Eierschalen-Eltern: Warum sie für Kinder traumatisch sind

Wenn Kinder ständig angespannt sind und ein geringes Selbstwertgefühl haben, können Eierschalen-Eltern die Ursache sein. Was dahinter steckt, welche Warnsignale es gibt, und warum die Kinderseele leidet.

Kinder von Eierschalen-Eltern sind ständig auf der Hut

 Ich habe meine Eltern immer gern besucht. Auch als ich schon lange ausgezogen war, fühlte es sich für mich jedes Mal wie Nach-Hause-Kommen an. Und ich wusste genau, sie freuen sich über jeden Besuch.

Leider ist das bei weitem nicht bei allen Erwachsenen so. Denn nicht jede*r hatte eine behütete und liebevolle Kindheit. Manche Eltern haben durch ihr Verhalten tiefe seelische Narben bei ihren Kindern hinterlassen, oftmals auch unbewusst.

Ein Beispiel dafür sind so genannte „Eierschalen-Eltern“ oder auf Englisch „eggshell parents“. Ihr Verhalten führt dazu, dass die Kinder wie auf Eierschalen um ihre Eltern herumschleichen – mit der ständigen Angst vor dem nächsten Wutausbruch, der oftmals ohne ersichtlichen Grund erfolgt.

8 Warnzeichen, an denen du Eierschalen-Eltern erkennst

Zunächst einmal sei gesagt: Der Begriff „Eierschalen-Eltern“ ist nicht wissenschaftlich festgelegt oder definiert. Trotzdem gibt es einige Anzeichen, die typisch für dieses Verhalten sind. Meist entsteht es dadurch, dass die Eltern als Kinder selbst in einem Umfeld ohne Sicherheit und positive Bestätigung aufgewachsen sind.

Dieses Verhalten ihrer eigenen Eltern hat sie geprägt – und oftmals geben sie es an ihre Kinder weiter. Aber was genau machen Eierschalen-Eltern, das ihre Kinder in ständige Alarmbereitschaft versetzt?

Typische Verhaltensweise sind zum Beispiel:

  • Emotionale Unberechenbarkeit
    Eben hatte Mama noch gute Laune, doch plötzlich ist sie sehr gereizt – und das ohne ersichtlichen Grund. Für Kinder ist das schwer nachvollziehbar und hinterlässt auf Dauer eine große Unsicherheit. Es ist nicht klar, wovon die Stimmung abhängt, Verlässlichkeit und Sicherheit fehlen komplett.
  • Aufbrausende Art
    Ein zu lautes Geräusch, ein umgekipptes Glas: Eierschalen-Eltern geraten schon bei Kleinigkeiten in Rage – oft aus dem Nichts heraus.
  • Unvorhersehbare Reaktionen
    Dinge, die für Kinder vollkommen normal sind, bringen die Eltern direkt auf die Palme. Und zwar ohne bestimmtes Muster – das macht es schwer bis unmöglich, die Auslöser zu erkennen.
  • Ständige Gereiztheit, oft wegen Kleinigkeiten
    Wenn Eltern wegen jeder Kleinigkeit gereizt sind, wissen Kinder oft nicht mehr, was sie tun sollen – und was nicht. Die Folge: Sie ziehen sich lieber zurück, um nicht noch mehr Ärger zu bekommen-
  • Ständige Kritik
    Alles, was die Kinder tun, wird ständig kritisiert. Lob und Anerkennung – Fehlanzeige. Den Kindern vermittelt das das Gefühl, sie können nichts richtig machen. Verunsicherung und fehlendes Selbstwertgefühl sind die Folge.
  • Schweigen als Strafe
    Anstatt über Konflikte zu sprechen, wird das Kind mit Schweigen und Ignoranz gestraft. Und bekommt dadurch im schlimmsten Fall das Gefühl, dass Mama und Papa es nur lieb haben, wenn es „funktioniert“.
  • Unfähigkeit, Emotionen zu regulieren
    Häufig können Eierschalen-Eltern ihre eigenen Emotionen nicht regulieren – erwarten aber genau das von ihren Kindern. Nur: Wie sollen die Kleinen es lernen, wenn es ihnen nicht vorgelebt wird?
  • Mangel an Verantwortlichkeit
    Auch wenn die Eltern merken, dass ihr Verhalten die Kinder verletzt – Entschuldigungen gibt es nicht.

