frauen im Universitätsklinikum Tübingen mit einer transplantierten Gebärmutter Kinder zur Welt gebracht. Würde das nicht auch bei Männern klappen? Rein theoretisch (und aus medizinischer Sicht) wäre es jedenfalls denkbar, so Experten. Ob Männer sich dieser Prozedur allerdings wirklich unterziehen lassen würden, bleibt eine andere Frage. Denn das Transplantieren einer Gebärmutter in den männlichen Körper ist anatomisch sehr aufwendig – allerhand Gefäße müssten dabei verlegt werden.

8. Fazit: Können Männer schwanger werden?

Können Männer also schwanger werden? Jein. Cis-Männer können keine Kinder austragen. Transsexuelle Männer, die vorher eine Frau waren und nach wie vor über die inneren weiblichen Geschlechtsorgane verfügen, sind hingegen grundsätzlich in der Lage, ein Baby zur Welt zu bringen.

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Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern.

Seit 2015 sind wir Eltern einer zauberhaften Tochter. Zwei Jahre später kam ihr kleiner Bruder auf die Welt, und unsere Familie war komplett. Zusammen sind die beiden ein unschlagbares Team, das sich nur allzu gern gegen Mama und Papa verbündet.

Abgesehen von meiner Familie liebe ich den Hafen, fotografiere gern und gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Texte und Social Media ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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