Warum wir Mamas so wütend werden – und was uns helfen kann

Es tut mir fast weh, es zu schreiben: Aber kein Mensch kann mich so wütend machen wie meine Tochter. Es passiert nicht oft, aber manchmal sehe ich richtig rot. Und ich schimpfe, werde laut – und schieße dabei ab und zu richtig übers Ziel hinaus.

Meine Tochter erschreckt sich und ich habe sofort danach ein schlechtes Gewissen. Mein Gott, wie kann man eine Fünfjährige so anbölken. Schließlich bin ich doch die Erwachsene und müsste mich zumindest ein wenig im Griff haben… Furchtbar.

Ich weiß, es geht vielen Mamas so. Niemals hätten wir gedacht, dass wir tatsächlich „so eine“ Mutter sein werden, die ihr Kind anschreit! Niemals hätten wir gedacht, dass so ein kleiner, niedlicher Mensch so in den Wahnsinn treiben kann.

Aber woher kommt denn das alles nur?

Angst

Nun, es kann ganz verschiedene Gründe für „die große Wut der Mamas“ geben. Zuallererst kann sie ein ein wenig ungünstiger Ausdruck von Angst und Sorge sein. So erklärt Margaret Sky, Beraterin für klinische psychische Gesundheit, gegenüber Motherly: „Viele Eltern haben tiefsitzende Ängste, dass ihren Kindern etwas Schreckliches widerfahren könnte. Diese Angst kann sich sogar als Wut manifestieren. Als mein Kleinkind kürzlich auf den Parkplatz rannte, fühlte ich mich sofort von Wut überflutet, aber darunter der Zorn war Angst und Furcht.“

In Schrecksituationen oder wenn unsere Kinder etwas anstellen, dass sie in Gefahr bringt, reagieren wir wütend. Obwohl wir im Grunde genommen pure Angst verspüren.

Trotz der Kinder

Zudem, und das kennen wir alle sicher am besten, kann unsere Wut Ausdruck auf einen gepflegten Wutanfall unserer Kleinen sein. Es ist aber auch manchmal einfach nicht nachzuvollziehen und hört oftmals noch nicht einmal auf, wenn sie scheinbar ihren Willen bekommen haben…  Wir können neun Mal gelassen und total förderlich darauf reagieren und sie in ihrer Wut begleiten – oder zumindest ignorieren – aber beim zehnten Mal platzt uns der Kragen. Das ist total tagesformabhängig und menschlich. Doof, ja. Aber menschlich. Schließlich ist so eine Kinder-Explosion echter Stress für alle Beteiligten.

Stress

Und Stress ist sicher einer der häufigsten Auslöser von Mama-Wutanfällen. Wir meckern unser Kind an, weil es laaaaaaaangsam, in Zeitlupe, sein Müsli am Morgen muffelt. Viel zu langsam. Das wäre ja an sich gar nicht so schlimm, schließlich ermahnen wir es auch ständig, doch nicht so zu schlingen. Aber wir wissen es: Schon jetzt werden wir zu spät loskommen. Auf dem letzten Drücker in der Kita sein, bevor der Morgenkreis startet. Mahnende Blicke der Erzieherin ernten. Und dann zu spät am Arbeitsplatz sein, wieder mahnende Blicke. Und die Viertelstunde werden wir nacharbeiten müssen, klar. Dann wird es aber knapp mit der Verabredung am Nachmittag… Puh, all das rattert uns durch den Kopf – und dann motzen wir unser Kind an, warum es denn IMMER so langsam sein muss!!!!! Andere typische Stressfaktoren von Müttern sind der Mental Load, ein Partner, der kaum etwas im Haushalt hilft, die fehlende Zeit für sich… Es gibt genügend Faktoren, die den Blutdruck in die Höhe schnellen lassen. Und das endlädt sich dann eben ab und zu. Die Leidtragenden sind dann häufig unsere Kinder.

Aber was kann uns helfen, weniger wütend zu sein?

Naja, der hilfreichste Schritt wäre in den meisten Fällen sicher, den Stress zu reduzieren. Aber was ist, wenn das nicht klappt? Wenn sich die Umstände nicht ändern lassen?

Die Wut akzeptieren

Wir wollen das alles nicht – aber die Wut ist da. Wenn wir sie zumindest akzeptieren, nehmen wir ihr die Wucht. Sagen wir (zu uns selbst, aber gerne auch zu unseren Kindern): „Ich bin gerade so wütend, ich muss mich mal kurz beruhigen.“

Darüber sprechen

Es ist ätzend und peinlich, so übertrieben wütend auf sein Kind zu sein. Ja, die, die wir am meisten lieben, können uns auch am meisten emotional treffen. Das spürt jeder. Aber keiner möchte die Mutter sein, die ihr Kind anschreit. Dabei ist es manchmal schon die halbe Miete, sich mit anderen darüber auszutauschen. Ganz offen. Und zu sehen: Ich bin nicht allein. Und wer weiß, vielleicht hat die andere ja sogar eine gute Idee, mit dieser Wut umzugehen?

Wut umlenken

Finden wir heraus, wie wir uns schnell selbst beruhigen können. Aus dem Zimmer gehen, durchatmen, ins Kissen boxen, alleine im Badezimmer einmal laut schreien… Alles ist erlaubt, denn die Wut herunterzuschlucken, ist sicher keine Option.

Den wahren Auslöser finden

Psychologen wissen: Bevor wir wütend sind, sind wir immer etwas anderes. Wut ist eine sekundäre Reaktion, nachdem wir uns z. B. verlegen, betrogen oder traurig fühlen. Deswegen kann es hilfreich sein, ein Wut-Tagebuch zu führen – das kann wirklich großartige Erkenntnisse bringen, in welchen Situationen wir wütend werden. Und uns dann die Augen öffnen. Oftmals liegen die Gründe für unsere größten Trigger sogar in unserer Kindheit. Wenn man beispielsweise als Kind immer wieder gehört hat, dass man aufhören soll zu weinen – dann kann ein weinendes oder jammerndes Kind heute im Erwachsenenalter viele unangenehme Gefühle hervorrufen,  die sich dann in Wut äußern.

Professionelle Hilfe annehmen

Wenn die Wut zur echten Belastung für eine Mama oder die Familie wird, kann es eine gute Idee sein, sich einem Therapeuten anzuvertrauen. Dieser kann einem aus der Gefühlsspirale raushelfen, einem die Gründe und Lösungen aufzeigen.

Wichtig ist es aber wohl wirklich zu wissen, dass es fast alles Mamas mal so geht. Wir geben und geben alles für unser Kind (und das ja auch gerne!!!) – aber irgendwann ist das Maß eben mal voll.

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer fünfjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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