Studie: Die Kinder älterer Eltern benehmen sich besser! Wirklich?

Ich habe meinen Sohn mit 36 Jahren bekommen und zähle damit zu den älteren Müttern. War das vielleicht am Ende ganz schön clever von mir? Gerade hat eine Studie gezeigt, dass Kinder von älteren Eltern weniger Verhaltensprobleme zeigen.

Eigentlich ganz schön, dass mal nicht die Risiken und Nachteile im Vordergrund stehen. Allerdings hätte ich da noch ein paar Fragen, bevor ich die Sektkorken knallen lasse:

Was genau wurde da eigentlich wie getestet?

Die niederländischen Forscher untersuchten sowohl nach außen gezeigtes Verhalten (etwa Aggression, sich stärker gegen Regeln auflehnen,…) sowie inneres Empfinden (etwa Angst, Depressionen…) von 32.892 Kindern im Alter von 10 bis 12 Jahren.

Dazu wurden auch die Eltern und die Lehrer*innen befragt. Für den Nachwuchs der Älteren wurden von den Erwachsenen weniger Verhaltensauffälligkeiten angegeben. Auf das innere Empfinden der Kinder zeigte das Alter der Eltern keinen Einfluss.

Apropos „älter“: Das durchschnittliche Alter der Eltern lag bei 31 (Mütter), bzw. 33 (Väter) Jahren. „Ältere Eltern“ bezog sich hier also immer nur auf die im Vergleich jüngeren Mamas uns Papas. Entscheidend scheint vor allem das Alter der Mutter zu sein. 

Und was heißt das jetzt?

„Es ist möglich, dass reifere Eltern seltener auffällige Kinder haben, weil sie über ein höheres Bildungsniveau verfügen“, so Dorret Boomsma, Professor für biologische Psychologie und Verhaltensgenetik in Amsterdam. (Dem zugrunde liegt die Annahme, dass ältere Eltern erst später Kinder bekommen, weil sie vorher länger in der Ausbildung waren und erst später ins Berufsleben eintraten.)

Die ebenfalls an der Studie beteiligte Statistikerin Mariëlle Zondervan-Zwijnenburg ergänzt: „Ältere Eltern könnten durch mehr Lebenserfahrung einen besseren Erziehungsstil entwickelt haben, der sensibler auf das Kind eingeht und mehr Struktur vorgibt.“

Allerdings sind auch ganz andere Erklärungen denkbar. Vielleicht bekommen eher zurückhaltende, nachdenkliche Menschen später im Leben Kinder – und geben diese Eigenschaften an ihre Kinder weiter. Mit dem Alter hätte das dann gar nichts zu tun.

Möglicherweise sind die Unterschiede zwischen den Kindern ja auch gar nicht so groß. Unter anderem wurden die Eltern selbst befragt, nicht gerade eine objektive Quelle. Vielleicht haben die Älteren Auffälligkeiten ihrer Sprösslinge gar nicht so wahrgenommen – etwa weil sie gelassener sind. Oder „dankbarer“, dass es überhaupt noch geklappt hat.

Wie man sieht, besteht hier noch Forschungsbedarf.

Aber brauchen wir die Ergebnisse überhaupt?

Wie seht ihr das: Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht wie die Befragten? Ganz andere? Ich persönlich denke: Leben verlaufen unterschiedlich. Kinder zu bekommen ist nun einmal keine exakte Mathematik, und vieles lässt sich einfach nicht planen.  Für mich ist deshalb jeder Moment der richtige, in dem sich die Eltern bereit dafür fühlen. 

Jana Stieler

Ich lebe mit Mann und Sohn im Süden Hamburgs – am Rande der Harburger „Berge“ (Süddeutsche mal kurz weghören: Der höchste Punkt misst immerhin sagenhafte 155 Meter ü. M.). Wenn ich nicht gerade einen Text verfasse, liebe ich Outdoor-Abenteuer mit meiner Familie, lange Buch-Badewannen-Sessions mit mir allein und abendliches Serien-Binge-Watching.

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