„Wenn ich keine Affäre gehabt hätte, hätte ich heute meine Tochter nicht.”

„Heute kann ich es selbst kaum noch glauben, aber das Jahr 2013 war so schlimm für mich, dass ich jeden Lebensmut verloren hatte. Alles begann, als ich einen verheirateten Mann datete – einen pseudo-spirituellen Blogger, der mich auf Facebook anschrieb. Wir begannen eine kopflose Affäre. Ich weiß, als Außenstehende hat man gleich den Impuls, genervt die Augen zu verdrehen.

Natürlich war das total dumm und naiv von mir.

Die ganze Sache war so, so dumm, aber damals habe ich das nicht erkannt. Vielleicht habe ich sogar alle Warnzeichen bewusst ignoriert. Wahrscheinlich, weil ich so unbedingt wollte, dass die Beziehung funktioniert. Denn zu diesem Zeitpunkt gab es nichts wirklich Gutes in meinem Leben. Nichts, was mich stolz gemacht hätte.

Ich ging zur Arbeit, kam nach Hause, traf manchmal Freunde und lebte ansonsten so vor mich hin. Außerdem hatte ich gerade eine fünfjährige Verlobung hinter mir, als sich ein neuer und faszinierender Fremder für mich interessierte. Ich wurde sofort süchtig nach seiner Anerkennung und Aufmerksamkeit und stürzte mich in die Affäre.

Er war verheiratet, hatte bereits drei Kinder und war egoistisch.

So unglaublich egoistisch. Aber irgendwie scheint Egoismus bei Männern auf viele Frauen anziehend zu wirken. Vielleicht wurden wir darauf konditioniert, egoistische Männer zu lieben und immer wieder um ihre Aufmerksamkeit zu kämpfen? Es ist, als ob ihr Egoismus uns endlose Möglichkeiten bietet, uns zu ‚beweisen‘.

Aber natürlich war auch ich damals sehr egoistisch, schließlich war dieser Mann verheiratet, hatte eine Familie. Aber ich dachte, mein Glück wäre mehr wert. Ich war sehr naiv und wollte unbedingt geliebt werden.

Dann brach meine Scheinwelt zusammen

Nur sechs Monate nachdem wir zusammengezogen waren, verließ er mich, um ein ‚ganz neues Leben‘ zu beginnen. Ich war schwanger und dachte, ich wäre tot besser dran.

Ich konnte mir nicht vorstellen, ein Kind alleine großzuziehen. Schlimmer noch, ich war mir sicher, dass ich eine furchtbare Mutter werden würde. Nicht nur, weil ich oft schon mit alltäglichen Aufgaben oder grundlegenden Beziehungen zu kämpfen hatte, sondern auch, weil ich dachte, ich könnte das Scheitern der Beziehung meinem Kind übelnehmen.

Das Ende einer Beziehung bedeutet fast immer das Ende bestimmter Träume.

In meinem Fall war der Verlust dieser Affäre eine riesige Katastrophe. Ich war mir sicher, dass es für mich nun keinen Ausweg mehr gäbe. Ich würde mit gebrochenem Herzen, mental und emotional am Ende nie wieder aus meinem Bett aufstehen.

Es gibt so viele gemeine Witze über Frauen, die sitzengelassen werden – besonders während der Schwangerschaft. Schlimmer noch, oft wird von uns erwartet, dass wir alle schwierigen Elternaufgaben alleine erledigen, während wir unsere Kinder nach Belieben den Launen ihrer (häufig verantwortungslosen) Väter zur Verfügung stellen. Wenn wir das nicht tun und ihnen keine Eltern-Kind-Beziehung ermöglichen, werden wir normalerweise als verbitterte und gehässige alte Schachtel angesehen, die nicht über die Trennung hinwegkommt.

Ich bin mit all diesen Gefühlen in die Mutterschaft gegangen.

Ich dachte, meine Zukunft wäre vorbei. Besonders als meine Tochter ein Baby war, konnten die Leute offenbar nicht anders, als dauernd zu fragen, was mit dem Vater sei, oder/und Vorschläge zu machen, wie ich einen Mann finden könnte.

