Tipps fürs Wochenbett: So kannst du die Zeit nach der Geburt genießen

Die Geburt ist geschafft. Du bist überglücklich, dein Baby endlich in den Armen zu halten. Gleichzeitig fühlst du eine große Erschöpfung. Kein Wunder: Eine Geburt ist ein körperlicher und mentaler Kraftakt. Nun darfst du dich von den Strapazen erholen, dich umsorgen lassen und dein Baby in aller Ruhe kennenlernen. Damit das auch wirklich klappt, hier meine Tipps fürs Wochenbett:

Was ist eigentlich das Wochenbett?

Wochenbett nennt man die sechs bis acht Wochen nach einer Geburt. Die ersten zehn Tage werden „Frühes Wochenbett“ genannt, der Zeitraum danach „Spätes Wochenbett“. Die Gebärmutterwunde und mögliche Geburtsverletzungen oder die Kaiserschnittnarbe heilen ab. Körperliche Veränderungen der Schwangerschaft bilden sich zurück. Manchmal braucht auch die Seele etwas Zeit. Vielleicht ist die Geburt anders verlaufen, als du es dir gewünscht hast. Oder der Bauch fühlt sich schmerzhaft leer an, die Babykugel fehlt dir. Du hast Probleme mit dem Stillen.  Alles muss sich neu finden: Aus einem Paar werden Eltern. Aus größeren Kindern Geschwister.

Das Wochenbett ist eine sehr sensible, besondere Phase im Leben jeder Familie. Eine Zeit ohne Hektik und Stress. So sollte es jedenfalls sein. Ich selbst habe mich daran leider nicht immer gehalten. Hier habe ich für dich aufgeschrieben, was ich bereue – und meine besten Tipps fürs Wochenbett:

Baby da, Bude voll?

Als Neu-Mama platzt man schier vor Stolz und will seinen kleinen Schatz am liebsten der ganzen Welt zeigen. Außerdem sind Familie und Freunde neugierig und wollen das Neugeborene mit eigenen Augen sehen. Gerade die engsten Vertrauten möchte man natürlich nicht enttäuschen. Aber: Besuch kann für Eltern und Baby sehr anstrengend sein, wie ich selbst merken musste.

Am dritten Tag nach der Geburt kamen die Brüder meines Mannes und meine Schwestern zu uns nach Hause, teilweise mit Partnern. Es war laut. Trubelig. Mein Mann wirbelte in der Küche, um für alle Kaffee zu kochen. Alle wollten ein Foto mit Bruno. Ich saß mit Schmerzen auf dem Sofa und hätte mich am liebsten mit ihm ins Bett verkrümelt. Nun waren ja aber alle extra gekommen… Beim nächsten Mal würde ich Besuch nur in kleineren Gruppen zulassen. Und auch erst dann, wenn ich mich körperlich und seelisch wirklich bereit fühle. So lange müssen sich Familie und Freunde sich mit Fotos zufriedengeben. Gesundheit und  Wohlbefinden der frischgbackenen Mama gehen vor!

Hände greifen nach Baby

Viel zu viele fremde Hände…. Mama bestimmt, wer das Baby halten darf. Foto: Bigstock

Tipps fürs Wochenbett: Nur gucken, nicht anfassen?

„Darf ich ihn mal nehmen“? Diese Frage fiel bei fast jedem Babybesuch. Ich kann den Wunsch, das süße Neugeborene im Arm zu halten, total nachvollziehen. Ich selbst hatte früher die Babys von Freunden auf den Arm genommen. Daher stimmte ich fast immer zu, wenn jemand Bruno nehmen wollte. Aber ganz ehrlich: Ich fühlte mich oft nicht so richtig wohl dabei. Zum einen, weil ich ihn einfach nicht gerne hergab. Die Mama-Hormone hatten mich fest im Griff…

Zum anderen, weil einige Gäste sich vorher die Hände nicht wuschen (jedenfalls nicht ohne Aufforderung). Was vielen nicht bewusst ist: Neugeborene reagieren auf Keime empfindlich. Mangelnde Hygiene kann im schlimmsten Fall Folgen haben. Es war mir äußerst unangenehm, das Ganze jedes Mal anzusprechen. Ich fühlte mich, als würde ich übertreiben. Teilweise ließ ich es ganz. Bei meinem nächsten Wochenbett wäre ich in dieser Hinsicht viel offensiver. Und auf den Wunsch, das Baby zu halten, würde ich antworten (wenn es sich in dem Moment nicht richtig anfühlt): „Ein anderes Mal gerne.“

