Keinen Honig oder Ahornsirup fürs Baby! Warum nicht?

Am Thema Kinder-Ernährung scheiden sich die Geister. Wie, wann und vor allem was Babys essen sollen, müssen oder dürfen, darüber gibt es unzählige Ansichten. Ein klares Richtig oder Falsch gibt es dabei in den wenigsten Fällen, selbst Wissenschaftler sind sich häufig nicht einig und die einzelnen Länder und Kulturen schon gar nicht. Es gibt allerdings auch Nahrungsmittel, die wirklich niemals in Babys Magen, oder besser gesagt, in Babys Darm, geraten dürfen. Ohne Diskussion. So gilt: Keinen Honig oder Ahornsirup fürs Baby! Aber warum nicht? Kein Tee und keine Milchzubereitung, die Säuglinge bekommen, darf mit Honig gesüßt werden. Aber wieso eigentlich?

Honig ist naturbelassen – und genau das kann gefährlich werden

Kaum ein Lebensmittel, das auf unseren Tisch kommt, ist so naturbelassen wie Honig. Er wird mechanisch aus der Wabe geschleudert und direkt in die Gläser abgefüllt, die wir im Supermarkt kaufen können. Es gibt keinen Prozess der Haltbarmachung, Pasteurisierung oder Zugabe von Zusätzen.

Hört sich doch gesund und gut an! Aber trotzdem heißt es: Keinen Honig für Babys, warum denn nicht?

Es kann sein, dass Bakterien und Keime aus der Umwelt in den Honig gelangen. Und eben nicht durch einen Herstellungsprozess unschädlich gemacht werden. Das gefährlichste – weswegen auch vor dem Verzehr gewarnt wird – ist das Bakterium Clostridium botulinum.

Es ist ziemlich zäh, hitzebeständig, luftunempfindlich und kann jahrzehntelang überleben. Wird es von Erwachsenen gegessen, kann es zu einer schweren Nahrungsmittelvergiftung kommen. Botulismus heißt das dann, ebenfalls bekannt als Wurstvergiftung, weil sich das Bakterium in Tierkadavern schnell vermehrt. Schon der Verdacht darauf ist meldepflichtig.

Kein Honig fürs Baby – warum nicht?

Dass sich das Bakterium tatsächlich im Honig befindet, ist sehr selten. Okay, aber trotzdem bitte grundsätzlich keinen Honig fürs Baby – warum nicht? Für Babys reichen schon die Sporen von Clostridium botulinum, um lebensgefährliche Folgen auszulösen. Und die Sporen sind wirklich sehr weit verbreitet, etwa fünf Prozent aller Bienenhonig-Gläser tragen sie in sich.

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Gelangen die Sporen in den Darm eines Säuglings, hat das fatale Konsequenzen. Grund dafür ist die Tatsache, dass der Darm von Säuglingen und Kleinkindern sich noch im Aufbau befindet. Erst langsam entwickelt sich die Darmflora, die von guten Bakterien besiedelt ist und Keime abwehren kann.

Die Sporen von Clostridium botulinum können sich dort deshalb explosionsartig ausbreiten und gelangen in den Blutkreislauf. Nach und nach tritt eine Muskellähmung auf, beginnend meist mit dem Darm. Hartnäckige Verstopfung ist darum das erste Krankheitsanzeichen.

Säuglingsbotulismus – selten und tödlich

„Infizierte Säuglinge zeigen Muskelschwäche, sie können den Kopf kaum halten und haben Schwierigkeiten beim Atmen, was sich durch Röcheln oder Schnarchgeräusche äußern kann. Die Reflexe sind schwach, sodass das Kind schlecht saugen und schlucken kann, der Speichel vermehrt aus dem Mund rinnt sowie die Pupillen verzögert auf Licht reagieren. Betroffene Kinder müssen rasch intensiv-medizinisch behandelt werden“, warnt Dr. Monika Niehaus, Mitglied des Expertengremiums vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Säuglingsbotulismus nennt sich das, und es ist eine sehr seltene Infektion. Ungefähr ein Baby pro Jahr erkrankt in Deutschland daran.

In den USA sprechen Berichte von „unter 100 Kindern pro Jahr“. Dort allerdings ist nicht nur Bienenhonig der Auslöser, sondern auch Ahornsirup! 

Was ist mit Honig als Zutat?

In vielen industriell hergestellten Baby-Fertigprodukten ist Honig enthalten. Da diese Produkte chemisch hoch erhitzt sind, besteht keine Gefahr des Botulismus-Bakteriums. Trotzdem sind sie nicht unbedingt zu empfehlen. Denn es gilt zu  bedenken: Tees, Milchbrei und Co. sollten im ersten Lebensjahr gar nicht zusätzlich gesüßt werden. Die möglichen negativen Folgen: Das Kind entwickelt eine bleibende Vorliebe für Süßes, es dann zu Übergewicht kommen und die ersten Zähnchen können durch den Zucker an Karies erkranken.

Kein Honig und Ahornsirup fürs Baby: Wie lange gilt das?

Ab einem Alter von einem Jahr gilt der Darm des Kindes als stark/gereift genug, um die Clostridium botulinum-Sporen abzuwehren.

Was tun, wenn das Baby Honig gegessen hat?

Ist es doch passiert und ein kleines Kind hat Honig oder Ahornsirup genascht, sollte es in den nächsten Stunden und Tagen genau beobachten. Verstopfung, Trägheit, kein Trinkwunsch und ein schwerer Kopf sind erste Anzeichen für eine Lebensmittelvergiftung (siehe weiter oben im Text). Treten sie auf, vorsichtshalber rasch den Kinderarzt aufsuchen.

Rebecca

Schon seit rund einer Dekade jongliere ich, mal mehr, mal weniger erfolgreich, das Dasein als Schreiberling und Mama. Diese zwei Pole machen mich aus und haben eines gemeinsam: emotionale Geschichten!

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