Warum eine Fehlgeburt kein Fehler ist – sondern ein Wunder

„Ich kann leider keinen Herzschlag finden.“ Es ist dieser eine Satz, vor dem sich wohl fast jede Schwangere fürchtet. Das Baby, auf das man sich eben noch so gefreut hat, lebt plötzlich nicht mehr. Ein unglaublicher Schock, mit dem man erst einmal klarkommen muss. Aber wie soll man mit diesem Verlust umgehen? Und ist eine Fehlgeburt wirklich ein „Fehler“?

Mit diesen Fragen hat sich auch Rosa Koppelmann beschäftigt. Die 31-Jährige hat selbst zwei Fehlgeburten erlebt. Ihre Erfahrungen hat sie in einem Buch verarbeitet, das anderen Müttern helfen soll, mit ihrem Verlust umzugehen.

Für uns hat Rosa einen Gasttext über das Thema Fehlgeburt geschrieben – mit wichtigen Botschaften für alle betroffenen Mamas:

Warum Fehlgeburt eigentlich Stille Geburt heißen sollte

Was ist überhaupt eine Fehlgeburt? Ein Fehler? Um nicht von vornherein davon auszugehen, dass jede „Fehl“-Geburt ein Fehler ist, kann man auch den Begriff „Stille Geburt“ verwenden – still, da das Kind in diesem Leben nicht dazu kam, einen Laut von sich zu geben. Allgemein spricht man in Deutschland übrigens bei Babys, die ab einem Gewicht von mindestens von 500 Gramm geboren werden, als Totgeburt. Und bei den kleinen Seelen, die unter 500 Gramm wiegen und tot zur Welt kommen, wird der Begriff „Fehlgeburt“ verwendet. Kinder, die „Fehlgeburten“ sind, werden auch gerne „Sternenkinder“ genannt – um auch hier das Wort „Fehler“ zu vermeiden.

Ist eine Fehlgeburt ein Fehler? Ich denke, nicht unbedingt!

Obwohl medizinisch nur die Geburten „fehlerfrei“ sind, bei denen am Ende ein gesundes, properes Baby auf die Welt kommt, sind „Fehlgeburten“ meiner Meinung nach alles andere als Fehler – im Gegenteil! Fehlgeburten passieren, wenn der weibliche Körper versteht, dass das kleine Seelchen im Bauch nicht lebensfähig wäre, und deshalb dafür sorgt, dass der winzige Organismus den Körper der Mama wieder verlässt. Ich finde, das ist alles andere als ein Fehler, sondern ein Wunder! Wie wunderbar, dass unser Körper so gut darauf achtet, (fast immer) nur die Babys auf die Welt zu bringen, die lebensfähig sind und sich den Herausforderungen des Lebens stellen können.

Und bevor du dich jetzt fragst, warum ausgerechnet dein Körper die kleine Seele wieder losgelassen hat, möchte ich dir gleich sagen:

Du bist nicht allein! Ganz und gar nicht!

Fehlgeburten sind sehr viel eher die Norm als die Ausnahme! Einige Experten gehen davon aus, dass auf jede Geburt eine Stille Geburt kommt, andere gehen immerhin noch von einem Anteil von 25 % aus. Egal, wer von den Experten recht hat, eines steht fest: Mindestens ein Viertel und möglicherweise sogar mehr aller Schwangerschaften enden in einer Fehlgeburt!

Und wir Menschen sind nicht die einzigen Lebewesen, die regelmäßig Fehlgeburten erleben: Katzen haben zum Beispiel in jeder Schwangerschaft auch Kätzchen, die im Bauch sterben. Da Katzen nur von vornherein mehrere Babys im Bauch haben, fällt das nicht so auf. Dass bei Katzen nur einige der Kätzchen zur Welt kommen, liegt nicht daran, dass die Katzen zu viel Stress haben, sich die Katze falsch ernährt hat oder noch nicht bereit für ihre Mutter-Rolle ist. Es passiert einfach aufgrund von genetischen Ursachen, die niemand so genau erklären kann. Und das ist bei den meisten Frauen nicht anders!

