Honig fürs Baby? Bitte nicht! Darum ist er so gefährlich

Bevor Kinder eineinhalb Jahre alt sind, scheiden sich an deren Ernährung die Geister. Wie, wann und vor allem was Babys essen sollen, müssen oder dürfen, darüber gibt es unzählige Ansichten.

Ein klares Richtig oder Falsch gibt es in den wenigsten Fällen, die Antwort hängt immer davon ab, wen man fragt. Selbst die Wissenschaftler sind sich nicht einig und die einzelnen Länder und Kulturen schon gar nicht.

Ein Nahrungsmittel aber gibt es, das undiskutabel niemals in Babys Magen, oder besser gesagt, in Babys Darm, geraten darf: Honig.

Naturnah und gefährlich

Kaum ein Lebensmittel, das auf unseren Tisch kommt, ist so naturbelassen wie Honig. Er wird mechanisch aus der Wabe geschleudert und direkt in die Gläser abgefüllt, die wir im Supermarkt kaufen können. Es gibt keinen Prozess der Haltbarmachung, Pasteurisierung oder Zugabe von Zusätzen.

So kann es sein, dass Bakterien und Keime aus der Umwelt hinein gelangen. Das gefährlichste – weswegen vor dem Verzehr gewarnt wird – ist das Bakterium Clostridium botulinum.

Es ist ziemlich zäh, hitzebeständig, luftunempfindlich und kann jahrzehntelang überleben. Wird es von Erwachsenen gegessen, kann es zu einer schweren Nahrungsmittelvergiftung kommen. Botulismus heißt das dann, ebenfalls bekannt als Wurstvergiftung, weil sich das Bakterium in Tierkadavern schnell vermehrt. Schon der Verdacht darauf ist meldepflichtig.

Schon die Sporen sind gefährlich

Dass sich tatsächlich das Bakterium im Honig befindet, ist sehr selten. Allerdings reichen für Babys schon die Sporen dessen, um lebensgefährliche Folgen auszulösen – für Erwachsene hingegen ist der Verzehr meist unbedenklich. Und die Sporen sind sehr weit verbreitet, etwa fünf Prozent aller Bienenhonig-Gläser tragen sie in sich.

Gelangen die Sporen in den Darm eines Säuglings, hat das fatale Konsequenzen. Grund dafür ist die Tatsache, dass der Darm von Säuglingen und Kleinkindern sich noch im Aufbau befindet. Erst langsam entwickelt sich die Darmflora, die von guten Bakterien besiedelt ist und Keime abwehren kann.

Die Sporen von Clostridium botulinum können sich dort deshalb explosionsartig ausbreiten und gelangen in den Blutkreislauf. Nach und nach tritt eine Muskellähmung auf, beginnend meist mit dem Darm. Hartnäckige Verstopfung ist darum das erste Krankheitsanzeichen.

Säuglingsbotulismus – selten und tödlich

Immer mehr Muskeln versagen ihren Dienst, sodass ein infiziertes Baby Schwierigkeiten beim Schlucken bekommt, Arme und Beine lahm werden, keine Mimik mehr zeigt, mitunter bald nicht mehr seinen Kopf halten kann. Werden die Symptome nicht rechtzeitig erkannt und sofort behandelt, kommt es schließlich zur Atemlähmung.

Säuglingsbotulismus nennt sich das, und es ist eine sehr seltene Infektion. Ungefähr ein Baby pro Jahr erkrankt in Deutschland daran.

In den USA sprechen Berichte von „unter 100 Kindern pro Jahr“. Dort allerdings ist nicht nur Bienenhonig der Auslöser, sondern auch Ahornsirup. Den sollte man also auch besser im ersten Lebensjahr meiden.

Rebecca

Schon seit rund einer Dekade jongliere ich, mal mehr, mal weniger erfolgreich, das Dasein als Schreiberling und Mama. Diese zwei Pole machen mich aus und haben eines gemeinsam: emotionale Geschichten!

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