„Er trennte sich, als ich schwanger mit unserem Wunschkind war.“

Manchmal frage ich mich, ob ich es hätte wissen müssen. Gab es Anzeichen, die ich übersehen habe? Diese Fragen quälen mich, aber vor allem sind sie sinnlos… Ich bin Anna, 28 Jahre jung und alleinerziehende Mama einer zweijährigen Tochter.

Anna war ein absolutes Wunschkind. Mein Exmann und ich waren damals frisch verheiratet, hatten gerade ein Haus gebaut und irgendwie waren Kinder einfach der nächste logische Schritt. Allerdings machte mir mein Job so viel Spaß, dass ich das Thema wohl noch ein wenig aufgeschoben hätte, hätte er mir nicht ständig in den Ohren gelegen, wie schön es wäre, ein Kind zu haben.

So setzte ich kurz nach der Hochzeit die Pille ab und wurde kurze Zeit später schwanger.

Ehrlich gesagt, wünschte ich mir zwar Kinder, aber der Gedanke, Mama zu werden, machte mir auch große Angst. Deswegen fragte ich mich im Vorfeld oft, wie ich mich fühlen würde, wenn ich dann einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand halten würde. Würden eher die Ängste oder die Freude überwiegen?

Doch als ich es dann quasi ,blau auf weiß` hatte, war ich einfach nur glücklich! Ich konnte es kaum erwarten, meinem Mann davon erzählen, schließlich hatte er in den letzten Monaten von nichts anderem geredet. Aber er reagierte ganz anders als ich erwartet hatte. Die von mir erwarteten Luftsprünge blieben aus, stattdessen stellte er relativ nüchtern fest, dass wir uns lieber nicht zu früh freuen sollten, denn ‚Fehlgeburten passieren‘.

Ich war natürlich enttäuscht von seiner abweisenden Reaktion, aber ich tröstete mich damit, dass er wahrscheinlich nur vernünftig sein wollte. Doch je weiter die Schwangerschaft fortschritt, desto mehr irritierte mich sein Verhalten. Hatte er vorher immer wieder von Kindern geredet, schien er jetzt, da ich tatsächlich schwanger war, dieses Thema gerade zu zu meiden. Auch bei den Arztbesuchen begleitete er mich nie und stellte nur wenige Fragen. Das hatte ich mir alles ganz anders vorgestellt.

Als ich dann über die kritischen drei Monate hinweg war, sprach ich ihn direkt darauf an.

Ich vermutete, dass er Ängste hätte und ich wollte ihm damit helfen. Schließlich würden wir das Abenteuer Kind gemeinsam meistern – so dachte ich zumindest. Aber im Gespräch hatte ich das Gefühl, gar nicht mehr an ihn heran zu kommen. Er meinte nur, dass er noch keinerlei Bezug zum Baby hätte, es wäre für ihn nicht greifbar und überhaupt, er wäre wohl der Einzige, der darüber nachdenken würde, was so ein Kind für unsere Partnerschaft bedeuten würde.

Ich konnte mir auf diese Aussagen überhaupt keinen Reim machen und war ziemlich verletzt. Immerhin war er doch derjenige gewesen, der mich mit seinem Kinderwunsch angesteckt hatte, dessen Begeisterung mir Mut gemacht hatte. Ich hoffte einfach, dass er diese negativen Gedanken überwinden würde und wir uns dann endlich gemeinsam über das Wunder in meinem Bauch freuen könnten.

Ein paar Wochen später war er wieder besonders schlecht drauf.

Er hatte sich seit unserem Gespräch eher noch weiter von mir zurückgezogen, wollte offenbar gar nichts mehr von dem Kind in meinem Bauch wissen. Ich hielt diese Stimmung einfach nicht mehr aus und sprach ihn noch mal darauf an. Da platzte es aus ihm heraus: Er wisse einfach nicht, ob er mich genug lieben würde, um ein Kind mit mir zu bekommen. Überhaupt, das ginge ihm alles viel zu schnell.

Ich war geschockt. War er es doch, der immer davon gesprochen hatte, wie sehr er sich Kinder mit mir wünschen würde. Ich wusste einfach nicht, was ich tun sollte. In meiner Hilflosigkeit packte ich eine Tasche und kündigte ihm an, dass ich erstmal zu meinen Eltern fahren würde, um uns beiden etwas Abstand zu ermöglichen. Er sah mich nur an und zuckte mit den Achseln.

Ich hatte ihm damit eigentlich nur den nötigen Raum geben wollen, damit er emotional zu uns zurückfinden kann.

