„12 Jahre lang funktionierte ich als Mama, dann kam der Zusammenbruch.“

„Hallo, ich hoffe, ich kann mit meiner Geschichte andere Mamas daran erinnern, sich Zeit für sich selbst zu nehmen. Ich habe nämlich am eigenen Leib erfahren müssen, wie verheerend die Folgen sein können, wenn wir nur an andere denken.

Meinen ersten Sohn bekam ich mit 20. Ich trennte mich vom Kindesvater schon in der Schwangerschaft und er entschied sich sofort, keinen Kontakt mehr zu uns zu haben. Damit war ich von Anfang an alleine für mein Kind zuständig. Ich erlebte die restliche Schwangerschaft und auch die Geburt alleine. Unterstützung hatte ich keine.

Von meinen Eltern hörte ich nur immer wieder, dass ich es nie im Leben schaffen würde. Ich wurde erniedrigt und gedemütigt.

Aber ich wollte mich nicht unterkriegen lassen, wollte allen beweisen, dass ich es schaffe, ein Kind alleine groß zu ziehen. Als ich dann meinen Sohn das erste Mal im Arm hielt war ich so unglaublich stolz und glücklich. Ich schaute ihn stundenlang an und weinte vor Freude. Die Jahre mit ihm als Alleinerziehende verliefen gut. Ich kümmerte mich ganz ohne Unterstützung komplett alleine um ihn. Ich bat nie andere um Hilfe.

Folglich machte ich nie Urlaub und unternahm nichts nur für mich. Freundinnen hatte ich kaum noch. Meine ganze Kraft und Energie gab ich meinem Kind. Dabei verließ mich nie das Gefühl, dass ich es allen beweisen muss. Als mein Sohn fünf Jahre alt war, lernte ich meinen jetzigen Mann kennen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Auch mein Sohn verstand sich von Anfang an sehr gut mit ihm.

Vier Jahre später bekam ich mit meinem Mann drei weitere Kinder, im Abstand von jeweils 1,5 Jahren.

Mein Mann arbeitete viel und ich kümmerte mich weiterhin alleine um alle vier Kinder. Bei meinem ersten Sohn wurden dann Autismus und ADHS diagnostiziert. Er brauchte vermehrt Aufmerksamkeit und Unterstützung. Also fuhr ich mit ihm zu Therapien, hatte natürlich die drei Kleinen auch immer dabei. Der Haushalt blieb an mir hängen, ich kochte, ging mit vier Kindern alleine einkaufen, machte Ausflüge mit ihnen alleine. Von früh bis spät managte ich alles und abends kümmerte ich mich auch noch um meinen Mann.

Wenn ich das selbst so lese, klingt es ganz schön anstrengend, aber mir kam das damals alles einfach vor. Ich liebte es, Mama zu sein. Ich lachte, war glücklich und freute mich auf jeden neuen Tag mit meiner Familie. Bis sich plötzlich alles veränderte. Es war letztes Jahr im ersten Lockdown.

Ich bekam abends plötzlich Atemnot, zitterte und hatte erhöhte Temperatur.

Rettung und Notarzt kamen und es wurde ein Corona-Test angeordnet, der glücklicherweise negativ war. Aber danach konnte ich wochenlang nicht aufstehen. Ich fühlte mich krank und kraftlos. Gleichzeitig tat es mir so unglaublich weh, mich nicht richtig um meine Kinder kümmern zu können. Ich versuchte langsam wieder auf die Beine zu kommen und schaffte es beim ersten Versuch nicht.

In mir spürte ich extreme Unruhe und Angst. Mein Herz raste. Ich bekam furchtbare Magenschmerzen und hatte keinen Appetit mehr. Trotzdem musste das Leben weitergehen und ich kümmerte mich trotz allem alleine um meine Kinder. Es war sehr schwer, denn jeden Tag quälte ich mich. Die Angstzustände wurden schlimmer und die Panikattacken immer häufiger.

Nachts konnte ich kaum noch schlafen.

Ich nahm 25 kg ab. Immer wieder kämpfte ich mit Atemnot, Kopfschmerzen, Gesichtslähmungen, Benommenheit und Schwindel. Ich versuchte trotzdem stark zu sein. Nachts weinte ich viel. Ich bildete mir fest ein, bald sterben zu müssen. Natürlich ging ich auch zu unzähligen Ärzten, auch privat. Aber außer einer Gastritis wurde nie etwas gefunden. Meine Beschwerden verschwanden aber nicht. Schließlich wurde ich wurde depressiv.

Mein Mann nahm mich leider nicht ernst. Ich fühlte mich alleine und im Stich gelassen. Mir war klar, dass ich Hilfe brauche und deswegen begann ich eine Therapie. Ich wusste nicht mehr, wer ich bin und plötzlich wollte ich keine Mama mehr sein. Im Dezember, kurz vor Weihnachten, fühlte ich mich von meiner Familie so abgeschnitten, dass ich mich auf einen anderen Mann einließ.

In diesem Augenblick mit dem anderen Mann ging es mir gut.

Ich konnte meine Familie für einen Moment lang verdrängen und alle Symptome waren wie weggeblasen. Ich spürte keine Ängste mehr – bis mich die Realität wieder einholte. Ich sagte meinen Mann die Wahrheit, beichtete ihm den Seitensprung und brach ihm das Herz.

Er konnte mir den Betrug verzeihen und wir sprachen uns aus. Er versprach mir, mich mehr zu unterstützen. Also geben wir unserer Ehe noch eine Chance, für die ich sehr dankbar bin. Meine Panikattacken und auch die anderen Symptome sind allerdings seitdem wieder da.

Warum? Was möchte mir mein Körper damit sagen? Ich weiß es nicht.

Ich weiß nur, dass ich zwölf Jahre lang keine Auszeit mehr hatte und nur an meine Kinder und an andere Menschen gedacht habe. Mich hatte ich komplett vergessen. Ich bin mir sicher, dass das etwas mit meiner Verfassung zu tun hat, denn jeder braucht mal eine Auszeit.

In zwei Wochen mache ich mit den Kindern eine Mutter-Kind-Kur und hoffe, dass es mir bald besser geht.“


Liebe Evelyn, vielen Dank, dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast! Wir wünschen dir und deiner Familie alles Liebe.

WIR FREUEN UNS AUF DEINE GESCHICHTE!
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Lena Krause

Als Wahlhamburgerin könnte ich mir keine schönere Stadt vorstellen, um dort zu leben. Gemeinsam mit meinem kleinen Hund Lasse bin ich gerne im Grünen unterwegs und erkunde die vielen tollen Ecken Hamburgs. Das Schreiben hat mir schon immer Spaß gemacht und deswegen war für mich schnell klar, dass ich diese Leidenschaft zum Beruf machen möchte.

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