Plötzlich alleinerziehend: „Ich möchte keine Hilfe!“

Steht man durch eine Trennung auf einmal vor allen Herausforderungen alleine da, ist das ein Schock. Das kennt auch unsere Echte Mama Yvonne (echter Name ist uns bekannt), 31, aus Nürnberg.

Sie hat uns erzählt, wie sie das Ganze angeht:

„Ich war sieben Jahre verheiratet. In diesen Jahren habe ich mit meinem Mann zwei Kinder bekommen, ein Haus gebaut und mein Leben geteilt. Man sagt das so, aber inzwischen weiß ich, dass in diesen Worten viel Wahrheit steckt.

Denn Ende letzten Jahres hat mich mein Mann verlassen.

Ich bin aus allen Wolken gefallen. Er würde mich nicht mehr lieben, sagte er, er könne sich und mich nicht länger belügen. Am nächsten Tag ging er.

Inzwischen sehen wir uns nur noch, wenn er alle vierzehn Tage die Kinder abholt – und sie am Ende ihres ,Papa-Wochenende` wiederbringt. Ein kurzer Smalltalk, ein höfliches, eigentlich desinteressiertes ,Und wie geht´s dir so?`, das ist alles, was wir noch miteinander bereden.

Sein Schlussstrich hat mir das Herz gebrochen und ließ meine heile Welt einstürzen.

Ich habe tatsächlich nicht einmal geahnt, dass etwas nicht stimmt bei uns. Er war immer noch mein Traummann. Jetzt, rückblickend, fällt mir schon so einiges ein, was mich hätte aufhorchen lassen können…

Mit der Hilfe von guten Freunden und einer Therapie habe ich mich inzwischen gefangen. Ich hätte es nie gedacht, aber in vielerlei Hinsicht geht es mir tatsächlich besser ohne ihn.

Und ich wachse über mich hinaus.

Ich traue mich an so viele Dinge heran, was ich sonst nie getan habe. Wir hatten immer jeder unsere ,Aufgabengebiete`, wie es sicher bei fast allen Paaren so ist. Ist ja auch ganz klar: Wenn einer etwas besser kann, warum sollte er es denn nicht auch einfach machen?

Das ist mir aber erst aufgefallen, als er weg war.

Es fängt bei kleinen Dingen an, im wahrsten Sinne des Wortes: Nun muss ich meine Tochter abends vor den Spinnen retten, die sich so gerne in ihrem Zimmer verkriechen. Früher hätte ich meinen Mann vorgeschickt, heute bewaffne ich mich mit dem Staubsauger und los geht´s. Ich finde sie so eklig, aber es gibt eben keine andere Lösung mehr.

Aber auch größere Aufgaben warten jetzt auf mich: Ich baue Regale auf und flicke unseren porösen Gartenschlauch. Ich wechsle Glühlampen und ziehe lose Schrauben an den Küchenschrank-Griffen fest. Ich baue mit meinen Kindern den neuen Pool im Garten auf.

All das mag an sich nichts Großes sein, aber für mich ist es das. Denn es ist dann MEIN Regal und UNSER Pool, nicht seiner. Jedes Projekt, von winzig bis größer, soll mir zeigen:

Ich komme alleine zurecht, auch wenn es nie mein Plan war, alleine zu sein.

All meine Freundinnen bieten mir ihre Hilfe oder die ihrer Männer an. Ich weiß das total zu schätzen, aber ich will nicht um Hilfe bitten bei diesen Dingen. Um Hilfe bitten zu müssen würde mich daran erinnern, dass ich alleine bin.

Weil ich es nicht geschafft habe, meine Beziehung zu erhalten, fühle ich mich in ruhigen Minuten wie eine Versagerin. MEIN Regal oder der Pool im Garten, egal wie krumm und schief sie auch sein mögen, sie machen mich stolz und erinnern mich daran, dass ich etwas kann.

Was ich alles kann – wenn ich mich nur traue.

Und ich versuche, daran zu wachsen und glücklich mit mir zu sein. Damit meine Kinder sehen, dass es immer einen Weg gibt, egal, welche Steine einem das Leben in den Weg legt.“

Liebe Yvonne, vielen, vielen Dank für deine Geschichte!

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer fünfjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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