Das bisschen Haushalt? Nie mehr Putzwahn im Wochenbett

Windeln, vollgespuckte Tücher, Wäscheberge: Mit einem Baby zieht immer auch das Chaos ein. Mein Mann und ich nutzten Brunos Schlafphasen, um die Bude wieder in Ordnung zu bringen. Ich bin ein sehr ordentlicher Mensch und mag es, wenn es aufgeräumt ist. Mein Mann tickt ähnlich (zum Glück packt er auch gerne mit an). Statt mich auszuruhen, saugte ich mit Baby in der Trage Staub oder schrubbte den Herd. Freunde von uns staunten: „Wow, so sauber sah es bei uns im Wochenbett aber nicht aus“.

Ich war stolz. Und gleichzeitig ziemlich müde und erschöpft. Kein Wunder. Viel wichtiger als eine saubere Wohnung ist es nämlich, dass Mama sich richtig ausruht. Woran erinnert man sich später: Daran, wie die Wohnung geblitzt hat? Oder an die innigen, kuscheligen, entspannten Momente mit dem Baby? Eben. Und wenn man den Anblick von benutztem Geschirr und schmutziger Wäsche überhaupt nicht mehr erträgt, engagiert man eben (vorübergehend) eine Putzfee oder fragt Freunde, ob sie mit anpacken.

Tipps fürs Wochenbett: Gesundes Essen nicht vergessen

Eine gesunde, nährstoffreiche Ernährung ist extrem wichtig, um im Wochenbett wieder zu Kräften zu kommen. Mögliche Nährstoffdefizite aus der Schwangerschaft müssen ausgeglichen werden. Günstig sind Lebensmittel mit viel Eisen: Fleisch, Obst, Gemüse, Nüsse oder Vollkornprodukte. Außerdem sollte man viele essentielle Fettsäuren (enthalten in pflanzlichen Ölen, Nüssen und Fisch) zu sich nehmen. Ideal sind stärkende Suppen und Eintöpfe.

Bis ins 20. Jahrhundert hinein war es üblich, dass die Nachbarinnen während des Wochenbetts jeden Tag einen Topf Suppe vorbeibrachten. Dieser schöne Brauch ist leider ausgestorben. Viele Mamas kochen daher während der Schwangerschaft vor und frieren die Gerichte ein. Da ich keine besonders leidenschaftliche Köchin bin, habe ich das allerdings immer vor mir hergeschoben. Mit dem Ergebnis, dass mein Mann kurz nach der Geburt in den Supermarkt fahren musste, um Aufbackpizza und Fertigsuppen zu besorgen. Das geht besser – und gesünder…

Gutgemeinte Ratschläge: Vielen Dank, ich höre lieber auf mein Gefühl

Ist man gerade Mama geworden, hat fast jeder einen ultimativen Tipp auf Lager. „Du musst das UNBEDINGT so machen…“ „Du darfst das auf KEINEN Fall so machen“ (etc.). Teilweise sind die Ratschläge hilfreich. Teilweise aber auch nicht. Im Gegenteil: Sie verunsichern nur. Gut gemeint ist nämlich nicht immer unbedingt gut. Ein Beispiel: Da mein Kleiner abends schwer zur Ruhe kam, stillte ich ihn in den Schlaf. Immer wieder wurde ich gewarnt: „Uh, da musst du aber aufpassen. Sonst gewöhnt er sich daran und wird niemals alleine einschlafen!“

Zum Glück habe ich trotzdem weitergemacht. Es fühlte sich einfach richtig an. Verunsichert haben mich solche und ähnliche Aussagen aber sehr. Ich war zum ersten Mal Mama und wollte es unbedingt „richtig“ machen. Aber: Jede Mama ist anders, jedes Baby ist anders. Was für die eine Familie passt, muss für die andere noch lange nicht funktionieren.

Mein ultimativer Tipp fürs Wochenbett: Ich würde mich beim nächsten Mal nett für die Ratschläge bedanken. Und weiterhin auf mein Herz hören.

Corinna Siemokat

Ich bin Mama und Journalistin aus Leidenschaft und freue mich, bei Echte Mamas Beruf & Berufung miteinander verbinden zu können. Hier schreibe ich über den bunten Alltag mit meinem Sohn (zwei Jahre) und die kleinen (und großen) Herausforderungen, die das Mamasein so mit sich bringt.

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