Wie verhalten sich Kinder von Eierschalen-Eltern?

Wenn Sicherheit und Verlässlichkeit fehlen, und Kinder stattdessen mit der ständigen Angst leben, wieder etwas (vermeintlich) falsch zu machen, einen Wutausbruch auszulösen und für die Stimmung der Eltern verantwortlich zu sein, hinterlässt das natürlich Spuren. Oftmals in Form von tiefen seelischen Narben und bestimmten Verhaltensweisen:

  • Übermäßige Wachsamkeit
    Das Kind ist ständig auf der Hut, beobachtet jede Stimmung und vermeidet Fehler um jeden Preis.
  • Extreme Anpassung
    Das Kind passt sich übermäßig oft an, sagt immer „Ja“ und stellt eigene Bedürfnisse zurück.
  • Angst vor Konflikten
    Schon kleine Meinungsverschiedenheiten lösen Panik oder Rückzug aus.
  • Schuldgefühle ohne Grund
    Das Kind übernimmt Verantwortung für die Stimmung der Eltern („Ich bin schuld, dass Mama traurig ist“).
  • Übertriebene Harmonie-Suche
    Das Kind versucht, alle glücklich zu machen, um Ausbrüche zu verhindern.
  • Schwierigkeiten, Gefühle zu zeigen
    Es unterdrückt seine Emotionen, um keine „falsche“ Reaktion auszulösen.
  • Perfektionismus in Bezug auf sich selbst
    Das Kind entwickelt überhöhte Ansprüche an sich selbst, um Kritik zu vermeiden.
  • Körperliche Stresssymptome
    Auch Bauchschmerzen, Kopfschmerzen oder Schlafprobleme ohne medizinische Ursache können eine Folge sein.
  • Soziale Rückzugstendenzen
    Das Kind meidet Freunde oder Aktivitäten aus Angst vor der elterlichen Reaktion.
  • Übermäßige Verantwortungsübernahme
    Das Kind übernimmt Aufgaben der Eltern oder sogar die „Elternrolle“, um Stabilität zu schaffen.

Die Folgen machen sich oft noch im Erwachsenen-Alter bemerkbar

Kinder von Eierschalen-Eltern leiden oft auch als Erwachsene noch unter den Folgen des verletzenden und unberechenbaren Verhaltens ihrer Eltern. Welche Anzeichen es gibt, dass auch du mit Eierschalen-Eltern aufgewachsen bist, hat die amerikanische Psychologin Kim Sage in einem Post bei Instagram zusammengefasst:

  • Du bist oft angespannt, unruhig und/oder ängstlich
  • Gleichzeitig suchst du ständig nach Bestätigung, Liebe und Sicherheit
  • Du hast ein geringes Selbstwertgefühl und lässt dich schnell verunsichern
  • Du bist extrem sensibel für die Stimmung anderer
  • Wenn jemand wütend ist, merkst du das sofort
  • Ärger bzw. Wut fühlen sich für dich gefährlich an, und du reagierst sehr sensibel darauf
  • Du denkst häufig, dass andere Menschen wütend auf dich sind, oder du sie verärgert hast
  • Konflikte vermeidest du und möchtest andere nicht verärgern
  • Du magst nichts Unvorhersehbares, weil Du die Kontrolle behalten willst
  • Am sichersten fühlst du dich, wenn du allein bist
  • Du vertraust nur sehr wenigen Menschen
  • Du analysierst ständig Tonfall, Körpersprache und Gesichtsausdrücke anderer Menschen
  • Du bist chronisch erschöpft
  • Du machst Dir immer Sorgen
  • Eventuell hast du sogar eine Angststörung oder Depression

Was Eierschalen-Eltern tun können, um ihren Kindern nicht (weiter) zu schaden

Wenn du selbst Mama bist und einige dieser Anzeichen bei dir oder deine*r Partner*in erkannt hast, ist das schon ein wichtiger Schritt. Die gute Nachricht ist: Du kannst etwas verändern!