Dennoch: Egal ob Fehler oder nicht und egal, ob normal oder nicht:

Fehlgeburten sind immer auch sehr traurig!

Da wollen wir nichts schönreden. Und traurig dürfen sie auch sein, denn ein zerplatzter Traum und ein unerfüllter Wunsch sind immer traurig. Nach dem Verlust eines kleinen Menschen, den wir uns so sehr in unserem Leben gewünscht haben, zu trauern, ist sogar sehr wichtig. Denn unser Verlust möchte anerkannt werden. Nur wenn wir unseren Verlust anerkennen und uns selbst erlauben, traurig zu sein, sind wir in der Lage, über uns hinauszuwachsen und letztendlich zu heilen und zurück ins Vertrauen zu finden.

Denn ja, auch nach einer Fehlgeburt kommt die Zeit, in der wir wieder Vertrauen fassen können. In der du wieder Vertrauen fassen darfst: in dich, du wunderbare, starke Frau mit all deinen Fähigkeiten, deinen Talenten und deinem ganz persönlichen Umgang mit deiner Geschichte.

Eines Tages sind wir zu einem Abschiedsritual bereit und können dann wieder nach vorne schauen.

Auf dem Weg dorthin stolpern wir vielleicht noch über verschiedene Steine und Hindernisse: Vielleicht ist es die Frage nach dem „Warum?“, die dich aufhält, weiter zu gehen? Vielleicht sind es Auseinandersetzungen in der Partnerschaft, die die Wunde nicht so richtig verheilen lassen? Vielleicht fehlt es dir ganz einfach an den richtigen Tools oder Ideen, um überhaupt loszuwandern auf deinem Weg der Heilung? In meinem Buch „Vertrauen nach Fehlgeburt“ und auf der Website vertrauen-nach-fehlgeburt.de gehe ich auf diese und viele weitere Themen ein und nehme dich mit auf deinem Weg zu neuer Kraft und neuem Vertrauen.

Aber auch schon hier und jetzt möchte ich dir meine wichtigsten Kernbotschaften mitgeben:

1. Du trägst keine Schuld!

So traurig Stille Geburten auch sind, so lassen die meisten Ursachen sich nicht genau zuordnen. Meine Hebamme kam zu mir zur Geburt nach Hause und sagte als erstes: „Es gibt keinen Grund!“. Stille Geburten passieren und daran hat niemand Schuld – auch du nicht.

2. Dein Körper ist ein Wunder!

Fehlgeburten passieren, wenn der weibliche Körper versteht, dass das kleine Körperchen im Bauch nicht lebensfähig wäre. Deshalb sorgt er dafür, dass der winzige Organismus den Körper der Mama wieder verlässt. Ist das ein Fehler – oder ein Wunder?

3. Du bist ein wertvoller Mensch!

Du bist wertvoll! Du bist mit genau deiner Geschichte unendlich wertvoll. Eine Fehlgeburt ist keine Niederlage und ändert nichts daran, dass du eine wundervolle, kraftvolle Frau bist!

Vielen Dank, liebe Rosa, für deinen tollen Gastbeitrag!

Rosa Koppelmann hat ihre eigenen Erfahrungen zum Thema Fehlgeburt in einem Buch verarbeitet.

Rosa Koppelmann hat ihre eigenen Erfahrungen in einem Buch verarbeitet.
Foto: Rosa Koppelmann

Rosa Koppelmann hat selbst vier Schwangerschaften erlebt. Zwei ihrer vier Babys kamen als Sternenkinder zur Welt. Ihre Erfahrungen haben sie dazu gebracht, die Website vertrauen-nach-fehlgeburt.de ins Leben zu rufen. Außerdem hat Rosa ein Buch über das Thema geschrieben. In Vertrauen nach Fehlgeburt: Selbstbestimmt und kraftvoll durch eine herausfordernde Zeit (Affiliate Link) teilt Rosa ihre eigene Geschichte mit den Leserinnen, außerdem gibt es viele Erfahrungsberichte betroffener Frauen und hilfreiche Tipps, mit dem Verlust umzugehen.

Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern. Ich liebe den Hafen, fotografiere gern, gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Social Media und Texte ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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