Bitter für Alleinerziehende: Kinderbonus wird auf Unterhalt angerechnet

Im Juni hat die Bundesregierung den Corona-Kinderbonus beschlossen. 300 € bekommen Eltern für jedes Kind, das auch Kindergeld bezieht. Im September wird die erste Rate jetzt ausgezahlt. Für die meisten Familien ein willkommener Ausgleich für die Lücken, die Corona in die Haushaltskasse gerissen hat. Besonders hart getroffen hat es viele Alleinerziehende. Und ausgerechnet die bekommen womöglich nur den halben Kinderbonus! Die andere Hälfte bekommt nämlich der Ex-Partner – er kann insgesamt 150 € von seiner Unterhaltszahlung abziehen.

Beide Eltern haben Anspruch auf 50 % des Kinderbonus

Viele Alleinerziehende haben in letzter Zeit Post vom Jugendamt bekommen. In dem Schreiben wird ihnen mitgeteilt wird, dass der Kinderbonus beiden Elternteilen jeweils zur Hälfte zusteht. Heißt also: Auch wenn das Kind dauerhaft bei der Mutter wohnt, und seinen Vater beispielsweise nur an den Wochenenden sieht, kann er den Unterhalt im September um 100 € mindern, und im Oktober dann noch einmal 50 € weniger zahlen, wenn die zweite Rate ansteht. In diesem Fall lässt sich das vielleicht noch nachvollziehen. Allerdings gilt die Regelung auch, wenn der Vater sein Kind nur selten sieht oder sich vielleicht gar nicht kümmert.

Laut dem „Verband alleinerziehender Mütter und Väter Landesverband NRW e.V.“ (VAMV NRW) betrifft das fast 60 % aller Trennungskinder. So viele haben nämlich keinen oder nur selten Kontakt zu ihrem Vater.

Durch die Regelung sollen „Ungerechtigkeiten vermieden werden“

Das sagt zumindest das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Die Regelung solle dabei helfen, dass beide Eltern vom Kinderbonus profitieren. Bedeutet aber auch: Selbst wenn sich während der Kita- und Schulschließungen nur die Mutter um die Kinderbetreuung gekümmert hat und dadurch vielleicht weniger oder sogar gar nicht arbeiten konnte – bekommt der Vater trotzdem den halben Kinderbonus. Voraussetzung dafür ist nur, dass er generell Unterhalt für seine Kinder zahlt. Richtig gerecht hört sich das irgendwie nicht an, oder?

Müsste der Kinderbonus eigentlich „Elternbonus“ heißen?

Deshalb sind (verständlicherweise) nicht nur die Alleinerziehenden selbst über diese Regelung verärgert. Auch der VAMV NRW kritisiert die Entscheidung. Nicola Stroop aus dem Vorstand des Vereins ist sogar der Ansicht, der Kinderbonus habe seinen Namen nicht verdient. „Er wird dort gebraucht, wo das Kind seinen Lebensmittelpunkt hat, da hier die Kosten für das Kind entstanden sind“, sagt sie in einer offiziellen Stellungnahme. Stattdessen sei er leider „erneut ein Beispiel für familienpolitische Leistungen, die nicht am Kind orientiert sind.“ Deshalb müsse der Kinderbonus eigentlich eher „Elternbonus“ heißen.

Fakt ist also:

Obwohl viele Alleinerziehende den Kinderbonus dringend brauchen könnten, bekommen sie im Endeffekt vielleicht nur die Hälfte der Summe. Das gleiche gilt natürlich für alleinerziehende Papas, deren Ex-Partnerin Unterhalt zahlt. Der Unterhaltsvorschuss ist von dieser Regelung übrigens nicht betroffen – er wird in voller Höhe ausbezahlt.

Wie seht ihr das: Ist die 50/50-Regelung beim Kinderbonus gerecht oder fühlt ihr euch dadurch benachteiligt? Wir freuen uns auf eure Kommentare!

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Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern. Ich liebe den Hafen, fotografiere gern, gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Social Media und Texte ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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Kommentare

  1. Ich selber finde das unfair, die Kinder sehen ihren Vater nur 4 mal in Monat und dafür kriegt er jetzt die Hälfte des Kindergeldbonus. Das Geld kommt, also gar nicht bei den Kindern an. Eigentlich wollte ich davon das Kinderzimmer neu machen. Kann ich jetzt aber nur ein neuen Kleiderschrank für sie von kaufen.

  2. Ich finde das ungerecht, bei den meisten alleinerziehenden gilt die 2 Wochen-Regelung das heißt auf gut deutsch der Vater bekommt die Hälfte dh 150 Euro für 8 Tage die er mit dem Kind verbracht hat. Der andere Elternteil soll sich dagegen die 150 Euro auf 26 Tage aufteilen. Warum wird es den Elternteilen nicht entgegengekommen und der Anspruch für die Tage die das Kind bei Elternteil verbringt berechnet?

  3. Da es ja Kindergeldbonus heißt, sollte es auch im ganzen beim Kind ankommen,bzw.dem „eigentlichen“ Kindergeldempfänger und nicht aufgeteilt werden. Weil es ja schließlich dem Kind zu gute kommen soll und nicht dem anderen Elternteil. Kenne genug die sich daran dann bereichern und das/die Kinder nie was von haben.

  4. Ich finde es sehr ungerecht! Der Vater meiner beiden Kinder kümmert sich überhaupt nicht. Der letzte Kontakt war 2015. Kein Geburtstagsgruß, kein Weihnachtsgruß. Aber 2×100€ vom Unterhalt hat er sofort abgezogen! Das ist unfair den Kindern gegenüber!!

  5. Über Unterhalt und Kindergeld kann man ja prima streiten, aber in diesem Falle finde ich das für das Kind und den Elternteil, bei dem das Kind lebt nicht fair, zumindest dann nicht, wenn die Betreuung während der Kita-und Schulschließungen nicht 50/50 geteilt war. Denn genau dadurch sind viele Einbußen oder zumindest Schwierigkeiten gerade auch bei Alleinerziehenden und eben den dazugehörigen Kindern entstanden 🙁 in der ganzen Schließzeit der Schule haben mein Mann und ich für eine Woche die Betreuung seiner Tochter übernommen, den Rest hat die Mutter selber und anders organisiert. Da jetzt 150€ vom Unterhalt abzuziehen finde ich nicht angebracht. Mein Mann auch nicht.

  6. Oft ist es ja so dass ein Elternteil Naturalunterhalt leistet also das Kind hauptsächlich betreut während der zweite Unterhalt in Geldform leistet. Das sind zwei Seiten derselben Medaille, daher sollten doch auch beide Seiten bedacht werden!

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