„Alleinerziehende Mamas sind die Superheldinnen der Pandemie!”

„Ich bin seit drei Jahren alleinerziehende Mama von meinem vierjährigen Sohn. Nur wenige Tage nach seinem ersten Geburtstag eröffnete mir sein Erzeuger, dass er sich in eine andere Frau verliebt hatte. Schon eine Woche später zog er zu seiner Neuen ans andere Ende von Deutschland und wollte von uns nichts mehr wissen.

Die erste Zeit als Alleinerziehende war hart.

Nicht nur mental, sondern auch finanziell. Dabei hatte ich anfangs noch Glück, dass meine Eltern in der Nähe wohnten und mir den Kleinen auch mal abnehmen konnten. Als mein Sohn zwei wurde, kam er in die Kita und ich kehrte in meine Vollzeitstelle zurück. In jeder freien Minute und am Wochenende widmete ich mich dann nur meinem Sohn, schließlich sollte er auch was von seiner Mama haben.

Ich möchte gar nicht davon anfangen, wie viele kleine Meilensteine ich in seinem Leben schon verpasst habe, weil ich arbeiten musste. Unser Situation ist wie sie ist, jammern hilft weder mir noch meinem Kind. Ich stand zwar unter Dauerstress und hatte keine Zeit mehr für Freundinnen oder Ähnliches, aber ich schaffte es, mir und meinem Sohn ein sorgenfreies Leben zu ermöglichen. Bis dann im Januar 2020 meine Mutter verstarb und ich damit nicht nur eine wichtige Bezugsperson für mich und für meinen Sohn verlor, sondern auch eine wichtige Stütze für unseren Alltag.

Mein Vater musste daraufhin in ein Pflegeheim, ich fiel in ein tiefes Loch.

Doch gerade, als ich mich wieder etwas aufgerappelt hatte, kam der nächste Schlag: Corona – und die Kitas machten zu. Zu der Trauer um meine Mama kamen bald Ängste, weil ich einfach nicht mehr wusste, wie ich unseren Alltag bewältigen sollte. Noch dazu hatte ich niemanden, mit dem ich darüber sprechen konnte. Immerhin musste ich nicht in die Kurzarbeit, so dass wir finanziell abgesichert waren.

Aber meinen Job zu halten, wurde für mich zu einem riesigen Stressfaktor. Im Homeoffice versuchte ich zeitgleich alle wichtigen Zoom-Meetings wahrzunehmen und meinen Sohn sinnvoll zu beschäftigen. Er ist vier, natürlich kann er sich noch nicht selbst beschäftigen. Eigentlich weiß ich das, aber trotzdem schnauzte ich ihn an manchen Tagen mehrfach an, dass er mich doch einfach mal fünf Minuten in Ruhe lassen soll.

Danach schämte ich mich und fühlte mich wie die totale Versagerin.

Gleichzeitig bekam ich bei unseren Meetings nur die Hälfte mit, weil er immer wieder meine Aufmerksamkeit brauchte. Natürlich blieb auch jede Menge Arbeit liegen, die ich dann nachts erledigte, wenn mein Kleiner endlich schlief. Ich erinnere mich an so viele Nächte, an denen ich heulend und vollkommen übermüdet am Schreibtisch gesessen habe, und mir sicher war, dass ich das alles nicht schaffen würde. Einerseits ist mein Kind mir das Wichtigste in meinem Leben, andererseits bin ich auf meinen Job angewiesen, um uns ein sorgenfreies Leben zu ermöglichen.

Aber weder als Mama noch als Arbeitnehmerin konnte ich meine eigenen Ansprüche erfüllen. Was mir dann irgendwann geholfen hat, war die Erkenntnis, dass ich nicht die einzige Mama bin, der es so geht. Eine Arbeitskollegin erzählte mir, dass sie mit ihren beiden Kindern ebenfalls völlig überfordert sei. Sie und ihr Mann konnten sich zwar während der Arbeitszeiten mit der Betreuung abwechseln, aber trotzdem stand sie ehrlich dazu, dass die Situation für sie untragbar war.

Endlich konnte ich meine Gefühle mit jemandem teilen und mein ganzer Kummer brach aus mir heraus.

Meine Kollegin war sehr verständnisvoll und gab mir schließlich den Tipp, dass ich versuchen könnte, die Notfallbetreuung in Anspruch zu nehmen. Da ich keinen systemrelevanten Beruf habe, hatte ich das ausgeschlossen. Doch nach einem längeren Gespräch mit der Kita-Leitung durfte mein Sohn dreimal die Woche wieder in die Kita gehen.

Ich war so erleichtert, ich spürte sofort, wie mir eine tonnenschwere Last abgenommen wurde. Damit hatte ich einige Stunden gewonnen, in denen ich effektiv arbeiten konnte, sodass ich mein Arbeitspensum wieder besser schaffte und in den Meetings nicht mehr ausschließlich mit Unwissenheit oder Abwesenheit glänzte. Klar, es kam immer wieder ein schlechtes Gewissen hoch, weil ich mein Kind dem Ansteckungsrisiko in der Kita aussetzte, aber es ging einfach nicht anders.

Irgendwann habe ich meinen Frieden damit gemacht, dass ich keine perfekte Mama bin.

An den Tagen, an denen mein Kleiner dann zu Hause war und ich arbeiten musste, gab es mehr Süßigkeiten als vor der Pandemie, es durfte stundenlang fernsehen. Das entspricht natürlich nicht meinen Idealvorstellungen von Kindererziehung, aber nur so funktionierte es einigermaßen. Immer, wenn ich mich deswegen schuldig fühlte, sagte ich mir: Mein Kind hatte ein richtig bescheuertes Jahr und den Teufel werde ich tun und es ihm oder mir noch schwerer machen.

Mittlerweile hat die Kita zum Glück wieder regulär geöffnet, das heißt, der TV- und Süßigkeiten-Konsum haben sich wieder auf ein normales Maß eingependelt. Mir ist bewusst, dass es für alle Eltern schwer war, die Corona-Krise zu überstehen. Aber bei alleinerziehenden Mamas lastet der ganze Druck nur auf ihrer Person, sie haben keinen Partner an ihrer Seite, mit dem sprechen können, der die Verantwortung für das Kind mit ihnen teilt. Sie haben also keine Wahl und riskieren jeden Tag die eigene Gesundheit, um sicherzustellen, dass das Leben ihrer Kinder so gut wie möglich weitergehen kann.

Für mich sind alleinerziehende Mamas deswegen die wahren Superhelden der Pandemie, ihr verdient es, dass ihr das auch mal hört!


Vielen Dank, liebe Mama (Name ist der Redaktion bekannt), dass Du Deine Geschichte mit uns geteilt hast. Wir wünschen Dir und Deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!

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Hast Du etwas Ähnliches erlebt oder eine ganz andere Geschichte, die Du mit uns und vielen anderen Mamas teilen magst? Dann melde Dich gern! Ganz egal, ob Kinderwunsch, Schwangerschaft oder Mamaleben, besonders schön, ergreifend, traurig, spannend oder ermutigend – ich freue mich auf Deine Nachricht an lena@echtemamas.de

Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und bin dort immer gerne im Grünen unterwegs.

Auch wenn ich selbst noch keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Seit ich denken kann, liebe ich es, zu schreiben – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit dem schönsten Thema der Welt auseinandersetzen. Das passt einfach!

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