Aber am nächsten Tag erhielt ich eine längere Textnachricht von ihm, dass er wisse, dass er sich wie ein Arsch verhalten würde, aber dass er nicht länger mit mir zusammen sein könnte. Ich wollte es einfach nicht wahrhaben, tagelang verkroch ich mich in meinem Zimmer und weinte mir die Augen aus dem Kopf. Zum Glück war meine Mama für mich da.

Ich habe dann natürlich immer wieder versucht ihn anzurufen und ihm mehrere Nachrichten geschrieben, aber er ignorierte mich einfach. Auf meine Frage nach dem ‚Warum‘ erhielt ich fast einen ganzen Monat lang keine Antwort. Irgendwann erzählten mir meine ehemaligen Nachbarn mitleidig, dass er eine neue Freundin hätte, sie sei schon zu ihm in unser Haus gezogen. Erst als ich daraufhin völlig aufgelöst zu seiner Arbeitsstelle fuhr und ihm eine Szene machte, erzählte mein Mann mir die ganze Geschichte:

Er hatte mich schon seit Monaten mit einer Arbeitskollegin betrogen.

Zunächst habe er gedacht, dass es ihm dabei nur um Sex ginge. Aber als ich dann schwanger geworden wäre, hätte er gemerkt, dass er sich mit mir kein Leben mehr vorstellen könne. Für mich wie zusätzlicher Hohn: Die Frau hatte zwei kleine Kinder aus einer früheren Beziehung, die nun ebenfalls schon bei ihm eingezogen waren. Er machte also mit seiner Affäre einen auf ‚Happy Family‘, während er mich mit dem gemeinsamen Kind einfach sitzen ließ.

Für mich fühlte sich in dem Moment alles so ausweglos an, eigentlich hatte ein Baby die Krönung unserer Liebe sein sollen und plötzlich stand ich ganz alleine da. Ich hatte wahnsinnige Angst davor, alleinerziehend zu sein. Nur weil ich sicher gewesen war, dass ich einen zuverlässigen Partner und liebevollen Papa für mein Baby an der Seite hätte, habe ich mich doch überhaupt auf das Abenteuer Kind eingelassen.

Ich weiß letztendlich nicht, wie ich diese schlimme Zeit überstanden habe.

Waren es die Schwangerschaftshormone, die mir trotz allem eine gewisse Zuversicht gaben oder vielleicht das enge Band zu dem kleinen Wesen in meinem Bauch? Vielleicht liegt es auch daran, dass ich so tolle Eltern habe und auch meine Freundinnen immer für mich da waren. Irgendwann konnte ich mich irgendwie damit abfinden, dass ich dieses Kind alleine bekommen würde. In den letzten Wochen der Schwangerschaft hatte ich zwar immer noch viele Ängste, aber ich freute mich auch darauf, mein Kind endlich in die Arme zu schließen und in unser gemeinsames Abenteuer zu starten.

Die Geburt war für mich sehr emotional, als ich meiner Kleinen das erste Mal ins Gesicht sah, schwor ich mir, dass ich alles dafür tun würde, dass sie glücklich ist. Meine Tochter und ich leben seit der Geburt bei meinen Eltern. Ich habe großes Glück, denn sie sind tolle Großeltern und nehmen mir ganz viel ab.

Dank dieser Unterstützung habe ich mein Leben als Alleinerziehende mittlerweile einigermaßen im Griff.

Mein Exmann ist immer noch mit seiner damaligen Affäre zusammen. Bei Facebook habe ich neulich ein Bild gesehen, wie er eines ihrer Kinder stolz auf dem Arm hält. Das hat mir einen ganz schönen Stich versetzt. Denn für unsere gemeinsame Tochter scheint er sich nicht zu interessieren, er unterstützt uns finanziell und schickt Geschenke zu Weihnachten und zum Geburtstag, das war es dann auch.

Das macht mich natürlich wütend, weil es meiner Tochter gegenüber so unfair ist. Aber diese Gefühle bringen mich nicht weiter und meiner Tochter helfen sie auch nicht. Deswegen versuche ich mich darauf zu konzentrieren, wie viel Glück ich habe, dass ich so ein süßes kleines Mädchen beim Aufwachsen begleiten darf.“

Liebe Anna, vielen Dank, dass Du Deine Geschichte mit uns geteilt hast. Wir wünschen Dir und Deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!

WIR FREUEN UNS AUF DEINE GESCHICHTE!
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Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und bin dort immer gerne im Grünen unterwegs.

Auch wenn ich selbst noch keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Seit ich denken kann, liebe ich es, zu schreiben – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit dem schönsten Thema der Welt auseinandersetzen. Das passt einfach!

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