Zum Glück habe ich das nie meiner Tochter angekreidet. Allerdings habe ich mich noch sehr lange über ihren Vater geärgert. Am schlimmsten fand ich, wie er sein Leben praktisch ununterbrochen und unbeirrt fortsetzen konnte, während sich meine gesamte Existenz auf den Kopf gestellt hatte.

Unsere Tochter ist gestern sieben Jahre alt geworden.

Aus welchem ​​Grund auch immer, sieben scheint eine so große Zahl zu sein, und es hat mich ein bisschen mehr getroffen als jeder ihrer anderen Geburtstage. Ich bin jetzt seit sieben Jahren Mutter und das ist seltsam, weil sich alles noch so neu anfühlt. Vielleicht ist das normal, wenn man nur ein Kind hat?

Ich wäre wahrscheinlich nie Mutter geworden, wenn ich mich nicht mit diesem verheirateten Mann eingelassen hätte. Und wenn ich meine Tochter nie gehabt hätte, wie wäre mein Leben dann?

Dann hatte ich plötzlich eine Erkenntnis.

Meine Tochter hatte Probleme beim Einschlafen, weil sie sich so auf ihren Geburtstag freute. Sie war so glücklich, sieben Jahre alt zu werden. Ich erklärte ihr, dass ihr Geburtstag bedeutet, dass ich seit sieben Jahren Mutter bin. Und plötzlich schaute auch ich selbst auf mein Leben als Mama zurück und dachte darüber nach, wie schwer das alles war.

Ihr Vater war nie wirklich da. Er nimmt eher wie ein freundlicher Onkel oder Cousin an unserem Leben teil. Er kam zu ihrem siebten Geburtstag für ein paar Minuten vorbei, um ihr alles Gute zu wünschen. Sie redeten auf dem Parkplatz mit Masken miteinander und ich hielt mich drinnen zurück, um sie nicht zu stören. Aber ehrlich gesagt tut er nichts für sie, außer den Unterhalt zu überweisen.

Er ruft nicht an und hat sie seit Beginn der Pandemie nur einmal besucht, obwohl er nur 30 Minuten entfernt wohnt.

Er schlug auch nur deswegen vor, an ihrem Geburtstag vorbeizuschauen, weil der Tag zufällig auf einen Freitag fiel, an dem er sowieso seine Söhne abholte.

Solche Dinge haben mich früher sehr gestört. In den ersten Lebensjahren meiner Tochter dachte ich immer, ich könnte ihn ändern. Es hat lange gedauert, bis ich erwachsen wurde und erkannte, dass ich sein Verhalten nicht kontrollieren kann. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich das auch gar nicht will.

Meine Tochter und ich haben so eine tolle Bindung.

Manchmal fällt es mir schwer zu glauben, dass etwas so schwer und doch so einfach sein kann. Ich weiß, dass sagen viele Mamas, aber ich habe ein wirklich ein sehr pflegeleichtes Kind.

Ihre Lehrer sagen alle dasselbe – dass sie klug, kreativ und liebenswert ist. Dass sie nett zu allen anderen Kindern ist und ihr Bestes gibt, damit sich andere besser fühlen, wenn sie frustriert oder verärgert sind. Nach der Schule hatte sie noch nie ein genervtes Gesicht. Sie kommt jeden Tag mit guter Laune und guten Noten nach Hause und ich habe das Gefühl, dass sie eines dieser Kinder ist, die einfach nie einen schlechten Tag haben.

Keine Ahnung, womit ich ein so tolles Kind verdient habe.

Aber gut, ich habe wohl einfach Glück. Und wenn man bedenkt, was für ein emotionales Durcheinander mein Leben vor ihr war, erscheint es umso erstaunlicher, dass ich eine so wundervolle Verbindung zu meinem Kind habe.

Ich habe also am Abend vor ihrem siebten Geburtstag auf alles zurückgeschaut, was schwer war, und plötzlich erkannte ich, dass nichts mit meiner Tochter zu tun hat. In meinen ‚schlimmsten Tagen‘ als Mutter ging es nie um sie und ihr Verhalten.

Ich warte immer noch darauf, dass sie unverschämt oder fies wird, wie es mir viele andere Eltern vorhersagen.

