Manchmal glaube ich, ich bin die einzige Mutter auf der ganzen Welt, die keine richtige Mama-Freundin hat.
Dabei treffe ich täglich andere Mütter und mit vielen davon verstehe ich mich oberflächlich gut. Aber ist bleibt eben an der Oberfläche. So langsam fürchte ich, dass es an mir liegt. Ich bin einfach nicht die typische ‚Mutti‘ und ich interessiere mich nicht für die Dinge, für die sich viele Frauen offenbar interessieren, sobald sie Kinder bekommen. Thermomix-Gerichte sind mir nach wie vor egal, Designer-Handtaschen sehen alle gleich aus und auch dem Basteln kann ich nach wie vor nichts abgewinnen.
Nie hätte ich gedacht, dass diese Eigenschaften es mir mal schwer machen würden, bis ich durch die Geburt meiner Kinder zur Mama wurde. Am schlimmsten wird das Außenseiter-Gefühl, wenn ich dann doch mal wieder einen neuen Versuch starte, mit den anderen Mamas ins Gespräch zu kommen. Egal, welches Thema, ich scheine immer eine andere Meinung zu vertreten als die anderen.
Naja, zumindest ein gemeinsames Thema haben wir – die Kinder.
Aber irgendwie funktioniert auch das nicht. Ich rede auch gerne mal über Kinder (besonders natürlich über meine eigenen), aber spätestens nach einer halben Stunde möchte ich auch mal wieder über andere Dinge reden. Es nervt mich, wenn es kein anderes Thema gibt als Windeln, Kita und Schniefnasen.
Ich lebe auf dem Dorf und viele hier lieben Schlager und schwärmen von Helene Fischer. Ich höre stattdessen Heavy Metal und verabscheue Volksmusik. Noch schlimmer ist das Thema Fernsehen: Während alle anderen Mütter die gängigen Trash-TV-Formate lieben, ‚um mal richtig abzuschalten‘, schaue ich am liebsten schwermütige Dramen und Dokumentationen.
Ansonsten scheinen es viele Frauen zu lieben, auf dem Spielplatz über ihre Ehemänner herzuziehen.
Was ich da zu hören bekomme, macht mich oft traurig. Nach ihren Erzählungen müssen die meisten Mütter den ganzen Haushalt alleine schmeißen und ihre Partner sehen keinen Grund, wenigstens den eigenen Teller in die Spülmaschine zu stellen. Horror. Mein Mann und ich leben ein komplett anderes Rollenmodell.
Ich verdiene mehr als er, arbeite Vollzeit und er macht 30 Stunden, logischerweise ist er also derjenige von uns, der das meiste im Haushalt erledigt. Das ist echt toll, oder? Ja, das denke ich eigentlich auch. Aber das Problem: Auch hier habe ich wieder keine Schnittmenge mit den anderen Müttern. Es gibt zwar noch eine andere Mama in Vollzeit, aber leider scheint ihr Mann nicht so sehr an Gleichberechtigung interessiert.
Wenn die anderen Frauen also schimpfen, wie überlastet sie sind und wie wenig ihr Mann sie unterstützt, ist es mir fast peinlich, dass ich diese Probleme nicht habe. Auch sonst gibt es eigentlich nichts, was ich meinem Mann öffentlich vorwerfen möchte. Tja, also wieder kein gemeinsames Thema.
Natürlich habe ich Freundinnen, aber die leben alle in anderen Städten.
Wir tauschen viele Sprachnachrichten aus und telefonieren oft, aber so eine Freundschaft auf Entfernung fühlt sich manchmal auch sehr einsam an. Ich hätte eigentlich gerne eine Freundesgruppe, mit der ich auf dem Spielplatz abhängen kann. Aber mit den anderen Müttern fühle ich mich einfach nicht wohl.
Doch mein größtes Problem mit meiner Einsamkeit ist, dass ich mir oft Sorgen mache, dass sie auf meine Kinder überschwappen könnte. Denn was ist, wenn sie nicht zu Play-Dates eingeladen werden, weil die anderen Mütter lieber Mütter dabeihaben wollen, die auch wissen, wer gerade beim ‚Bachelor‘ rausgeflogen ist und welcher Promi gerade im Dschungel sitzt. Oder noch schlimmer: Was ist, wenn zu ihren Kindergeburtstagen keiner gebracht wird, weil ihre Mama komisch ist?
Ich frage mich, was mit mir nicht stimmt, dass ich so anders bin.