  • Versuche, deine Trigger zu erkennen
    Was macht dich besonders wütend – und warum? Gibt es vielleicht ein Muster? Oft haben genau diese Dinge etwas mit unserer eigenen Kindheit zu tun.
  • Lerne, deine Emotionen zu regulieren
    Das klingt einfacher, als es ist, ist aber so wichtig! Wenn wir als Eltern nicht wissen, wie wir mit unseren Gefühlen umgehen und zum Beispiel unsere Wut kontrollieren können – wie sollen unsere Kinder es lernen? Vielleicht lässt du dich dazu von einem Psychologen bzw. einer Psychologin beraten. Die Strategien lassen sich in jedem Alter erlernen.
  • Konstruktives Feedback statt ständiger Kritik
    Wenn dich etwas stört, versuche es positiv und wertschätzend zu formulieren, statt abwertend und kritisierend. Zum Beispiel: „Ich würde mich freuen, wenn du….“ statt „Warum musst du immer…?!“
  • Lob und Wertschätzung
    So wichtig! Unsere Kinder brauchen das Gefühl, dass sie genau richtig sind, so wie sie sind. Genau deshalb solltest du sie zwischendurch immer wieder loben und ihnen Wertschätzung entgegen bringen. Nur so können sie ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln.
  • Fehler eingestehen und sich entschuldigen
    Du bist doch wieder laut geworden, obwohl du es nicht wolltest? Das passiert jedem mal! Wichtig ist, dass du deinen Fehler eingestehst und dich bei deinem Kind entschuldigst. So lernt es, dass Fehler in Ordnung sind, und es nicht für deinen Wutausbruch verantwortlich ist
  • Stressmanagement und Selbstfürsorge
    Wer selbst gestresst ist, ist oft schneller gereizt oder wird wütend. Deshalb ist es wichtig, sich um das eigene Stressmanagement zu kümmern – und auch mal um sich selbst. Überlege, was wirklich wichtig ist, und was auch mal warten kann. Nimm dir Zeit, um auch mal zu entspannen. Wenn du merkst, das du chronisch überlastet bist – hol dir Hilfe!
  • Therapie machen
    Wenn du dich allein nicht weiterkommst oder das Gefühl hast, dass deine eigene Kindheit dich belastet – such dir professionelle Hilfe. Ein*e Therapeut*in kann dir helfen, die Ursachen für dein Verhalten zu finden, und den Kreislauf zu durchbrechen.

Wie ist es bei dir: Kommen dir einige der Verhaltensweisen bekannt vor? Oder bist du vielleicht selbst mit Eierschalen-Eltern großgeworden? Was hat das mit dir gemacht?

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Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern. Nach meinem Bachelor in Medienkultur, einem Volontariat und einigen Jahren Erfahrung als (SEO-)Texterin bin ich passenderweise nach meiner zweiten Elternzeit bei Echte Mamas gelandet. Hier kann ich als SEO-Redakteurin meine Leidenschaft für Texte ausleben, und auch mein Herzensthema Social Media kommt nicht zu kurz. Dabei habe ich mich in den letzten Jahren intensiv mit dem Thema Ernährung von der Schwangerschaft über die Stillzeit bis hin zum Babybrei beschäftigt. Und wenn ihr auf der Suche nach einem Vornamen für euer Baby seid, kann ich euch garantiert passende Vorschläge liefern. Außerdem nutze ich die Bastel-Erfahrungen mit meinen beiden Kindern für einfache DIY-Anleitungen. Wenn der ganz normale Alltags-Wahnsinn als 2-fach Mama mich gerade mal nicht im Griff hat, fotografiere ich gern, gehe meiner Leidenschaft für Konzerte nach oder bin im Volksparkstadion zu finden.

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