Doch jedes Mal, wenn meine Tochter und ich auf ein Problem stoßen, sprechen wir darüber und machen weiter. Wann kommen sie denn, diese Wutanfälle, von denen die anderen Eltern immer reden?

Vor sieben Jahren konnte ich mir mein Leben als alleinerziehende Mutter nicht einmal vorstellen. Ich war so in meine toxische Beziehung zu ihrem Vater verstrickt, dass die Vorstellung, dass etwas jemals funktionieren könnte, schon beinahe ‚verrückt‘ auf mich wirkte.

Außerdem war ich durch meine eigene unglückliche Kindheit vorbelastet.

All das lässt ihren siebten Geburtstag jetzt wie ein Wunder erscheinen. Wie konnte ich dann mit ihr so viel Glück haben?

Wie auch immer das alles passiert ist, es fühlt sich immer noch seltsam an. Vor sieben Jahren dachte ich, ich brauche den Vater meiner Tochter, um die Erziehung durchzustehen. Heute verstehe ich, dass er mich nur zurückgehalten oder die Dinge erschwert hätte, da wir so unterschiedliche Ansichten haben.

Lange schien es, als sei das Interessanteste an mir die Tatsache, dass ich eine Affäre mit einem verheirateten Mann hatte, der mich verließ, als ich schwanger wurde.

Und ich dachte lange, es sei genau das, was ich verdient habe. Er hat seine Frau verlassen, um bei mir zu sein. Obwohl ich heute weiß, dass er sie sowieso verlassen hätte, fühlte ich mich unglaublich schuldig, weil er wegen mir gegangen war. Als er mich verließ, fühlte ich mich wie Müll, den man einfach wegwirft.

Ich habe mich so viele Jahre lang so verachtet und nie seinen Anteil an der Situation gesehen. Egal, wie oft er sein wahres Gesicht zeigte, ich nahm all die Schuld und Scham auf mich.

Aber dann wurde unsere Tochter sieben.

Plötzlich merkte ich, wie wenig ich heute an diese Zeit denke und wie anders alles gelaufen ist, als ich befürchtet hatte. Ich hätte nie gedacht, dass es sich so gut anfühlen kann, mit der Zukunft völlig falsch zu liegen.

Heute kann ich ohne Traurigkeit oder Scham über die Affäre sprechen, aber es fühlt sich an wie das am wenigsten Interessante an mir. Ich hatte damals so viele naive Vorstellungen von der Liebe und geriet in schreckliche Beziehung. Nicht ziemlich originell, oder?

Das Spannende an mir ist heute meine wunderbare Tochter und, dass die Affäre mein Leben nicht mehr definiert.

Was für ein Unterschied acht Jahre machen. Irgendwie habe ich irgendwann die Schmerzen meiner Vergangenheit bewältigen können. Heute weiß ich auch in wirklich schlimmen Momenten, dass alles wieder gut werden kann, dass ich alles schaffen kann.

Wenn ich mir Sorgen mache, Angst habe oder mich wie ein Versager fühle, habe ich immer noch dieses Kind, das nicht anders kann, als mich zum Lächeln zu bringen. Manchmal fühlt es sich wie Magie an.

Aber das ist keine Magie – diese Veränderung ist für alle Menschen möglich.

Mittlerweile bin ich überzeugt, dass wir oft die Macht unserer Entscheidungen unterschätzen. Entscheidet euch dafür, eure Zweifel zu überwinden und es anders zu machen. Beschließt, den Schmerz anzunehmen und abzuwarten.

Auch wenn euch zunächst alles ausweglos vorkommt: Sieben Jahre später realisiert ihr vielleicht plötzlich, dass sich alles zum Guten gewendet hat.


Liebe Lauren, vielen Dank für deine Geschichte. Wir wünschen Dir und Deiner Familie alles Liebe für die Zukunft.

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Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und bin dort immer gerne im Grünen unterwegs.

Auch wenn ich selbst noch keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Seit ich denken kann, liebe ich es, zu schreiben – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit dem schönsten Thema der Welt auseinandersetzen. Das passt einfach!

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