Wieso interessiere ich mich nicht für die gleichen Dinge wie die anderen Mütter? Ich wünschte, ich hätte zumindest eine Mama-Freundin, auf die ich zählen könnte. Der Gedanke daran, dass das wahrscheinlich nie passieren wird, tut echt weh.”
Liebe Caro, vielen Dank, dass du uns deine Geschichte anvertraut hast. Wir wünschen dir und deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!
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Ich habe diesen Artikel nun eben erst gelesen, eventuell wird mein Kommentar ja trotzdem noch wahrgenommen.Ich muss gestehen, dass ich gar nicht so richtig begreifen kann, was die Caro erlebt. Ohne (!) es abwertend zu meinen: Liegt es am Leben auf dem Dorf und „den damit verbundenen wenigeren Menschen“?Ich glaube, ich bin in sämtlichen Punkten irgendwie überall drin und draußen. Ich teile auch nicht direkt den TV-Geschmack der breiten Masse, ich bin kein Social Media Nerd und lebe dazu in dem „Luxus“, dass ich nicht arbeiten gehen muss (wobei ich noch nicht weiß, ob ich es deswegen nie mehr tun werde; im Alter meiner Mädchen (2 und 4) ist das allerdings noch sehr von Vorteil).Aber mal von all dem ab: Ich habe Mama-Freundinnen, die sehr eng wurden. Ich habe zu alten Freundinnen ein viel engeres Verhältnis, seitdem wir das Mama-sein teilen, und natürlich gibt es auch oberflächliche Bekanntschaften oder gar Mütter, zu denen der Abstand gewahrt wird. Der Punkt ist: Wir sind alle anders. Manchmal überschneiden sich Interessen und man quatscht darüber, manchmal nicht. Das ist nicht ausschlaggebend. Wichtig ist: Wir sind alle Mamas und wir haben für unsere Höhen und für unsere Tiefen Verständnis. Wir geben uns Halt, wir trösten uns und wir lachen zusammen, wenn es besonders schwer ist. Wir rufen uns an, um uns „auskotzen“ zu können (ob nun der Partner, die Schwiegermutter oder sonst wer mit Thema sein könnte), aber im Grunde genommen regulieren wir uns und bauen den Stress in uns im Alltag mit unseren manchmal doch sehr fordernden Zwergen ab. Wir stehen uns zur Seite, wir sehen uns und wir stärken uns. Und daraus entstehen Freundschaften.Ich wünsche der Caro, dass sie nicht aufgibt und die Augen offen hält. Sie muss den Bachelor nicht toll finden, sie darf auch anderen gern sagen, dass sie daran kein großes Interesse hat; wichtig ist, denke ich, nur, das Interesse der anderen nicht abzutun. Wenn alle ihre Interessen respektieren und akzeptieren, ist es fast egal, welche es überhaupt sind. Freu dich für die anderen, dass sie mit sowas „Schwachsinnigem“ abschalten können ;DBleib offen den anderen Mamas gegenüber – ich denke, auch in deiner Nähe wird es wenigstens eine Mama geben, mit der du eine Freundschaft aufbauen kannst! Alles Liebe! 🙂
Da hast du aber schöne Worte für Caro gefunden, liebe Nina.
PS: Vielleicht sind ja alle auch nur super neidisch auf seine ausgeglichene und sichere Beziehung auf Augenhöhe 😉 Ein gewisser Neid ist da absolut verständlich, denn das ist aufgrund schwieriger Dynamiken häufig nicht leicht. Aber Neid und Missgunst sind halt zwei unterschiedliche Dinge.. Ich finde es super, dass du auch sagst, dass du deinem Mann öffentlich nichts vorwerfen willst – das ist wahrhaftige Wertschätzung und Loyalität. Sei stolz darauf! Ich bin auch neidisch auf die Augenhöhe – aber ich gönne sie jedem, der sie erleben darf 🙂
Ich muss mich übergeben
Lena, mit einem Hündchen, moderiert kompetent – weil Patentante – einen Chat für Alleinerziehende – Danke schön, so bescheuert war ich tatsächlich auch mal unterwegs, da war meine Schwester alleinerziehend mit zwei Kleinkindern und ich war ganz cool mal ein WE im Monat (und jaaa coole Patentante, nur mit Katze statt Hund aber ansonsten genauso dämlich!) unterwegs.
Welcher Redakteur lässt so jemanden auf dieses Thema und Menschen los? Meine Güte
Liebe Lena. Bitte, lass es! Geh ins Tierheim oder trage am besten Zeitungen aus, BITTE tu nicht so als würdest du diese Welt verstehen.
Herr, schmeiß Hirn!